Freitag, 26. Mai 2017

Leistungswahn?

Ich bin vor kurzem über einen Artikel auf Edition F gestolpert: „Leistungswahn amWochenende: Power dich aus, bis zu zusammenbrichst!“. Ist ja erstmal schön und gut, dass sich da jemand gegen einen „Leistungswahn“ ausspricht. Niemand sollte sich auch gerade noch am Wochenende stressen und unter Druck setzen, stattdessen sollte man sich entspannen, die Zeit mit angenehmen Dingen verbringen, die einem Spaß machen!
Aber da fängt das Problem mit dem Artikel schon an: Die Autorin scheint der Meinung zu sein, dass nur die Dinge, die ihr Entspannung bringen auch gut für andere sind und kritisiert deshalb die Hobbies anderer Menschen:

„Selbst auf Sardinien habe ich einen Jogger auf der Landstraße gesehen – bei 43 Grad im Schatten! „Junge, hau Dich an den Strand“, hätte ich am liebsten gerufen.“

Und warum sollte faul am Strand rumliegen jetzt so viel schöner sein, als joggen? Ich persönlich würde es schrecklich finden, den ganzen Tag nur rumzuliegen . Speziell im Urlaub, will ich mich bewegen, was erleben und was vom Land sehen. Und vermutlich würde ich auch viel lieber bei Sonnenaufgang am Strand joggen gehen als dort unter zigtausend Touristen im Sand zu liegen – das ist definitiv nicht das, was ich als entspannend empfinde.

Und weiter wird die folgende Frage gestellt:

„Was ist eigentlich los mit unserer Gesellschaft, dass wir glauben, auch  noch in der Freizeit Leistung erbringen zu müssen? Warum liegen wir – als so ungefähr die Privilegiertesten auf dem Planeten – nicht in der  Hängematte und chillen? Was müssen wir uns denn beweisen?“
 
Was ist eigentlich los mit der Autorin, dass sie glaubt, in der Hängematte zu chillen wäre für alle so unglaublich erstrebenswert? Warum ist sie der Meinung, dass man nicht auch im Laufen, Schwimmen, Radfahren und Berge besteigen seine Erfüllung und Entspannung finden kann? Was ist so schrecklich daran, wenn andere Menschen ihre Freizeit auf andere Art verbringen als die Autorin?
Fühlt sie sich selbst durch die Hobbies oder Erfolge anderer irgendwie unter Druck gesetzt, ebenfalls so sein zu müssen und versucht deshalb als Gegenpol die anderen aufzufordern, so zu sein wie sie ist. Wenn alle faul am Strand oder in der Hängematte rumliegen, muss man selbst sich in der Situation gar nicht mehr so schlecht fühlen.

Wenn ich aber einen Marathon laufen möchte, mich dabei oder bei meinem Training dafür gut fühle – laufen genieße und es entspann, dann möchte ich bitte auch nicht von anderen belehrt werden. Soll sie doch tagelang irgendwo rumliegen und dabei glücklich sein - und andere ebenfalls ihre Freizeit genießen lassen!

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