Donnerstag, 28. September 2017

Filterblasen

Unterschiedliche Meinungen, Diskussion, Kontroversen, Kompromisse, Toleranz – das alles sollten Bestandteile einer offenen Debatte sein. Selbst offline sehe ich immer mehr, dass Menschen sich abschotten und nur mit Menschen gleicher Meinung in ihrer eigenen Gruppe bleiben. Nach der Bundestagswahl posten mehr und mehr Leute in den sozialen Netzwerken, dass sie sich von Freunden im Netz und auch im realen Leben verabschiedet haben, weil diese die AfD gewählt haben. So etwas finde ich ziemlich schockierend. Freunde such ich mir doch nicht ausschließlich nach der politischen Meinung aus. Ein Freund, der so handelt, war vermutlich nie ein wirklicher Freund! Eine Freundschaft sollte auch unterschiedliche Meinungen aushalten. Ich selbst hatte ja vor kurzem in einem Text geschrieben, dass ich die Befürchtung habe, eine Freundin aufgrund politischen Engagements evtl. zu verlieren. Allerdings hatten wir schon immer unterschiedliche Meinungen und eine Wahlentscheidung wäre lange nicht ausreichend, um unsere Freundschaft auseinander zu reißen.
Vermutlich ist es für viele (möglicherweise eher sensible) Personen einfacher und leichter, sich nur in einem Umfeld zu bewegen, bei dem es keinen Widerspruch, keine unterschiedlichen Meinungen und keine Kontroversen gibt. So orientiert man sich bei privaten Kontakten nur innerhalb einer bestimmten Gruppe, schottet sich ab, bestätigt sich gegenseitig in der eigenen Meinung!
Auch in anderen Kontexten habe ich diese Gruppen viel im privaten gesehen: Bestimmte Jugendkulturen wie Gothik oder Punk oder auch Musikstile. Ich habe einige Freunde, die sehr in der Deutschrock-Szene verwurzelt sind (Festivals, Konzerte, Fan-Treffen…) und viele von ihnen haben auch nur Freunde aus dem Bereich. Schwierig deren Idole zu kritisieren, denn alle anderen sind ja der gleichen Meinung. Schwierig ebenso, von anderen Musikstilen zu schwärmen, denn HipHop oder Rap ist hier sowas wie die AfD für die Linken.
Immer seltener sehe ich Menschen, die tatsächlich einen sehr heterogenen Freundeskreis haben, merke dass ich da eine große Ausnahme bin, was ich eigentlich wirklich sehr schade finde!
Wie sollen Diskussionen, Debatten, neue Erkenntnisse entstehen, wenn schon alle einer Meinung sind?
 
Online ist das ganze allerdings offensichtlich noch viel schlimmer: Auf Twitter gibt wie auch auf Facebook die Möglichkeit, Menschen zu blocken. Durch diese Funktionen produzieren einige auf Twitter ihre eigene Filterblase, in der wieder nur alle die gleiche Meinung haben. Ich bin ja erst seit kurzem auf Twitter, wurde aber schon oft von Menschen geblockt, einfach weil ich anderer Meinung  war.
 
Manchmal auch bereits vorsorglich, obwohl es gar keine Diskussion miteinander gegeben hat. Eine Person habe ich anschließend mal auf Facebook angeschrieben, da ich das blocken völlig unverständlich fand, denn der einzige „Kontakt“ auf Twitter war, dass ich ihren Tweet geliked habe (dort ging es darum, dass sie sich darüber geärgert hat, dass ein Politiker „autistisch“ als Beschimpfung verwendet hat). Ihre Antwort auf meine Frage, warum ich geblockt wurde, war sie hätte sich meine Timeline angesehen und festgestellt, dass sich dort Einstellungen befinden, mit denen sie nichts zu tun haben will. Ja, mein Gott, dann muss man mir eben nicht folgen… aber blocken? Wenn man jeden mit missliebigen Einstellungen und anderen Meinungen gleich blockt, damit man auch nicht mal zufällig etwas voneinander sieht, dann kreiert man sich eine unrealistische Traumwelt. Meine Vermutung ist sogar, wenn solche Leute abseits des Internets in der Realität mit anderen Meinungen konfrontiert werden, können sie damit nicht umgehen, nicht argumentieren. Und in der Realität kann man leider nicht blocken. Offline kann man sich nur aus dem Weg gehen, aber niemanden so aus dem Leben verbannen wie online. Und manchmal kann man einander sogar nicht einmal aus dem Weg gehen, wenn man beispielsweise beruflich miteinander zu tun hat. Man muss in der Realität eben auch mit den Meinungen anderer Leute klarkommen lernen, muss lernen, diese zu tolerieren oder ihnen zu widersprechen. Muss lernen, zu argumentieren und auch zu tolerieren.
 
