Samstag, 22. Oktober 2016

Frauen Vorschriften machen - feministisch?

Auf Telepolis ist ein Text von einer angeblichen Feministin erschienen, in dem sie ihren Frust über andere Frauen auslässt und diese angreift. Im Speziellen Frauen, die aus ihrer Sicht dem Feminismus bzw. der Sache des Feminismus schaden – meist einfach dadurch, dass sie sind wie sie sind.
Gleich zu Beginn schreibt die Autorin:

Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen.“

Wird sonst nicht eher „Frauensolidarität“ (der ich in dieser Formulierung auch kritisch gegenüberstehe) gefordert? Sollte Feminismus nicht das Bestärken von Frauen und ihren Lebensentwürfen sein? Feminismus als Kampf gegen Frauen finde ich irgendwie sehr unglücklich!
Sie sagt, dass sie sich in ihrem Text bewusst gegen Antifeministinnen wendet. Wer aber als Antifeminist gilt, wird von ihr definiert, anhand von Verhalten dieser Personen wie im Folgenden klar wird. So erzählt sie von einer Begegnung im Zug, bei der eine Mann einen blöden Kommentar zum Thema Maulkorb und Frauen machte als sie ihrem Hund diesen anlegte. Diesen Spruch lies sie jedoch ins Leere laufen – niemand lachte. Im Weiteren erwähnt sie Donald Trump, der eine Wahlkampagne hätte, die wie ein „einziger endloser Schwanzvergleich“ funktioniere, und kann nicht verstehen, warum dieser Frauen als Unterstützer hat. Und als nächstes charakterisiert sie die Frauen, die sie hier anspricht, die bösen Antifeministinnen:

Wenn ihr an meiner Stelle im Zug gewesen wärt, hättet ihr nur dämlich gelacht. Hö hö, ja, stimmt, Maulkorb für Frauen, gute Idee. Ihr findet es auch lustig, wenn auf Facebook eine Blondine Bananen isst, indem sie sich selbst am Kopf packt und ihn vor und zurück bewegt. Sicher habt ihr eine Freundin, die ihr markieren könnt. Augenzwinkernd. Ja, so sind wir, gell, wir verrückten Girlies. Und wir stehen drauf, wenn uns einer ordentlich den Arsch versohlt, denn manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern. "Isso."“

Wenn man also nicht alles so ernst nimmt, Spaß hat an möglicherweise sexuellen Anspielungen und darauf steht, den Arsch versohlt zu bekommen, ist man Antifeministin… Völlig unabhängig davon, wie man sich selbst gesellschaftlich einordnet bzw. welche Meinungen etc. man vertritt.
Natürlich können gewisse sexuelle Anspielungen sexistisch und beleidigend sein, aber manchmal auch einfach lustig (Wichtig: es kommt auf den Kontext und die Beziehung der Personen zueinander an!). Und tatsächlich denke ich, dass es für das Leben im Allgemeinen nicht unbedingt schlecht ist, auch mal über so einen Blödsinn zu lachen! Spaß und gute Laune machen einen sicherlich glücklicher als sich frustriert tagtäglich über das ach so antifeministische Verhalten anderer Menschen aufzuregen!
Interessant auch der rhetorische Trick, den die Autorin hier anwendet: Zunächst spricht sie die anderen mit „ihr“ an, anschließend wird auf das „wir“ gewechselt. So springt sie vom Vorwurf an eine vermeintlich andere Gruppe dazu, sich hier als Teil dessen zu präsentieren, die von innen heraus kritisiert. Kritik innerhalb der eigenen Gruppe wird meist offener begegnet als einem Vorwurf von außen. Dass es sich hier natürlich um Vorwurf von außen handelt geht aus dem Rest des Artikels eindeutig hervor.

Direkt im nächsten Absatz beginnt sie dann, entsprechende andere Frauen als dumm darzustellen und verfällt in pauschale Beleidigungen gegenüber zuvor charakterisierten Frauen:

Ihr denkt euch nicht viel dabei, wenn ihr den schmutzigen Spaß mitmacht (Denken ist sowieso nicht eure Stärke). Ihr wollt keine Spielverderberinnen sein. Ihr wollt die Stimmung nicht vermiesen. Ihr wollt zeigen, dass ihr Humor habt und dass ihr keine verbitterten Kampfemanzen seid (ihr habt keine Ahnung, was eine Kampfemanze eigentlich sein soll, aber wenn ihr das Wort verwendet, fühlt ihr euch voll klug). Emanzen gehen euch sowieso nur auf den Geist. Denn eins wisst ihr mit Sicherheit: Ihr seid keine. Ihr habt nichts gegen Männer. Aber eine ganze Menge gegen Frauen.“

Denken ist nicht die Stärke von Menschen, die gerne auch mal schmutzige Späße mitmachen? Vielleicht ist Denken auch einfach nicht die Stärke von Menschen, die ein Problem mit jedem solcher Späße haben. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein zwischen ernst und Witz zu unterscheiden. Sie scheinen nicht intelligent genug zu sein, zu merken, dass man als Frau blöde Witze, sexuelle Anspielungen machen kann und diese in so manchem Kontext lustig findet, sich aber dennoch für Gleichberechtigung und Emanzipation einsetzen kann.
Lebt sich doch so viel einfacher mit Vorurteilen!
Der letzte Satz ist besonders interessant: Ist es nicht die Autorin, die hier eine ganze Menge gegen Frauen hat?

Geradezu ironisch/satirisch wirkt der folgende Satz in dem Artikel:

Wenn ihr gegen andere Frauen hetzt, habt ihr das schöne Gefühl, zu den Guten zu gehören, zu denen, die die Welt zu einem besseren Ort machen, weil sie "über sich selbst lachen können", statt immer alles bierernst zu nehmen und mieszumachen.“

Das man den ersten Teil dieses Satzes eins zu eins auf den Artikel bzw. die Autorin übertragen könnte, fällt ihr komischerweise nicht auf. Wer hetzt denn hier nochmal gegen Frauen? Wer hat da gerade ein schönes Gefühl zu den Guten zu gehören?
Wenn man über sich selbst auch mal lachen kann, hat man eben mehr Spaß am Leben. Das hat aber sicher nichts damit zu tun, ob man zu irgendwelchen ominösen „Guten“ gehört. Aber die Autorin scheint genau dies mit ihrem Artikel zu machen: Sie ist die vermeintlich Gute, die anderen Frauen erstmal die Welt erklären muss. Diejenige, die anderen Frauen vorschreiben muss wie man sich angemessen verhält! Ernsthaft?!
Dank Feminismus und Emanzipation sind Frauen heute fähig und in der Lage über sich und ihr Leben selbst zu bestimmen. Man braucht keinen Mann mehr, der einem vorschreibt wie man sich wo zu verhalten hat! Und ich brauche ganz sicher auch keine vermeintliche Feministin, die mir neue Vorschriften macht! Emanzipation: Befreiung! Und nicht das unterordnen über einen neuen Herrscher bzw. Herrscherin. Habe das Gefühl, dass die Autorin abgesehen von Vorurteilen bezüglich „Kampfemanze“ keine Ahnung hat, was Emanzipation eigentlich bedeutet!

