Montag, 18. September 2017

„Als junge hübsche Frau, sollten sie doch eine linke politische Einstellung haben!“

Dieser Satz wurde mir neulich so ähnlich auf Twitter an den Kopf geworfen. Und auch auf den Vorwurf, dass es sexistisch Frauen aufgrund des Äußeren zu beurteilen, wurde mir nur entgegnet, ich solle mich doch über das Kompliment freuen!
Nein, danke!
 
Komplimente immer gerne, aber bitte nicht mit der Folge dann nicht ernstgenommen zu werden, denn nichts anderes bedeutet es, wenn man meine politische Einstellung aufgrund des Äußeren beurteilt, statt sich meine Meinungen und Argumente anzuhören! Allerdings muss ich sagen, dass der entsprechende Herr, sich dann dennoch auf eine Diskussion eingelassen hat. Wobei ich während der gesamten Diskussion immer das Gefühl hatte, er redet mit mir als hätte er ein kleines dummes Mädchen vor sich, dass er einfach nur von der „richtigen“ Meinung überzeugen muss. (Was letztendlich nicht funktioniert hat, da er sich in erster Linie an Strohmännern abgearbeitet hat.)
Dass das offensichtlich für viele nicht zusammengeht: Mein Äußeres (junge, hübsche Frau) und meine Meinungen habe ich bei Twitter schon des Öfteren zu hören bekommen. In einem anderen Fall war die Aussage schlicht, man glaube mir nicht, dass ich die Person auf meinem Profilbild sei, weil das nicht zu meinen Aussagen passt. (Tja, bin ich aber tatsächlich!)  
Sowas regt mich dann auf! Nicht, dass man mir online nicht glaubt, soll man doch, ist mir egal, ich kenne die Menschen ja nicht einmal in der Realität, sondern dass ich ständig aufgrund meins Äußeren beurteilt werde und mir bestimmte Ansichten unterstellt werden. Beziehungsweise wird mir die Fähigkeit abgesprochen selbst zu denken
 
Liebe Leute da draußen, stellt auch vor, auch junge hübsche Frauen können selber denken, sich eine eigene Meinung bilden und sind manchmal auch mal Arschlöcher (hier nehme ich mich selbst natürlich aus ;) ). Und solange ihr mich, meine Ansichten und Meinungen ernstnehmt, ist es auch kein Problem, mal ein ernstgemeintes Kompliment zu bekommen!
 

Mittwoch, 13. September 2017

Label

Mal vorweg, dieser Artikel beschäftigt sich mit meinen Überlegungen zu bestimmten Labeln, die man sich selbst gibt oder von anderen zugeschrieben bekommt. Ich selbst habe noch überhaupt keine abschließendes Ergebnis, sondern lediglich ein paar offene Gedanken und freue mich daher über weitere Anregungen und Überlegungen in den Kommentaren!

Mein Artikel zum Thema „Gegen Feminismus, für Frauenrechte?“ und der insgesamt damit entstandenen Diskussion, hat mich zu diesen Überlegungen gebracht. Feminismus ist häufig verknüpft und für viele automatisch gleichbedeutend mit der politischen Richtung links.
Ich selbst habe mich nie einem solchen politischen Label zugeordnet, vermutlich würde noch am ehesten Liberal und konservativ passen, aber das ist heute auch häufig mit Bedeutungen verknüpft, hinter denen ich nicht stehen kann.
Besonders interessant als Label für Selbstbezeichnungen sind in der Geschlechterdebatte: Feminist, Antifeminist, Maskulist, Männerrechtler, Frauenrechtler und in der politischen Debatte eben links und rechts.
Während wie erwähnt der Feminismus häufig automatisch mit links verknüpft wird, wird die Gegenbewegung des Maskulismus gerne mit rechts in Verbindung gebracht – nicht selten auch von deren Gegnern, um diese zu diskreditieren. (Wobei ich hier links und rechts als „neutrale“ Bezeichnungen ohne Wertung verwenden möchte, negativ wird es für mich erst, wenn es ins Extreme und Gewalttätige abrutscht.) Dann gibt es wieder einige Männerrechtler und/oder Maskulisten, die sich selbst davon abgrenzen und bewusst als links bezeichnen wie beispielsweise Arne Hoffmann, der auch die bekannte Seite Genderama betreibt.
 
Bei dem Blog radikal feminin, dass sich zwar positiv für die Rechte von Frauen, aber gegen den Feminismus positioniert, könnte es sich eben auch in Abgrenzung zum linken „Gender-Feminismus“ um einen „Feminismus von rechts“ (hier meine Zuschreibung, das Blog selbst definiert sich als antifeministisch) handeln. Da die Betreiberinnen eher im politisch rechten Spektrum Zuhause sind. Meine Vermutung war ja zuvor, dass man eben den Kontakt mit dem Feminismus nur durch das universitäre Umfeld hatte, welches heutzutage klar links geprägt ist. Das bedeutet häufig leider, dass von Annahmen Ausgegangen wird, in denen die Frau stehts als Opfer zu sehen ist. Die letzten Entwicklungen dieser Art des Feminismus schränken Frauen häufig mehr ein (bzw. wollen das) als dass sie empowernd und ermutigend sind. Und um dem etwas entgegenzusetzen kann man sich natürlich als „antifeministisch“ bezeichnen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man damit eben auch sich gegen den Feminismus generell stellt, der auch eine lange Geschichte von Kämpfen von Frauen für ihre Rechte und den Drang nach der Gleichberechtigung beinhaltet. Warum also Antifeminismus und nicht einfach als Entgegnung auf linken Feminismus, der Feminismus von rechts?!
 

 

Freitag, 8. September 2017

Freundschaft

Ich habe eine für mich sehr wichtige gute Freundin und aktuell die Befürchtung, dass diese Freundschaft zerbrechen könnte, da ich mich in einer Gruppe engagieren will, die ihr nicht passt.
Wir sind seit über 15 Jahren gut befreundet und auch Entfernungen konnten daran nie etwas ändern. Wir haben gleiche Ziele wie eine friedliche offene Welt, Gleichberechtigung und der Kampf für die Meinungsfreiheit, Toleranz etc., aber unterschiedliche Wege, auf denen wir meinen, das erreichen zu können.
Sie befindet sich in einem stark linken, feministisch radikalen Umfeld, mit dessen Aktionen und Veranstaltungen ich auch nicht immer konform gegangen bin. Aber ich habe es akzeptiert und ich weiß auch, sie gehört zu den Guten, die die Ziele einfach wirklich ernst meinen statt irgendwelcher Machtspielchen (was ich sonst leider in der linken Ecke häufig beobachten konnte).
Ich mag es stundenlang mit ihr zu Reden und zu diskutieren, gerne über Themen, in denen wir teilweise völlig unterschiedlicher Meinung sind. Denn sie ist eine der wenigen Personen, die nicht nur eine Meinung, sondern auch Argumente haben. Durch ihre Meinungen und Argumente erhalte ich in Gesprächen immer wieder neue Gedanken und Anregungen. Auch wenn ich mich meist nicht überzeugen lasse, hilft ein solcher Kontakt, um über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie wird mich nie von ihrer radikalen Einstellung überzeugen und ich werde sie sicher auch nicht von meiner Einstellung überzeugen – das will ich auch gar nicht, da ich gerade den Austausch mit gegenteiligen bzw. unterschiedlichen Meinungen wichtig finde. Weil sonst besonders die Linken immer sehr misstrauisch sind, ist es normalerweise äußerst schwierig, sachliche und ruhige Gespräche zu führen, wenn man selbst eine für denjenigen nicht genehme Meinung vertritt. Aber vielleicht hilft bei uns auch, dass wir einen gewissen feministischen Grundkonsens haben und uns bereits sehr lange kennen.

Wie bereits aus einem meiner letzten Artikel hervorging, plane ich nun, aktiv zu werden und nicht mehr alles hinzunehmen. Ich habe lange Zeit gedacht, dass man sowieso nichts ändern kann bzw. dies über Parteien und Parlamente probieren sollte und Gruppen wie Greenpeace oder Attac eher belächelt als geglaubt, dass diese ernsthaft etwas erreichen könnten.
Mittlerweile sehe ich das anders. Ich sehe leider keine Partei, mit der ich inhaltlich so sehr übereinstimme, dass ich mich bei ihr engagieren würde. Genauso wenig habe ich Lust auf einen langen Weg durch irgendwelche Instanzen bis man irgendwann mal etwas erreicht. Es geht viel mehr darum, die Menschen auf der Straße wachzurütteln, diejenigen dazu zu bekommen, nachzudenken über bestimmte Dinge. Genau das kann man aber nur machen, in dem man selbst aktiv wird. Ich weiß, dass es immer auch Gegenwind gibt und häufig Menschen, die eben anderer Meinung sind, aber ich will auch nicht mehr alles so ruhig hinnehmen wie ich es bisher getan habe!