Bei der sich immer weiter verbreiteten Abschottung einzelner Gruppen gegen fremde Meinungen, werden die eigenen Einstellungen und Meinungen immer nur gespiegelt und bestätigt, was dazu führt, dass diese mehr und mehr gefestigt werden – ohne Überprüfung. Sollte man dann zufällig mal außerhalb der eigenen Filterblase Kontakt haben, mit Menschen, die eben gegenteiliger Meinung sind, ist eine Diskussion äußerst schwierig, da man die eigene Meinung zwangsläufig für die richtige hält, denn das sieht ja „jeder“ so, und sich bisher nicht mit Argumenten auseinandersetzen musste.
Ich selbst handele übrigens genau gegenteilig und informiere mich bewusste aus unterschiedlichen Medien, setze mich bewusst mit Gegenargumenten auseinander bzw. mit unterschiedlichen Seiten bevor ich mir eine Meinung bilde. Genau das war beispielsweise auch der Grund, warum besagte Freundin die erste war, mit der ich über mein Engagement gesprochen habe (da mir ihre politische Einstellung ja lang bekannt ist), ich wollte von ihr genau die Gegenargumente und Belege dafür. Wollte meine Meinung überprüfen.
Ich überprüfe ständig meine Einstellung und Meinung im Kontakt mit Menschen, die andere Meinungen und Einstellungen haben. Möglicherweise ist das auch ein Grund, warum ich des Öfteren bei Twitter geblockt werde: Ich dringe in die Filterblasen von Menschen ein, die es sich dort wohlig eingerichtet haben, ganz ohne Gegenargumente und fremder Meinungen. Und das wollen diese Menschen nicht zulassen, sie können sich nicht mit Argumenten verteidigen, sondern nur mit Abschottung. Sie wollen sich gar nicht mit anderen Argumenten auseinandersetzen, sondern eigentlich immer nur Bestätigung für ihre eigene Meinung, die sie in der Filterblase ja auch zuhauf erfahren.
Meiner Beobachtung nach ist dies auch kein Phänomen einer bestimmten Gruppe, sondern zieht sich durch alle Gruppen von Menschen – egal, ob Feministen, Männerrechtler, linke oder rechte politische Einstellungen oder auch einfach nur Musikszenen etc.
Es ist eher ein Phänomen dessen, dass die Diskussionen sich von Offline immer stärker nach Online verschoben haben und man nicht mehr von Angesicht zu Angesicht miteinander spricht. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft wieder ändert, sonst befürchte ich leider, dass es immer weniger Diskussion, Kontroversen und Toleranz gibt. Der Blick über den eigenen Tellerrand fehlt, wenn der andere nur als „Gegner“ oder „Feind“ gesehen wird und aus Prinzip „böse“ ist, ist die Konsequenz irgendwann Streit (und das nicht im positiven Sinne) oder sogar Gewalt, denn gegen den „Feind“ wird diese gerne als angemessen angesehen. Diese Entwicklung bedauere ich und ich hoffe, dass zukünftig mehr Menschen sich aus ihren Filterblasen wagen und ihre eigene Meinung durch Argumente prüfen!

 