Und natürlich hören die Vorwürfe an die vermeintlichen Antifeministinnen nicht auf:

„Nicht nur, dass ihr euch nicht gegen Sexismus wehrt, ihr tragt sogar aktiv zu seiner Verbreitung bei. Euer dämliches Hö-hö-hö beim frauenfeindlichen Spruch des Tages ist nur der Anfang. Ihr tut es nicht absichtlich, aber ihr füttert eure Väter, Ehemänner, Brüder, Freunde und Söhne mit ihrer täglichen Dosis Frauenverachtung, indem ihr selbst die Frauen seid, vor denen sie keine Achtung zu haben brauchen.“

Frauen, die sich manchmal wie beschrieben verhalten, sind also Frauen, vor denen man keine Achtung haben braucht? Ich würde sagen, damit hat die Autorin selbst den frauenfeindlichsten Spruch des Tages gebracht!
Egal, wie jemand sich verhält oder wie dämlich jemand ist, ein jeder Mensch hat Respekt und Achtung verdient. Wenn man dies nun einer bestimmten Gruppe Frauen abspricht, da sich diese nicht regelkonform (nach eigenen aufgestellten Regeln natürlich) verhalten, ist das schon ein Glanzstück an Frauenfeindlichkeit!

Und dann werden die Vorwürfe richtig mies:

„Ihr seid die treibende Kraft hinter weiblicher Genitalverstümmelung, ihr redet dem Imam nach dem Mund, dem Exorzisten, ihr macht für den lüsternen Guru die Beine breit und wettert gegen jene Frauen, die euer masochistisches Spiel nicht mitspielen. Ihr wolltet immer schon pinke Glitzer-Prinzessinnen sein und als weiße Märchenbräute vor den Altar treten und euren Töchtern jeden Samstag die Nägel lackieren und sie so lange mit Kinderschminksets und Barbie-Ausstattung zumüllen, bis sie den Weg zur Kosmetikerinnenausbildung für gottgegeben halten.“

Der Vorwurf zur Genitalverstümmlung ist schon mehr als eine Frechheit! Eine Frau, die mal über einen albernen sexuellen Witz, eine solche Anspielung, lacht ist also nicht nur mit schuld an Genitalverstümmlung, sondern sogar die treibende Kraft?
Eigentlich versucht dieser Absatz den Frauen, die gerne heiraten möchten oder als Kind gern Prinzessin sein wollten zu sagen: Ihr seid schuld, dass die Welt so schlecht ist! Ihr seid schuld daran, dass woanders Frauen beschnitten werden! Ihr seid schuld daran, wenn man vor Frauen keinen Respekt hat. Denn wenn man Kindern Schminke und Barbie zum Spielen gibt, ist das natürlich gleichbedeutend damit, sie beschneiden zu lassen.
Dass die Autorin damit aber eine sehr große Gruppe Frauen verunglimpft, selbst die größte Sexistin ist, fällt ihr wieder mal nicht auf

Irgendwann fällt dann der beste Vorwurf überhaupt:

„Ihr habt kein bisschen begriffen, was Feminismus ist.“

Ich bin Feministin und weiß sehr gut, was Feminismus ist. Habe aber hier das starke Gefühl, diese Frau hat nicht begriffen, was Feminismus ist! Feminismus bedeutet, sich für Rechte von Frauen stark zu machen. Sich für Selbstständigkeit derer und Emanzipation (Freiheit von Bevormundung!) einzusetzen.
Feminismus bedeutet nicht, Handlungen anderer Frauen bzw. ganz Gruppen pauschal abzuwerten, ihnen das Recht auf Achtung abzusprechen und die Schuld an grausamen Verbrechen zu geben (Genitalverstümmlung). Feminismus bedeutet nicht, Regeln für andere Frauen formulieren und selbst bevormundend zu handeln.
Nein, da hat jemand wohl nicht begriffen, was Feminismus ist!

„Das ist traurig genug, aber das Traurigste ist, dass Feminismus manchmal sogar frauenfeindlich sein muss, nämlich dann, wenn es gegen Frauen wie euch geht.“

Richtig! Frauenfeindlichkeit ist natürlich nicht per se falsch, sondern nur, wenn es gegen die Guten, Richtigen, Braven Frauen geht! Alle anderen darf man gerne bekämpfen, beleidigen, bevormunden.
Ich krieg das Kotzen, wenn ich so eine scheiße lese!

Geradezu religiös mutet dann der folgende Satz an:

„Und der Feminismus geht sogar noch einen Schritt weiter. Er setzt sich sogar für Frauen wie euch ein, obwohl ihr es selbst nicht wollt und obwohl ihr es wahrscheinlich nicht einmal verdient. Der Feminismus hält euch und euren rosaroten Töchtern die Hand hin, und er hält es aus, wenn ihr ihn verschmäht und bekämpft. Der Feminismus hält euch die Tür offen, damit ihr irgendwann, falls der Tag kommen sollte, aus eurem selbstgeschaffenen Gefängnis ausbrechen könnt.“

Klingt fast wie eine Kirche, die betont, dass sie auch immer offen ist für die verlorenen Schafe. Diejenigen, die jetzt in einer schlechten Welt leben und sich an den falschen Werten orientieren. „selbstgeschaffenes Gefängnis“ ist eine tolle Bezeichnung für freiheitliche Entscheidungen, die sich an anderen Werten orientieren als den religiös vorgegebenen.

Und zum Abschluss noch ein weiterer rhetorischer Kniff:

„Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer.
Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht. Dann seid auch ihr verkappte Feministinnen, die sich gegen Fremdzuschreibungen wehren. Daran solltet ihr denken, wenn ihr das nächste Mal stillhaltet, weil ihr keine Spielverderberinnen sein wollt. Und in euer Poesiealbum solltet ihr mit Goldstift schreiben: Der Sexismus beginnt im Schweigen seiner Opfer. Oder in ihrem dümmlichen Lachen.“

Also, wer den Artikel gelesen und sich angesprochen gefühlt hat, sollte einfach sein Verhalten ändern. Denn eigentlich seit ihr ja gar nicht so bzw. wollt nicht so sein. Eigentlich wollen ja alle Frauen so sein wie es die Artikel Autorin vorgibt: Bloß nicht über sexuelle Anspielungen lachen, Barbie, Schminke und alles weibliche verteufeln, aber natürlich selbstbewusst Entscheidungen treffen (selbstverständlich nur, wenn diese mit den vorgegebenen Regeln übereinstimmen!)
Ich habe selten etwas frauenfeindlicheres gelesen als diese scheiße! Auch so manch ein fieser Maskulist kann da nicht mithalten. Und dann noch so zu tun, als sei man selbst feministisch und all das sagt man natürlich nur im Sinne der guten Sache… Widerlich!

 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Umgang im Netz

Ich lese viele verschiedene Blogs und Seiten im Netz. Ich kommentiere auch gerne – besonders bei Themen, die mich irgendwie berühren, d.h. entweder bin ich selbst betroffen oder habe mich aus Interesse schon einmal mit der Sache beschäftigt.
Ich kommentiere, wenn mir etwas besonders gut gefällt oder wenn mir etwas besonders negativ gefällt. Wenn ich durch einen anderen Artikel so viele neue Gedanken und Überlegungen im Kopf habe, dann schreibe ich manchmal auch einen eigenen Artikel zum Thema und verweise auf den entsprechenden Artikel.
Auf manchen Blogs ist das Kommentieren angenehme, auf anderen weniger und auf wieder anderen wird man häufig gar nicht freigeschaltet, wenn man nicht zustimmender Meinung ist. Auf denen der letzten Art kommentiere ich gar nicht mehr und lese ich nur noch selten. Ich habe Interesse an Diskussion und unterschiedlicher Meinung, unterschiedlichen Ansichten – das gibt es dort nicht.
Auf ersteren herrscht ein angenehmer Umgangston und es werden sowohl Meinungen der einen als auch anderen Seite akzeptiert und vielfältige Diskussion ist möglich. Unabhängig davon, ob die Person, die den Blog betreibt häufig meiner Meinung ist oder nicht, lese ich solche Blogs sehr gerne.
Das schwierigste ist für mich die zweite Kategorie: Blogs, bei denen das Kommentieren (teilweise) weniger angenehm ist. Hier gibt es interessante Themen, interessante Meinungen und manchmal ernsthafte Diskussion. Aber leider manchmal auch beleidigende Worte gegenüber Menschen mit anderen Meinungen. Sowas mag ich generell nicht. Bei solchen Diskussionen beteilige ich mich nicht. Finde es aber dennoch schade, dass das anscheinend nötig ist.

