Sonntag, 31. Juli 2016

Nein ist kein Stoppwort!

Ich hatte lange Zeit eine Postkarte an der Wand hängen, auf der genau dieser Satz abgedruckt war, aber leider weiß ich nicht mehr, wohin die (nach mehreren Umzügen) verschwunden ist.
Nachdem jetzt der Slogan „Nein heißt Nein“ in aller Munde ist, möchte ich hier mal über das Nein an sich erzählen.
Was genau bedeutet Nein? Ist es immer jedem klar? Und wenn ich nein sage, weiß mein Gegenüber dann zwangsläufig, welche Handlung er gerade unterbrechen soll? Mich anfassen, mit mir Reden, anderen Frauen nachschauen, alles kann in einer Situation gemeint sein!
Selbst wenn klar ist, dass es bedeutet, etwas zu unterlassen, wie soll denn klar sein, was genau? „Da wird ein emphatischer Mensch ja wohl alleine drauf kommen!“ könnte nun eine typische Aussage sein. Aber wie schwierig allein der Bezug ist, sieht man aktuell beim Fall Gina Lisa: Bezog sich ihr „nein“ auf den Geschlechtsakt selbst oder nur auf das Filmen desselben? Die einen sagen ersteres, die anderen zweites. Wichtig ist in dem Zusammenhang nicht nur, wie das Wort nein gemeint ist, sondern auch, ob dies für den Gegenüber eindeutig ist.
Auch Wikipedia erklärt das Wörtchen nein im Übrigen folgendermaßen:

Nein ist die negative Antwort auf eine Frage, die positiv oder negativ beantwortet werden kann (Entscheidungsfrage), und bedeutet somit die Negation der positiv formulierten Aussage, nach deren Wahrheitsgehalt gefragt wird. In Hinblick auf Sprechhandlungen hat das Wort „nein“ unterschiedliche Bedeutungen; häufig bringt es einen Widerspruch zum Ausdruck oder fordert zum Unterlassen einer Tätigkeit auf.

Bei der jetzt zu diskutierenden Fragestellung kann nur der zweite Satz gemeint sein: es wird durch das Nein zum Unterlassen einer Handlung aufgefordert. Insofern kann man natürlich versuchen, das Nein als Stoppwort zu verwenden. Wenn man aber nicht noch mind. einen Satz hinzufügt, der Auskunft darüber gibt, welche Handlung denn jetzt gestoppt werden soll, hat man ein Problem. Denn in dem Punkt ist Nein alles andere als eindeutig.

Die anfangs erwähnte Postkarte war natürlich auf den BDSM Kontext bezogen und ist da sehr passend. Kein Paar würde sich für „Nein“ als Stoppwort (auch Safeword) entscheiden. Ein Nein rutscht einem schon mal unabsichtlich raus, wenn etwas zwar unangenehm ist, aber genau das einem ja wiederrum gefällt, einen geil macht.
Ein Stoppword ist daher meist ein Wort, das niemals zufällig fällt wie beispielsweise „Schmetterling“ oder „Bahnhof“. Bei diesen individuell vereinbarten Worten gibt es auch keine Missverständnisse wie bei einem allgemeinen Nein. Das Stoppwort bedeutet, dass alle Handlungen für den Moment unterbrochen werden müssen (natürlich beinhaltet das auch, dass die Stimmung dann weg ist), daher wird es meist nicht leichtfertig, sondern tatsächlich nur im Notfall verwendet, wenn irgendwas nicht stimmt.
Mit einem Stoppwort macht man keine Scherze. Ein Stoppwort ist nicht dafür da, um es spielerisch zu überwinden. Ein Stoppwort muss immer und in jedem Fall respektiert werden!
Diese Eigenschaften eines Stoppwortes zeigen schon, dass ein Nein dafür denkbar ungeeignet ist. Denn auch wenn viele sich das gerne wünschen, dass ein Nein wie ein Stoppwort zu verstehen ist, so sehen wiederum viele andere Menschen das anders. Ein Nein ist kein allgemeines Stoppwort, zumindest nicht im Verständnis der meisten Menschen.
Natürlich kann man sagen, dass es toll wäre, wenn man ein solches allgemeines Wort hätte, dass von jedem so respektiert wird wie ein Safeword im BDSM-Kontext, aber aktuell gibt es das nicht.
Das bedeutet auch, dass man individuell bei sexuellen Begegnungen immer auf den anderen achten muss bzw. demjenigen mitteilen muss, wenn ein Stoppwort benötigt wird.
Schon zur eigenen Sicherheit sollte man nicht davon ausgehen, dass ein Nein als Stoppwort funktioniert. Denn selbst wenn es das  Gesetz bald tatsächlich so versteht, ist die Mehrheit der Menschen vermutlich nicht mit dem Gesetz vertraut, sondern handelt eher nach dem Gefühl, welches aus jahrelanger Erfahrung mit Nein stammt und dieses ist eben häufig: Nein bedeutet gib dir mehr Mühe.