Montag, 25. September 2017

Amüsiert: Bundestagswahl 2017

Ja, auch ich möchte mal meinen Senf zum Thema Bundestagswahl äußern: Ich bin in erster Linie amüsiert. Amüsiert über das Ergebnis, aber noch viel mehr über die Reaktionen der Medien und Dauerempörten. Amüsiert über die Reaktionen von Schulz, Merkel und den anderen Parteiangehörigen. Amüsiert über Frauke Petry und die AfD.
Manchmal sollte man manche Dinge vielleicht auch nicht zu ernst nehmen. Und ich bin tatsächlich lieber amüsiert als schockiert oder erfreut.
Irgendwie bin ich auch ganz froh, dass ich nicht gewählt habe, sonst hätte ich mich ja entscheiden müssen und bei mir standen drei Parteien in der engeren Auswahl.
Die AfD ist mit fast 13 Prozent in den Bundestag eingezogen und ein bisschen bin ich ja darüber doch erfreut. Es hätte jetzt nicht zweistellig sein müssen, aber dass die AfD im Bundestag ist, gefällt mir. Denn es gab in den letzten Jahren keine Opposition, keine Diskussion und die Regierung konnte machen, was sie wollte. Durch eine Partei, die eine tatsächlich andere Meinung mit einbringt, entsteht endlich wieder Diskussion und genau das ist es, was die Demokratie ausmacht: Meinungspluralität und Kompromisse. All denjenigen, die in dem Einzug der AfD in den Bundestag eine Gefahr für die Demokratie sehen, möchte ich gerne an den Kopf schmeißen, das es eine Stärkung der Demokratie ist.
Ein weiterer interessanter Teilaspekt ist das Wahlergebnis in Sachsen: Hier hat die AfD sehr knapp vor der CDU die meisten Stimmen erhalten. Interessant nicht nur in dem Punkt, da medial Sachsen ja sowieso als rechte Hochburg gilt. Was ich wirklich gerne genauer wissen würde, wäre wie die Demonstrationen und Kundgebungen von PEGIDA die Entscheidung der Leute beeinflusst haben. Wenn man hier einen Zusammenhang feststellen könnte, wäre es ein eindeutiges Zeichen, dass Demonstrationen und ähnliche Mittel doch etwas bewirken können. Dabei ist es erstmal völlig egal, um welche Demonstrationen es geht. Es zeigt nur, dass so etwas nicht sinnlos ist. Ich habe die starke Vermutung, dass das in Sachsen tatsächlich der Fall war, hätte dazu aber gerne wissenschaftliche Untersuchungen – jemand Interesse? ;)
 
Eigentlich hat es die aktuelle Regierung in der Hand wie sich die Stimmung im Land und damit die Chancen der AfD entwickeln: Wenn die Politik so weiterläuft wie die letzten Jahre und die CDU versucht die SPD links zu überholen, dann wird die AfD bei den nächsten Wahlen vermutlich weitaus besser abschneiden und die SPD völlig untergehen, da sie sich alle Theman hat klauen lassen. Für die SPD ist es aktuell tatsächlich das Beste in die Opposition zu gehen, um ihr eigenes politisches Profil in Abgrenzung zur CDU wieder zur stärken.
Und die CDU täte gut daran, ihr konservatives Profil zu stärken, um nicht weitere Wähler an die AfD zu verlieren. Wenn es tatsächlich eine Regierungskoalition mit FDP und Grüne gibt (was aktuell als einzig gangbare Koalition gehandelt wird), wird es spannend in der nächsten Regierungsphase.
 
Besonders amüsiert bin ich auch über die vielen „toleranten und weltoffenen“ Menschen, die im Kampf gegen die AfD die Anwendung faschistischer Methoden nicht nur legitimieren, sondern offen fordern, man solle als Kellner AfD Wähler nicht mehr bedienen, oder als Gastwirt des Lokals verweisen. Die offen fordern, die AfDler mögen sich kennzeichnen, damit sie wissen, wem sie auf der Straße ins Gesicht spucken oder aufs Maul hauen sollten. Auch dass bei der Wahlparty der AfD Polizeischutz nötig war, damit Menschen nicht verletzt wurden, zeigt eindeutige Tendenzen.
Und dann ist da immernoch der Mainstream der Meinung, die Faschisten seien bei der AfD zu suchen. Mit ihren läppischen paar Prozent werden sie Diskussionen anstoßen, aber mehr kann die AfD im Bundestag sowieso nicht erreichen. Und die faschistische Gefahr sehe ich zurzeit aufgrund solcher Aufrufe und Geschehnissen in der Zeit des Wahlkampfs eher bei den Gegnern!
 
 

Montag, 18. September 2017

„Als junge hübsche Frau, sollten sie doch eine linke politische Einstellung haben!“

Dieser Satz wurde mir neulich so ähnlich auf Twitter an den Kopf geworfen. Und auch auf den Vorwurf, dass es sexistisch Frauen aufgrund des Äußeren zu beurteilen, wurde mir nur entgegnet, ich solle mich doch über das Kompliment freuen!
Nein, danke!
 