Andere Blogger, die nicht die eigene Meinung vertreten so niederzumachen, verstehe ich nicht. Kann man das nicht einfach hinnehmen und ignorieren? Oder falls die Person sich zu einem Thema geäußert hat, bei dem man persönlich betroffen ist, zumindest versuchen ohne Beleidigungen, das richtig zu stellen?
Ich auf meinem Blog schalte Beleidigungen – egal ob von meiner Person oder anderen – nicht gerne frei, das vergiftet die Diskussionskultur.
Ein Blog, den ich sehr gerne lese (manchmal durchaus gleicher Meinung mit der Blogbetreiberin, manchmal nicht), hat leider unter dem letzten Artikel eine Art Beleidungsorgie. Das macht mich traurig. Dass jemand, der sonst so gut gewisse Themen analysiert und mit dem man eigentlich gut diskutieren kann, sich auf ein solches Niveau herablässt.

„dumme Tussi“ „peinlicher Fake“ „provokante Scheiße“ „kacke im Kopf“ „treudoofe Dackel“ „gequirlte Scheiße“ „asozialer Psycho“ „Antifeministenarschkriecherin“

Warum muss das sein, warum kann man nicht versuchen ein gewisses Niveau zu halten. Selbst wenn man anderer Meinung ist oder die andere Person nicht leiden kann, so macht das doch die Diskussion komplett kaputt – es führt schließlich zu ähnlichem Verhalten, dass ich auf anderen Blogs so schrecklich finde: Zustimmende Beweihräucherung und gegenseitiges Bestätigen, dass man selbst auf der richtigen Seite steht. Aber vielleicht liegt die Wahrheit ja tatsächlich irgendwo in der Mitte. Und unterschiedliche Blickwinkel lassen sie eben unterschiedlich erscheinen.
Oft ist die Wurzel bestimmter Konflikte, dass man sich missversteht: unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Arten zu diskutieren.
Man sollte immer versuchen, auf den anderen einzugehen und notfalls zu fragen, wie etwas gemeint ist, bevor man beleidigend wird.
In den meisten Fällen ist es außerdem hilfreich nach dem folgende Motto zu handeln: „Wenn man nichts sinnvolles/nettes zu sagen hat, sagt man am besten gar nichts!“

Dienstag, 18. Oktober 2016

Ich bin nicht wie andere - und das ist auch gut so!

Auf Edition F ist vor kurzem ein Artikel mit der Überschrift „Ich bin nicht wie andere Mädchen. Doch, bist du! Und das ist auch gut so.“  erschienen. In diesem Artikel versucht die Autorin dafür zu argumentieren, dass man doch besagten Satz nicht sagen sollte, da man andrere damit schlecht machen möchte, um sich selbst besser zu fühlen. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, warum es bei der Autorin automatisch als „besser“ ankommt, nicht wie andere zu sein, finde ich noch einige andere Kritikpunkte.
So schreibt die Autorin:

Frauen und Mädchen sind komplex. Jede hat ihren eigenen Interessen, Hobbies, Charakterzüge. Es ist unmöglich viele Frauen in ein Stereotype zu pressen, aber genau das macht diese Aussage.“

Und nur ein paar Zeilen später:

„Während wir aufwachsen, lernen wir, das Weiblichkeit gleichbedeutend ist mit Oberflächlichkeit. Wir lernen den Umgang mit Schminke, stibitzen uns Röcke aus Mamas Kleiderschrank und reden mit Freundinnen über unsere viel zu krausen Haare und viel zu breiten Hüften.“

Wirklich komisch, dass ihr gar nicht auffällt, dass sie hier genau das gleiche macht, was sie Frauen vorwirft, die von sich selbst sagen, nicht wie andere zu sein. Es wird ein ominöses „Wir“ geschaffen und so getan, als wären dort möglichst viele Frauen (besonders die Autorin und die jeweilige Leserin) enthalten. Dieses „Wir“ wird nun ebenfalls mit bestimmten Handlungen und Stereotypen belegt. Irgendwie ist das nicht wirklich konsequent.
Was mich den ganzen Text hindurch enorm stört, ist die dauerhafte Bezeichnung von erwachsenen Frauen als „Mädchen“. Edition F richtet sich nicht an Kinder und Jugendliche, sondern an Frauen. Warum also Mädchen. Kaum eine erwachsene Frau würde von sich selbst als Mädchen reden.

Um zum erstgenannten Punkt zurückzukommen, zitiere ich hier noch einen weiteren Teil aus dem Artikel:

„Warum wollen Mädchen und Frauen nicht wie andere Mädchen und Frauen sein? Warum degradieren wir uns gegenseitig durch diesen Satz?“

Warum hier die Aussage „ich bin nicht wie andere“ gleichgesetzt wird mit der Aussage „ich will nicht wie andere sein“ erschließt sich mir einfach nicht. Wenn ich sage, ich bin keine gute Sängerin, so schließt das doch nicht aus, dass ich vielleicht gerne eine gute Sängerin wäre. Dies ist leider ein grundlegender Denkfehler, der sich durch den gesamten Artikel zieht.

„Aber dich deshalb von anderen Frauen abzugrenzen, sie schlecht zu machen, weil man selbst als besonders und toll dargestellt werden möchte, ist auch nicht die Lösung. Oft sind Frauen, die so über andere Frauen sprechen, Menschen die glauben, mit anderen Frauen konkurrieren zu müssen. Vielleicht handeln sie so, um sich selbst attraktiver zu machen. Vielleicht für einen Mann.
Doch indem du sagst: „Hey, ich bin nicht wie die anderen, die du bisher vielleicht hattest!", wertest du ein ganze Reihe von starken, kreativen, wundervollen Frauen kollektiv ab.“

Nebenbei bemerkt, ich möchte mich nicht besonders und toll darstellen, ich bin es einfach! ;) Jeder Mensch sollte sich selbst lieben und toll finden. Sich von anderen abzugrenzen ist doch nicht schlimm. Ich bin keine Sängerin, keine Fußballspielerin, keine Gärtnerin. Und mit keinem Wort sage ich, dass ich besser bin als alle Sänger, Fußballspieler oder Gärtner. Und mit keinem Wort werte ich andere ab, wenn ich die einfache Tatsache erwähne, dass ich nicht bin wie sie. Diese Interpretation ist allein im Kopf der Autorin. Vielleicht hat sie selbst das so gemacht und so gemeint, aber deshalb anderen zu unterstellen, dass so zu meinen, ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Denn genau das tut dieser Artikel.

Wenn man Menschen kennenlernt, wenn man Menschen zu mögen beginnt, dann möchte man einfach nicht zu viel Zeit und Gefühl investieren, wenn es keinen Sinn hat. Wenn die andere Person eben jemand möchte, der in grundlegenden Punkten ist wie die Mehrheit (ja natürlich ist jeder einzigartig, dass es aber große Schnittmengen gibt, lässt sich nun mal auch nicht bestreiten), macht es keinen Sinn.
Wenn man nämlich nicht ist wie andere, dann ist das weder besser noch schlechter. Aber wenn man nicht ständig konfrontiert werden möchte mit Sätzen wie „Warum bist du nicht normal“, „Sei doch mal mehr wie andere“, dann ist es eben sinnvoll Menschen früh darüber aufzuklären.
Und in manchen Punkten denke ich tatsächlich oft, es wäre eben einfacher, wenn ich wie andere wäre. Also genau das Gegenteil von der Interpretation der Autorin. Aber letztendlich bin ich zufrieden so wie ich bin und das sollte einfach auch jeder akzeptieren.
Ich bin nicht wie andere und das ist verdammt nochmal auch gut so!
 

