Donnerstag, 18. Mai 2017

§177: Seit 20 Jahren ist jede Vergewaltigung auch als solche strafbar

Noch bis in das Jahr 1997 war ein Vergewaltigung innerhalb der Ehe ebenso nicht als Vergewaltigung strafbar wie die Vergewaltigung eines Mannes. Diese beiden Punkte wurden vor heute zwanzig Jahren im Gesetz geändert.
Heute spielt es bei der Vergewaltigung keine Rolle mehr, ob die beteiligten Personen miteinander verheiratet sind oder nicht: Wer den Beischlaf vollzieht, obwohl die andere Person sich dagegen wehrte, musste seit 1997 damit rechnen wegen Vergewaltigung vor Gericht gestellt zu werden.
Aber dieser Bereich ist sehr schwierig zu be- und sicher auch zu verurteilen. Es gibt kaum Zeugen neben den beteiligten Personen und wer zeigt schon seinen eigenen Partner an.
Zahlen, wie viele Vergewaltigungen in der Ehe es seit 1997 tatsächlich zu einer Verurteilung gebracht haben, konnte ich leider auch nicht finden.
Sollte es sich also doch eher um eine Symbolpolitik handeln? Einerseits vermutlich schon, aber es ist ein wichtiges Symbol! Eines, was den Opfern zeigt, dass es nicht in Ordnung ist, was mit ihnen gemacht wird. Eines, das Kraft geben soll, aufzustehen und sich zu Wehr zu setzen! Eines, das zeigt: keiner muss es hinnehmen vergewaltigt zu werden – auch nicht innerhalb der eigenen Partnerschaft! Beischlaf ist keine Pflicht!

Es gibt auch Personen, die das Thema etwas anders beurteilen und diese Gesetzesänderung anscheinend für überflüssig halten wie beispielsweise Anne. Sie schreibt in ihrem Artikel zum Thema:

„Mit der Einführung der Strafbarkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ wurde staatlicherseits die Ehe abgewertet. Grundsätzlich geht es Außenstehende nämlich überhaupt nichts an, was Ehepartner im Rahmen ihrer Ehe miteinander treiben."

Mit dieser Auffassung würde man aber auch jegliche Gewalt legitimieren sofern sie innerhalb einer Ehe stattfindet. Und wenn ein Opfer dann gehen will, wird es eben eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt – aber den Staat geht das Ganze ja überhaupt nichts an!
Doch, der Staat ist in der Verantwortung, seine Bürger zu schützen und auch innerhalb einer Ehe, sollte jeder noch als eigenständiger schützenswerter Bürger wahrgenommen werden. Man gibt doch nicht seine Menschenrechte bei der Hochzeit ab!
 
Die erste Aussage wird allerdings ein klein wenig abgeschwächt dadurch, dass Anne auf die bereits vor 1997 bestehenden Gesetze verweist, die sexuelle Nötigung durchaus auch innerhalb der Ehe bestrafen.

Ich muss zugeben, dass ich Annes Sicht ein klein wenig nachvollziehen kann, da ich selber auch mal so bzw. ähnlich gedacht habe: Vergewaltigung innerhalb der Ehe ist doch unlogisch, da man ja einerseits sowieso gerne miteinander Sex hat und andererseits natürlich aus Liebe und Rücksicht dem anderen Gegenüber handelt (also nicht zum Sex zwingen bzw. auch mal dem Sex zustimmen, wenn man Selbst gerade nicht ganz so geil ist).
Und dieser Meinung bin ich eigentlich noch immer, aber eben nicht im Bezug auf die Ehe. Der Unterschied ist, dass das von mir genannte Verhalten das Übliche in einer glücklichen Partnerschaft zweier sich liebender Personen ist. Aber weder ist eine solche Partnerschaft an eine Ehe gebunden, noch bedeutet eine Ehe zwangsläufig glückliche Partnerschaft.
Ich denke daher: In einer glücklichen Partnerschaft kann es keine Vergewaltigung geben, innerhalb der Ehe (die vielleicht zu Beginn mal eine glückliche Partnerschaft war) allerdings schon.