Komplimente immer gerne, aber bitte nicht mit der Folge dann nicht ernstgenommen zu werden, denn nichts anderes bedeutet es, wenn man meine politische Einstellung aufgrund des Äußeren beurteilt, statt sich meine Meinungen und Argumente anzuhören! Allerdings muss ich sagen, dass der entsprechende Herr, sich dann dennoch auf eine Diskussion eingelassen hat. Wobei ich während der gesamten Diskussion immer das Gefühl hatte, er redet mit mir als hätte er ein kleines dummes Mädchen vor sich, dass er einfach nur von der „richtigen“ Meinung überzeugen muss. (Was letztendlich nicht funktioniert hat, da er sich in erster Linie an Strohmännern abgearbeitet hat.)
Dass das offensichtlich für viele nicht zusammengeht: Mein Äußeres (junge, hübsche Frau) und meine Meinungen habe ich bei Twitter schon des Öfteren zu hören bekommen. In einem anderen Fall war die Aussage schlicht, man glaube mir nicht, dass ich die Person auf meinem Profilbild sei, weil das nicht zu meinen Aussagen passt. (Tja, bin ich aber tatsächlich!)  
Sowas regt mich dann auf! Nicht, dass man mir online nicht glaubt, soll man doch, ist mir egal, ich kenne die Menschen ja nicht einmal in der Realität, sondern dass ich ständig aufgrund meins Äußeren beurteilt werde und mir bestimmte Ansichten unterstellt werden. Beziehungsweise wird mir die Fähigkeit abgesprochen selbst zu denken
 
Liebe Leute da draußen, stellt auch vor, auch junge hübsche Frauen können selber denken, sich eine eigene Meinung bilden und sind manchmal auch mal Arschlöcher (hier nehme ich mich selbst natürlich aus ;) ). Und solange ihr mich, meine Ansichten und Meinungen ernstnehmt, ist es auch kein Problem, mal ein ernstgemeintes Kompliment zu bekommen!
 

Mittwoch, 13. September 2017

Label

Mal vorweg, dieser Artikel beschäftigt sich mit meinen Überlegungen zu bestimmten Labeln, die man sich selbst gibt oder von anderen zugeschrieben bekommt. Ich selbst habe noch überhaupt keine abschließendes Ergebnis, sondern lediglich ein paar offene Gedanken und freue mich daher über weitere Anregungen und Überlegungen in den Kommentaren!

Mein Artikel zum Thema „Gegen Feminismus, für Frauenrechte?“ und der insgesamt damit entstandenen Diskussion, hat mich zu diesen Überlegungen gebracht. Feminismus ist häufig verknüpft und für viele automatisch gleichbedeutend mit der politischen Richtung links.
Ich selbst habe mich nie einem solchen politischen Label zugeordnet, vermutlich würde noch am ehesten Liberal und konservativ passen, aber das ist heute auch häufig mit Bedeutungen verknüpft, hinter denen ich nicht stehen kann.
Besonders interessant als Label für Selbstbezeichnungen sind in der Geschlechterdebatte: Feminist, Antifeminist, Maskulist, Männerrechtler, Frauenrechtler und in der politischen Debatte eben links und rechts.
Während wie erwähnt der Feminismus häufig automatisch mit links verknüpft wird, wird die Gegenbewegung des Maskulismus gerne mit rechts in Verbindung gebracht – nicht selten auch von deren Gegnern, um diese zu diskreditieren. (Wobei ich hier links und rechts als „neutrale“ Bezeichnungen ohne Wertung verwenden möchte, negativ wird es für mich erst, wenn es ins Extreme und Gewalttätige abrutscht.) Dann gibt es wieder einige Männerrechtler und/oder Maskulisten, die sich selbst davon abgrenzen und bewusst als links bezeichnen wie beispielsweise Arne Hoffmann, der auch die bekannte Seite Genderama betreibt.
 