Samstag, 15. Oktober 2016

Bilder im Kopf

Die meisten Menschen denken mit Worten, ich denke in Bildern. Wenn jemand einen Satz wie beispielsweise von einer Situation oder Erlebnissen im Urlaub erzählt, so sehe ich die Situationen bildlich vor mir – immer.
Manchmal ist das mit dem Denken in Bildern kompliziert. Wenn ich mir etwas überlege, Ideen habe, so muss ich immer versuchen diese für andere Menschen in Worte zu übersetzen. Manchmal weiß ich genau, was ich meine, was ich sagen will, aber die Worte fallen mir nicht ein. Manchmal fallen mir Worte dafür nur auf Englisch ein. Dann versuche ich über den Umweg zu erklären.

Manchmal sin die Bilder auch ganz praktisch. Wenn ich irgendwohin fahre, wo ich noch nie zuvor war. Dann schaue ich mir Zuhause die Karte an und mache sozusagen ein Foto mit dem Kopf. Wenn ich dann unterwegs bin, kann ich das Bild der Karte im Kopf abrufen und weiß genau, wo ich bin, wo ich abbiegen muss und es lang geht zu meinem Ziel.
Ich brauche kein Navigationsgerät, ich habe die Karte im Kopf.
Manche Karten habe ich dauerhaft im Kopf, andere nur für entsprechende Ziele (beispielsweise Innenstädte bestimmter Städte). Dauerhaft habe ich dagegen eine Europakarte vor meinen Augen, wenn ich sie brauche. Auf der sind die Länder, die größten Städte (teilweise Flüsse und Gebirge) und wichtigsten Autobahnen (beschränkt sich auf diejenigen, die ich schon mal gefahren bin). Außerdem weiß ich ziemlich genau, wo auf der Karte ich mich aktuell befinde und kann auf diese Stelle sozusagen zoomen. Was ich nicht immer weiß, sind die Namen der entsprechenden Autobahnen und Straßen, da ich sie nicht zwingend als wichtig empfinde. Ich orientiere mich eher an deren Verlauf (Kurven, Kreuzungen etc.).
Ich vergesse auch gerne Namen von Straßen, die ich schon einmal wusste: Wenn ich zum ersten Mal irgendwohin fahre, so habe ich meistens den Namen der Zielstraße gemerkt. Wenn ich aber das nächste oder übernächste mal dorthin fahre, so weiß ich die Optik der Straße, aber nicht mehr ihren Namen. Die Namen sind eben nicht so bildlich darstellbar wie das Bild oder der Straßenverlauf.

Das fotographische Merken von Bildern läuft nicht immer bewusst ab. Gestern habe ich mir vorgenommen, Zuhause das Protokoll einer Besprechung zu verfassen. Die Notizen (3 DIN-A4 Seiten) hatte ich während der Besprechung gemacht, dann aber leider auf meinem Schreibtisch liegen gelassen. Als ich Zuhause das Protokoll ausformulieren wollte, merkte ich, dass ich die Notizen vergessen habe.
Ich versuchte also mir die vor mir liegenden Notizen abzurufen – schließlich hatte ich unbewusst ja alles nicht nur geschrieben, sondern auch angesehen (und so quasi „abfotografiert“). So war es mir möglich anhand des Bildes im Kopf alles nachzulesen und das Protokoll ohne vorliegende Notizen zu verfassen.
Diese Erinnerungen halten bei mir meist nicht lange. Bilder, die ich nicht oft wieder abrufe verlieren sich mit der Zeit. Schon ein oder zwei Wochen später, hätte ich vermutlich beim Abrufen nicht mehr alle Notizen erkannt.

Auch beim kurzfristigen Auswendiglernen in der Schule, waren Gedichte, die ich ein bis zweimal durchgelesen habe, kein Problem. Ich bin allerdings immer davon ausgegangen, dass ich eine gute Merkfähigkeit habe. Dass es hingegen nicht normal ist, Bilder zu sehen oder selbst in Bildern zu denken, weiß ich erst seit kurzem. Ich meine, wenn man nicht darüber nachdenkt oder sich mit anderen unterhält, so erfährt man wenig davon, was bei anderen im Kopf vorgeht.
In erster Linie geht wohl jeder davon aus, dass andere die Welt ähnlich wahrnehmen wie sie selbst. Die Farbe, die man als Blau wahrnimmt, sieht vermutlich für alle Menschen gleich aus – es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. So gab es auch für mich nie einen Grund, daran zu zweifeln, dass alle Menschen in Bildern denken. Bis ich eben las, dass das eine besondere Art des Denkens ist.
Dadurch, dass ich darüber lese, wie andere Leute denken und die Welt wahrnehmen, lerne ich über mich selbst – und auch, meine eigenen besonderen Fähigkeiten besser und effektiver zu nutzen.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Kinder, Jugendliche und Sexualität

Durch einen bzw. mehrere Artikel bei Margret auf dem Blog, bin ich etwas ins Grübeln gekommen, wie man Kindern und Jugendlichen Sexualität vermitteln sollte bzw. ob man ihnen die Möglichkeit lassen sollte, diese selbst zu entdecken.

Schwierig finde ich immer, wie so etwas im Umfeld von Schule gemacht wird, weil hier zum Teil in die Intimsphäre der Kinder eingedrungen wird. Kinder können mit dem Thema leicht überfordert sein, wenn sie eigentlich noch nicht so weit sind. Außerdem ist es für viele unangenehm über das Thema mit einer Person zu reden, zu der vielleicht kein Vertrauensverhältnis besteht. Auch wenn man sich das so wünscht, dies ist bei der Schüler-Lehrer-Beziehung eben nicht zwangsläufig der Fall.
Deshalb fände ich persönlich es gut, wenn in der Schule nur über wirkliche Fakten geredet wird, ohne zu sehr die Schüler zu verunsichern. Themen wie Verhütung und Geschlechtskrankheiten bzw. Schutz vor diesen gehören definitiv auf den Stundenplan. Bei allem weiteren stellt sich mir die Frage, warum es Aufgabe der Schule sein soll, sich hier einzumischen.
Warum darf Erziehung und im speziellen Sexualerziehung nicht als Aufgabe des Elternhauses gesehen werden? Natürlich ist es richtig, dass nicht alle Eltern prima sind in Sachen Aufklärung, aber bestimmt auch nicht alle Lehrer. Natürlich ist es richtig, dass es bestimmt einige Eltern gibt, die ihren Kindern selbst die eigene Aufklärung überlassen.
Natürlich ist es richtig, dass es generell bessere und schlechtere Eltern gibt. Und Erziehung beinhaltet schließlich noch so viel mehr als nur Sexualaufklärung. Wenn man nun allen Kindern die perfekte Erziehung zuteilwerden lassen möchte, so gibt es nur die Möglichkeit, die Kinder so früh wie möglich staatlich zu betreuen und zu erziehen – abseits von einem beeinflussenden Elternhaus. Aber ist es wirklich das, was man will, was den Kindern gut tut?