Nicht alle Eheleute sind dauerhaft glücklich miteinander, so manch einer bleibt nur noch wegen der Kinder beim Partner, was nicht bedeutet mit diesem weiterhin Sex haben zu wollen. Auch möglich, dass ein Alkoholiker sich volltrunken dann gerne mal holt, was er denkt, dass ihm gehört – ohne Rücksicht. Es gibt viele denkbare Szenarien für eine Vergewaltigung in der Ehe, die in jedem Fall strafbar sein sollten.

Die Frage, die sich dann stellt ist natürlich, warum geht das Opfer nicht statt sich weiterhin diesen Zuständen auszusetzen? Die Antwort ist einerseits ziemlich einfach und simpel, aber andererseits für die Menschen in einer solchen Situation dennoch schwer zu ändern: Gewohnheit. Menschen hassen Veränderungen und Unsicherheiten und die jetzige Situation ist immerhin eine bekannte Situation, man muss nichts verändern. Außerdem hat man immer noch die Hoffnung, dass es vielleicht so wird wie früher. Nicht jeder Mensch hat einen so starken Charakter und das Selbstbewusstsein, dass er es schafft sich möglichst schnell aus einer solchen Beziehung zu lösen.
Leute wie Anne (oder auch ich selbst) hätten vermutlich die Kraft dazu, aber die Gesetze sind eben dazu da auch die Schwächsten zu schützen und das sind in solchen Situationen eben jene, die nicht die Kraft haben! Dafür braucht es dieses Gesetz: Um Täter und Opfer klar zu machen, dass das, was geschieht nicht in Ordnung ist und bestraft werden muss!

Es haben sich bereits weitere Blogger mit dem Thema auseinandergesetzt:

Kommentare:

  1. "Die erste Aussage wird allerdings ein klein wenig abgeschwächt dadurch, dass Anne auf die bereits vor 1997 bestehenden Gesetze verweist, die sexuelle Nötigung durchaus auch innerhalb der Ehe bestrafen."

    Tja, leider ist das falsch. Vor 1997 (also vor Zusammenlegung der Straftatbestände) regelte §178 die sexuelle Nötigung und dort findet sich ebenso wie im Paragraph zu Vergewaltigung das Wort "außerehelich". Lediglich als einfache Nötigung (§240) und uU Körperverletzung hätte man dies zur Anzeige bringen können.

    Es bleibt also festzuhalten, dass Anne nicht nur allgemein riesige Scheiße labert, sondern noch nicht mal leicht nachprüfbare Fakten auf die Reihe bekommt.

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    1. @Robin:
      "Es bleibt also festzuhalten, dass Anne nicht nur allgemein riesige Scheiße labert, sondern noch nicht mal leicht nachprüfbare Fakten auf die Reihe bekommt."

      Ja, möglicherweise war es ein Fehler von mir, das nicht nachzuprüfen, aber ich wollte mit dem Zitat lediglich zeigen, dass sie das doch nicht ganz so negativ zu meinen scheint, wie es zuvor den Eindruck gemacht hat (Abgabe der Menschenrecht bei der Hochzeit).

      Allerdings finde ich es nicht gut, dass du hier auf dem Blog versuchst, andere Blogger schlecht zu machen. Wenn du irgendein persönliches Problem mit Anne hast, dann klär das doch mit ihr auf ihrem eigenen Blog :)

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  2. "Es bleibt also festzuhalten, dass Anne nicht nur allgemein riesige Scheiße labert, sondern noch nicht mal leicht nachprüfbare Fakten auf die Reihe bekommt."

    Aw, akribisch.

    "Lediglich als einfache Nötigung (§240) und uU Körperverletzung hätte man dies zur Anzeige bringen können."
    Die sexuelle Nötigung war also als (einfache) Nötigung beziehungweise [ups] Körperverletzung strafbar. Das entspricht Annes Aussage, so wie du Miria zitiert hast. Da es nicht so leicht nachprüfbar ist, was du hier veranstaltest, frage ich dich: was veranstaltest du hier, Robin?

