Montag, 14. November 2016

Status und Charakter machen attraktiv

Immer wieder taucht die Frage auf, was eigentlich attraktiv bzw. anziehend macht. Abgesehen von Äußerlichkeiten kann dies – und ist es häufig – der Status einer bestimmten Person sein.
Warum etwa finden so viele Frauen Robert Pattinson, George Cloony oder Leonardo Di Caprio attraktiv? Das sind alles Schauspieler, die tatsächlich äußerlich eher durchschnittlich sind. Aber natürlich gibt es einerseits den Status als Schauspieler und andererseits den bzw. die Charaktere, die diese Schauspieler jeweils darstellen: Häufig starke Männer mit Beschützerinstinkt.
Gerade bei Robert Pattinson, der in Twillight den männlichen Hauptcharakter Edward Cullen verkörpert ist mir der Hype extrem aufgefallen. Als Twilliight in den Kinos lief, gab es viele junge Frauen, die Robert Pattinson plötzlich unheimlich attraktiv fanden.
Der Filmcharakter Edward Cullen war durchaus als Charakter attraktiv: Er war der starke nahezu unsterbliche Vampir, der jederzeit sofort zur Stelle war, um seine Geliebte verletzliche Frau zu beschützen. Ich persönlich fand den Charakter attraktiv, aber den einfachen Schauspieler, wie er beispielsweise in irgendwelchen Klatschblättern präsentiert wurde, sehr unattraktiv.

Genauso geht es mir beispielsweise auch bei Commander Lexa aus „The 100“, gespielt von Alycia Debnam-Carey. Sie ist in der Rolle als starke und teilweise skrupellose Anführerin unglaublich attraktiv und anziehend. Auch die Situationen in denen sie Gefühle zeigt gegenüber der Person, die sie liebt  und sich dann verantwortlich fühlt tragen dazu bei.
Die Schauspielerin selbst ist vermutlich auch sehr attraktiv – vor allem für viele Männer, aber für mich bei weitem nicht so sehr wie der fiktive Charakter Lexa. Ich steh eben auf Anführer ;)
In der neuen Serie „Fear the walking Dead“ spielt sie eine 17jährige, das macht sie nicht unbedingt besonders anziehend.

Ich mache – vermutlich zu vielen anderen – einen Unterschied zwischen dem fiktiven Charakter und der bzw. dem Schauspieler/in. Ich habe das Gefühl, dass viele das nicht tun und die Anziehung, die aufgrund des fiktiven Charakters entsteht auf den Schauspieler projizieren. Hier entsteht eine Verschmelzung bzw. Vermischung von Fiktion und Realität, die ich nicht für gut halte. Dies zeigt aber wiederum wie sehr Status und Charakter eben beeinflussen kann, was jemand attraktiv findet.
Und ich denke, dass trifft nicht nur auf Frauen zu. Auch viele Männer finden beispielsweise Cameron Diaz attraktiv, obwohl sie – wäre sie nicht eine berühmte Schauspielerin – vermutlich von den wenigsten so betrachtet werden würde.

Ich finde es immer wieder interessant, wie vehement oft abgestritten wird, dass der Status beispielsweise bei Schauspielern eine Rolle spielt. Es geht doch nicht mal darum, dass damit viel Geld verbunden ist. Sondern einfach, was mit der Position ausgedrückt wird. Vielleicht ein bisschen Macht und damit auch die Möglichkeit, eine andere Person in gewisser Weise beschützen zu können.

Insgesamt gibt es hier zwei Aspekt: Zum einen den Status selbst und zum anderen die Projektion eines fiktiven Charakters und der mit diesem verbundene Status auf den Schauspieler. Aber am Ende geht es immer um das Gleiche.