Ich halte die meisten Jugendlichen für intelligent genug, sich und ihre Sexualität selbst bzw. im Zusammenspiel mit anderen zu entdecken, sich nicht vom Gruppendruck zu etwas zwingen zu lassen.
Schon zu meiner Jugendzeit stand viel in Zeitungen, dass Jugendliche häufig etwas aus Gruppendruck heraus tun, obwohl sie das alles nicht wollen. Themen damals: Rauchen und früh Sex haben.
Ich habe mich immer gefragt wie das funktioniert mit dem vermeintlichen Gruppendruck – auch damals schon. Ich habe so etwas nie gespürt, hatte auch nicht bei irgendwelchen Freunden von mir den Eindruck, dass sie da ein Problem in der Hinsicht hätten. Ich hatte Freundinnen, die geraucht haben und ich hatte Freundinnen, die auch gerne mal Sex mit den unterschiedlichsten Typen hatten, andere in festen Beziehungen. Aber keine weil sie irgendwie den Druck dazu verspürten, es müsste so sein – im Gegenteil. Nicht jeder aus unserem Freundeskreis sah dieses Verhalten als positiv. Und ich habe auch mal einer Freundin vorgerechnet wie viel Geld sie im Jahr für Zigaretten ausgibt und was man davon alles Schönes tun könnte. (Die Summe war um einiges höher als ich zu dem Zeitpunkt überhaupt zur Verfügung hatte). Das hat sie dann letztendlich auch sehr zum Grübeln gebracht.
Gruppendruck bezeichnet ja eigentlich den Druck, der dadurch erzeugt wird, dass alle innerhalb einer Gruppe etwas bestimmtes machen bzw. eine bestimmte Meinung vertreten und jemand, der anderer Meinung ist, Handlungen nicht machen möchte, sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt, auch so zu handeln.
Das kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn eine Person einen sehr gleichförmigen Freundeskreis und außerhalb diesen kaum Kontakt hat. Das halte ich durchaus für möglich, aber tatsächlich eher für die Ausnahme.

Zurück zur Sexualität bzw. Sexualaufklärung: Gruppendruck möglichst früh Sex zu haben? Obwohl das durchaus einige meiner Freundinnen hatten, hat nie eine versucht, mich ebenfalls davon zu überzeugen. Ich hatte überhaupt keine Probleme damit, im Freundeskreis zu sagen, dass ich auf den Richtigen warten möchte. Nein, wenn eine andere Freundin mal wieder von irgendeinem Typen enttäuscht wurde, wurde angemerkt, dass es vielleicht ebenfalls viel schlauer gewesen wäre, doch auf den Richtigen zu warten.
Jetzt mag man anmerken, nicht jeder ist wie ich. Natürlich richtig. Aber wenn Gruppendruck tatsächlich ein so großes Phänomen wäre wie immer behauptet wurde und wird, hätten mir doch zumindest Menschen begegnen müssen, die diesen Druck irgendwie spürten. Bis auf eine einzige Ausnahme (eine jungfräuliche Freundin, die sich in einen älteren Mann verliebt hatte und der ihre Jungfräulichkeit ihm gegenüber peinlich war) habe ich das nirgendwo gesehen.
Immer wenn ich Erwachsene in der Art und Weise über Jugendliche reden höre, frage ich mich ernsthaft, ob diese Menschen keine Erinnerung an ihre eigene Jugend haben. Denn natürlich ist das der erste direkte Bezugspunkt, um junge Menschen zu verstehen. Der nächste wäre beispielsweise der Kontakt mit jungen Menschen (ich habe zum Beispiel mehrere Jahre in einem Jugendzentrum gearbeitet). Oder waren diese Menschen selbst jene, die tatsächlich einem Gruppendruck nicht widerstehen konnten?

Wie entwickelt sich Sexualität? Erste Schritte sind es natürlich zunächst, sich mit sich selbst und dem eigenen Körper zu beschäftigen. Vielleicht merkt man, dass es schön ist, wenn man sich an bestimmten Stellen berührt, sich streichelt etc. Das machen teilweise schon ganz kleine Kinder, ohne natürlich einen sexuellen Kontext in diesen Handlungen zu sehen.
Genauso gibt es Kinder, die gegenseitig ihre Körper entdecken und erkunden – bekannt als Doktorspiele. Man merkt, was einem gefällt und was nicht. Leider wird diese Art des kindlichen Spielens ebenfalls häufig von Erwachsenen verteufelt, da Kinder in dem Alter noch nichts mit Sex am Hut haben und Nacktheit generell schlecht ist (neuerdings Mainstream). Natürlich hat das nichts mit Sex zu tun, wie Erwachsene ihn interpretieren, aber es sind erste Schritte auf dem Weg der Sexualität.
Die Frage, die am meisten dazu anleitet, was eigentlich Sex ist, ist dann aber häufig die nach der Entstehung der Babys. Beispielsweise wenn ein Geschwisterchen geboren wird, wie kommt das so plötzlich in Mamas Bauch? Je nach Alter des Kindes kann man hier als Erwachsene versuchen Sex möglichst kindgerecht zu erklären.
Wenn aber Kinder in die Schule kommen, sind sie im Kontakt mit anderen Kindern und dann kommt irgendwann auch die Konfrontation mit Sex von außen. Margret hat auf ihrem Blog das Thema Pornographie beleuchtet und diese in einen Zusammenhang mit der Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen gestellt: In der Schule, im Internet, bei Freunden werden Jugendliche irgendwann mit Pornographie konfrontiert. Nun ist die Frage, wie die Kinder und Jugendlichen damit umgehen bzw. was es mit ihnen macht.
Je nachdem wie gefestigt ein Jugendlicher in dem Moment bereits ist, kann es dazu führen, dass Jugendliche das interessant bis lächerlich finden oder aber auch ihre eigene Sexualität dadurch beeinflussen lassen. Jugendliche, die bereits wissen, was ihnen gefällt und was nicht, werden zur sexuellen Erregung nach genau den Pornos suchen, die ihnen eben gefallen. Dinge, die sie selbst als widerwärtig oder eklig betrachten werden nicht angesehen oder vielleicht trotzdem, aber verbunden mit Ekel, was eher nicht zu einer Nachahmung anregt…
Anekdote aus meiner Jugend: Wir haben Pornos gesehen, oft mit Freunden in der Gruppe. Das waren damals weniger die kleinen Clips aus dem Internet, sondern tatsächlich noch DVDs. Wenn man so einen Porno in der Gruppe betrachtet und fasziniert davon ist, wie bescheuert so manche Haltung und das Getue ist, dann erscheint das jetzt nicht unbedingt nachahmungswürdig, sondern ein lustiger DVD-Abend. Gerade Gespräche in einer Gruppe, einem Freundeskreis führen doch eher dazu, dass jede Art der dargestellten Sexualität unterschiedlich betrachtet wird.
Ich halte Pornos aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und ebenfalls aufgrund der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, wo natürlich auch Sexualität manchmal in Gesprächen eine Rolle spielen kann, nicht für eine große Gefahr für die Sexualität. Natürlich unter der Prämisse, dass man Kinder schon früh selbst entdecken lässt, was ihnen gefällt und was nicht. Aussagen wie „da unten fasst man sich nicht an, das ist dreckig“ oder „von Selbstbefriedigung wird man blind“ sind dabei natürlich eher kontraproduktiv.