Bei dem Blog radikal feminin, dass sich zwar positiv für die Rechte von Frauen, aber gegen den Feminismus positioniert, könnte es sich eben auch in Abgrenzung zum linken „Gender-Feminismus“ um einen „Feminismus von rechts“ (hier meine Zuschreibung, das Blog selbst definiert sich als antifeministisch) handeln. Da die Betreiberinnen eher im politisch rechten Spektrum Zuhause sind. Meine Vermutung war ja zuvor, dass man eben den Kontakt mit dem Feminismus nur durch das universitäre Umfeld hatte, welches heutzutage klar links geprägt ist. Das bedeutet häufig leider, dass von Annahmen Ausgegangen wird, in denen die Frau stehts als Opfer zu sehen ist. Die letzten Entwicklungen dieser Art des Feminismus schränken Frauen häufig mehr ein (bzw. wollen das) als dass sie empowernd und ermutigend sind. Und um dem etwas entgegenzusetzen kann man sich natürlich als „antifeministisch“ bezeichnen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man damit eben auch sich gegen den Feminismus generell stellt, der auch eine lange Geschichte von Kämpfen von Frauen für ihre Rechte und den Drang nach der Gleichberechtigung beinhaltet. Warum also Antifeminismus und nicht einfach als Entgegnung auf linken Feminismus, der Feminismus von rechts?!
 

 

Freitag, 8. September 2017

Freundschaft

Ich habe eine für mich sehr wichtige gute Freundin und aktuell die Befürchtung, dass diese Freundschaft zerbrechen könnte, da ich mich in einer Gruppe engagieren will, die ihr nicht passt.
Wir sind seit über 15 Jahren gut befreundet und auch Entfernungen konnten daran nie etwas ändern. Wir haben gleiche Ziele wie eine friedliche offene Welt, Gleichberechtigung und der Kampf für die Meinungsfreiheit, Toleranz etc., aber unterschiedliche Wege, auf denen wir meinen, das erreichen zu können.
Sie befindet sich in einem stark linken, feministisch radikalen Umfeld, mit dessen Aktionen und Veranstaltungen ich auch nicht immer konform gegangen bin. Aber ich habe es akzeptiert und ich weiß auch, sie gehört zu den Guten, die die Ziele einfach wirklich ernst meinen statt irgendwelcher Machtspielchen (was ich sonst leider in der linken Ecke häufig beobachten konnte).
Ich mag es stundenlang mit ihr zu Reden und zu diskutieren, gerne über Themen, in denen wir teilweise völlig unterschiedlicher Meinung sind. Denn sie ist eine der wenigen Personen, die nicht nur eine Meinung, sondern auch Argumente haben. Durch ihre Meinungen und Argumente erhalte ich in Gesprächen immer wieder neue Gedanken und Anregungen. Auch wenn ich mich meist nicht überzeugen lasse, hilft ein solcher Kontakt, um über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie wird mich nie von ihrer radikalen Einstellung überzeugen und ich werde sie sicher auch nicht von meiner Einstellung überzeugen – das will ich auch gar nicht, da ich gerade den Austausch mit gegenteiligen bzw. unterschiedlichen Meinungen wichtig finde. Weil sonst besonders die Linken immer sehr misstrauisch sind, ist es normalerweise äußerst schwierig, sachliche und ruhige Gespräche zu führen, wenn man selbst eine für denjenigen nicht genehme Meinung vertritt. Aber vielleicht hilft bei uns auch, dass wir einen gewissen feministischen Grundkonsens haben und uns bereits sehr lange kennen.

Wie bereits aus einem meiner letzten Artikel hervorging, plane ich nun, aktiv zu werden und nicht mehr alles hinzunehmen. Ich habe lange Zeit gedacht, dass man sowieso nichts ändern kann bzw. dies über Parteien und Parlamente probieren sollte und Gruppen wie Greenpeace oder Attac eher belächelt als geglaubt, dass diese ernsthaft etwas erreichen könnten.
Mittlerweile sehe ich das anders. Ich sehe leider keine Partei, mit der ich inhaltlich so sehr übereinstimme, dass ich mich bei ihr engagieren würde. Genauso wenig habe ich Lust auf einen langen Weg durch irgendwelche Instanzen bis man irgendwann mal etwas erreicht. Es geht viel mehr darum, die Menschen auf der Straße wachzurütteln, diejenigen dazu zu bekommen, nachzudenken über bestimmte Dinge. Genau das kann man aber nur machen, in dem man selbst aktiv wird. Ich weiß, dass es immer auch Gegenwind gibt und häufig Menschen, die eben anderer Meinung sind, aber ich will auch nicht mehr alles so ruhig hinnehmen wie ich es bisher getan habe!