Samstag, 12. November 2016

Hillary Clinton: gescheitert, weil sie eine Frau ist

Antje Schrupp hat sich in ihrem letzten Artikel der Kandidatin Hillary Clinton gewidmet und ist (wie viele andere) der Meinung, ihr Scheitern läge an ihrem Geschlecht.
So schreibt sie beispielsweise:

„Es ist eine Haltung, die ich schon länger bei den Beiträgen von Frauen im öffentlichen Diskurs beobachte: Sie werden hoffiert, solange sie nützlich sind, aber wenn sie etwas sagen, das einem nicht passt, dann wird umso heftiger zurückgeschlagen.“

Aber ist das dieses Verhalten wirklich an das Geschlecht gebunden? Ist es nicht viel mehr so, dass jeder Politiker öffentlich nur solange hofiert wird, wie er nützlich ist bzw. eine dem medialen Mainstream passende Meinung vertritt?
Was war mit Wulf? Was mit Brüderle? Sind diese Männer nicht auch wegen Kleinigkeiten fallengelassen worden wie eine heiße Kartoffel? Nicht nur dass, es wurde in den Fällen auch nochmal ordentlich nachgetreten.
Aber wenn so etwas eine Frau trifft, dann liegt es natürlich nur daran, dass sie eine Frau ist.

Auch ihre nächste Schlussfolgerung ist für mich ziemlich schlecht nachvollziehbar:

„Es ist natürlich toll, dass die Demokraten Clinton aufgestellt habe, aber ich könnte mir denken, wenn sie einen Mann aufgestellt hätten – nicht Bernie Sanders, ich glaube nicht, dass er Chancen gehabt hätte, aber einen „Hillarius Clinton“, der hätte gegen Trump gewonnen.“

Wie kommt sie darauf, dass jemand, der genauso ist wie Clinton – nur mit einem männlichen Geschlecht – gewonnen hätte? Meiner Meinung nach gibt es nichts, was ein Argument dafür war, Hillary zu wählen. Bisher konnte keiner ein Argument nennen. Abseits natürlich von den beiden Standard Argumentationen: „Sie ist eine Frau“ und „Sie ist nicht Donald Trump“, aber das halte ich für keine wirklich guten Argumente.
Bei einem männlichen Kandidaten wäre es noch viel schwieriger, denn dann fehlt auch noch das für viele Wählerinnen wichtige Argument „Sie ist eine Frau“.
Ich glaube auch, dass andere Kandidaten gegen Donald Trump gewonnen hätten – ganz unabhängig vom Geschlecht. Vermutlich hätte auch eine Michelle Obama als Kandidatin haushoch gewonnen oder ein Bernie Sanders.
Das liegt aber nicht daran, dass diese Personen Mann oder Frau sind, sondern, dass das Volk sie für weitaus vertrauenswürdiger hält als Hillary Clinton – und vermutlich auch sympathischer.

Und so zu tun als hätten Hillary Clinton oder Obama keine Fehler gemacht ist schon mehr als verblendet meiner Meinung nach:

„Obama war im konservativen Milieu der USA auf eine solche Weise verhasst, dass sich das nur mit Rassismus erklären lässt. Diese acht Jahre aufgestauter Hass auf einen schwarzen Präsidenten, der dann noch nicht einmal richtige Fehler machte, und anschließend eine weibliche Kandidatin, die auch keine Fehler machte – das war zu viel.“

Vielleicht war Obama auch aufgrund dessen Politik verhasst? Man kann auch ein Problem mit einem schwarzen Menschen bzw. mit seiner Politik haben ganz unabhängig davon, ob er schwarz ist.
Ich selbst bin auch ziemlich enttäuscht von Obama. Eines der für mich wichtigsten Wahlversprechen hat er in den Jahren seiner Präsidentschaft immer noch nicht umgesetzt: es gibt weiterhin ein Gefangenenlager, in dem Menschen ohne Prozess jahrelang festgehalten und sogar gefoltert werden. Menschenrechte ausgesetzt. Ja, stimmt hat überhaupt keine Fehler gemacht, dieser tolle Präsident! 
Ach und die fehlerfreie Frau Clinton hat ja nicht nur jegliche kriegerische Intervention der USA befürwortet, sondern aktiv unterstützt. Außerdem freute sich Hillary Clinton über einiges an Spenden von Ländern, die es ebenfalls mit den Menschenrechten (speziell auch Frauenrechten) nicht so genau nehmen. Es gibt haufenweise Gründe dafür, dass Obama oder auch das Clinton nicht gerade beliebt sind bei allen, da muss man nicht die Rassismus- bzw. Sexismuskarte ziehen!
Und aufgrund dessen halte ich die folgende Aussage von Frau Schrupp schon für ziemlich verblednet:

„Ich bin felsenfest überzeugt, wäre Obama weiß gewesen und Clinton männlich und alle anderen Koordinaten identisch – dann wäre jetzt nicht Trump Präsident."

Bei ansonsten identischen Koordinaten sicher nicht! Und davon bin ich jetzt mal felsenfest überzeugt.
Auch die Schreckensszenarien, die von Schrupp entworfen werden, lassen mich ziemlich kalt:

„Wir werden jetzt wieder für Selbstverständlichkeiten und Minimaldinge kämpfen müssen, statt uns darauf konzentrieren zu können, weiter zu gehen. Wir werden nicht Clinton für all die Dinge kritisieren können, die man ihr zu Recht vorwerfen kann, sondern wir werden dafür kämpfen müssen, dass Arme nicht einfach auf der Straße verrecken, dass es nicht alle ganz normal finden, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden und so weiter. Mit der Wahl von Trump ist eine Verschiebung der symbolischen Ordnung geschehen.“

Mit keinem einzigen Satz hat Trump jemals gesagt, dass er es in Ordnung findet, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden. Und ein paar dämliche Sprüche führen noch lange nicht dazu, dass Verbrechen plötzlich nicht mehr geahndet werden können.
Ja, Trump macht vermutlich eine andere Politik, als sie Hillary Clinton gemacht hätte. Aber die große Vorkämpferin für Frauenrechte ist sie auch nicht gerade. Sie wirkt auf mich eher so, dass sie sich selbst am nächsten ist. Einzig was sie interessiert ist Macht. Und um Macht zu erhalten, erzählt sie dann auch gerne was davon, dass Frauen zusammenstehen müssen. Sie hoffte so auf eine hohen Anteil der weiblichen Wählerschaft. Wäre das tatsächliche ihre ernsthafte Meinung, so würde sie nicht kritiklos Spenden von Ländern annehmen, denen Frauenrechte auf deutsch gesagt „am Arsch vorbeigehen“.
Was Frauenrechte angeht, so ist Clinton kein bisschen besser als Trump – sie sagt es nur nicht  so öffentlich.
Und was Trump von seinem populistischen Gerede tatsächlich in irgendeiner Weise umsetzen kann, ist sowieso noch eine andere Frage. Die USA ist schließlich keine Diktatur. Herr Trump wird sowohl den Senat als auch andere Personen seiner Partei berücksichtigen müssen.

Weiter schreibt Antje Schrupp:

„Ich hatte heute kurz den Gedankenblitz, dass der Umbruch vielleicht so groß ist, dass sogar die Tage von Marine Le Pen und Frauke Petry gezählt sind – als Frauen waren sie gut für eine Übergangszeit, weil sie rechtsextreme Politik im Gewand weiblicher Zivilisation präsentierten. Nach dem Motto: Wenn Frauen das gut finden, wird es wohl nicht so schlimm sein. Aber ich glaube, diese Bastion ist jetzt gebrochen. Trump hat gezeigt: Rechtspopulismus kann man auch im Westen mit Männern an der Spitze gewinnen.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich lese da ein wenig Frauenfeindlichkeit heraus: Le Pen und Petry haben sich also nur als Frauen vor den Karren der Rechtspopulisten spannen lassen, weil diese der Meinung sind, mit Frauen wären Wahlen einfacher zu gewinnen. Ernsthaft?
Kann es nicht einfach sein, dass es auch Frauen gibt, die eine solche Meinung vertreten und sich eben stark politisch engagieren möchten? Glaubt Antje Schrupp wirklich, dass diese Frauen so unfähig sind und sich einfach benutzen lassen? Nur weil das nicht mit dem Weltbild zusammenpasst, dass Frauen gewöhnlich das friedliche Geschlecht sind?
Beate Zschäpe war sicher auch nur Mitglied im NSU, um diesem nach außen hin einen freundlicheren Anstrich zu geben, weil männliche Mörder kommen in der Gesellschaft eben nicht so gut an wie weibliche.