Ich hoffe, dass meine Freundschaft nicht an meinem Aktivismus für eine (meiner Meinung nach) gute Sache zerbricht! Dass wir immer noch gemeinsam ins Café gehen und miteinander über alles reden können, auch wenn wir vielleicht bei Demonstrationen auf unterschiedlichen Seiten stehen!
Nicht ohne Grund war sie die erste Person, mit der ich über das Thema geredet und  um eine Meinung gebeten habe. Weil sie mir nach all der langen Zeit, den gemeinsamen Gesprächen und Erlebnissen auch einfach wirklich wichtig ist!

Dienstag, 5. September 2017

Gegen Feminismus, für Frauenrechte?

Im Netz findet sich unter dem Namen „radikal feminin“ ein neuer Blog von zwei Studentinnen aus Tübingen, die sich dort für Rechte von Frauen, aber bewusst antifeministisch positionieren.
Ich mag die bisherigen Texte und finde es interessant, aber sehr schade, dass man bewusst versuchen muss, sich vom Feminismus abzugrenzen. Genau das schrieb ich auch auf Twitter, wobei es zur folgenden Diskussion mit aranxo kam, auf die ich hier eingehen möchte:


Miria: „Warum muss man sich antifeministisch positionieren, wenn man doch für die Rechte der Frau ist?“

Aranxo: „Der Feminismus hat nicht das Monopol, wenn es um das Eintreten für Frauenrechte geht.“

Miria: „Es geht darum, dass Feminismus sich eben auch für Frauenrechte einsetzt und in der Vergangenheit viel erreicht hat. Wenn man jetzt ein positives Projekt für Frauen macht, sich dagegen zu positionieren, finde ich schade.“

Aranxo: „Feminismus ist halt mehr als nur das Eintreten für Frauenrechte. Es ist eine Ideologie, die z.B. an die Existenz eines Patriachats glaubt.

Miria: „Nicht jede Feministin tut das! Es gibt viele unterschiedliche Strömungen. Ich habe z.B. einen feministischen Blog und Patriarchat gibt’s da nicht.“

Aranxo: „Dass Männer Frauen unterdrücken wollen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass nur Mutter sein minderwertig ist. Das sind so Glaubenssätze des modernen Feminismus, die man nicht glauben muss, um für Frauenrechte zu sein.“


Daraufhin habe ich erklärt, die Diskussion würde ich lieber auf dem Blog fortführen, da Twitter nicht das richtige Medium sei, deshalb jetzt dieser Artikel.
Ich werde jetzt zunächst auf jeden der einzelnen Punkte, die Aranxo angesprochen hat eingehen und hoffe, dass sich dann möglicherweise eine interessante Diskussion in den Kommentaren ergibt.

1.       Patriarchat
Das Wort kommt aus dem griechischen und bedeutet erstmal so viel wie Vater oder Stammesvater. Beim Patriarchen handelte es sich also um denjenigen, der Macht und Besitz hat. Später bezeichnete man auch Systeme so, in denen es vor allem um die Erbfolge ging. D.h. Besitz und Finanzielles wurde immer ausschließlich vom Mann an die männlichen Nachfahren vererbt und mit Besitz war einerseits natürlich Verantwortung, aber andererseits auch Macht verbunden.
Aus der Situation entwickelte sich eine Gesellschaf, in der Frauen und Männer unterschiedliche Aufgaben hatten, in erster Linie auch aufgrund biologischer Grundlagen, da es für eine Frau natürlich klar war, dass sie Kinder bekommt und in der Zeit mehr Schutz und wenig körperliche Belastung braucht.
Andererseits bedeutete das nicht, dass generell alle Männer mehr Macht hatten als alle Frauen, da die Ehefrauen der mächtigen Männer (Gutsherren, Fürste etc.) natürlich sehr viel mehr Macht hatten als ärmere Männer, die als einfache Arbeiter auf dem Feld standen. Auch hatten die Frauen oft die Weisungsbefugnis über die Angestellten im Haus während der Mann die Belange außerhalb vertrat.
Heutzutage wird das Wort Patriarchat in der Soziologie vor allem verwendet, um ein „System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird“ (Wiki
), bezeichnet. In dem Punkt fangen die Probleme an, da es haufenweise linke und linksextreme Personen gibt, die diese Bezeichnung für unsere Gesellschaft verwenden, aber keine Belege dafür liefern können. Ich habe in einem „Treff für Frauen“ mal die Anwesenden gefragt, ob wir in einem Patriarchat leben und wenn es bestätigt wurde (was leider häufig der Fall war), habe ich nach Belegen gefragt. Da kam leider nur heiße Luft wie die Aussage, dass Männer sich mehr Platz nehmen würden in der Bahn (breitbeinig sitzen) oder wenn man in der Fußgängerzone einem Mann entgegen kommt, würde die Frau immer ausweichen etc. Alberner Kindergarten meiner Meinung nach. Aber diese Menschen sind nicht diejenigen, die das vertreten, für das der Feminismus ursprünglich steht. Es sind diejenigen, die nicht selber denken, sondern nur das nachplappern, was sie irgendwo (meist in irgendwelchen komischen Genderseminaren) hören.

2.       Männer wollen Frauen unterdrücken
Ja, natürlich gibt es Männer, die Frauen unterdrücken wollen. Sicher gibt es auch Frauen, die Männer unterdrücken wollen. In der Allgemeinheit würde ich dem aber nicht zustimmen. Da sollte man wohl bei jedem individuell schauen, ob derjenige gerne jemanden unterdrückt! Und das Feministinnen generell davon ausgehen, Männer wollen Frauen unterdrücken ist auch wieder nur bei dem linken (und häufig radikalisierten Teil der Fall). Die Aussage, dass Männer Frauen unterdrückt haben im Bezug auf die Geschichte ist allerdings häufig im Feminismus vertreten. Und diese Aussage kann unter Bestimmten Aspekten auch als richtig betrachtet werden. Da es einfach Fakt ist, dass Männer in der Vergangenheit mehr Rechte hatten als Frauen und die Gesetze in erster Linie von Männern entschieden wurden, kann man schon davon ausgehen, dass diese Frauen unterdrückten. Das aber auf die heutige westliche Gesellschaft zu übertragen empfinde ich als falsch. Heutzutage haben wir in den meisten Bereichen eine Gleichberechtigung erreicht und es wird nicht pauschal ein Geschlecht unterdrückt/benachteiligt. Gerade, dass wir heute eine solche Gesellschaft haben, in der auch Frauen die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten haben, haben wir dem Feminismus zu verdanken. Wenn man sich jetzt antifeministisch positioniert, positioniert man sich gegen diese Errungenschaften.

3.       Es gibt mehr als zwei Geschlechter
Dies ist eine These, die vermehrt in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit kam. In erster Linie liegt es darin begründet, dass man bestimmte Merkmale für das jeweilige Geschlecht festgelegt hat: Chromosome, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hormone. Und im Zuge der Forschung hat man festgestellt, dass es Menschen gibt, die in diesen Merkmalen nicht eindeutig einem der Beiden Geschlechter zuzuordnen sind. Prominentes Beispiel war die Läuferin Casta Semenya.
Die Frage, ob es jetzt zwei oder mehrere Geschlechter gibt, ist meiner Meinung nach einfach eine Definitionssache: entweder man benennt jede Art der Abweichung als eigenes Geschlecht oder man definiert diese eben einfach als Abweichung. Für mich selber ist die Frage ehrlich gesagt wenig relevant, da es hier tatsächlich nur eine Definitionssache ist und man sich einfach auf etwas einigen muss. Außerdem kenne ich im näheren Umfeld keine Person, die sich selbst nicht entweder als Mann oder Frau bezeichnen würde.