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    1. @Stephan:
      "Die sexuelle Nötigung war also als (einfache) Nötigung beziehungweise [ups] Körperverletzung strafbar. Das entspricht Annes Aussage, so wie du Miria zitiert hast. Da es nicht so leicht nachprüfbar ist, was du hier veranstaltest, frage ich dich: was veranstaltest du hier, Robin?"

      Stimmt so nicht bzw. Robin hat da schon recht: Es ist ein Unterschied, ob Nötigung oder sexuelle Nötigung. Ersteres wird geringer bestraft (kann z.B. auch das zu nahe Auffahren auf der Autobahn sein).

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    2. "Stimmt so nicht" Du lieber Gott, Miria, nicht du auch noch. Hey, versuch' es mit deiner Wortwörtlichkeits-Strategie. Ich spreche von "strafbar". Differenzierungen zu Strafrahmen und Wesensgehalt ("als solche") findest du unten. Du findest sie dort nicht als Korrektur, sondern im wesentlichen zur Klarstellung, dass es keiner Korrektur meiner Argumentation bedurfte.

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  3. Ich stelle Falschaussagen (oder Lügen) richtig. Vergewaltigung in der Ehe konnte nicht als Sexuelle Nötigung angeklagt werden, da auch Sexuelle Nötigung in der Ehe nicht justiziabel war. Und Sexuelle Nötigung und Nötigung sind nun mal getrennte Straftatbestände.

    Ich weiß, wahnsinnig schwer :)

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    1. Eher theatralisch kleinlich-ungenau (der Touch des Oymorons könnte nett sein). Nochmals, und merke bitte wo du widersprichst:

      (1) Sexuelle Nötigung war eine Form der Nötigung.
      (2) Nötigung war strafbar.
      (3) Aus (1) ergibt sich in Verbindung mit (2), dass Sexuelle Nötigung strafbar war.

      Nebenbei, mich interessiert deine Auffassung durchaus. Falls du es freundlich-wohlwollend (der Touch des Pleonasmus könnte nett sein) machen willst, schließe ich mich dem gerne an. Andernfalls nerve ich weiter mit Dingen die nett sein könnten.

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    2. Ich widerspreche mir nicht, ich nutze die korrekten juristischen Termini. Und mich interessiert deine Auffassung nicht.

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    3. "Ich widerspreche mir nicht, ich nutze die korrekten juristischen Termini."
      Das habe ich nicht mal in Frage gestellt. Es ändert (nämlich) nichts daran. Wenn du keinem der Punkte 1-3 widersprichst, diese als für unwahr/falsch hältst, dann hast du dich gegen eine Strohmann-Windmühle inszeniert, Bella Don.

      "Und mich interessiert deine Auffassung nicht."
      Dein Antworten widerspricht dir. Ein Desinteresse wäre nicht notwendig schlecht, wie immer man deinen Auftritt als streitsüchtiges Baby auch werten mag.

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    4. Korrektur: "diese als[o nicht] für unwahr/falsch hältst"

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    5. Dann nochmal ganz langsam für dich:

      1. nein, juristisch nicht zutreffend, da getrennte Straftatbestände.
      2. ja.
      3. nein.

      Mit derselben "Argumentation" könntest du übrigens auch Miria wegen diesem ganzen Beitrag ankacken. Ist doch laut deiner Logik Vergewaltigung eine Form der Nötigung, Nötigung strafbar und Vergewaltigung in der Ehe ergo strafbar. Was nur beweist, dass du überhaupt nicht verstehst, worum es hier geht.

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    6. "1. nein, juristisch nicht zutreffend, da getrennte Straftatbestände."

      Willst du ernsthaft die Abhandlung über Qualifikationstatbestände, Regelbeispiele, etc. (einschließlich Konkurrenzlehre)? Vereinfacht, nimm an es gibt den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nicht. Dann fällt eine "gefährliche Körperverletzung" unter den Tatbestand der normalen Körperverletzung. (Wir könnten auch darüber reden, ob beim Fehlen des "Raubes" eine solche Tat unter die Tatbestände Diebstahl plus Nötigung/Körperverletzung fällt.) Der Punkt ist, die Tat wäre strafbar. Es lässt sich darüber streiten, ob der Strafrahmen angemessen - hoch genug - ist, und ob der Wesensgehalt des Übels hinreichend erfasst wird. Das ändert nichts daran, das die Tat strafbar wäre. Und dies war die Behauptung, der du widersprochen hast.