Ich hoffe, dass meine Freundschaft nicht an meinem Aktivismus für eine (meiner Meinung nach) gute Sache zerbricht! Dass wir immer noch gemeinsam ins Café gehen und miteinander über alles reden können, auch wenn wir vielleicht bei Demonstrationen auf unterschiedlichen Seiten stehen!
Nicht ohne Grund war sie die erste Person, mit der ich über das Thema geredet und  um eine Meinung gebeten habe. Weil sie mir nach all der langen Zeit, den gemeinsamen Gesprächen und Erlebnissen auch einfach wirklich wichtig ist!

Dienstag, 5. September 2017

Gegen Feminismus, für Frauenrechte?

Im Netz findet sich unter dem Namen „radikal feminin“ ein neuer Blog von zwei Studentinnen aus Tübingen, die sich dort für Rechte von Frauen, aber bewusst antifeministisch positionieren.
Ich mag die bisherigen Texte und finde es interessant, aber sehr schade, dass man bewusst versuchen muss, sich vom Feminismus abzugrenzen. Genau das schrieb ich auch auf Twitter, wobei es zur folgenden Diskussion mit aranxo kam, auf die ich hier eingehen möchte:


Miria: „Warum muss man sich antifeministisch positionieren, wenn man doch für die Rechte der Frau ist?“

Aranxo: „Der Feminismus hat nicht das Monopol, wenn es um das Eintreten für Frauenrechte geht.“

Miria: „Es geht darum, dass Feminismus sich eben auch für Frauenrechte einsetzt und in der Vergangenheit viel erreicht hat. Wenn man jetzt ein positives Projekt für Frauen macht, sich dagegen zu positionieren, finde ich schade.“

Aranxo: „Feminismus ist halt mehr als nur das Eintreten für Frauenrechte. Es ist eine Ideologie, die z.B. an die Existenz eines Patriachats glaubt.

Miria: „Nicht jede Feministin tut das! Es gibt viele unterschiedliche Strömungen. Ich habe z.B. einen feministischen Blog und Patriarchat gibt’s da nicht.“

Aranxo: „Dass Männer Frauen unterdrücken wollen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass nur Mutter sein minderwertig ist. Das sind so Glaubenssätze des modernen Feminismus, die man nicht glauben muss, um für Frauenrechte zu sein.“


Daraufhin habe ich erklärt, die Diskussion würde ich lieber auf dem Blog fortführen, da Twitter nicht das richtige Medium sei, deshalb jetzt dieser Artikel.
Ich werde jetzt zunächst auf jeden der einzelnen Punkte, die Aranxo angesprochen hat eingehen und hoffe, dass sich dann möglicherweise eine interessante Diskussion in den Kommentaren ergibt.

1.       Patriarchat
Das Wort kommt aus dem griechischen und bedeutet erstmal so viel wie Vater oder Stammesvater. Beim Patriarchen handelte es sich also um denjenigen, der Macht und Besitz hat. Später bezeichnete man auch Systeme so, in denen es vor allem um die Erbfolge ging. D.h. Besitz und Finanzielles wurde immer ausschließlich vom Mann an die männlichen Nachfahren vererbt und mit Besitz war einerseits natürlich Verantwortung, aber andererseits auch Macht verbunden.
Aus der Situation entwickelte sich eine Gesellschaf, in der Frauen und Männer unterschiedliche Aufgaben hatten, in erster Linie auch aufgrund biologischer Grundlagen, da es für eine Frau natürlich klar war, dass sie Kinder bekommt und in der Zeit mehr Schutz und wenig körperliche Belastung braucht.
Andererseits bedeutete das nicht, dass generell alle Männer mehr Macht hatten als alle Frauen, da die Ehefrauen der mächtigen Männer (Gutsherren, Fürste etc.) natürlich sehr viel mehr Macht hatten als ärmere Männer, die als einfache Arbeiter auf dem Feld standen. Auch hatten die Frauen oft die Weisungsbefugnis über die Angestellten im Haus während der Mann die Belange außerhalb vertrat.
Heutzutage wird das Wort Patriarchat in der Soziologie vor allem verwendet, um ein „System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird“ (Wiki
), bezeichnet. In dem Punkt fangen die Probleme an, da es haufenweise linke und linksextreme Personen gibt, die diese Bezeichnung für unsere Gesellschaft verwenden, aber keine Belege dafür liefern können. Ich habe in einem „Treff für Frauen“ mal die Anwesenden gefragt, ob wir in einem Patriarchat leben und wenn es bestätigt wurde (was leider häufig der Fall war), habe ich nach Belegen gefragt. Da kam leider nur heiße Luft wie die Aussage, dass Männer sich mehr Platz nehmen würden in der Bahn (breitbeinig sitzen) oder wenn man in der Fußgängerzone einem Mann entgegen kommt, würde die Frau immer ausweichen etc. Alberner Kindergarten meiner Meinung nach. Aber diese Menschen sind nicht diejenigen, die das vertreten, für das der Feminismus ursprünglich steht. Es sind diejenigen, die nicht selber denken, sondern nur das nachplappern, was sie irgendwo (meist in irgendwelchen komischen Genderseminaren) hören.

