Dienstag, 5. September 2017

Gegen Feminismus, für Frauenrechte?

Im Netz findet sich unter dem Namen „radikal feminin“ ein neuer Blog von zwei Studentinnen aus Tübingen, die sich dort für Rechte von Frauen, aber bewusst antifeministisch positionieren.
Ich mag die bisherigen Texte und finde es interessant, aber sehr schade, dass man bewusst versuchen muss, sich vom Feminismus abzugrenzen. Genau das schrieb ich auch auf Twitter, wobei es zur folgenden Diskussion mit aranxo kam, auf die ich hier eingehen möchte:


Miria: „Warum muss man sich antifeministisch positionieren, wenn man doch für die Rechte der Frau ist?“

Aranxo: „Der Feminismus hat nicht das Monopol, wenn es um das Eintreten für Frauenrechte geht.“

Miria: „Es geht darum, dass Feminismus sich eben auch für Frauenrechte einsetzt und in der Vergangenheit viel erreicht hat. Wenn man jetzt ein positives Projekt für Frauen macht, sich dagegen zu positionieren, finde ich schade.“

Aranxo: „Feminismus ist halt mehr als nur das Eintreten für Frauenrechte. Es ist eine Ideologie, die z.B. an die Existenz eines Patriachats glaubt.

Miria: „Nicht jede Feministin tut das! Es gibt viele unterschiedliche Strömungen. Ich habe z.B. einen feministischen Blog und Patriarchat gibt’s da nicht.“

Aranxo: „Dass Männer Frauen unterdrücken wollen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass nur Mutter sein minderwertig ist. Das sind so Glaubenssätze des modernen Feminismus, die man nicht glauben muss, um für Frauenrechte zu sein.“


Daraufhin habe ich erklärt, die Diskussion würde ich lieber auf dem Blog fortführen, da Twitter nicht das richtige Medium sei, deshalb jetzt dieser Artikel.
Ich werde jetzt zunächst auf jeden der einzelnen Punkte, die Aranxo angesprochen hat eingehen und hoffe, dass sich dann möglicherweise eine interessante Diskussion in den Kommentaren ergibt.

1.       Patriarchat
Das Wort kommt aus dem griechischen und bedeutet erstmal so viel wie Vater oder Stammesvater. Beim Patriarchen handelte es sich also um denjenigen, der Macht und Besitz hat. Später bezeichnete man auch Systeme so, in denen es vor allem um die Erbfolge ging. D.h. Besitz und Finanzielles wurde immer ausschließlich vom Mann an die männlichen Nachfahren vererbt und mit Besitz war einerseits natürlich Verantwortung, aber andererseits auch Macht verbunden.
Aus der Situation entwickelte sich eine Gesellschaf, in der Frauen und Männer unterschiedliche Aufgaben hatten, in erster Linie auch aufgrund biologischer Grundlagen, da es für eine Frau natürlich klar war, dass sie Kinder bekommt und in der Zeit mehr Schutz und wenig körperliche Belastung braucht.
Andererseits bedeutete das nicht, dass generell alle Männer mehr Macht hatten als alle Frauen, da die Ehefrauen der mächtigen Männer (Gutsherren, Fürste etc.) natürlich sehr viel mehr Macht hatten als ärmere Männer, die als einfache Arbeiter auf dem Feld standen. Auch hatten die Frauen oft die Weisungsbefugnis über die Angestellten im Haus während der Mann die Belange außerhalb vertrat.
Heutzutage wird das Wort Patriarchat in der Soziologie vor allem verwendet, um ein „System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird“ (Wiki
), bezeichnet. In dem Punkt fangen die Probleme an, da es haufenweise linke und linksextreme Personen gibt, die diese Bezeichnung für unsere Gesellschaft verwenden, aber keine Belege dafür liefern können. Ich habe in einem „Treff für Frauen“ mal die Anwesenden gefragt, ob wir in einem Patriarchat leben und wenn es bestätigt wurde (was leider häufig der Fall war), habe ich nach Belegen gefragt. Da kam leider nur heiße Luft wie die Aussage, dass Männer sich mehr Platz nehmen würden in der Bahn (breitbeinig sitzen) oder wenn man in der Fußgängerzone einem Mann entgegen kommt, würde die Frau immer ausweichen etc. Alberner Kindergarten meiner Meinung nach. Aber diese Menschen sind nicht diejenigen, die das vertreten, für das der Feminismus ursprünglich steht. Es sind diejenigen, die nicht selber denken, sondern nur das nachplappern, was sie irgendwo (meist in irgendwelchen komischen Genderseminaren) hören.

