Mittwoch, 12. April 2017

„Ich werde mir von der Kriegsangst nicht die Tagesordnung diktieren lassen!“

Dieses Zitat stammt von Lexa aus der Serie The 100. Und obwohl die Welt, in der diese Serie spielt völlig surreal ist und in einer Zukunft  in ca. 200 Jahren spielt, lässt sich das sehr gut auf die heutige Zeit und die reale Welt übertragen.
Viele Menschen – oft Frauen – handeln aus einer Angst heraus, beschränken sich und ihre Handeln selbst. Teilweise auch aufgrund unbegründeter Ängste.
Immer wieder begegnen mir von Frauen Aussagen wie

„Das ist aber ganz schon mutig, so allein als Frau!“

„ Da würde ich als Frau aber nicht alleine hingehen!“

„Hast du keine Angst ohne deinen Mann/Partner/Freund?“

Diese Damen lassen sich offensichtlich ihr Leben von ihrer Angst diktieren: Man geht nicht in bestimmte Straßen, Lokale – zumindest nicht alleine als Frau. Man geht nicht alleine weg – am besten sowieso nur noch in Begleitung eines Mannes, denn auch Freundinnen sind ja nicht immer der optimale Schutz. Schutz wovor eigentlich? Und wenn man als Frau doch mal was alleine erledigen muss und es evtl. schon  - kaum zu fassen, dass es das gibt – dunkel draußen ist, dann auf jeden Fall nie ohne Pfefferspray oder den Schlüssel als mögliches Schlagwergzeug in der Hand.

Ich persönlich stelle mir ein solches Leben schrecklich vor! Ich lasse mir von der Angst doch nicht mein Verhalten diktieren und mich einschränken. Natürlich kann mir etwas passieren (ja, ist es auch schon), das Leben ist nun mal nicht risikofrei.  Wer das möchte, muss sich am besten den ganzen Tag unter der Decke in seinem Bett verkriechen. In einem gepanzerten Haus…
Aber ebenso kann auch Männern etwas passieren. Überfallen werden generell gerne beide Geschlechter. Und auch die meisten Männer können sich in dem Fall nicht immer optimal wehren.
Auch ich hatte mal eine zeitlang immer den Schlüssel griffbereit, da war ich 14 und kurz zuvor fast vergewaltigt worden – aber hey, ich bin erwachsen geworden. Und viel besser als mit einem Schlüssel in der vor Angst verkrampfenden Hand kann man sich tatsächlich mit Worten vor den meisten (natürlich nicht allen) schützen.
Ich brauche auch keinen Mann, der mich dauerhaft begleitet und beschützt – ich bin eine erwachsene Frau und kann das ganz alleine!
Und wenn mich jemand ohne mein Einverständnis anpackt, dann mache ich demjenigen schon klar, dass er das nicht nochmal machen wird.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass eben nicht jede Frau so ein Selbstbewusstsein hat und sich entsprechend wehren kann. Manche Frauen brauchen wohl einfach Schutz durch Männer. Und Schutzräume und Extra-Parkplätze (gehbehindert bin ich anscheinend auch qua Geschlecht). Und damit das so bleibt, sind haufenweise Frauen und Männer immer wieder bemüht, allen Frauen zu erzählen, dass man dies oder jenes als Frau nicht kann. Dass man Angst haben muss in dieser schlimmen Welt – natürlich nur, wenn man eine Frau ist. Und dass man als Frau sowieso generell ganz arm und schwach ist ohne die Hilfe der großen starken Männer!
Ich wünsche mir, dass das aufhört! Ich wünsche mir, dass Frauen sich nicht mehr einreden lassen, dass sie irgendwas nicht könnten, nur weil sie eine Frau sind.
Ich wünsche mir, dass die Frauen ein kleines bisschen mehr sind wie Lexa!

Kommentare:

  1. "gehbehindert bin ich anscheinend auch qua Geschlecht"

    Soll die Distanz in gefährlichem Raum verkürzen, zudem fokussierte Überwachung ermöglichen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Stephan: Was daran eingebildete Angst ist (die damit wieder weiter ausgebaut wird) und was tatsächliche Gefahr, da könnte man einen ganz eigenen Artikel zu schreiben. Ist hier aber eigentlich nicht das Thema ;)

      Löschen
  2. Oh, schönes Mädchen - hm, schöne Frau gefällt mir hier besser -, das ist "Thema". Ich verstehe deinen Ansatz, du übst dich in Furchtlosigkeit. Das kann vernünftig sein, was unter anderem davon abhängt wie real - wie wahrscheinlich - Gefahren sind, und wie groß der Schaden wenn sich eine Gefahr realisiert (Gefahr hat also zwei Komponenten, Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts und Schaden -- wirf mal einen Blick auf die Learned Hand rule).

    AntwortenLöschen
  3. Laut Polizeistatistik werden in Deutschland im Öffentlichen Raum deutlich mehr Gewaltverbrechen gegen Manner als gegen Frauen verübt. Auch die Schwere der resultierenden Verletzungen ist bei Männern deutlich höher. Und auch aus eigener Erfahrung weiß ich wie leicht man nachts als alleine laufender Mann, Ziel fur Angriffe wird. Davon konnen sich Frauen überhaupt keine Vorstellung machen. In sofern sollten Frauen eher Männer nach Hause bringen 😂. Ich laufe trotzdem alleine nach Hause.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Solltest du doch mal Angst im Dunkeln haben - so ganz alleine als Mann, dann begleite ich dich gerne nach Hause ;)

      Du hast Recht, dass Männer mehr Opfer von Gewalttaten werden, was aber meiner Meinung nach auch ganz logisch ist, da auch bei vielen Männern noch der Grundsatz "eine Frau schlägt man nicht" gilt.
      Genauso wie Männer Meinungsverschiedenheiten häufiger mit den Fäusten klären als Frauen.

      Löschen