2.       Männer wollen Frauen unterdrücken
Ja, natürlich gibt es Männer, die Frauen unterdrücken wollen. Sicher gibt es auch Frauen, die Männer unterdrücken wollen. In der Allgemeinheit würde ich dem aber nicht zustimmen. Da sollte man wohl bei jedem individuell schauen, ob derjenige gerne jemanden unterdrückt! Und das Feministinnen generell davon ausgehen, Männer wollen Frauen unterdrücken ist auch wieder nur bei dem linken (und häufig radikalisierten Teil der Fall). Die Aussage, dass Männer Frauen unterdrückt haben im Bezug auf die Geschichte ist allerdings häufig im Feminismus vertreten. Und diese Aussage kann unter Bestimmten Aspekten auch als richtig betrachtet werden. Da es einfach Fakt ist, dass Männer in der Vergangenheit mehr Rechte hatten als Frauen und die Gesetze in erster Linie von Männern entschieden wurden, kann man schon davon ausgehen, dass diese Frauen unterdrückten. Das aber auf die heutige westliche Gesellschaft zu übertragen empfinde ich als falsch. Heutzutage haben wir in den meisten Bereichen eine Gleichberechtigung erreicht und es wird nicht pauschal ein Geschlecht unterdrückt/benachteiligt. Gerade, dass wir heute eine solche Gesellschaft haben, in der auch Frauen die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten haben, haben wir dem Feminismus zu verdanken. Wenn man sich jetzt antifeministisch positioniert, positioniert man sich gegen diese Errungenschaften.

3.       Es gibt mehr als zwei Geschlechter
Dies ist eine These, die vermehrt in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit kam. In erster Linie liegt es darin begründet, dass man bestimmte Merkmale für das jeweilige Geschlecht festgelegt hat: Chromosome, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hormone. Und im Zuge der Forschung hat man festgestellt, dass es Menschen gibt, die in diesen Merkmalen nicht eindeutig einem der Beiden Geschlechter zuzuordnen sind. Prominentes Beispiel war die Läuferin Casta Semenya.
Die Frage, ob es jetzt zwei oder mehrere Geschlechter gibt, ist meiner Meinung nach einfach eine Definitionssache: entweder man benennt jede Art der Abweichung als eigenes Geschlecht oder man definiert diese eben einfach als Abweichung. Für mich selber ist die Frage ehrlich gesagt wenig relevant, da es hier tatsächlich nur eine Definitionssache ist und man sich einfach auf etwas einigen muss. Außerdem kenne ich im näheren Umfeld keine Person, die sich selbst nicht entweder als Mann oder Frau bezeichnen würde.