Auch die folgende Behauptung wieder auf das Geschlecht zu projezieren halte ich für komplett falsch:

„Aus den Erfahrungen von Hillary Clinton und Angela Merkel können wir sehen, dass „emanzipierte“ Frauen in dem derzeitigen Politsystem nur Autorität haben, solange sie die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben. Sobald sie Konflikte eingehen (wie zum Beispiel Merkel in der Flüchtlingsfrage) werden sie auf eine Weise demontiert, wie es Männern nie passieren würde.“

Für mich ist völlig unvorstellbar, wieso hier suggeriert wird, dass Männern so etwas nie passiert wäre. Ich nehme eher Gegenteiliges wahr: Egal, was Merkel macht, sie ist und bleibt bei den meisten in der Bevölkerung eine beliebte Kanzlerin. Ebenso gibt es kaum Medien, die gegen sie anschreiben – wie es damals beispielsweise bei zu Guttenberg oder Wulf der Fall war. Wäre Merkel ein Mann, hätte sie für ihr Handeln sicherlich schon mehr Probleme bzw. negativere Presse als aktuell.

Zum Ende hin ihres Artikels macht sie einen – wie sie auch selbst sagt – recht schwammigen Vorschlag, wie man handeln könnte, um eine bessere Welt zu schaffen:

„Aber vielleicht könnten wir – also die radikalen Feministinnen – uns mit den anderen Anderen zusammentun. Gezielt die Beziehungen mit denen pflegen, die ebenfalls mit dem Demokratieprojekt, so wie es sich weiße bürgerliche Männer ausgedacht haben, weder „mitgemeint“ noch einverstanden sind. Die auch längst wissen, dass Integration und Anpassung keine echten Optionen sind, sondern nur Simulationen. Also eine intersektional agierende Bewegung aller möglichen „Nicht-Typen“, die die Differenz zu ihrem Motto macht. Vielleicht sowas ähnliches, wie Negri/Haardts „Multitude“, aber nicht als Theorie, sondern als Praxis, in Form einer Politik der Beziehungen. Und auch nicht als einfachen Zusammenschluss, sondern in Auseinandersetzung und Konflikt.“

Mir ist nicht ganz klar, was sie meint. Aber fraglich ist für mich, warum eine Lösung im Konsens eine andere Gruppe ausschließen soll. Warum muss man immer spalten? Eine Lösung , die allen passt sollte alle Menschen beinhalten und nicht nur vermeintlich „andere“. Auch weiße Männer sind Teil unserer Gesellschaft und ich sehe nicht, warum diese weniger Mitspracherecht haben sollten als andere.
Aber was genau ist denn jetzt die Alternativer zum „Demokratiprojekt“, gibt es eine vernünftige Alternative? Diktatur? Monarchie?

Donnerstag, 10. November 2016

First Lady Melania Trump

Donald Trump wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und damit wird Melania Trump zur First Lady. Die erste First Lady, die bereits in einer Ausgabe des Männermagazins GQ zu sehen war. Die erste First Lady, die als Einwanderin in die Vereinigten Staaten gekommen ist. Die erste First Lady, die zuvor erfolgreich als Model gearbeitet hat.
Die Presse ist sich einig: Melanie Trump wird eine außergewöhnliche First Lady.

