Mittwoch, 30. August 2017

"Mit dir brauch ich nicht diskutieren, du bist Nazi, Sexist, Rassits, homophob..."

Seit wann  sind Argumente eigentlich durch besagten Satz ersetzt worden? Wieso sind tatsächlich sachliche Diskussionen bei einigen Themen (zumindest online) nicht mehr möglich. Immer wieder entdecke ich in Onlinediskussionen, Blogs, Facebook etc. eben jenen Satz in verschiedenen Abwandlungen. Speziell betrifft das natürlich die folgenden Themen: Sexualität, Gleichberechtigung, Feminismus, Zuwanderung etc.
Und im Zusammenhang mit der aktuell bevorstehenden Bundestagswahl passiert das natürlich auch gerne im Bezug auf verschiedene Parteien: Die AfD ist rechts, die AfD ist Nazi! Wenn jemand bestimmte Standpunkte der AfD verteidigt oder sogar nur, wenn derjenige die (aus seiner Sicht auch falschen Standpunkte) nicht als Grund sieht, die AfD bzw. ihre Mitglieder gewalttätig anzugreifen. Ja dann wird schnell die Nazikeule geschwungen.
Mir ist die AfD ehrlich gesagt als Partei ziemlich egal: ich halte sie weder für so radikal, dass sie gefährlich sind, noch für so interessant, dass ich sie bei der kommenden Wahl wählen würde. Aber anhand dieser Partei bzw. entsprechender Diskussionen lässt sich gut das Problem in der aktuellen Diskussionskultur sehen. Ein Beispielkommentar unter einem Artikel von Spiegel online (Kommentar aus Facebook):

„Wer wie ein Nazi redet, der sich wie ein Nazi verhält, der darf sich nicht wundern, wenn er dann so genannt wird.
Einfach Geschichte.
Übrigens, die "Ich bin ja kein Nazi, aber..."Besorgtbürger können das ja auch immer gut....Wer nicht die AfD wählt, gehört ja immer gleich zur Antifa.
Also, hör auf zu heulen und steh zu deiner Gesinnung!

Hier wird sogar die Aussage, dass man kein Nazi sei als Beleg für eben diese Tatsache gesehen, und genau das kommt tatsächlich relativ häufig vor in solchen Diskussionen.
Dieses Zitat ist allerdings eher harmlos. Ich möchte aber hier jetzt nicht irgendwelche Beleidigungen zitieren und mich außerdem nicht auf die AfD beschränken, da es viele unterschiedliche Beispiele aus allerlei Bereichen gibt.

Auch ist mir selbst passiert, dass ich recht schnell als Nazi diffamiert wurde, als ich in einer angeblichen Philosophiegruppe in Facebook eine Diskussion zu eben diesem Thema: offene Diskussion, Toleranz und Meinungsfreiheit eröffnete. Einer der Kommentare lautete folgendermaßen:

„Es gibt aber dennoch Ansichten, die nicht tolerierbar sind. Die von Holocaust-Leugnern, radikalen und gewaltbereiten Nazis, fundamentalen Christen oder Muslimen etc.

Und hier habe ich widersprochen, da ich der Meinung bin, dass eine freie Gesellschaft auch das aushalten muss. Man sollte diesen Meinungen natürlich entschieden entgegentreten, aber ein Verbot finde ich falsch. Genauso finde ich auch das Verbot der Leugnung des Holocaust falsch. Jeder weiß, was damals passiert ist und jeder, der etwas anderes behauptet macht ziemlich deutlich, wessen Geistes Kind derjenige ist. Dafür braucht man kein Gesetz, welches sowieso nur dazu führt, dass diese Menschen ihre Meinung eben nicht öffentlich äußern, aber doch nicht dazu, dass es die Gedanken nicht gibt.
Und ab dem Punkt war ich dann natürlich Nazi… und das obwohl ich ganz deutlich nochmal geschrieben habe, dass ich eben nicht davon rede, dass jemand Gewalt anwendet, es geht lediglich um Meinungen bzw. Behauptungen.
Kleiner Auszug aus der Diskussion:

Ich: „Warum sind diese Ansichten deiner Meinung nach nicht tolerierbar? (es geht hier nicht um wirklich handfeste Gewalt, sondern nur um entsprechende Meinungen/Ansichten).
Und wo ziehst du die Grenze?

M.: „Weil die Leugnung des Holocaust eine schreckliche Diskriminierung ist und die Opfer des Holocaust verhöhnt. Durch den Holocaust mussten Millionen von Menschen ihr Leben lassen. Das zu leugnen ist nicht einfach nur eine "dumme" und historisch falsche Meinung, es zeigt Ingnoranz gegenüber der deutschen Geschichte und den daraus resultierenden Folgen. Radikale Nazis, fundamentale Christen und Muslime vertreten nicht einfach eine Meinung. Sie sind bereit dazu, ihre Ansicht auch notfalls mit Gewalt zu verbreiten und durchzusetzen.