4.       Nur Mutter sein ist minderwertig!
Das ist ein Punkt, gegen den ich mich selbst auch immer vehement ausspreche! Ich finde, dass sollte jedes Paar individuell entscheiden. Ich selbst würde meine Kinder aufwachsen sehen wollen und mich um die Erziehung der Kinder kümmern statt sie möglichst früh fremdbetreuen zu lassen. Feminismus steht auch hier für Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit! Diejenigen, die Frauen dafür fertig machen, dass sie sich eine zeitlang nur um ihre Kinder kümmern wollen, sind keine Feministinnen (auch wenn sie sich gerne selbst so bezeichnen), diese wollen das eine vorgeschriebene Modell, in dem die Frau selbst nichts zu entscheiden hat, gegen eine anderes austauschen, in dem sie selbst nichts zu entscheiden hat, sondern möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Auf dem eingangs verlinkten Blog scheint das Problem aber auch zu sein, dass man sich antifeministisch positioniert, da man die Meinung vertritt, dass Feministinnen alle Frauen als Opfer sehen und sie sich selbst eben nicht so sehen.
Ich selbst habe immer wieder betont, dass es darum gehen sollte, Frauen zu bestärken, ihnen dazu zu verhelfen, selbstbewusst zu sein statt sie weiter als armes Opfer zu betrachten und noch mehr in irrationale Ängste zu treiben.
Immer wenn ich irgendwelche Artikel sehe, die genau das tun (traurigerweise im Namen des Feminismus) habe ich mich deutlich dagegen positioniert. Denn Frauen als Opfer zu betrachten und kleinzuhalten ist alles andere als feministisch! Zwei Artikel von mir, in denen ich mich eindeutig gegen diesen Opferkult ausgesprochen habe, sind beispielsweise die folgenden:

 

Ich habe mich auf dem Blog „radikal feminin“ mal umgesehen und bei den meisten Texten kann ich zustimmen bzw. sehe es sehr ähnlich. Daher erwähne ich den Blog auch hier, da ich das Projekt an sich mag, lediglich mit der „antifeministischen“ Positionierung ein Problem habe.
Nachdem ich allerdings die Kurzbiografien der Autorinnen gelesen habe, ist das für mich durchaus nachvollziehbar, dort findet sich:

„Sich mit feministischen und Gendertheorie betreffenden Texten auseinanderzusetzen ist Teil meines Studiums. Darauf hatte ich mich zu Beginn sogar aufrichtig gefreut. Einige Semester unter Judith-Butler-Jüngern und etwas Lebenserfahrung später war klar: Feminismus wird die Probleme unserer Gesellschaft nicht lösen, sondern ist selbst eines davon!“

In solchen Veranstaltungen lernt man wenig über Feminismus, aber viel zu viel über die linksradikale Fratze desselben. Die Leute nennen sich Feministen und verbreiten dort häufig vermutlich die ähnlichen Thesen, die Aranxo oben bereits erwähnt hat. Und mit Fakten und Meinungsfreiheit hat man dort auch ein Problem. Ich selbst habe einfach aus Interesse mal eine Ringvorlesung aus dem Genderbereich besucht und das hat mir schon gereicht: Dort wurde ohne Problem die Lüge verbreitet, Frauen würden im gleichen Beruf 23% weniger verdienen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits die ganze Studie gelesen und wies die Professorin darauf hin, dass sich das nicht auf den gleichen Beruf bezieht – schon das schien sie nicht zu wissen. Die Lehrenden übernehmen unterfragt populistisches Geschwätz und die meisten Studenten tun dasselbe. Wenn man damit die ganze Zeit konfrontiert wird, dann kann man vermutlich gar nicht anders, als sich eindeutig dagegen abgrenzen zu wollen – würde zumindest jeder vernünftige Mensch machen.

Schade, dass das der erste Kontakt mit dem Feminismus war, schade dass die Autorinnen sich nicht auch außerhalb der Uni über den Feminismus und seine Geschichte umfangreich informiert haben, dann wäre auch klar: Feminismus will Gleichberechtigung und selbstbewusste Frauen! Frauen sind keine hilflosen Opfer und sollen ihr Leben selbst gestalten!
 
Ich sehe mich als Feministin, weil ich den Grundgedanken des Feminismus richtig und wichtig finde. Und ich kann mich auch trotzdem so bezeichnen, obwohl ich in der Einstellung nichts gemeinsam habe mit denjenigen, denen die Autorin an der Uni begegnet ist. Aber wie ich mir meine Sprache und meine Symbole nicht von irgendwelchen Nazis wegnehmen lassen möchte, so möchte ich mir auch den Feminismus nicht von irgendwelchen Linksradikalen wegnehmen lassen! Ich finde es wichtig, dass der Feminismus auch in seiner ursprünglichen Bedeutung gesehen wird!

Mittwoch, 30. August 2017

"Mit dir brauch ich nicht diskutieren, du bist Nazi, Sexist, Rassits, homophob..."

Seit wann  sind Argumente eigentlich durch besagten Satz ersetzt worden? Wieso sind tatsächlich sachliche Diskussionen bei einigen Themen (zumindest online) nicht mehr möglich. Immer wieder entdecke ich in Onlinediskussionen, Blogs, Facebook etc. eben jenen Satz in verschiedenen Abwandlungen. Speziell betrifft das natürlich die folgenden Themen: Sexualität, Gleichberechtigung, Feminismus, Zuwanderung etc.
Und im Zusammenhang mit der aktuell bevorstehenden Bundestagswahl passiert das natürlich auch gerne im Bezug auf verschiedene Parteien: Die AfD ist rechts, die AfD ist Nazi! Wenn jemand bestimmte Standpunkte der AfD verteidigt oder sogar nur, wenn derjenige die (aus seiner Sicht auch falschen Standpunkte) nicht als Grund sieht, die AfD bzw. ihre Mitglieder gewalttätig anzugreifen. Ja dann wird schnell die Nazikeule geschwungen.
Mir ist die AfD ehrlich gesagt als Partei ziemlich egal: ich halte sie weder für so radikal, dass sie gefährlich sind, noch für so interessant, dass ich sie bei der kommenden Wahl wählen würde. Aber anhand dieser Partei bzw. entsprechender Diskussionen lässt sich gut das Problem in der aktuellen Diskussionskultur sehen. Ein Beispielkommentar unter einem Artikel von Spiegel online (Kommentar aus Facebook):

„Wer wie ein Nazi redet, der sich wie ein Nazi verhält, der darf sich nicht wundern, wenn er dann so genannt wird.
Einfach Geschichte.
Übrigens, die "Ich bin ja kein Nazi, aber..."Besorgtbürger können das ja auch immer gut....Wer nicht die AfD wählt, gehört ja immer gleich zur Antifa.
Also, hör auf zu heulen und steh zu deiner Gesinnung!

Hier wird sogar die Aussage, dass man kein Nazi sei als Beleg für eben diese Tatsache gesehen, und genau das kommt tatsächlich relativ häufig vor in solchen Diskussionen.
Dieses Zitat ist allerdings eher harmlos. Ich möchte aber hier jetzt nicht irgendwelche Beleidigungen zitieren und mich außerdem nicht auf die AfD beschränken, da es viele unterschiedliche Beispiele aus allerlei Bereichen gibt.

Auch ist mir selbst passiert, dass ich recht schnell als Nazi diffamiert wurde, als ich in einer angeblichen Philosophiegruppe in Facebook eine Diskussion zu eben diesem Thema: offene Diskussion, Toleranz und Meinungsfreiheit eröffnete. Einer der Kommentare lautete folgendermaßen:

„Es gibt aber dennoch Ansichten, die nicht tolerierbar sind. Die von Holocaust-Leugnern, radikalen und gewaltbereiten Nazis, fundamentalen Christen oder Muslimen etc.

Und hier habe ich widersprochen, da ich der Meinung bin, dass eine freie Gesellschaft auch das aushalten muss. Man sollte diesen Meinungen natürlich entschieden entgegentreten, aber ein Verbot finde ich falsch. Genauso finde ich auch das Verbot der Leugnung des Holocaust falsch. Jeder weiß, was damals passiert ist und jeder, der etwas anderes behauptet macht ziemlich deutlich, wessen Geistes Kind derjenige ist. Dafür braucht man kein Gesetz, welches sowieso nur dazu führt, dass diese Menschen ihre Meinung eben nicht öffentlich äußern, aber doch nicht dazu, dass es die Gedanken nicht gibt.
Und ab dem Punkt war ich dann natürlich Nazi… und das obwohl ich ganz deutlich nochmal geschrieben habe, dass ich eben nicht davon rede, dass jemand Gewalt anwendet, es geht lediglich um Meinungen bzw. Behauptungen.
Kleiner Auszug aus der Diskussion:

Ich: „Warum sind diese Ansichten deiner Meinung nach nicht tolerierbar? (es geht hier nicht um wirklich handfeste Gewalt, sondern nur um entsprechende Meinungen/Ansichten).
Und wo ziehst du die Grenze?