Melanie Trump wurde in Slowenien (damals noch Jugoslawien) geboren und ist somit selbst nicht durch Geburt Amerikanerin, sondern eingewandert. Sie zeigt damit auch eine offene Seite von Amerika, von Donald Trump gegenüber Einwanderern.
Aber Melanie ist noch viel mehr als nur das: Sie ist schön, intelligent und erfolgreich. Bereits bevor sie Donald kennenlernte war sie sehr gefragt als Modell und auf den Titelseiten einiger bekannter Magazine zu sehen.  Daneben wie bereits angedeutet auch nackt in versch. Männermagazinen.
Genau diese Bilder wurden von der Presse im Wahlkampf wieder hervorgeholt, um damit einen Imageschaden von ihr herbeizuführen und dadurch auch Donald Trump bzw. seiner Kandidatur als Präsident zu schaden.
Aber diese Provokation durch die Medien hat augenscheinlich wenig gebracht: Weder haben sie das Image des ehemaligen Models beschädigt noch die Präsidentschaft von Donald Trump verhindert. Ich kann mir auch vorstellen, dass genau das Melania sympathisch erscheinen lässt.  

Ich persönlich fände es interessant, was in Melania vorgeht. Wie geht es einer Frau, einer Einwanderin, deren Mann in der Presse ständig als Sexist und Rassist bzw. ausländerfeindlich betitelt wird?
Einmal hat sie sich zu Wort gemeldet (als es um das alte Video mit dem Spruch ging, bei dem Donald Trump verkündete, er könne Frauen einfach so an die Pussy greifen) und gesagt, das sei nicht der Mann, den sie kenne. Ich denke, es muss unglaublich schwer sein, wenn man tagtäglich lesen muss, dass der eigene Mann, den man liebt und den man selbst vermutlich auch als liebevoll kennt, in der Presse so dargestellt wird.
Mich hätte viel häufiger die Meinung Melanias zu besagtem Thema interessiert.
Schade, dass sie meist nur schweigend neben ihrem Gatten steht und ein schönes Bild abgibt – das kann sie zumindest gut. Sie ist vermutlich auch eine der attraktivsten First Ladies, die die USA je hatte.
Aber vielleicht kommt in Zukunft dann doch noch einiges von ihr, wenn sie sich erstmal in die Rolle der First Lady eingefunden hat.

Montag, 7. November 2016

Privilegien

Manche Menschen haben Privilegien, andere nicht. Was bedeutet das? Und was sind überhaupt Privilegien bzw. wann ist eine Person privilegiert?

Wikipedia definiert:

„Ein Privileg (Plural Privilegien, von lateinisch privilegium „Ausnahmegesetz, Vorrecht“) ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird.“

Also geht es darum, dass es Menschen gibt, die etwas dürfen, was andere nicht dürfen, die spezielle Rechte haben. Das heißt demnach, dass in einer Gesellschaft, in der alle Menschen faktisch gleiche Rechte haben, keiner privilegiert sein kann? Oder ist es nicht viel mehr, dass mit bestimmten Eigenschaften auch bestimmte Rechte und Möglichkeiten verbunden sind. So kann jemand, der viel Geld besitzt problemlos sein Traumauto oder andere tolle Dinge kaufen – er hat also das Vorrecht, sich dieses zu gönnen, was Menschen mit weniger Geld eben nicht können.
Das heißt, bestimmte Dinge sind an die Eigenschaft „vermögend“ geknüpft. Bestimmte andere Rechte und Berufe sind beispielsweise an die Eigenschaft „gebildet“ bzw. „ausgebildet“ für die entsprechende Position geknüpft.

Eine weitere Definition bietet Feminismus 101 an:

„Privileg ist, wie du durch die Gesellschaft angepasst wirst. Es sind Vorteile, die du hast, von denen du denkst, dass sie normal seien. Es ist selbst normal und andere eine Abweichung von dieser Normalität zu sein.Es geht um das Los, von einer niedrigeren Stufe aus zu deinem Vorteil zu handeln.