      "Mit derselben "Argumentation" könntest du übrigens auch Miria wegen diesem ganzen Beitrag ankacken (...)."
      Amüsanterweise habe ich mich schlicht gegen deine falsche Tatsachenbehauptung gerichtet (etwas, das du eigentlich für dich in Anspruch genommen hast). Züge meiner eigenen wertenden Auffassung findest du unten. In der spreche ich mich für den speziellen Tatbestand aus. In Anbetracht dessen, dass Miria, soweit von mir gesehen, keine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt hat, und dessen, dass ich ihr in der Sache/Wertung nicht sonderlich entgegengesetzt bin, warum sollte ich sie "angreifen"? Deinem "Ankacken" schließe ich mich grundsätzlich nicht an. Das vereint einen Mangel an Ernsthaftigkeit mit schrillem "ernst-Nehmen"; zu dissonant und peinlich.
      Dessen unbenommen schätze ich, dass du auch in der Sache geantwortet hast; mich interessiert immer noch, worum es dir eigentlich geht, Robin.

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    7. Ich möchte keine Abhandlung, sondern eine einfache Einsicht in diesen simplen Fakt: Eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung konnte in der Ehe vor 1997 nicht als solche (!) bestraft werden, was aber, begeben wir uns mal ganz tief in den Sumpf, Anne in ihrem Originaltext eindeutig behauptet:
      "Selbstverständlich war z.B. Körperverletzung schon vor 1997 strafbar, und auch der Tatbestand der sexuellen Nötigung war innerhalb einer Ehe anwendbar."
      Genau das stimmt eben nicht: Der Tatbestand der Sexuellen Nötigung war innerhalb einer Ehe NICHT anwendbar. Und auf diese Zeile hat Miria rekurriert, auch wenn man ihre Formulierung mit viel guten Willen auch anders lesen könnte, wobei sich dann die Frage stellt, warum sie an der von mir zitierten Stelle "Sexuelle Nötigung" statt "Vergewaltigung" schreibt, denn nach deiner "Logik" wäre beides richtig. Ganz offensichtlich fehlt Anne schlicht die tiefere Einsicht in das Thema, was schon mal passieren kann, wenn man von anderen abschreibt.

      Und worum es mir hierbei geht? Natürlich ist das nicht nur ein ethisches Problem - eine Frau sollte nicht ihr Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung einbüßen müssen, nur weil sie heiratet - sondern auch ein juristisches. Wie bereits erschöpfend dargelegt kam ein Mann, der seine Frau vergewaltigte, auch vor 1997 nicht in jedem Fall straffrei davon - aber er konnte eben nur wegen einfacher Nötigung bestraft werden und nicht wegen sexueller Nötigung oder Vergewaltigung. Der Unterschied? Natürlich das Strafmaß und die juristische Einschätzung, denn eine Nötigung ist ein Vergehen, Vergewaltigung aber ein Verbrechen. Dieser Unterschied mag dir irrelevant erscheinen, er ist es aber nicht und Annes Falschaussage wird dadurch auch nicht wahrer.

      Damit viel Spaß noch, ich bin raus. Ich habe schon viel zu viele Worte an einen Menschen verschwendet, der meine Anmerkung offensichtlich für kritikwürdiger hielt als dieser menschenfeindliche sexistische Müll, den Anne abgeliefert hat.

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    8. "Eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung konnte in der Ehe vor 1997 nicht als solche (!) bestraft werden (...)."

      Dem habe ich nicht widersprochen (vielmehr habe ich genau diese Differenzierung vorgenommen). Ich habe auch ausdrücklich nicht Annes Text zugrundegelegt, sondern dein Zitat von Miria. Annes Text selbst habe ich nicht gelesen.