M.: „Weil die Leugnung des Holocaust eine schreckliche Diskriminierung ist und die Opfer des Holocaust verhöhnt. Durch den Holocaust mussten Millionen von Menschen ihr Leben lassen. Das zu leugnen ist nicht einfach nur eine "dumme" und historisch falsche Meinung, es zeigt Ingnoranz gegenüber der deutschen Geschichte und den daraus resultierenden Folgen. Radikale Nazis, fundamentale Christen und Muslime vertreten nicht einfach eine Meinung. Sie sind bereit dazu, ihre Ansicht auch notfalls mit Gewalt zu verbreiten und durchzusetzen.

Ich: „Warum sind die Opfer des Holocaust mehr wert als die Opfer anderer (Kriegs-)verbrechen? Dass jemand, der das leugnet, nicht ganz hell sein kann, steht auf einem anderen Blatt, aber ich finde das Verbot unsinnig und damit werden andere Opfer als weniger wichtig gesehen, denn deren Verbrechen zu leugnen ist keine Straftat...
Meinungen, die zu Gewalt führen zu verbieten ergibt ebenso wenig Sinn, denn Gedanken lassen sich erstens sowieso nicht verbieten und zweitens warum nicht die Grenze bei der Gewalt selbst ziehen?

M.: „Welche "anderen Opfer" werden denn tatsächlich als weniger wichtig angesehen? Aber wer leugnet denn z. B. den ersten Weltkrieg? Oder die RAF? Kein anderes Verbrechen in Deutschland wird so öffentlich herabgesetzt, wie der Holocaust. Deshalb wurde dem eine gesetzliche Grenze gesetzt.
Wieso die "Grenze nicht bei Gewalt ziehen"? Weil Gewalt schon früher beginnt und nicht rein in gewalttätigen Taten zum Ausdruck kommt.

(…) Die Diskussion ging dann noch weiter, welche anderen Verbrechen ähnlich schlimm wären bzw. ebenfalls geleugnet werden etc. Dann kam das Argument, es bräuchte eben eine klar definierte Grenze für Toleranz und diese bilde schließlich das BGB. Was die Diskussion, ob entsprechende Meinungen toleriert werden sollten aus meiner Sicht ad absurdum führte, da es offensichtlich nicht möglich war, Kritik an bestehenden Gesetzen zu üben. Außerdem wurde dann noch davon gesprochen, dass die Rechten so gefährlich seien und mordend durch Deutschland zogen, woraufhin ich erwähnte, dass es eben nicht zur Normalität in Deutschland gehört, dass Rechte reihenweise irgendwelche Menschen umbringen. Und dann kam diese Antwort:

M.: „Ja La Du verdrehst Tatsachen! Ich habe nicht von "reihenweise" gesprochen. Dennoch reichen diese Taten, um dagegen vorzugehen.
Ich glaube, du ignorierst (bewusst) die aktuelle politische Lage. Die Nationalsozialisten sind nicht so schwach, wie du versuchst hier darzustellen. Und ich sehe immer deutlicher die angesprochene "rechte" Tendenz. In deinem letzten Kommentar ist sie nicht mal mehr "subtil"...
Du verharmlost gerade schamlos die Taten des NSU etc. Merkst du das eigentlich? Für dich scheint es nicht so schlimm zu sein, dass jüdische Gemeinden noch immer polizeilichen Schutz brauchen und jüdische Kinder jeden Tag lernen, dass sie in Deutschland extrem vorsichtig sein müssen...
Sehr traurige Einstellung. Das hat nichts mehr mit objektiver Diskussion zu tun..

Daraufhin habe ich nur noch geantwortet wie perfekt sich hier die von mir erwähnte Intoleranz gegenüber anderen Meinungen zeigt, da versucht wird mich zu diffamieren, indem man mir Meinungen unterstellt, die ich nicht vertrete,und mich als „rechts“ diffamiert, anschließend aus der Diskussion verabschiedet.

Ich bin sicher weder Nazi noch Rassist, aber ich bin nun nicht mit jedem Gesetz in Deutschland einverstanden, das bezüglich der Holocaustleugnung gehört dazu. Allerdings wären andere Gesetze wie Einwanderung- und Asylgesetzgebung weitaus wichtiger anzugehen als das.

Ich möchte nicht mehr in jeder Diskussion, die spezielle Themen berührt oder streift mit dem Vorwurf „Nazi“, „rechts“ und „Rassist“ (egal, ob gegen mich persönlich oder gegen andere Kritiker) konfrontiert werden!
Ich möchte nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen und zuvor eine umfangreiche Recherche anstellen, ob es mal von Hitler gesagt wurde!
Ich möchte dass missliebigen Meinungen und Standpunkten mit Argumenten begegnet wird statt mit Beleidigungen und Diffamierungen!
Ich möchte eine offene, wirklich tolerante Gesellschaft und Diskussionskultur!

Mir macht diese Entwicklung Angst! Mir macht es Angst wie schnell bestimmte Gruppierungen in eine Ecke gedrängt werden und jedem, der im weitesten Sinne mit diesen sympathisiert geschadet wird! Mir macht es Angst, dass in einem offenen Raum wie dem Internet eine solch einhellige Meinung vertreten und kein Widerspruch geduldet wird! (speziell in Gruppen und auf verschiedenen Seiten werden solche Kommentare dann gelöscht, obwohl sie gegen kein Gesetz verstoßen)

Ich kann nicht mehr! Die zuvor gepostete Diskussion war der letzte Tropfen, der das Wasser zum Überlaufen gebracht hat! Ich bin kein Nazi, aber (hahah) mir ist es jetzt egal, ob irgendwer denkt, ich wäre einer! (Menschen die mich kennen, wissen es besser) Ich werde nicht mehr aufpassen und mich aus Diskussionen vertreiben lassen! Ich werde jetzt aktiv, nicht mehr nur im Netz, sondern auf der Straße! Ihr werdet meine Meinung hören und sehen – auch wenn es euch nicht passt! Noch sind nämlich nicht gesetzlich alle Meinungen verboten!

Montag, 21. August 2017

Frauen sollen in Berlin demnächst im Stehen pinkeln…

Wie die BZ berichtet, werden in Berlin zukünftig zu den Pissoirs für Männer Urinale für Frauen eingeführt, damit diese auch im Stehen pinkeln können.
Das Toilettenkonzept für Berlin aus dem Fachbereich Umwelt des Berliner Senats enthält neben Bestimmungen für Hygiene, Sicherheit etc. auch folgendes:

In Zukunft sollten Urinale, die von allen Geschlechtern benutzt werden können (vgl. Arbeitspaket 5, S.9), angeboten
werden.“

Mein erster Gedanke war: Warum zum Teufel?!
Es scheint in Berlin allerdings der Fall zu sein, dass es wohl mehr Urinale gibt als Toilettenkabinen bzw. an einigen Stellen in der Stadt nur Urinale vorhanden sind und keine Toilettenkabinen. Und das wird nun als ungerecht interpretiert, weil an diesen Stellen Frauen eben nicht die Möglichkeit haben, diese zu nutzen.
Aber warum man jetzt so einen Unsinn veranstaltet und Urinale für Frauen aufstellt, statt einfach noch ein paar Kabinentoiletten hinzu, ergibt für mich wenig Sinn. Vermutlich auch aus dem Punkt „WEIL HALT“.
Frauen beschweren sich ja sonst schon häufig darüber, dass sie sich nicht gerne auf öffentliche Toiletten setzen, da diese nicht besonders sauber sind. Ich kenne auch welche, die immer Papieraufleger für die Klobrille dabei haben, um diese nicht berühren zu müssen. Auch ich desinfiziere jede fremde Klobrille bevor ich mich auf diese setze. Als erstes hatte ich daher auch gedacht, dass das nun mit ein Grund wäre, warum Frauen gerne Urinale haben wollen. Die muss man schließlich nicht mit der Haut berühren.