Da der gesellschaftliche Status auf verschiedene Arten verliehen werden kann – von Rasse  über Geografie bis Klasse – sind alle Menschen in bestimmten Aspekten ihres Lebens privilegiert oder unprivilegiert. Des Weiteren hängt die Dynamik dieses Status stark von der jeweiligen Situation ab, sodass eine Person in einer Situation von einem Privileg profitieren kann, in einer anderen wiederum nicht. Es ist außerdem möglich Situationen zu erleben, in denen Personen gleichzeitig von Privilegien profitieren können, während sie ebenfalls der Empfänger von Diskriminierung in einem Gebiet sind, in dem sie von diesem Privileg nicht profitieren können.“

Im Netz hat sich ein Phänomen breit gemacht, welches als Privilegientheorie bezeichnet wird. Das beschreibt so ziemlich das, was bei der zuletzt genannten Definition erklärt wird: Privilegien wirken sich unterschiedlich aus und ein Mensch kann einerseits Privilegien besitzen, andererseits aber aufgrund anderer Merkmale diskriminiert werden.

Für mich ist allerdings viel mehr der Umgang mit vermeintlichen Privilegien interessant. Manche Privilegien oder Ursachen, die zu Privilegien führen sind angeboren, andere im Laufe des Lebens erreicht bzw. erarbeitet. Angeboren sind beispielsweise Hautfarbe, Intelligenz und zu einem gewissen Teil auch die Optik, sowie gewissermaßen auch die Herkunftsfamilie, d.h. damit verbunden Reichtum oder Armut bzw. soziale Schicht, Liebe oder Gewalterfahrungen etc.
Viele Dinge lassen sich auch im Leben erarbeiten: mit Bildung, Engagement kann man beispielsweise eine gute Stelle bekommen und so den Aufstieg aus Armut und in eine andere soziale Schicht schaffen.

Ist es richtig gerade bei angeborenen Privilegien falsch, diese den entsprechenden Personen vorzuwerfen? Was kann jemand dafür, in ein reiches Umfeld geboren worden zu sein? Richtig ist, diese Person muss vermutlich weniger mit Existenzängsten umgehen als jemand, der in einer Hartz IV Familie aufwächst, aber ist es ihr deswegen vorzuwerfen?
Komischerweise gibt es genug Menschen, die automatisch davon ausgehen, dass solche Menschen sich selbst für etwas Besseres halten. Menschen, die nicht mit Geld aus der Herkunftsfamilie ausgestattet sind, sehen oft verächtlich auf Menschen mit Geld herab.
Und es wird damit entschuldigt, dass diese ja Privilegien hätten…

Ich bin mit einem Privileg geboren worden, was mir manchmal einiges im Leben erleichtert hat, ohne dass ich heute sicher nicht in der Position wäre, in der ich bin: Ich bin hochbegabt. Das heißt, ich bin viel intelligenter als der Durchschnitt, was mir Bildung unheimlich erleichtert. Und auch den Umgang in gewissen Situationen und Schichten beherrsche ich spielend.
Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Ort, in einem Umfeld, welches umgangssprachlich wohl als Ghetto zu bezeichnen wäre. (ein Nachhilfeschüler aus „besserem Hause“ sagte mir einmal, er traue sich nichts bei uns nicht alleine auf die Straße. Zu beachten ist, dass es sich dabei um einen 19 jährigen, fast zwei Meter großen sportlichen Mann gehandelt hat).
Ich mag mein Ghetto und meine Freunde von dort, mag es eben auch, sich nicht immer korrekt verhalten zu müssen und perfekt zu artikulieren. „Boah Alter, wie du redest!“ (eine Freundin von mir als ich mich in ihrem Beisein bezüglich eines Rabatts im Geschäft erkundigte).
Und ich habe viel gesehen und erlebt, was man nicht unbedingt mit Privilegien verbindet (ein unfähiges Jugendamt, Selbstmordversuch einer guten Freundin, Drogen, Messerattacken etc.).
Viele Menschen, die mir jetzt begegnen, wissen nichts von meiner Herkunft, von meinem Leben. Sie nehmen mich als allgemein privilegiert war, da ich genug verdiene, um mich zu versorgen, ein schönes Auto fahre etc. Und diese Menschen wollen mir dann erzählen, ich hätte es immer so einfach und keine Ahnung vom echten Leben! Einfach nur, weil sie der Meinung sind, ich wäre wohl mit goldenem Löffel geboren. Da mir persönlich solche (bei mir unzutreffenden Vorurteile) begegnen, finde ich es generell auch nicht gut, so zu denken.
Durch den Besuch eines Gymnasiums hatte ich später auch Freunde, auf die die Bezeichnung mit dem goldenen Löffel tatsächlich zutreffend ist, aber das bedeutet nicht, dass diese Menschen nicht auch Probleme haben oder dass deren Probleme weniger schlimm sind als die anderer Menschen.