Was die Sexualaufklärung bezüglich verschiedener Formen von Beziehung und Sexualität (Homo-, Hetero-, Bisexualität) angeht, so bin ich mir nicht sicher, wie man das bespricht. Optimal ist natürlich, wenn es im Leben wie selbstverständlich einfach Menschen gibt, die so leben. Vielleicht hatte ich da Glück, ich weiß es nicht. In meiner Schulklasse war bereits im Alter von 14ein Junge, der offen homosexuelle lebte und einen Freund hatte. Damit hatte niemand ein Problem und es war genauso normal wie jemand, der eben eine heterosexuelle Beziehung hatte. In der Jahrgangsstufe hatten wir mehrere sowohl männliche als auch weibliche homosexuelle bzw. bisexuelle Personen, auch eine offen lesbische Lehrerin. So war es für mich immer selbstverständlich, dass Menschen eben das eine oder das andere Geschlecht lieben können, auch wenn Heterosexualität die Mehrheit stellt.
Dieser Punkt wird insbesondere aber für die Aufklärung in der Schule als wichtig angesehen, da es natürlich Schüler oder Schülerinnen gibt, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen und man diesen vermitteln sollte, dass das ebenso normal ist, wie sich zum anderen Geschlecht hingezogen zu fühlen.
Ich könnte mir vorstellen, dass man so etwas evtl. im Rahmen eines Ethikunterrichts thematisch aufarbeiten kann – ebenso wie beispielsweise auch BDSM. Auch wenn viele andere Menschen das nicht verstehen, so kann es doch für Jugendliche genauso wichtig sein zu verstehen, dass ihre Phantasien hier in die Richtung ebenso normal sind wie die aller anderen.
Jugendliche, die eine solche Neigung haben, sollten sich nicht als pervers oder krank betrachten müssen, sondern genauso erklärt bekommen dürfen, dass auch ihre Neigung normal ist.

Insgesamt denke ich, dass man Jugendlichen die wichtigsten Grundlagen durchaus schulisch vermitteln sollte. Aber die Eltern sollten eine kindgerechte Entwicklung (eigenes Erkunden des Körpers bzw. gemeinsam mit Freunden) zulassen und immer mit Hilfe bei Fragen bezüglich des Themas zur Seite stehen, sich aber nicht mit diesen Themen den Kindern aufdrängen.
Was das Problem von Pornographie angeht, so ist es wichtig, das sowohl Eltern und Schule Kindern eine generelle Medienkompetenz vermitteln, die sich natürlich nicht ausschließlich auf Pornographie beziehen muss, sondern auch den kritischen Umgang mit sonstigen Medien lehrt.

 

Montag, 10. Oktober 2016

Wir haben das Jahr 2016

Diese Aussage scheint neuerdings immer wieder in Diskussionen als Argument genutzt zu werden. Meist natürlich dann, wenn die Menschen keine vernünftigen Argumente für ihre Ansichten haben. Gerne auch in der Abwandlung „wir haben das 21. Jahrhundert“. Und wofür ist das jetzt bitte ein Argument?  Zunächst ein paar Zitate, die genau so verwendet wurden:
Wir haben das Jahr 2016, Gendergerechtigkeit ist eine universelle Sache, aber wir haben sie noch nicht erreicht.“

„Wir haben das Jahr 2016 und in Verbrenner Deutschland gibt es eine Kaufprämie für Autos, die eine Steckdose haben.“

„Wir haben das Jahr 2016 und da erwarte ich als Gast mehr als so eine traurige Veranstaltung.“

„Wir haben das Jahr 2016 und es gibt immer noch keine hübsche, moderne, nicht überteuerte Modemarke in Plus Size.“

Meist wird dadurch versucht den Eindruck zu erwecken, dass die Meinung des Gegenübers „altbacken“ sei und nicht mehr in die heutige Zeit passt, die eigene Meinung soll so hingegen als „progressiv und modern“ verkauft werden. Selbst wenn es so ist, dass etwas in der Vergangenheit immer so war und eine lange Tradition hat, warum soll das alleine ein Argument dafür sein, dass dies nun schlecht ist? Ist es nicht eher im Gegenteil so, dass eine Tätigkeit oder Ansicht, die über mehrere Jahrzehnte als gut galt auch eine gewisse Bewährung bewiesen hat. Etwas, was so lange Zeit überdauert muss doch einen bestimmten Wert haben, sonst hätte sich doch schon früh etwas geändert.

Eine Neuerung allein mit der Tatsache verkaufen zu wollen, dass es bisher anders war, ist eigentlich eher ein  guter Beweis dafür, dass diese Neuerung wohl ziemlich schlecht ist. Denn sonst gäbe es erstens vernünftige Argumente und zweitens warum ist nicht schon längst jemand früher mal darauf gekommen, wenn das doch so toll ist?
Und zum Abschluss möchte ich allen, die so argumentieren oder argumentiert haben eines mit auf den Weg geben:
 
WIR HABEN DAS JAHR 2016 UND DAS IST KEIN ARGUMENT FÜR IRGENDWAS!

 

Samstag, 8. Oktober 2016

Curvy Supermodel

Vor ein paart Tagen lief die neue Modelcastingshow „Curvy Supermodels“ im TV. Ich habe mir die Sendung angesehen, hatte aber das Gefühl, dass die ganze Nummer ganz schön lasch war für ein Modelcasting. Und im Vergleich zu Heidi Klums Topmodel (was durchaus einiges Bedenkliches hat) eher eine Show um dicken Menschen ihr Selbstbewusstsein aufzubauen.
Andere Menschen bei Spiegel Online sehen das offenbar anders. Dort schreibt die Autorin:

„Der weibliche Körper darf hier zwar ein bisschen mehr sein als bei der ewigen Richtmarke "Germany's Next Topmodel", nur gebändigt muss er bitteschön dann doch wieder bleiben. Keine Chance für Sina-Laureen, die ihren Größe-42-Körper selbst heiter und selbstbewusst "Pudding" nennt, oder für die Vietnamesin Phuong-Lin, die sagt: "Mein Body ist sehr provokant."“

Wollen wir doch mal nicht vergessen, dass es um ein Modelcasting geht. Das bedeutet immerhin, dass diese Frauen auf Werbeplakaten und Laufstegen anderen vermitteln sollen, die Kleidung, die sie in dem Moment tragen sei schön bzw. mache den Träger schön. Das funktioniert nun mal nicht mit hässlichen Personen. Dabei waren die genannten Personen keineswegs hässlich, lediglich die Proportionen passten nicht für den Modeljob. Und im Gegenteil war die Jury immer wieder damit befasst, jeder der Modelanwärterinnen zu versichern wie wunderschön sie doch sei (auch denjenigen, die nicht weiterkamen) Also kein „du bist zu dick“ oder „nimm mal ab“ wie bei Heidi Klum. Nein, jede der Bewerberinnen war wunderschön! Ob das der tatsächlichen Meinung der Jury entspricht oder vielmehr ein Versuch, das angeschlagene Selbstbewusstsein aufbauen zu wollen, ist natürlich eine andere Frage. Es waren durchaus Bewerberinnen dabei, die auch ich als schön empfand aber auch welche, wo ich sagen würde, nicht mal Durchschnitt von der Optik her. Und wenn so jemand Kleidung präsentiert regt es mich und vermutlich auch andere Frauen eben nicht dazu an, diese Kleidung zu kaufen.
Generell scheint es aber die Autorin sehr zu stören, dass ein Modelkörper eben nicht schwabbeln soll, sondern fest zu sein hat. Bereits in der Überschrift heißt es also „Bloß nicht schwabbeln!“ und auch im Text findet sich dann folgende Passage:

„Einer geschassten Kandidatin wird immerhin gesagt, sie könne nächstes Jahr wiederkommen - wenn sie abgenommen hat und nichts mehr schwabbelt.“

Hier gibt die Autorin die Stelle einfach komplett falsch wieder. Es ging in keinem Moment darum, dass die Frauen aufgefordert wurden abzunehmen. Sie interpretiert die Aufforderung, ein wenig Sport zu machen, damit es nicht mehr schwabbelt einfach um. Fakt ist natürlich, dass man auch in einem dicken Körper sportlich sein kann und dieser dann auch weniger schwabbelt. Wenn sich nämlich unter oberflächlichem Fett Muskeln befinden.
Mit einem hat die Autorin allerdings leider Recht:

„Es ist schade und dumm, dass "Curvy Supermodel", die scheinbar so offene, vorurteilsfreie, frauenfreundliche Sendung, seine Protagonistinnen zuerst gegen dünnere Kolleginnen giften und ätzen lässt, als beträfe Bodyshaming nur dicke Frauen, als sei eine Körperform eben doch besser als die andere. "Endlich sieht man mal nicht diese superschlanken Skelette" jubiliert eine Kandidatinnenmutter. Und eine Plus-Model-Anwärterin pampt: "Ich hab keinen Bock, so dünn zu sein wie diese ekelhaften Hungerhaken bei anderen Casting-Shows."“

Der Punkt ist auch mir während des Schauens der Sendung aufgefallen. Dünne Frauen wurden ohne, dass irgendwas richtig gestellt wurde in der Sendung mit beleidigenden Begriffen belegt. Ich frage mich allerdings, wo die Autorin die Idee her hat, dass es sich um eine „offene, vorurteilsfreie, frauenfreundliche Sendung“ handelt. Bedeutet ein Format, dass sich an dicke Menschen richtet, jetzt schon automatisch, dass alles wunderbar ist, weil hier dicke Menschen eine Chance bekommen. Ist diese Einstufung der Sendung demnach nicht eigentlich wieder nur ein Vorurteil? Und natürlich können auch dicke Menschen genauso scheiße und gemein sein wie dünne Menschen!
Gerade natürlich in der Modelbranche dürfte das bei dem Haufen an Konkurrenz keine Seltenheit sein, dass man andere schlecht macht, um eben sich selbst ins Rampenlicht zu rücken.

 
Warum ich anfangs geschrieben habe, ich fand die Sendung ziemlich lasch für ein Modelcasting? Zum einen gab es bei einem Catwalk in Bademode die Möglichkeit, seinen Körper mit irgendwelchen Tüchern oder Überhängen zu bedecken, wenn man sich in Bademode nicht so wohlfühlt (Hallo, du bist hier bei einem Modelcasting, da geht’s um den Körper!). Zum anderen wurde bei jeder noch so kleinen Gelegenheit betont, wie wunderschön doch alle seien. Und man hatte Bedenken dabei, klare Vorgaben zu geben und auch einzuhalten.
Eine Frau wie Polina, die eine Kleidergröße von 38/40 hat, hat dort eigentlich nichts zu suchen. Auch dies diskutierte die Jury, wobei Angelina Kirsch (Jurymitglied und Plus-Size-Model) klar stellte, die meisten Designer im Plus Size Markt stellen die Kleidung für ihre Shows in den Größen 42, 44 und 46 zur Verfügung. Die eigentlichen Vorgaben werden von Polina also keineswegs erfüllt – auf dem realen Markt hat sie so gut wie keine Chance gebucht zu werden. Außer natürlich sie nimmt ab oder zu, um in die Größen der Designer zu passen. Diese Frau wurde also weiter gelassen, weil man sie „einfach heiß“ findet. Aber hey, waren wir hier nicht eigentlich bei einem Modelcasting, wo es eben nicht darum ging, wen man heiß findet, sondern wer in die Kategorie Curvymodel passt? Wie soll eine Frau mit 38 Mode in Übergröße verkaufen?
Gut vielleicht hat man sie auch behalten, weil diese Situation zu Problemen und Streitereien führen kann und das ist natürlich in einer solchen Sendung (sieht man ja auch bei GNTM) immer gewünscht.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Neid und Arroganz

In einer Diskussion über die #nomakeup Bewegung wurde mir Angeberei unterstellt, weil ich gesagt habe, ich würde mich generell nicht schminken, da mir das zu zeitaufwendig ist und ich mich auch so schön genug finde.
Ich fand das schon sehr merkwürdig. Allerdings wurde argumentiert, das Argument zu zeitaufwendig würde implizieren, ich wäre viel zu beschäftigt mit wichtigeren Dingen – und daher wohl Angeberei. Ja verdammt, ich bin zu beschäftigt mit wichtigeren Dingen, denn selbst ein gutes Buch zu lesen ist mir um einiges wichtiger, als mich stundenlang im Bad anzumalen.  
Und ich habe bei der besagten Kommentatorin Neid vermutet, da sie das Nicht-Schminken anscheinend als etwas sieht, was begehrenswert ist – sonst wäre es wohl kaum tauglich, um damit anzugeben. Natürlich wurde der Neid (der allerdings ziemlich deutlich war) abgestritten.

Ich selbst kann mich nicht erinnern, dass ich mal für etwas Neid empfunden habe. Kam bestimmt schon mal vor, aber sicher äußerst selten. Ich für mich bin ganz zufrieden mit mir und meinem Leben und in Punkten, in denen das nicht so ist, versuche ich etwas zu ändern.
Aber ich versuche mich oft selbst zu geißeln in Punkten, die ich von mir erzähle, eben um nicht mit etwas zu prahlen. Ich habe vor einiger Zeit auch mal einen Artikel gelesen, dass Facebook uns unglücklich macht, da man immer die vielen tollen Bilder von anderen sieht und sein eigenes Leben dagegen weniger toll wirkt – Neid entsteht. Ich habe darüber nachgedacht und war tatsächlich der Meinung, bei mir ist das nicht der Fall, wenn ich meine Timeline ansehe, denke ich dass ich durchaus genug tolle und interessante Dinge erlebe  - natürlich für mich interessant. Wenn ich sehe, dass Freunde z.B. Fotos von tollen Urlaubsorten posten, dann denke ich nicht, wie schade, dass ich das nicht kann, ich will das auch, sondern eher: „Toll, dass sie ihren Urlaub genießen!“. Ich habe die Fähigkeit, mich über das Glück anderer zu freuen, das scheinen heutzutage leider nicht mehr viele zu können.
Ich merke auch selbst wie ich manchmal bewusst Dinge nicht sage oder versuche, mich zurückzunehmen, um andere nicht neidisch zu machen. Ich trage beispielsweise selten Kleidung mit offensichtlichen bekannten Markensymbolen.

Ich finde es traurig, dass wir in Mitteleuropa in einer Art Neidgesellschaft leben. Wenn man etwas hat, etwas kann, gibt es sofort haufenweise Leute, die einen beneiden und versuchen, einen schlecht zu machen, um sich selbst dadurch besser zu fühlen.
Jemand hat ein schönes neues Auto: Dieser Proll hat wohl einen kleine Schwanz!
Ein durchschnittlich aussehender Mann hat eine hübsche Frau: Der hat bestimmt einen dicken Geldbeutel. (Dass er vielleicht mit tollem Charakter punktet, kommt wohl nicht vor)
Man hat ein außergewöhnliches Hobby: Wahlweise: gut, dass reiche Eltern das finanzieren/ Das ist doch eher ein „Alte-Leute-Sport“/ Das ist ja kein richtiger Sport / Du machst das doch nur, um anzugeben, ich habe zumindest Spaß an meinem Hobby
Diese Liste ließe sich sicher endlos fortsetzen (teure Kleidung, Reisen, Erlebnisse etc).
Warum ist es nicht möglich, sich für andere zu freuen oder sich – gerade bei Freunden – ernsthaft dafür (z.B. Hobby) zu interessieren.