Aber um das zu vermeiden gibt es ja auch noch die Hocktoiletten, wie sie häufig in südlichen Ländern wie Frankreich oder Italien vorkommen. Man hockt sich hin und hat so keine Berührung von Haut und Toilette.
Als in einem Bürgerzentrum in Köln  schließlich eine solche Toilette als zusätzliches Angebot eingebaut werden sollte (die sind kaum teurer als gewöhnliche Toilettenschüsseln), gab es gleich eine riesige Aufregung. Irgendein Idiot kam wohl auf die grandiose Idee, eine solche Hocktoilette als „kultursensible Toilette“ zu bezeichnen und diese auch noch im Zusammenhang mit muslimischen Mitbürgern zu erwähnen. Und da kommen natürlich gleich wieder die ganzen Spinner aus ihren Löchern, die alles muslimische auf alle Fälle vermeiden wollen.

Tatsächlich ist es so, dass in dem entsprechenden Zentrum viele verschiedene Angebote auch für Flüchtlinge gemacht werden und es aufgrund dessen zu der Idee kam, eine solche Toilette als zusätzliches Angebot einzubauen (während sowieso renoviert wurde). Das muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun haben, sondern kann einfach ganz praktisch sein, wenn ein Flüchtling eben eine Toilette vorfindet, die er angenehm, da aus der Heimat bekannt, findet. Und da es weiterhin ganz normale Toiletten gibt, kann ich die Aufregung auch nicht verstehen.
Würde es bei öffentlichen Toiletten dieses Angebot geben, wäre ich auch in Versuchung, eher die Hocktoilette zu nutzen aus bereits zuvor genannten Gründen.
Ich bin allerdings gespannt, ob die geplanten Urinale in Berlin tatsächlich von den Frauen angenommen werden.

Montag, 10. Juli 2017

Hallo lieber Frauenversteher!

Schön wie du deinen Artikel schon startest; ein paar allgemeine Aussagen, denen niemand widersprechen kann:

„Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden.“

Vermutlich genauso wie die Lebensrealitäten von Menschen auf dem Land und Menschen in der Stadt, von jungen und alten Menschen, von Arbeitern und Selbstständigen, von dicken und schlanken Menschen, von … Wie einfach jeder individuelle Mensch nicht das gleiche Leben und die gleichen Erfahrungen macht wie andere!

„Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.“

Wo sind denn die Belege und Beispiele dafür?

„Unser Autor David versucht zu verstehen, weshalb sich viele Männer dessen nicht bewusst sind und was getan werden kann um diesen Graben zwischen den beiden Welten zu überwinden.“

Es muss also ein Mann kommen, der die Frauen versteht und deshalb erklären kann, wie das so läuft – also mit den Frauen und dem Verstehen.

Gleich nach der Einleitung kommt dann natürlich auch schon das erste Beispiel für eine Situation, in der die Frauen so viele Nachteile und die Männer so viele Vorteile haben:

„Wenn ich jetzt allein wäre, würde ich mich nicht durch diesen Hinterhof trauen“, sagt meine Freundin und greift meine Hand etwas fester. Bestimmten Schrittes gehen wir im Dunkeln voran. Zu unserer Rechten eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben sich, musternde Blicke streifen im Vorbeigehen. Um die Ecke, außer Reichweite, betreten wir das Treppenhaus und nehmen die ersten Stufen. Sichtlich erleichtert geht meine Freundin voran.“

Und nur weil deine Freundin vielleicht ein armes verängstigtes Mäuschen ist, musst du das nicht pauschal auf alle Frauen übertragen. Und wie war das nochmal in der Einleitung: Die Lebensrealität von Frauen ist oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt?
Wo war denn die Diskriminierung und Gewalt in dem Beispiel? Männer die gemütlich ihren Feierabend genießen, die kein Wort sagen und in keinster Weise irgendwie belästigen werden hier als Gefahr dargestellt?
Und natürlich wird diese Situation von dir, lieber Frauenversteher noch stark dramatisiert:

„Diese Begebenheit ist beispielhaft für eine simple Tatsache, der ich mir – leider – erst vor einiger Zeit wirklich bewusst wurde: Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.“

Was ist in dieser Begebenheit nochmal passiert, was nicht respektvoll war? Hmm, gab es irgendwelche Sprüche? Gab es irgendwelche unangenehmen Berührungen, gab es irgendetwas, was nicht respektvoll war?
Außer vielleicht deine Unterstellung, dass man als Frau pauschal ein ängstliches Hascherl ist, weil deine Freundin so ist? Das ist im Übrigen sexistisch! Aber hey, du darfst das ja sagen, du bist ja ein lieber, einer der Guten, der Frauenversteher und du meinst das natürlich nicht so wie ein Machoarsch, der irgendwelche sexistischen Äußerungen ablässt!

Und im nächsten Absatz wird es dann noch allgemeiner:

„Weltweit sind Frauen Opfer von Unterdrückung, Sexismus und Gewalt. Im privaten und öffentlichen Raum, in der Beziehung, im Netz, im Beruf, auf Reisen – in allen Bereichen ihrer Leben. Weltweit gehen praktisch all diese Gewalttaten von Männern aus.

Klar, mit dem eigenen beschränkten Blick, mit dem du nicht einmal die Situation in Deutschland richtig einschätzen kannst (Kleiner Tipp: Es ist nicht alles nur schwarz weiß, sondern meist sehr viel grau), willst du erkennen können wie es im Rest der Welt zugeht?
Natürlich ist es in vielen Ländern so, dass Frauen unter Unterdrückung leiden müssen. Aber genau deshalb ist es doch noch perfider, so zu tun als wären Frauen hier in Deutschland ach so arme Opfer!
Und damit du nicht als ganz so mieser sexistischer Arsch dastehst (der du aber eigentlich bist), noch schnell eine Relativierung deiner Aussagen hinterhergeschoben:
„Um das klarzustellen: Das heißt nicht, dass alle Männer gewalttätig und Täter, alle Frauen friedfertig und Opfer sind. Auch Männer leiden an Gewalt, auch Frauen verhalten sich durchaus gewalttätig.“

Ernstnehmen kann das bei dem Rest deiner Ergüsse aber wohl keiner mehr…

Außerdem behauptest du folgendes:

„Diese strukturelle, in unseren Gesellschaften tief verankerte Gewalt bringt Frauen zum Schweigen, schränkt ihre Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit erheblich ein.“

Das ist Unsinn. Das, was die Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit von Frauen einschränkt sind solche Typen wie du, die Frauen immer als Opfer darstellen, die Frauen ängstigen, indem sie ihnen erzählen, dass es nicht möglich ist alleine als Frau durch die Stadt zu laufen. Die ihnen erzählen, wie groß doch die Gefahr von irgendwelchen Männern auf der Parkbank ist!
Und die dann meinen sich auch noch mit solchen Texten wie dem hier besprochenen als lieber netter Frauenversteher aufspielen zu müssen! Du bist schuld, dass deine Freundin Angst hat nachts alleine, weil du ihr immer wieder klar machst, dass die böse weite Welt ach so gefährlich für Frauen ist!

„Wenn ich reise, kümmere ich mich beispielsweise wenig darum, wie ich mich kleide oder zu welcher Tageszeit ich unterwegs bin. Im Netz bewege ich mich frei und unbeschwert, ohne Angst vor Androhungen von Vergewaltigung. Im Job muss ich mir keine anrüchigen Kommentare, ungebetene Annäherungen oder körperliche Übergriffe gefallen lassen. In einer Partnerschaft werde ich tendenziell nicht geschlagen oder missbraucht. Gemeinhin werde ich als Mensch und nicht als Objekt wahrgenommen.“

Freut mich für dich. Stell dir vor: den meisten Frauen geht es genauso! Außer vielleicht denjenigen, die so einen Freund oder Mann wie dich an ihrer Seite haben, der ihnen erzählt, dass das für sie alles nicht möglich ist, weil sie Frauen sind.
Außerdem erzählst du uns Frauen:

„Obwohl Frauen in ihrer Selbstbestimmung regelmäßig Einschränkungen erfahren, haben wir Männer viel zu selten ein Bewusstsein dafür.“

Welche Einschränkungen – abseits der idiotischen Behauptung Frauen könnten nicht alleine durch die Stadt gehen und sich frei bewegen – bitte?
Und du meinst vermutlich noch, du hast ein Bewusstsein dafür, wie es Frauen geht, was Frauen wollen? Oh man, ja du geiler Hecht, du hast es voll erfasst: Wir Frauen wollen alle einen Mann wie dich, der uns durch seine ständigen Erzählungen von Diskriminierung etc. davon abhält alleine auf die Straße zu gehen.
Ist das eigentlich so eine Masche? Der Macho verbietet der Frau, alleine rauszugehen und du ängstigst sie so sehr, dass sie sich alleine nicht mehr raus traut (zumindest ist das dann wohl der gewünschte und bei deiner Freundin auch erreichte Effekt)?