4.       Nur Mutter sein ist minderwertig!
Das ist ein Punkt, gegen den ich mich selbst auch immer vehement ausspreche! Ich finde, dass sollte jedes Paar individuell entscheiden. Ich selbst würde meine Kinder aufwachsen sehen wollen und mich um die Erziehung der Kinder kümmern statt sie möglichst früh fremdbetreuen zu lassen. Feminismus steht auch hier für Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit! Diejenigen, die Frauen dafür fertig machen, dass sie sich eine zeitlang nur um ihre Kinder kümmern wollen, sind keine Feministinnen (auch wenn sie sich gerne selbst so bezeichnen), diese wollen das eine vorgeschriebene Modell, in dem die Frau selbst nichts zu entscheiden hat, gegen eine anderes austauschen, in dem sie selbst nichts zu entscheiden hat, sondern möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Auf dem eingangs verlinkten Blog scheint das Problem aber auch zu sein, dass man sich antifeministisch positioniert, da man die Meinung vertritt, dass Feministinnen alle Frauen als Opfer sehen und sie sich selbst eben nicht so sehen.
Ich selbst habe immer wieder betont, dass es darum gehen sollte, Frauen zu bestärken, ihnen dazu zu verhelfen, selbstbewusst zu sein statt sie weiter als armes Opfer zu betrachten und noch mehr in irrationale Ängste zu treiben.
Immer wenn ich irgendwelche Artikel sehe, die genau das tun (traurigerweise im Namen des Feminismus) habe ich mich deutlich dagegen positioniert. Denn Frauen als Opfer zu betrachten und kleinzuhalten ist alles andere als feministisch! Zwei Artikel von mir, in denen ich mich eindeutig gegen diesen Opferkult ausgesprochen habe, sind beispielsweise die folgenden:

 

Ich habe mich auf dem Blog „radikal feminin“ mal umgesehen und bei den meisten Texten kann ich zustimmen bzw. sehe es sehr ähnlich. Daher erwähne ich den Blog auch hier, da ich das Projekt an sich mag, lediglich mit der „antifeministischen“ Positionierung ein Problem habe.
Nachdem ich allerdings die Kurzbiografien der Autorinnen gelesen habe, ist das für mich durchaus nachvollziehbar, dort findet sich:

„Sich mit feministischen und Gendertheorie betreffenden Texten auseinanderzusetzen ist Teil meines Studiums. Darauf hatte ich mich zu Beginn sogar aufrichtig gefreut. Einige Semester unter Judith-Butler-Jüngern und etwas Lebenserfahrung später war klar: Feminismus wird die Probleme unserer Gesellschaft nicht lösen, sondern ist selbst eines davon!“

In solchen Veranstaltungen lernt man wenig über Feminismus, aber viel zu viel über die linksradikale Fratze desselben. Die Leute nennen sich Feministen und verbreiten dort häufig vermutlich die ähnlichen Thesen, die Aranxo oben bereits erwähnt hat. Und mit Fakten und Meinungsfreiheit hat man dort auch ein Problem. Ich selbst habe einfach aus Interesse mal eine Ringvorlesung aus dem Genderbereich besucht und das hat mir schon gereicht: Dort wurde ohne Problem die Lüge verbreitet, Frauen würden im gleichen Beruf 23% weniger verdienen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits die ganze Studie gelesen und wies die Professorin darauf hin, dass sich das nicht auf den gleichen Beruf bezieht – schon das schien sie nicht zu wissen. Die Lehrenden übernehmen unterfragt populistisches Geschwätz und die meisten Studenten tun dasselbe. Wenn man damit die ganze Zeit konfrontiert wird, dann kann man vermutlich gar nicht anders, als sich eindeutig dagegen abgrenzen zu wollen – würde zumindest jeder vernünftige Mensch machen.

Schade, dass das der erste Kontakt mit dem Feminismus war, schade dass die Autorinnen sich nicht auch außerhalb der Uni über den Feminismus und seine Geschichte umfangreich informiert haben, dann wäre auch klar: Feminismus will Gleichberechtigung und selbstbewusste Frauen! Frauen sind keine hilflosen Opfer und sollen ihr Leben selbst gestalten!
 
Ich sehe mich als Feministin, weil ich den Grundgedanken des Feminismus richtig und wichtig finde. Und ich kann mich auch trotzdem so bezeichnen, obwohl ich in der Einstellung nichts gemeinsam habe mit denjenigen, denen die Autorin an der Uni begegnet ist. Aber wie ich mir meine Sprache und meine Symbole nicht von irgendwelchen Nazis wegnehmen lassen möchte, so möchte ich mir auch den Feminismus nicht von irgendwelchen Linksradikalen wegnehmen lassen! Ich finde es wichtig, dass der Feminismus auch in seiner ursprünglichen Bedeutung gesehen wird!