Es ist vielleicht schön, wenn man sich bewusst ist, wo man privilegiert ist, und wo vielleicht eher nicht. Aber daraus irgendwelche Vorurteile über andere Menschen abzuleiten ist selbst wieder stark diskriminierend.

Und wie die Definition oben so schön zeigt, ist kein Mensch generell privilegiert gegenüber allen anderen. Und wie meine eigene Geschichte zeigt, ist vieles oft nicht so wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag!

 

Freitag, 4. November 2016

Weltmännertag

Am 3. November war Weltmännertag, Ö3 fragte Frauen, was sie tun würden, wenn sie einen Tag lang ein Mann wären:

„Viel Zeit hätte ich da, weil ich bräuchte mich nicht schminken und stylen!“
Natürlich, man weiß ja, die moderne Frau ist immer perfekt gestylt wie das Modell, das einem von den Reklametafeln entgegenblickt. Wohingegen der moderne Mann keine Zeit dafür aufwendet und wie ein Höhlenmensch vor Jahrtausenden herumläuft.
 
„Im stehen pinkeln“
Das ist so ziemlich das Einzige, worum vermutlich nahezu jede Frau die Männer beneidet. Wenn man unterwegs muss und dringend pinkeln, sich dann einfach irgendwo in ein Gebüsch stellen und es laufen lassen… Ja, ich will auch immer und überall im Stehen pinkeln können!
 
„Entspannter arbeiten, weil ich würde ja mehr verdienen!“
Kann es nicht auch sein, dass sie dann gar nichts mehr verdienen würde? Nicht nur die Mehrheit der Topverdiener ist männlich, ebenso die Mehrheit der Bettler! Pauschal zu behaupten, mehr zu verdienen, zeigt allerdings wie weit die Propaganda von den vermeintlichen 23% Gender Pay Gayp schon in den Köpfen der Menschen angekommen ist.
 
„Schauen, dass ich möglichst schnell wieder eine Frau werde“
Ziemlich coole Antwort von jemandem, der mit seinem Geschlecht vermutlich sehr zufrieden und im Einklang ist J
 
Ich habe mir natürlich dann auch Gedanken gemacht, was ich tun würde, wenn ich ein Tag lang ein Mann wäre. Neben dem bereits erwähnten im Stehen pinkeln wäre da auf jeden Fall: Sex haben!
Da ich davon ausgehe, dass es eigentlich recht wenig Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt und die individuellen Unterschiede häufig um ein Vielfaches größer sind, möchte ich doch genau die Dinge machen, die mir als Frau nicht möglich sind. Und dass ist zu spüren, wie sich ein Penis beim Sex anfühlt – als Träger eines solchen.
Daneben wüsste ich jetzt nichts wirklich interessantes, was ich machen würde, nur weil ich ein Mann bin. Eigentlich kann ich alles andere, was ich gerne machen würde oder machen möchte auch als Frau machen.

Vielleicht würde ich auch zweimal Sex haben…