      "Damit viel Spaß noch, ich bin raus. Ich habe schon viel zu viele Worte an einen Menschen verschwendet, der meine Anmerkung offensichtlich für kritikwürdiger hielt als dieser menschenfeindliche sexistische Müll, den Anne abgeliefert hat."
      Siehe gerade zuvor. Warum sollte ich etwas kritisieren, das ich nicht gelesen habe? Den "menschenfreundlicher" Eifer scheint damit zu tun zu haben, dass andere Worte siehst, als die welche ich verwende. Ich stelle nicht in Frage, dass dir an anderen liegt. Umso bedenkenswerter sollte es für dich sein, dass du andere ungerechtfertigt abkanzelst. The road to hell is paved with good intentions. Evil is cloaked in claims of uprightness. Fervor blinds.

      Nochmals weise ich auf meine Position unten hin. Ich stimme dir auch grundsätzlich zu, dass es einen Unterschied macht, ob etwas Vergehen, Verbrechen, oder Ordnungswidrigkeit ist. Und das nicht nur wegen der Versuchsstrafbarkeit. (Strafmaß hatte ich bereits selbst angeführt; all das hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da es eine Erwiderung auf dich ist.) Deine Insinuationen sind unaufrichtig, Robin. Sie verhindern auch, dass du dich mit anderen Gedanken ehrlich auseinandersetzt. (Wenn du die wahrgenommen hast, können sie immer noch verdammenswert sein.) Das ist allgemein gesprochen, und zugleich für mich. Natürlich mache ich Annes Text nicht zu meiner Sache, zumal ich ihn nicht gelesen habe.

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  4. Ich bin in wahren "Haustyrannen"-Konstellation recht strikt. Wenn die Tatsachen feststehen, bin ich geneigt, Notstands- und Notwehrrechte weiter auszudehnen, als die Rechtsprechung (und das konventionelle Rechts*staats*verständnis) das tut. Dessen unbenommen stehe ich dem "battered wife syndrome" kritisch gegenüber. Statt dieses elementar missbrauchsfähige Konzept heranzuziehen (um Schuldfähigkeit und Beweisführung/-last) zu beseitigen sollten die anderen Wege beschritten werden.

    Ich halte es auch für möglich, sich vertraglich in eine Situation zu begeben, in der man die Strafrechtsverfolgung für den ersten Fall (im Ergebnis) ausschließt (Risikoeinwilligung, Beweislast -- wobei das die Rechtsprechung anders sieht; vergleiche auch doppelte Schriftformklausel und Sklavenvertrag -- Problem der temporalen Einheit der Person, und des "Menschenwürdeverstädnisses": Leistungsthese versus Mitgiftthese).
    Ich schätze die alte Vergewaltigungsausnahme sollte das "Institut" (technischer Begriff) der Ehe schützen; das lehne ich aufgrund des überindividuellen Ansatzes ab (wer allerdings den Sozialismus bejaht, kann hier leicht in Widersprüchlichkeit geraten). Ich bin demnach dafür, Vergewaltigung in der Ehe als Antragsdelikt (ohne einen solchen darf der Staat sich nicht involvieren) zu fassen.
    Sex war übrigens - ist es irgendwie noch - eine eheliche, familienrechtliche, Pflicht. Auch die klassische liberale Trennung zwischen privat und öffentlich mag das alte Konzept bedingt haben. Interessant im Vergleich die so genannten Sondergewaltverhältnisse, die den Staat einstmals weitgehend von Grundrechtsbindungen befreit haben, und zwar in Verhältnissen, in die Unterworfene nicht freiwillig eingetreten sind, anders als in die Ehe. Im Übrigen halte ich es für verfehlt in niedlich bis hysterischem Eifer die alte Regelung abzukanzeln. Ähnlich wie in Sachen des Wahlrechts steckte wohl ein gewisses Maß an Vernunft dahinter, auch wenn man anders werten mag. (So durften früher nur Landbesitzer abstimmen; Begründung: an den Staat und sein Schicksal gebunden, regelmäßig mit Zukunftsperspektive ["Ahnenreihe"], ungleich besser gebildet als solche die kein Land besaßen, und höhere Steuern zahlend. Später Erweiterung auf Männer die für den Staat kämpfen/dienen, und in der Zeit ziemlich wahrscheinlich empfindliche Verletzungen bis zum Tod hinnehmen mussten. Ähnlich auch der Zugang zu begrenzten "gemeinwohlorientierten" Studiengängen, wo es heute noch so ist, dass Frauen weniger Stunden, etwa als Ärzte, arbeiten. [Früher spielten Schwangerschaften eine *noch* gravierendere Rolle].)