2.       Männer wollen Frauen unterdrücken
Ja, natürlich gibt es Männer, die Frauen unterdrücken wollen. Sicher gibt es auch Frauen, die Männer unterdrücken wollen. In der Allgemeinheit würde ich dem aber nicht zustimmen. Da sollte man wohl bei jedem individuell schauen, ob derjenige gerne jemanden unterdrückt! Und das Feministinnen generell davon ausgehen, Männer wollen Frauen unterdrücken ist auch wieder nur bei dem linken (und häufig radikalisierten Teil der Fall). Die Aussage, dass Männer Frauen unterdrückt haben im Bezug auf die Geschichte ist allerdings häufig im Feminismus vertreten. Und diese Aussage kann unter Bestimmten Aspekten auch als richtig betrachtet werden. Da es einfach Fakt ist, dass Männer in der Vergangenheit mehr Rechte hatten als Frauen und die Gesetze in erster Linie von Männern entschieden wurden, kann man schon davon ausgehen, dass diese Frauen unterdrückten. Das aber auf die heutige westliche Gesellschaft zu übertragen empfinde ich als falsch. Heutzutage haben wir in den meisten Bereichen eine Gleichberechtigung erreicht und es wird nicht pauschal ein Geschlecht unterdrückt/benachteiligt. Gerade, dass wir heute eine solche Gesellschaft haben, in der auch Frauen die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten haben, haben wir dem Feminismus zu verdanken. Wenn man sich jetzt antifeministisch positioniert, positioniert man sich gegen diese Errungenschaften.

3.       Es gibt mehr als zwei Geschlechter
Dies ist eine These, die vermehrt in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit kam. In erster Linie liegt es darin begründet, dass man bestimmte Merkmale für das jeweilige Geschlecht festgelegt hat: Chromosome, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hormone. Und im Zuge der Forschung hat man festgestellt, dass es Menschen gibt, die in diesen Merkmalen nicht eindeutig einem der Beiden Geschlechter zuzuordnen sind. Prominentes Beispiel war die Läuferin Casta Semenya.
Die Frage, ob es jetzt zwei oder mehrere Geschlechter gibt, ist meiner Meinung nach einfach eine Definitionssache: entweder man benennt jede Art der Abweichung als eigenes Geschlecht oder man definiert diese eben einfach als Abweichung. Für mich selber ist die Frage ehrlich gesagt wenig relevant, da es hier tatsächlich nur eine Definitionssache ist und man sich einfach auf etwas einigen muss. Außerdem kenne ich im näheren Umfeld keine Person, die sich selbst nicht entweder als Mann oder Frau bezeichnen würde.

4.       Nur Mutter sein ist minderwertig!
Das ist ein Punkt, gegen den ich mich selbst auch immer vehement ausspreche! Ich finde, dass sollte jedes Paar individuell entscheiden. Ich selbst würde meine Kinder aufwachsen sehen wollen und mich um die Erziehung der Kinder kümmern statt sie möglichst früh fremdbetreuen zu lassen. Feminismus steht auch hier für Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit! Diejenigen, die Frauen dafür fertig machen, dass sie sich eine zeitlang nur um ihre Kinder kümmern wollen, sind keine Feministinnen (auch wenn sie sich gerne selbst so bezeichnen), diese wollen das eine vorgeschriebene Modell, in dem die Frau selbst nichts zu entscheiden hat, gegen eine anderes austauschen, in dem sie selbst nichts zu entscheiden hat, sondern möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Auf dem eingangs verlinkten Blog scheint das Problem aber auch zu sein, dass man sich antifeministisch positioniert, da man die Meinung vertritt, dass Feministinnen alle Frauen als Opfer sehen und sie sich selbst eben nicht so sehen.
Ich selbst habe immer wieder betont, dass es darum gehen sollte, Frauen zu bestärken, ihnen dazu zu verhelfen, selbstbewusst zu sein statt sie weiter als armes Opfer zu betrachten und noch mehr in irrationale Ängste zu treiben.
Immer wenn ich irgendwelche Artikel sehe, die genau das tun (traurigerweise im Namen des Feminismus) habe ich mich deutlich dagegen positioniert. Denn Frauen als Opfer zu betrachten und kleinzuhalten ist alles andere als feministisch! Zwei Artikel von mir, in denen ich mich eindeutig gegen diesen Opferkult ausgesprochen habe, sind beispielsweise die folgenden:

 

Ich habe mich auf dem Blog „radikal feminin“ mal umgesehen und bei den meisten Texten kann ich zustimmen bzw. sehe es sehr ähnlich. Daher erwähne ich den Blog auch hier, da ich das Projekt an sich mag, lediglich mit der „antifeministischen“ Positionierung ein Problem habe.
Nachdem ich allerdings die Kurzbiografien der Autorinnen gelesen habe, ist das für mich durchaus nachvollziehbar, dort findet sich:

„Sich mit feministischen und Gendertheorie betreffenden Texten auseinanderzusetzen ist Teil meines Studiums. Darauf hatte ich mich zu Beginn sogar aufrichtig gefreut. Einige Semester unter Judith-Butler-Jüngern und etwas Lebenserfahrung später war klar: Feminismus wird die Probleme unserer Gesellschaft nicht lösen, sondern ist selbst eines davon!“

In solchen Veranstaltungen lernt man wenig über Feminismus, aber viel zu viel über die linksradikale Fratze desselben. Die Leute nennen sich Feministen und verbreiten dort häufig vermutlich die ähnlichen Thesen, die Aranxo oben bereits erwähnt hat. Und mit Fakten und Meinungsfreiheit hat man dort auch ein Problem. Ich selbst habe einfach aus Interesse mal eine Ringvorlesung aus dem Genderbereich besucht und das hat mir schon gereicht: Dort wurde ohne Problem die Lüge verbreitet, Frauen würden im gleichen Beruf 23% weniger verdienen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits die ganze Studie gelesen und wies die Professorin darauf hin, dass sich das nicht auf den gleichen Beruf bezieht – schon das schien sie nicht zu wissen. Die Lehrenden übernehmen unterfragt populistisches Geschwätz und die meisten Studenten tun dasselbe. Wenn man damit die ganze Zeit konfrontiert wird, dann kann man vermutlich gar nicht anders, als sich eindeutig dagegen abgrenzen zu wollen – würde zumindest jeder vernünftige Mensch machen.

Schade, dass das der erste Kontakt mit dem Feminismus war, schade dass die Autorinnen sich nicht auch außerhalb der Uni über den Feminismus und seine Geschichte umfangreich informiert haben, dann wäre auch klar: Feminismus will Gleichberechtigung und selbstbewusste Frauen! Frauen sind keine hilflosen Opfer und sollen ihr Leben selbst gestalten!
 
Ich sehe mich als Feministin, weil ich den Grundgedanken des Feminismus richtig und wichtig finde. Und ich kann mich auch trotzdem so bezeichnen, obwohl ich in der Einstellung nichts gemeinsam habe mit denjenigen, denen die Autorin an der Uni begegnet ist. Aber wie ich mir meine Sprache und meine Symbole nicht von irgendwelchen Nazis wegnehmen lassen möchte, so möchte ich mir auch den Feminismus nicht von irgendwelchen Linksradikalen wegnehmen lassen! Ich finde es wichtig, dass der Feminismus auch in seiner ursprünglichen Bedeutung gesehen wird!

Kommentare:

  1. "für Rechte von Frauen, aber bewusst antifeministisch positionieren."

    :D
    Ein netter Widerpruch in sich.^^

    "finde es interessant, aber sehr schade, dass man bewusst versuchen muss, sich vom Feminismus abzugrenzen."

    Es ist halt sehr chic, sich trotz aller eventuell vorhandenen feministischen Positionen erstmal vom Feminismus selbst (oder das was man dafür hält) abzugrenzen.
    Hab ich schon oft beoabchtet und finde das offen gesagt sehr feige und auch langweilig.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ":D
      Ein netter Widerpruch in sich.^^"

      Nein. Wenn die überwiegende Mehrheit unter "Teekessel" ein "Tier mit einem Rüssel" versteht, ein Lexikon aber behauptet, es wäre "ein Gefäß zum Erhitzen von Wasser", dann ist der Widerspruch nicht "in sich", und ich würde mich bewusst gegen eine Position stellen. (Sofern mich das interessieren würde.)

      Gleichermaßen wenn unter dem Namen "Gerechtigkeitsismus" jede Menge Ungerechtigkeit verbreitet würde, würde ich den Namen und die Definition als tönern und perfide ablehnen. Der Widerspruch ist dann nicht innerlich, sondern darin dass Name und Realität nicht zueinander passen.