Und natürlich nimmst du alle Männer noch brav in Sippenhaft, gibst ihnen eine schuld qua Geschlecht an all den Verbrechen, die irgendwelche Arschlöcher da draußen begehen:

„Verantwortung zur Handlung tragen wir als Angehörige des männlichen Geschlechts, auch wenn wir nicht diskriminieren oder schlagen. Schweigen wir, so bedeutet das in gewisser Weise, dass wir uns auf die Seite einer ungerechten Sache stellen.“

Und du bist natürlich besser als all die anderen, die Schweigen, denn du hast diesen ach so tollen Artikel geschrieben, in dem du dich klar positionierst – natürlich auf der Seite der armen unterdrückten Frauen! Du bist sicher damit der Held aller Frauen!
Toll und bewundernswert finde ich auch, deine Tipps für andere Männer, damit sie ebenso ein so großartiger Frauenversteher und guter Mensch werden wie du:

„1) Sich bilden, fragen und zuhören: Es ist nicht an Frauen, uns Männern zu erklären, welche Probleme eine patriarchale Gesellschaft hervorruft.( …)Hierzu gehört auch, Fragen zu stellen und wirklich zuzuhören, wenn uns Frauen erklären, in was für einer Welt sie leben; im Gespräch davon abzusehen zu relativieren, zu verteidigen oder zum „Gegenangriff“ überzugehen.“

Es ist nicht an euch Männer zu erklären, sondern ihr sollt zuhören. Dass du mit deinem Artikel da eine klassisches Gegenbeispiel bietest merkste selber, oder?

„2) Anerkennen: (…)“

Aber sicher nicht die tatsächlichen vielen tausend unterschiedlichen Realitäten von vielen tausend unterschiedlichen Frauen. Sondern nur diejenigen, die dir, lieber Frauenversteher in den Kram passen!

„3) Neue Ideale von Männlichkeit entwickeln: (…)“

Oh ja. Am besten dich als Vorbild für das Ideal aller Männer! Du bist so gut, dass alle Männer sein sollten wie du!

Und ganz toll auch dein letzter Absatz im Artikel:

„Dann, vielleicht, geht eines Tages eine Frau allein bestimmten Schrittes im Dunklen über den Hinterhof. Zu ihrer Rechten findet sich eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben und senken sich. Um die Ecke betritt die Frau das Treppenhaus und nimmt die ersten Stufen. Für sie ist das ein ganz normaler Weg nach Hause. Es ist nichts weiter dabei, vor allem keine Angst."

Nein, dafür sind deine Tipps alles andere als hilfreich! Du erreichst mit deinem dämlichen Getue nämlich genau das Gegenteil.
Stell dir vor, es gibt Frauen, die nicht einen solchen Frauenversteher wie dich an ihrer Seite haben und für die ist das heute schon ganz normal, sich alleine in der Welt zu bewegen – ohne irrationale Ängste!
Und vielleicht wäre auch deine Freundin eine solche selbstbewusste Frau, wenn du ihr nicht erzählen würdest, wie schlimm diskriminiert und Opfer sie doch ist!

Ps. Hier noch was interessantes für dich zum Lesen, damit du mal andere Lebensrealitäten von Frauen kennenlernst:

 
 
 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Unzufriedene, faule, dicke Menschen

Diese Personen regen mich zur Zeit extrem auf. Diese Menschen, die sich selbst aufgeben, hässlich finden und frustriert durch die Gegend laufen. Und dann gleichzeitig noch behaupten, jeder dicke Mensch wäre so wie sie!
Nein verdammt! Ich bin nicht wie ihr und ich finde euer scheiß Verhalten einfach bescheuert. Mit der Art und Weise mit den Behauptungen schadet ihr nicht nur euch selbst, sondern auch der gesellschaftlichen Sicht auf dicke Menschen! Also genaugenommen regt mich nur Letzteres auf! Jeder Mensch soll gerne so viel er will faul auf der Couch rumgammeln und nichts tun und denken er ist hässlich – Aber bitte treibt auch doch nicht im Internet und in anderen Medien rum und behauptet, dass alle dicke Menschen so sind wie ihr!
 
Anlass, warum das jetzt wieder in meine Gedanken gekommen ist, war tatsächlich der Beitrag mit und über Nicola bei FrauTv, die unter anderem auch über Fat-Acceptance etc. auf ihrem Blog bloggt. Ich muss sagen, ich mag ihren blog, lese ihn ganz gerne mal, aber immer wieder kann man raushören, das sie eigentlich nicht zufrieden damit ist, wie sie ist. Und sich dann hinzustellen und zu sagen, dass sie „Fettaktivistin“ ist und alles toll so ist wie es ist finde ich einfach scheiße.
Wenn man nicht zufrieden ist, dann muss man was ändern (nein, nicht unbedingt abnehmen, vielleicht einfach mal am Selbstbewusstsein arbeiten)!
Jemand, der Dinge schreibt wie „ ‚Du hast so ein hübsches Gesicht‘ heißt nichts anderes als ‚Warum bist du nur so fett?‘“  und im TV verkündet: „Ich habe so hart gearbeitet, um mit diesem Körper endlich Frieden zu schließen“ kann doch nicht ernsthaft mit sich selbst zufrieden sein. Wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, dann freue ich mich doch über Komplimente! Auch ein Kompliment für mein hübsches Gesicht, Kleidungsstil etc. sagt doch nicht gleichzeitig, dass ich fett sei! (Abgesehen davon, wenn die Aussage damit verknüpft ist, eine bestimmte Handlung sei "mutig", weil man dick sei.)Diese Aussage demjenigen, der einen vielleicht einfach wirklich hübsch findet, zu unterstellen, finde ich eigentlich schon eine Frechheit.
Und wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, warum muss ich daran arbeiten, mit meinem Körper Frieden zu schließen? Wieso hat man den Körper ursprünglich als Feind betrachtet?
 
Weiterhin stellt Nicola im TV-Beitrag die Frage, wieso es überhaupt so wichtig sei, schön zu sein. Hmm, vielleicht weil es einem einfach gut tut, wenn man sich im Spiegel selbst gefällt, wenn man sich freut, wenn man sein Spiegelbild sieht?
Ich finde es hingegen überhaupt nicht wichtig, einem gesellschaftlichem Schönheitsideal von Schlankheit etc. zu entsprechen – tue ich selber ja auch nicht. Will ich auch gar nicht! Aber ich möchte mich im Spiegel mögen! Ich möchte nicht in den Spiegel gucken und denken: Ich bin zwar hässlich, aber es ist doch nicht wichtig, schön zu sein! Nein, ich möchte in den Spiegel gucken und denken, wow bin ich schön! (Klappt bei mir übrigens wunderbar ;) )
Selbstliebe ist so unglaublich wichtig! Es geht einem einfach besser, wenn man sich selbst gefällt, als wenn man „Frieden schließt mit einem Körper, den man eigentlich nicht mag“ und sich einredet, man muss ja nicht schön sein!
Und dieses nicht schön fühlen bestätigt Nicola auch gleich mit der weiteren Aussage: „Als dicker Mensch, weil man sich so blöd fühlt, stellt man sich oft nicht vor den Spiegel.“
Und warum sollte man sich als dicker Mensch bitte nicht oft vor den Spiegel stellen? Der einzige Grund ist, dass man mit sich selbst unzufrieden ist! Dann sollte man etwas an sich selbst ändern: Am besten an Selbstbewusstsein und Selbstliebe arbeiten – und falls das nicht klappt evtl. an seinem Körper!
Aber doch nicht versuchen allen anderen dicken Menschen einzureden, sie könnten sich gar nicht schön finden, sie schauen nicht gerne in den Spiegel…
 
Ich möchte mich in diesem Beitrag aber nicht nur an Nicola abarbeiten, der Beitrag war lediglich der eine einzige Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Weiterhin aufgeregt hat mich beispielsweise auch die dicke Kassiererin, die es kaum schafft, den 5k Kettlebell (ich liebe die Übungen damit!) über den Skanner zu wuchten und dann kommentiert: „Ich krieg den ja kaum hoch und kann mir gar nicht vorstellen, dass du damit trainieren willst!“ Ernsthaft?!
Was geht diese Dame mein Einkauf an? Und warum muss sie in der Öffentlichkeit selbst das Bild einer faulen, schwachen dicken Person abgeben und das gleichzeitig auf mich projizieren?! Mein gesamter Einkauf wiegt übrigens normalerweise ca. 20-30 Kilogramm, was ich verteilt auf zwei Tüten problemlos in den zweiten Stock trage (selbst ohne Kettlebell).
 