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    1. @Stephan:
      "Ich halte es auch für möglich, sich vertraglich in eine Situation zu begeben, in der man die Strafrechtsverfolgung für den ersten Fall (im Ergebnis) ausschließt (Risikoeinwilligung, Beweislast -- wobei das die Rechtsprechung anders sieht; vergleiche auch doppelte Schriftformklausel und Sklavenvertrag -- Problem der temporalen Einheit der Person, und des "Menschenwürdeverstädnisses": Leistungsthese versus Mitgiftthese)."

      Das Problem dabei wäre, dass eine Person unter Druck gesetzt werden könnte, ein solches Schriftstück zu unterschreiben, bei dem sie dann quasie ihre Menschenrechte abgibt.
      Aus solchen Gründen haben sog. "Sklavenverträge" eben rechtlich gesehen keinen Wert - höchstens als Beweis, dass eine spezielle Form der Beziehung vorliegt.
      Und das ist meiner Meinung nach auch gut so! Egal wie sehr ich selbst innerhalb einer Beziehung meine Rechte und Freiheiten in unseren Vereinbarungen abgebe - die Gefahr des Missbrauchs besteht einfach bei vielen (besonders, wenn junge und naive Frauen inspiriert von Shades of Grey plötzlich die absolute Sklavin sein wollen). Und da müssen die Menschen geschützt werden.

      "Ich bin demnach dafür, Vergewaltigung in der Ehe als Antragsdelikt (ohne einen solchen darf der Staat sich nicht involvieren) zu fassen."

      Wo ist der Vorteil? Ich bin mir da nicht sicher, da ich das eher als schwieriger sehe: Eine Frau, die geschlagen und vergewaltigt wird und sowieso schon Angst vor ihrem Mann hat, wird den niemals anzeigen - eine Freundin oder Nachbarin, die von der Situation erfährt, aber schon. Hier einen Antragsdelikt einzuführen, würde dazu führen, dass ganz viele Menschen, weiterhin eine Hölle durchleben müssen, weil sie aus eigener Kraft sich nicht befreien können.

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    2. Miria, "Sklavenvertrag" ist nicht eng auf Sex bezogen. Es geht um den Grundgedanken von Vertragsfreiheit und Vertragsbindung (pacta sunt servanda). Das ist auch ein Klassiker aus der Wirtschaftsphilosophie.

      "Wo ist der Vorteil? Ich bin mir da nicht sicher, da ich das eher als schwieriger sehe:"

      Der Vorteil ist, dass sich der Staat nicht in eine private Sphäre involvieren darf, solange nicht einer (etwa die Frau) aus dieser Sphäre in dazu auffordert, bzw. ermächtigt. Das ist Autonomie. Diese würde den Menschen genommen, um damit einige Schutzbedürftige zu schützen. Erstere würden damit Mittel zum Zweck. (Ich wedele vage in die Richtung von Kant.) In dieselbe Richtung geht die Gefahr, dass Menschen als nicht-entscheidungsfähig eingestuft werden, die vermeintlich schwachen Frauen also falschem und missbräuchlichem Paternalismus unterworfen werden.

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  5. "Vergewaltigung innerhalb der Ehe ist doch unlogisch, da man ja einerseits sowieso gerne miteinander Sex hat

    ...