      Wenn nun also "Feminismus" empirisch/tastächlich weitgehend fehlgeleitet ist, die Mehrheit dessen was unter dieser Bezeichnung geschieht falsch ist, macht eine Ablehnung mehr Sinn, als sich diesem Begriff anzuschließen und zu versuchen die fehlgeleiteten zu reformieren. (Nicht alle "feministischen" Gedanken sind gänzlich falsch, noch sind es alle "Feministinnen.) Am Rande bemerkt, der moderne Widerspruch ist schon im Ursprung angelegt. Feminismus war grundlegend darauf angelegt die speziell die (vermeintlichen) Nachteile von Frauen zu beseitigen um (vermeintliche) Gleichberechtigung/Fairness zu erreichen. Wie auch im Namen hat sich das kaum transformieren lassen.

      Löschen
  2. ad "Patriarchat" setze ich eigentlich mal voraus, dass die (feministischen) PC-Blockwartmentalität der Wikipedia diese hier als Quelle verbietet - Details (und eine kulturhistorische Aufarbeitung des Patriarchatsbegriffs) hier: https://sciencefiles.org/2012/06/11/patriarchat-wikipedia-wissenschaftliche-lauterkeit-und-was-patriarchat-nun-wirklich-ist-und-nicht-ist/

    Zum Rest: Der Feminismus in seiner heutigen Form besteht zum weitaus größten Teil aus jammernden, maulenden, fordernden, selbstmitleidigen Solipsisten, die von ihrem Operstatus zu leben versuchen und *keinerlei* Verantwortung für irgendwas übernehmen wollen. Sich von solchen Leuten zu distanzieren ist - mei - ganz vernünftig, oder? Es ist zudem nichtmal nötig, das "bewusst zu versuchen", das geht eigentlich von ganz alleine, wenn man was vernünftiges schreibt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Lolli:
      "Der Feminismus in seiner heutigen Form besteht zum weitaus größten Teil aus jammernden, maulenden, fordernden, selbstmitleidigen Solipsisten, die von ihrem Operstatus zu leben versuchen und *keinerlei* Verantwortung für irgendwas übernehmen wollen. Sich von solchen Leuten zu distanzieren ist - mei - ganz vernünftig, oder?"

      Dem stimme ich zu. Allerdings sollte man den Feminismus eben nicht auf solche Personen wie von dir beschrieben beschränken, sondern vor allem auch die Geschichte des Feminismus und seine Errungenschaften im Blick halten.
      Ich denke beispielsweise, dass ich mich mit meiner Einstellung und meinen Texten nicht nur einmal deutlich von diesen Personen distanziert habe. Aber der geschichtlich gesehene Grundgedanke des Feminismus ist wichtig und richtig!
      Ich möchte mich eben nicht von der gesamtgeschichtlichen Entwicklung des Feminismus/der Frauenbewegung distanzieren, sondern bewusst machen, dass die Idee und die Eigenschaften positiv sind!
      Wenn ich mich jetzt als Antifeminist bezeichnen würde, würde es aber genau das implizieren.
      (nebenbei: vor knapp zehn Jahren hatte ich tatsächlich auch mal ein antifeministisches Blog - bevor ich mich inhaltlich eben groß damit befasst habe).

      Ich glaube auch, dass ich mit vielen in der Einstellung den Autorinnen von radikal feminin konform gehe, ich finde lediglich schade, dass man die geschichtliche Entwicklung völlig außen vor lässt!

      Löschen
  3. MMn ist der Begriff Feminismus kommunikativ verbrannt. Ohne einen Vorsatz wie Gleichheits-, Gender-, Butler-, Schwarzer- oder sonstwie präzisierend weiß man schlicht nicht, was damit gemeint ist, weder bzgl. der theoretischen Grundlagen (sofern überhaupt vorhanden) noch bzw. der praktischen Konsequenzen, z.B. in der Politik. Ein gutes Beispiel ist der Hickhack zwischen Schwarzer und Butler vor kurzem.

    Das überträgt sich analog auf den Begriff Antifeminismus bzw. Feminismuskritik. Dein Feminismus und der Feminismus im Antifeminismus von radikalfeminin.wordpress.com sind verschieden, deshalb ist ".. habe mich auf dem Blog "radikal feminin" mal umgesehen und bei den meisten Texten kann ich zustimmen bzw. sehe es sehr ähnlich" kein Widerspruch. Feminismus ist wie ein Zoo, da drin sind Kamele und Elefanten. Du bist FÜR Kamele, die Radikalfemininen GEGEN Elefanten, trotzdem seid ihr euch ziemlich einig.

    AntwortenLöschen