Auch erinnere ich mich noch an die erste Staffel von „Curvy Supermodel“ auf RTL2, als nach den ersten Sendungen schnell überall Artikel erschienen, in denen sich gemeinsam darüber aufgeregt wurde, dass die Jury bei einer Bewerberin bemängelt hat, sie solle Sport machen, damit es weniger schwabbelt. Dazu hatte ich damals bereits in einem Artikel geschrieben:
 
„Generell scheint es aber die Autorin sehr zu stören, dass ein Modelkörper eben nicht schwabbeln soll, sondern fest zu sein hat. Bereits in der Überschrift heißt es also „Bloß nicht schwabbeln!“ und auch im Text findet sich dann folgende Passage:
 
„Einer geschassten Kandidatin wird immerhin gesagt, sie könne nächstes Jahr wiederkommen - wenn sie abgenommen hat und nichts mehr schwabbelt.“
 
Hier gibt die Autorin die Stelle einfach komplett falsch wieder. Es ging in keinem Moment darum, dass die Frauen aufgefordert wurden abzunehmen. Sie interpretiert die Aufforderung, ein wenig Sport zu machen, damit es nicht mehr schwabbelt einfach um. Fakt ist natürlich, dass man auch in einem dicken Körper sportlich sein kann und dieser dann auch weniger schwabbelt. Wenn sich nämlich unter oberflächlichem Fett Muskeln befinden.“
Und genau das scheinen unglaublich viele Menschen nicht zu verstehen: Dick bedeutet nicht, dass es schwabbelt! Wenn es schwabbelt, dann ist jemand unsportlich, aber nicht jeder dicke Mensch ist unsportlich. Und nicht jeder unsportliche Mensch, bei dem was schwabbelt ist dick! Ich bin dick und habe auch dicke Oberarme, aber wenn ich jemandem zuwinke, dann schwabbelt da sicher nichts am Arm! Denn ich bin nicht nur dick, sondern auch fit und sportlich. (Könnte vermutlich nahezu jeden durchschnittlichen Mann im Armdrücken schlagen ;) ).
 
Aber Nein, das darf es ja auch nicht geben: Dick und sportlich ist ja wieder mal ein unlösbarer Widerspruch. Es ist gerade so unglaublich, dass jemand wie Mirna Valerio, eine dicke Frau, die gerne läuft, einfach damit sehr bekannt werden kann, dass sie täglich joggen geht. Es scheint für die gesamte Welt einfach so unfassbar zu sein, dass man auch als dicker Mensch gerne läuft! Weil dicke Menschen sind ja faul und so!
Ich laufe übrigens auch gerne, nicht täglich, sondern jeden zweiten Tag. Ziel ist es, nächstes Jahr einen Marathon zu laufen. Ich liebe laufen, es ist einfach super entspannend und man fühlt sich gut dabei! Und hey, ich bin dick und fit und sportlich (und körperlich wahrscheinlich gesünder als die meisten dünnen Menschen!)!
Aber so lange dicke, faule Menschen weiterhin verkünden: wenn jemand dick ist, dann ist es normal, dass es schwabbelt, glauben zu viele Menschen, dass man nicht fit und sportlich sein kann wenn man dick ist.
Und so lange dicke faule Menschen weiterhin erzählen, es ist nicht wichtig, dass man schön ist und man muss nur mit seinem Körper „Frieden schließen“, werden viele dicke Menschen weiterhin zu hören bekommen, dass es gar nicht sein kann, dass sie sich wohl fühlen, weil sie ja dick seien!
Verdammt noch mal! Ich fühle mich sehr wohl so wie ich bin und ihr alle, die frustriert Zuhause rumsitzt, euch nicht ins Schwimmbad traut und meint, es wäre normal sich nicht schön zu finden, weil man ja dick ist: Haltet doch einfach mal die Fresse und beschäftigt euch mit euren eigenen Komplexen!
 

Freitag, 30. Juni 2017

Alpenflair 2017

Ich bin ja normalerweise nicht so der Festivalmensch: Dreck/Matsch, Zelten, Krach, kaum Duschen und Toiletten – nein, das ist nicht die Art der Umgebung, in der ich mich wohlfühle.

Aber ein Festival muss einfach sein und das ist das Alpenflair!

Beim Alpenflair kann ich tolle Musiker sehen, eine Menge Freunde aus dem gesamten deutschsprachigen Raum treffen und habe einfach extrem viel Spaß!

Da ich mich jetzt gar nicht so detailliert äußeren möchte, lasse ich einfach die Bilder sprechen:


Der Eingang zum Festivalgelände


Super Stimmung während Kärbholz auf der Bühne performt


Spät am Abend dann: Hämatom


Gittarist der Band Hämatom

 


Tag 2 mit: Subway to Sally


Subway to Sally


Manchmal muss man sich auch etwas ausruhen! ;)


Headliner am 2. Tag: Anthrax


Anthrax


Und nach den Auftritten auf der Bühne geht es im Zelt weiter mit: Tim Toupet


Headliner am 3. Tag: Frei.Wild
Frei.Wild
 
Grandiose Stimmung und Wunderkerzen beim Auftritt von Frei.Wild

Im nächsten Jahr bin ich sicher wieder dabei beim Alpenflair! Und nächstes mal weiß ich von Anfang an, dass ich – egal bei welchem Wetter – Schuhe mit Stahlkappen tragen werde. Dieses mal sind mir leider häufiger Menschen auf die Füße getreten (ich dachte bei 35°C im Schatten wären leichte Schuhe sinnvoll), aber am 3. Tag hatte ich entsprechend stabile Schuhe an und das war viel angenehmer!

Gefreut hat mich diesmal übrigens auch, dass Anthrax mein Foto auf Instagramm und Facebook gepostet (natürlich unter Angabe der Quelle) hat!

Samstag, 10. Juni 2017

Das Umfeld

Ich bin aufgewachsen in einem kleinen ländlichen Dorf, welches man schon ein wenig als eine Art Ghetto beschreiben könnte: Einer meiner besten Freunde hat bereits mit 13 Autos geklaut, um in die nächste größere Stadt zu fahren, Freunde haben gesoffen, gekifft oder andere Drogen genommen bzw. diese verkauft.  Nicht selten hatte jemand ein Messer griffbereit. Ich erinnere mich noch gut, als ich einen Bekannten damals mit blutüberströmten T-Shirt abholen musste, weil ein anderer ihn mit dem Messer angegriffen hat, da er aus dem Drogenhandel aussteigen wollte…
Ein Nachhilfeschüler, der eher aus einem bürgerlichen Umfeld stammte sagte einmal zu mir, er hätte Angst bei uns Nachts auf die Straße zu gehen – der Junge war 19 Jahre alt, muskulös und fast zwei Meter groß. Damals habe ich mich darüber noch gewundert, denn ich hatte keine Angst, kannte aber beinahe alle, die Nachts bei uns auf den Straßen rumlungerten und wusste mich zu behaupten.
Auch später waren Menschen in meinem Umfeld irgendwie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Obwohl der beste Freund meines (mittlerweile Ex-)Freundes aus einer völlig anderen Stadt stammte, war dieser wieder jemand, der sein Leben durch Betrügereien finanzierte und bereits über zwei Jahre wegen Drogenhandel im Knast gesessen hatte. Als ich mit meinem Freund zusammen in einer Wohnung gelebt und die Post geöffnet habe, durfte ich dann auch noch erschrocken feststellen, dass Haftbefehle tatsächlich einfach in den Briefkasten geworfen werden – kein schönes Gefühl.