Ich stehe ehrlich gesagt nicht gerne im Mittelpunkt, mag nicht zu viel Aufmerksamkeit. Am Anfang war es auch teilweise unangenehm, mit dem Cabrio durch kleine Ortschaften zu fahren, da die Leute nun mal gucken. Aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt bzw. ich persönlich habe auch den Eindruck, dass Cabrios schon nicht mehr so eine Seltenheit sind wie noch vor zehn Jahren. Und manchmal denke ich sogar nicht mehr darüber nach, in Ortschaften die Musik auszuschalten oder leiser zu drehen  - habe ich früher immer gemacht, um keine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.
Ich fahre schließlich nicht ein Cabrio, um von anderen angestarrt zu werden, sondern einfach, weil ich es genieße, im Sonnenschein mit Cabrio durchs Land zu fahren – es macht einfach mehr Spaß!

Ist es jetzt schon arrogant, glücklich und zufrieden zu sein mit sich und seinem Leben?

Montag, 3. Oktober 2016

Medialer Mainstream - Richter und Henker zugleich

Medien haben Macht. Mehr Macht als so mancher tatsächlicher Richter. Egal ob beim Fall Gina-Lisa Lohfink oder Kachelmann. Aber Medien entscheiden auch, wem sie ihre Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen und welche Straftat oder auch nur Tat bzw. Handlung es wert ist, moralisch verurteilt zu werden und welche nicht.

Zu Beginn möchte ich hier zunächst §130 Volksverhetzung aus dem Strafgesetzbuch zitieren:

„Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1.       gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2.       die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft“

Solche Taten bzw. Aussagen wären es demnach tatsächlich wert, moralisch medial verurteilt zu werden, werden sie aber nur, wenn sie vom „richtigen“ Täter begangen werden.

Ein Grüner Politiker aus Berlin twitterte vor kurzem folgendes:


Eindeutige Gewaltaufforderung gegenüber einem Teil der Bevölkerung. Was denkt sich dieser Mensch eigentlich?! Wie schlimm  muss es für Personen sein, die damals das Schrecken mitbekommen haben? Wie bösartig muss ein Mensch sein, um so etwas zu schreiben?

Komischerweise findet sich kaum etwas über diese Aussage in den Medien. Während sich alle darüber aufregen, dass eine CDU-Politiker eine junge Politikerin „Süße Maus“ genannt hat und sogar die Ministerin Schwesig sich dazu äußert, bleibt diese Art der Volksverhetzung völlig ungesühnt und verschont vor Aufmerksamkeit. Woran mag das liegen? Ist Matthias Oomen zu unbekannt?

Aber ist nicht auch Jenna Behrends nur lokale Politikerin in Berlin? Oder liegt es hier vielmehr daran, dass hier die Hetze von linksgrün kommt? Da ein Großteil der Medienmacher ebenfalls linksgrün ist, ist das doch ok. Und Hetze gegen Deutsche (oder gerne auch gegen Christen) ist in der heutigen Zeit medial doch generell gern gesehen – egal wie sehr sie eigentlich strafbar wäre.

Allgemein findet man heute im Internet haufenweise Kommentare und Aussagen, die als Volksverhetzung strafbar wären. Tatsächlich bestraft wird aber selten bis nie, es wird gehandelt nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Beklagter.“ Nur mal nebenbei: egal wie gerne das aktuell einige Medien hätten, „süße Maus“ ist meines Wissens weder Beleidung noch Volksverhetzung und wohl nicht strafbar. Aber dennoch scheint es schlimmer zu sein als obiger Tweet – für die Mehrheit der Medienschaffenden.

Es gibt den medialen Mainstream, der bestimmt, was ok ist und was nicht – völlig unabhängig von bestehenden Gesetzen. Diese mediale Macht hat eigene moralische Kriterien und die Möglichkeit, Existenzen zu zerstören oder aufzubauen. Es gibt haufenweise Beispiele, wo genau das geschehen ist, wo die mediale „Berichterstattung“ in keinem Verhältnis zu dem, was jemand getan hat steht: Bekanntestes Beispiel ist sicher unser ehemaliger Bundespräsident Wulf.

Natürlich ist es für einige Schreiberlinge sicher schön, sich selbst als Richter bzw. Henker aufzuspielen während andere darunter leiden müssen, aber tatsächlich moralisch richtig (wie sie das selbst oft empfinden) ist es nicht.

Ich würde mir hingegen wünschen, dass nicht mehr an willkürlich festgelegten medialen Maßstäben gemessen wird, sondern an bestehenden Gesetzen und auch die Medien dazu beitragen, nach diesen zu urteilen.

Samstag, 1. Oktober 2016

„Kleine Titten sind wie Flüchtlinge: Sie sind nun mal da, aber eigentlich will man sie nicht.“

Mit besagtem Satz und einem dazu passendem Bild auf dem sie ihre eigenen Brüste in der Hand hält (bekleidet) löste Sophia Thomalla gestern einen schönen Shitstorm auf Facebook aus.

Im Nachhinein klärte sie auf: Das Ganze war ein Experiment, gemeinsam mit Micky Beisenherz.  
 
 
 

Ich habe schon oft Äußerungen von Sophia Thomalla in irgendwelchen Talkrunden gehört und auch einiges auf ihrer Facebookpage gesehen. Es ist durchaus glaubhaft, dass sie es tatsächlich nicht ernst meint. Einige Kommentatoren vermuteten Joko und Klaas bzw. die Sendung „Circus Halligalli“ hinter dem merkwürdigen Post. In der Sendung werden immer wieder Prominente dazu angestiftet Sätze auf ihrer Facebookseite zu posten und die wütenden Reaktionen der Kommentatoren werden dann in der Sendung gezeigt. Dieses Spiel wird als „Shitstormroulette“ bezeichnet.  

Allein die Tatsache, dass ein solches Spiel funktioniert und sich die Netzgemeinde so schnell zu wütenden Kommentaren hinreißen lässt, ist durchaus interessant. Denn dies zeigt, dass viele einfach nicht mehr nachdenken, nicht mehr die Hintergründe sehen, nicht mehr bewusst handeln. Sonst würde Shitstormroulette nie funktionieren. Sonst würden die Menschen bedenken, welche Meinung die besagte Person sonst vertritt. Menschen würden überlegen, ob der Account gehackt wurde oder was das soll. Aber die letzte Möglichkeit wäre es, dass man beleidigend wird.

Sophia Thomalla bekam stattdessen Kommentare wie die folgenden:

 
 
 


Dies zeigt, wie leicht Menschen sich manipulieren lassen, wie leicht sie bereit sind, Teil einer blinden Masse zu werden. Auf diese Art und Weise kann man mit den Menschen spielen – ohne dass sie es merken. Ich fand so etwas immer schon sehr interessant. Bereits in der Schule habe ich einige Experimente bezüglich der Beeinflussung von Menschen gestartet: Auf Klassenfahrt haben einige Freunde und ich uns über jede Person in der Klasse ein Gerücht (teilweise absurd) ausgedacht und versucht diese zu verstreuen, um festzustellen, welches Gerücht letztendlich als vermeintliche Tatsache wieder bei uns ankommt. Und es war tatsächlich faszinierend wie überzeugt eine Person sein kann, dass etwas so ist, wenn ich Zweifel daran äußerte. Obwohl ich in dem Moment wusste, dass das Erzählte totaler Quatsch war.

Insgesamt hat dieses Experiment für mich deutlich gemacht, dass die Mehrheit der Menschen, die Masse sich extrem leicht manipulieren lässt. Und im Großen und Ganzen sollte das jedem zu denken geben. Menschen, die sich manipulieren lassen, einer blinden Masse folgen, sind nicht wirklich positiv für das Funktionieren einer Demokratie.

Nachtrag: Hier nun die detaillierte Auflösung von Mickey Beisenherz.