Ich: „Warum sind die Opfer des Holocaust mehr wert als die Opfer anderer (Kriegs-)verbrechen? Dass jemand, der das leugnet, nicht ganz hell sein kann, steht auf einem anderen Blatt, aber ich finde das Verbot unsinnig und damit werden andere Opfer als weniger wichtig gesehen, denn deren Verbrechen zu leugnen ist keine Straftat...
Meinungen, die zu Gewalt führen zu verbieten ergibt ebenso wenig Sinn, denn Gedanken lassen sich erstens sowieso nicht verbieten und zweitens warum nicht die Grenze bei der Gewalt selbst ziehen?

M.: „Welche "anderen Opfer" werden denn tatsächlich als weniger wichtig angesehen? Aber wer leugnet denn z. B. den ersten Weltkrieg? Oder die RAF? Kein anderes Verbrechen in Deutschland wird so öffentlich herabgesetzt, wie der Holocaust. Deshalb wurde dem eine gesetzliche Grenze gesetzt.
Wieso die "Grenze nicht bei Gewalt ziehen"? Weil Gewalt schon früher beginnt und nicht rein in gewalttätigen Taten zum Ausdruck kommt.

(…) Die Diskussion ging dann noch weiter, welche anderen Verbrechen ähnlich schlimm wären bzw. ebenfalls geleugnet werden etc. Dann kam das Argument, es bräuchte eben eine klar definierte Grenze für Toleranz und diese bilde schließlich das BGB. Was die Diskussion, ob entsprechende Meinungen toleriert werden sollten aus meiner Sicht ad absurdum führte, da es offensichtlich nicht möglich war, Kritik an bestehenden Gesetzen zu üben. Außerdem wurde dann noch davon gesprochen, dass die Rechten so gefährlich seien und mordend durch Deutschland zogen, woraufhin ich erwähnte, dass es eben nicht zur Normalität in Deutschland gehört, dass Rechte reihenweise irgendwelche Menschen umbringen. Und dann kam diese Antwort:

M.: „Ja La Du verdrehst Tatsachen! Ich habe nicht von "reihenweise" gesprochen. Dennoch reichen diese Taten, um dagegen vorzugehen.
Ich glaube, du ignorierst (bewusst) die aktuelle politische Lage. Die Nationalsozialisten sind nicht so schwach, wie du versuchst hier darzustellen. Und ich sehe immer deutlicher die angesprochene "rechte" Tendenz. In deinem letzten Kommentar ist sie nicht mal mehr "subtil"...
Du verharmlost gerade schamlos die Taten des NSU etc. Merkst du das eigentlich? Für dich scheint es nicht so schlimm zu sein, dass jüdische Gemeinden noch immer polizeilichen Schutz brauchen und jüdische Kinder jeden Tag lernen, dass sie in Deutschland extrem vorsichtig sein müssen...
Sehr traurige Einstellung. Das hat nichts mehr mit objektiver Diskussion zu tun..

Daraufhin habe ich nur noch geantwortet wie perfekt sich hier die von mir erwähnte Intoleranz gegenüber anderen Meinungen zeigt, da versucht wird mich zu diffamieren, indem man mir Meinungen unterstellt, die ich nicht vertrete,und mich als „rechts“ diffamiert, anschließend aus der Diskussion verabschiedet.

Ich bin sicher weder Nazi noch Rassist, aber ich bin nun nicht mit jedem Gesetz in Deutschland einverstanden, das bezüglich der Holocaustleugnung gehört dazu. Allerdings wären andere Gesetze wie Einwanderung- und Asylgesetzgebung weitaus wichtiger anzugehen als das.

Ich möchte nicht mehr in jeder Diskussion, die spezielle Themen berührt oder streift mit dem Vorwurf „Nazi“, „rechts“ und „Rassist“ (egal, ob gegen mich persönlich oder gegen andere Kritiker) konfrontiert werden!
Ich möchte nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen und zuvor eine umfangreiche Recherche anstellen, ob es mal von Hitler gesagt wurde!
Ich möchte dass missliebigen Meinungen und Standpunkten mit Argumenten begegnet wird statt mit Beleidigungen und Diffamierungen!
Ich möchte eine offene, wirklich tolerante Gesellschaft und Diskussionskultur!