Durch meine Kindheit und Jugend im Ghetto habe ich den Vorteil, dass ich mich behaupten kann und so gut wie keine Angst vor irgendwelchen Menschen habe. Natürlich kann mir was passieren, wenn ich alleine unterwegs bin – speziell, wenn ich in bestimmten Gegenden bin, wo sich mehr kriminelle Typen rumtreiben als woanders (beispielsweise Reeperbahn o.ä.). Bisher habe ich mir immer gesagt, ich lass mir mein Leben nicht einschränken bzw. schränke mich nicht selbst ein indem ich solche Orte meide.
Ein Freund meinte allerdings letztens zu mir, dass es einem ja auch selbst besser gehen würde, wenn man eben nicht unbedingt dorthin geht, wo Kriminalität an der Tagesordnung ist. Zu viele kriminelle Freunde und Bekannte tun dem eigenen Wohlbefinden nicht gut.
Ich denke im Moment darüber nach, ob er damit Recht haben könnte. Vermutlich hat er das tatsächlich. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass gerade an solchen Orten die Menschen unglaublich offen und tolerant sind (und ja leider auch kriminell) und ich schnell mit tollen Leuten ins Gespräch komme während das in einer beschaulichen Eckkneipe auf dem Land wohl eher weniger der Fall ist.

Leute, die komplett behütet in einer Bilderbuchfamilie aufgewachsen sind, mit denen kann ich häufig leider nicht viel anfangen. Sie können so vieles nicht nachvollziehen, nicht verstehen, was mich umtreibt, was mich beschäftigt, was ich erlebt habe. Ich denke dann im Gespräch oft, da hat aber jemand keine Ahnung vom Leben – Tatsache ist, da hat jemand ein komplett andere Vorstellung vom Leben, komplett andere Erfahrungen.
Als ich im Gespräch mit einer Freundin erwähnte, dass ich es total schade finde, wenn Frauen sich so klein machen und sich nicht gegenüber unverschämten Männern behaupten, bekam ich als Antwort, dass diese das nie gelernt haben. Auch sie sei sehr behütet aufgewachsen und immer waren „Beschützer“ da, so dass man sich einfach niemals selbst verteidigen musste. Wenn man dann mit besoffenen Männern konfrontierte wird, die einen dämlich anmachen oder betatschen, bekommt man eben Angst, statt denen eine ordentliche Ansage zu machen.
In dem Punkt hatte mein Ghetto immerhin einen Vorteil für mich: Ich lass mich nicht schnell klein machen! Im Notfall schlag ich zurück!
Und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ich automatisch immer wieder mit Menschen in Kontakt komme, die es mit dem Gesetz nicht ganz so genau nehmen: Selbst hier im beschaulichen Südtirol wüsste ich wieder problemlos, wen ich fragen müsste bezüglich Drogen oder Waffen – und das obwohl Südtirol nicht unbedingt zu den Gegenden gehört, die man wegen ihrer Gefährlichkeit meiden sollte…
Also vielleicht kann ich dem auch einfach nicht aus dem Weg gehen.

Montag, 29. Mai 2017

Wann ist Sex einvernehmlich - und muss das sein?

Im Zuge der Diskussion zum Jubiläum der Reform des Vergewaltigungsparagraphen §177, äußerte Anne sich folgendermaßen:

„Wenn für mich nicht-einvernehmlicher Sex OK (und sogar wahnsinnig geil) ist, bedeutet das auch nicht, dass ich dies für andere Leute verallgemeinern möchte.“

Da stellt sich zunächst die Frage, was es bedeutet, dass Sex einvernehmlich ist. Ich verstehe es so, dass beide (oder alle) Beteiligten mit dem Geschehen einverstanden sind – und von keinem der Wille gebrochen wird. Eine „Spielerei“ wie ein wenig Gegenwehr überwinden, ändert nichts an der Einvernehmlichkeit.

Die Aussage von Anne ist für mich daher völlig unverständlich! Entweder man möchte Sex bzw. es ist „OK (oder sogar wahnsinnig geil)“ oder man möchte eben keinen Sex und der andere nimmt sich dennoch, was er möchte: Das erste ist einvernehmlich, das zweite eindeutig nicht.  Aber wie man Sex gleichzeitig wollen und dennoch nicht wollen kann, das begreife ich einfach nicht. Auf die Frage an Anne, wie sie denn das Wort „einvernehmlich“ interpretiert (möglich dass daher das Missverständnis rührt) habe ich leider keine Antwort bekommen.
Sondern sie hat hingegen wieder auf das Gesetz verwiesen:

„Im Gesetzestext steht etwas von „gegen den erkennbaren Willen“, nichts von „Einvernehmlichkeit“.
Es ist also müßig, darüber zu diskutieren.“

Ich habe das Gefühl, dass Anne die Passage „erkennbaren Willen“ so interpretiert, dass nur die Wahrnehmung von außen zählt – also wenn ein Zuschauer den Eindruck hat, es handelt sich um eine Vergewaltigung, wird der vermeintliche Täter verurteilt, obwohl der Sex eigentlich keine Vergewaltigung war.
Allerdings ist das erkennbarer Willen genau aus einem ganz anderen Grund dort und muss auch völlig anders interpretiert werden. Es geht dabei darum, ob im Falle einer Beschuldigung der tatsächliche Willen des Opfers von außen erkennbar war – sofern dieser natürlich gegen den Sex stand. Der Grund ist ganz einfach der, dass man niemanden der Vergewaltigung verurteilen darf, der gar nicht die Möglichkeit hatte, zu erkennen, dass das vermeintliche Opfer nicht will. Dieser Absatz schützt hier also den Beschuldigten – genau das Gegenteil, was Anne dort hineininterpretiert!

Ich vermute mal, dass es bei Anne und ihrer Fantasie von nicht einvernehmlichem Sex auch ein wenig einfach um das überwältigt werden und sich fallen lassen können bzw. auch mal einfach benutzt werden, geht. Es gibt ja Untersuchungen, die zeigen, dass ein nicht geringer Teil der Frauen solche und ähnliche Fantasien hat.

Und ich kann diese Wünsche als BDSMlerin natürlich auch nachvollziehen. Auch mich reizt es manchmal einfach ein wenig widerspenstig zu sein und mich zu wehren, bevor er mich dann überwältigt. Aber würde das keinesfalls als „nicht einvernehmlich“ kategorisieren. Denn letztendlich will ich ja genau das: überwältigt werden.
Sex, der von beiden gewollt ist, ist einvernehmlich! Das ist es völlig egal, wie das für einen Dritten von außen scheint. Egal, ob der Nachbar sagt: „Aber er hat sie geschlagen, gefesselt und vergewaltigt. Das habe ich ganz genau gesehen! (durchs Fenster, mit meinem Fernglas)“. Sobald beide Beteiligten sagen, dass es genau so gewollt war, wird sich kein Staatsanwalt und kein Gericht dafür interessieren. Also auch das Argument, das man bei härterem Sex befürchten müsste, eine dritte Person könne dies zufällig beobachten und als Vergewaltigung anzeigen, finde ich eher ein wenig überängstlich. Schließlich dürfte es auch in dem Fall kein Problem sein, deutlich zu machen, dass alle Beteiligten einverstanden waren.
Dass das Wort der Ehefrau in dem Fall nicht zählen würde, wie Anne bei sich auf dem Blog schreibt, ist auch Unsinn. Natürlich muss geschaut werden, ob die Frau unter Druck gesetzt wird (was bei missbräuchlichen Beziehungen nicht selten der Fall ist), aber das lässt sich meist recht schnell erkennen: Wirkt die Frau selbstbewusst und sagt deutlich, dass sie das wollte oder wirkt sie eher ängstlich und eingeschüchtert. Ich denke nicht, dass eine Frau wie Anne da ein großes Problem hätte, ihren Standpunkt deutlich zu machen.

Natürlich ist ein solcher Kontakt mit dem Gesetz bzw. dessen Hütern zunächst nicht besonders angenehm, aber dennoch nötig, damit Menschen, die tatsächlich in Gefahr sind bzw. vergewaltigt wurden, geholfen werden kann. Und natürlich kommt es vor,  dass übereifrige Nachbarn die Polizei rufen, Bekannten von mir ist das tatsächlich passiert: Die Polizisten haben Frau und Mann voneinander getrennt befragt und da sich beide Aussagen deckten in der Hinsicht, dass alles einvernehmlich war, sind sie wieder weg – also keine Anklage, kein garnichts.

Niemand sollte nicht-einvernehmlichen – und damit gegen den eigenen Willen – Sex haben müssen und niemand sollte im Netzt eine Vergewaltigung runterspielen, indem man so tut als wünsche man sich das! Kein Mensch möchte vergewaltigt werden, denn das ist alles andere als toll oder geil!