    In einer glücklichen Partnerschaft kann es keine Vergewaltigung geben"

    Diese Argumentation finde ich sehr merkwürdig. Weil man normalerweise gern Sex miteinander hat, heißt das doch nicht, dass es keine Vergewaltigung ist, wenn Sex einmal gegen den ausdrücklichen Willen des Partners stattfindet. In einer glücklichen Partnerschaft ist das Risiko eher geringer. Das heißt aber nicht, dass es nicht existiert. Du kannst einem Menschen nur bis vor die Stirn schauen. Darum verstehe ich auch die Argumentation nicht, dass man einen Partner nicht vor Gericht zerrt, sondern sich besser trennt. Natürlich kann und muß man den Partner anzeigen, wenn er sich straffällig verhält. Wenn die Ehe immer glücklich war und es keinen Grund zum Verlassen gab, ist auch 1x Sex gegen den Willen des anderen trotzdem eine Vergewaltigung und muß auch als solche behandelt werden. Man kann als Außenstehender und vor allem hinterher leicht sagen, hätteste ihn/sie mal besser verlassen.

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    1. @Onyx:
      "Diese Argumentation finde ich sehr merkwürdig. Weil man normalerweise gern Sex miteinander hat, heißt das doch nicht, dass es keine Vergewaltigung ist, wenn Sex einmal gegen den ausdrücklichen Willen des Partners stattfindet."

      Ich habe meine Argumente evtl. in der Klammer ein wenig zu kurz gefasst. Es geht kurz um zwei Punkte, die aus meiner Sicht in einer glücklichen Partnerschaft (eben nicht zwangsläufig Ehe) essentiell sind:

      1. Man hat gerne Sex miteinander und würde den auch aus Liebe zum anderen mal haben, wenn man eben gerade keine Lust hat. (Bei dem Menschen, den ich liebe, sehe ich da überhaupt kein Problem).

      2. Bei einem Menschen, den man liebt, nimmt man Rücksicht auf denjenigen und dessen Bedürfnisse, was weiterhin bedeutet, dass man jemanden auch nicht zu Sex drängt, wenn dieser absolut nicht will, krank ist etc.

      Unter Berücksichtigung dieser beiden Punkte, kann aus in einer glücklichen Partnerschaft so etwas wie Sex gegen den Willen einfach nicht geben. Hätte ist in meiner Beziehung (zum Zeitpunkt, als wir glücklich miteinander waren) nie gegeben.

      "Das heißt aber nicht, dass es nicht existiert. Du kannst einem Menschen nur bis vor die Stirn schauen."

      Wenn ich aber doch jederzeit aus Liebe zu meinem Partner mit diesem Sex haben würde (was ich innerhalb einer glücklichen Partnerschaft durchaus als gegeben ansehe), dann sehe ich keine Möglichkeit, vergewaltigt zu werden.

      "Darum verstehe ich auch die Argumentation nicht, dass man einen Partner nicht vor Gericht zerrt, sondern sich besser trennt."

      In dem Moment kann man eine Beziehung aber eben nicht als glückliche Partnerschaft einstufen.
      Ich persönlich hätte allerdings auch nicht die Lust, meine Beziehung gerichtlich auszubreiten - aber ich hätte wahrscheinlich auch nie eine solche Beziehung, kann das dann wohl nicht nachvollziehen...

      "Wenn die Ehe immer glücklich war und es keinen Grund zum Verlassen gab, ist auch 1x Sex gegen den Willen des anderen trotzdem eine Vergewaltigung und muß auch als solche behandelt werden."

      Wenn die Ehe immer glücklich war, gibt es kein Sex gegen den Willen. Denn wenn es das gibt, war die Beziehung eben nicht glücklich.

      "Man kann als Außenstehender und vor allem hinterher leicht sagen, hätteste ihn/sie mal besser verlassen."

      Genau den Punkt beschreibe ich auch in meinem Text: Es gibt eben Menschen, die dafür nicht so einfach die Kraft haben oder wahlweise auf Besserung hoffen etc. deshalb ist das Gesetz so durchaus sinnvoll.

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  6. "Natürlich kann und muß man den Partner anzeigen, wenn er sich straffällig verhält."

    Wie kommst du auf "muss"?

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