Mir macht diese Entwicklung Angst! Mir macht es Angst wie schnell bestimmte Gruppierungen in eine Ecke gedrängt werden und jedem, der im weitesten Sinne mit diesen sympathisiert geschadet wird! Mir macht es Angst, dass in einem offenen Raum wie dem Internet eine solch einhellige Meinung vertreten und kein Widerspruch geduldet wird! (speziell in Gruppen und auf verschiedenen Seiten werden solche Kommentare dann gelöscht, obwohl sie gegen kein Gesetz verstoßen)

Ich kann nicht mehr! Die zuvor gepostete Diskussion war der letzte Tropfen, der das Wasser zum Überlaufen gebracht hat! Ich bin kein Nazi, aber (hahah) mir ist es jetzt egal, ob irgendwer denkt, ich wäre einer! (Menschen die mich kennen, wissen es besser) Ich werde nicht mehr aufpassen und mich aus Diskussionen vertreiben lassen! Ich werde jetzt aktiv, nicht mehr nur im Netz, sondern auf der Straße! Ihr werdet meine Meinung hören und sehen – auch wenn es euch nicht passt! Noch sind nämlich nicht gesetzlich alle Meinungen verboten!

Montag, 21. August 2017

Frauen sollen in Berlin demnächst im Stehen pinkeln…

Wie die BZ berichtet, werden in Berlin zukünftig zu den Pissoirs für Männer Urinale für Frauen eingeführt, damit diese auch im Stehen pinkeln können.
Das Toilettenkonzept für Berlin aus dem Fachbereich Umwelt des Berliner Senats enthält neben Bestimmungen für Hygiene, Sicherheit etc. auch folgendes:

In Zukunft sollten Urinale, die von allen Geschlechtern benutzt werden können (vgl. Arbeitspaket 5, S.9), angeboten
werden.“

Mein erster Gedanke war: Warum zum Teufel?!
Es scheint in Berlin allerdings der Fall zu sein, dass es wohl mehr Urinale gibt als Toilettenkabinen bzw. an einigen Stellen in der Stadt nur Urinale vorhanden sind und keine Toilettenkabinen. Und das wird nun als ungerecht interpretiert, weil an diesen Stellen Frauen eben nicht die Möglichkeit haben, diese zu nutzen.
Aber warum man jetzt so einen Unsinn veranstaltet und Urinale für Frauen aufstellt, statt einfach noch ein paar Kabinentoiletten hinzu, ergibt für mich wenig Sinn. Vermutlich auch aus dem Punkt „WEIL HALT“.
Frauen beschweren sich ja sonst schon häufig darüber, dass sie sich nicht gerne auf öffentliche Toiletten setzen, da diese nicht besonders sauber sind. Ich kenne auch welche, die immer Papieraufleger für die Klobrille dabei haben, um diese nicht berühren zu müssen. Auch ich desinfiziere jede fremde Klobrille bevor ich mich auf diese setze. Als erstes hatte ich daher auch gedacht, dass das nun mit ein Grund wäre, warum Frauen gerne Urinale haben wollen. Die muss man schließlich nicht mit der Haut berühren.

Aber um das zu vermeiden gibt es ja auch noch die Hocktoiletten, wie sie häufig in südlichen Ländern wie Frankreich oder Italien vorkommen. Man hockt sich hin und hat so keine Berührung von Haut und Toilette.
Als in einem Bürgerzentrum in Köln  schließlich eine solche Toilette als zusätzliches Angebot eingebaut werden sollte (die sind kaum teurer als gewöhnliche Toilettenschüsseln), gab es gleich eine riesige Aufregung. Irgendein Idiot kam wohl auf die grandiose Idee, eine solche Hocktoilette als „kultursensible Toilette“ zu bezeichnen und diese auch noch im Zusammenhang mit muslimischen Mitbürgern zu erwähnen. Und da kommen natürlich gleich wieder die ganzen Spinner aus ihren Löchern, die alles muslimische auf alle Fälle vermeiden wollen.

Tatsächlich ist es so, dass in dem entsprechenden Zentrum viele verschiedene Angebote auch für Flüchtlinge gemacht werden und es aufgrund dessen zu der Idee kam, eine solche Toilette als zusätzliches Angebot einzubauen (während sowieso renoviert wurde). Das muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun haben, sondern kann einfach ganz praktisch sein, wenn ein Flüchtling eben eine Toilette vorfindet, die er angenehm, da aus der Heimat bekannt, findet. Und da es weiterhin ganz normale Toiletten gibt, kann ich die Aufregung auch nicht verstehen.
Würde es bei öffentlichen Toiletten dieses Angebot geben, wäre ich auch in Versuchung, eher die Hocktoilette zu nutzen aus bereits zuvor genannten Gründen.
Ich bin allerdings gespannt, ob die geplanten Urinale in Berlin tatsächlich von den Frauen angenommen werden.