 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Eine Welt voller Misstrauen

Eine Welt voller Misstrauen macht traurig. Das sagt meine Therapeutin. Und irgendwie stimmt es, dass ich in einer solchen Welt lebe. Es gibt extrem wenig Menschen, denen ich vertrauen kann und wenn ich neue Leute kennenlerne, dann habe ich zunächst kein Vertrauen. Sondern diese Personen müssen eigentlich immer und immer wieder zeigen, dass ich ihnen vertrauen kann.
Ich brauche sehr lange, bis ich jemandem vertraue. Im Gegenzug ist es aber auch so, wenn es eine Person einmal in mein Herz geschafft hat, ist diese vermutlich eine Freundschaft fürs Leben. Ein Mensch, dem ich vertrauen kann und der tatsächlich in meinem Herzen ist, will ich eben nicht mehr loslassen. Darum sind die meisten meiner guten Freunde dies tatsächlich zum Großteil bereits seit zehn Jahren oder länger.

Aber bei neuen Menschen tu ich mir schwer. Ich habe kein Problem Menschen kennenzulernen, aber ihnen zu vertrauen – und das macht traurig.
Aber wie soll man in einer solchen Welt vertrauen können? Wie soll ich jemanden, der mir nicht gezeigt hat, dass er mein Vertrauen verdient, einen Vorschuss an Vertrauen geben?
Wie sollte ich jemanden vertrauen können, wenn ich tagtäglich in meinem Umfeld beobachten kann, wie andere Menschen belogen und betrogen werden? Ich will das für mich nicht. Ich will nicht verletzt werden! Darum lasse ich tiefe Gefühle erst gar nicht zu.

Beziehungen sind auch so ein Fall: Einem Freund in einer Beziehung müsste ich vertrauen können und dieses baut sich aber erst langsam auf. Aber die meisten Personen wollen immer alles schnell und sofort – und dann wird man verletzt!
Immer wenn ich es vorsichtig versucht habe, wurde ich wieder enttäuscht. Erst vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, bei dem ich dachte, vielleicht kann sich da ja was entwickeln. Ich habe es versucht mit dem Vorschuss an Vertrauen, habe ihm etwas erzählt, was kaum einer weiß. Ich wollte, dass er es weiß, da das für mich wichtig ist und eine eventuelle Beziehung nicht ein solches Geheimnis haben sollte. Aber statt, dass es positiv war, zu vertrauen, wurde das wissen von der anderen Person genutzt, um mich im Streit zu beleidigen…
Und aufgrund solcher Erfahrungen, bin ich vermutlich glücklicher damit, wenn ich gar nicht mehr versuche, irgendeine Beziehung zu beginnen. Ich weiß, dass vermutlich irgendwann wieder jemand kommen wird, wo ich denke, das könnte vielleicht was werden. Aber derjenige hat es noch schwerer, denn immer neue Verletzungen stärken das Misstrauen.

Wie soll ich in einer solchen Welt vertrauen?
Ja, eine Welt voller Misstrauen ist traurig. Aber was ist die Alternative? Eine Welt voller Verletzungen? Wäre das nicht mindestens ebenso traurig?

Dienstag, 26. Juli 2016

Religionsfreiheit

Wie weit geht Religionsfreiheit?
Ist es bereits zu viel verlangt, zu respektieren, wenn man jemanden nicht mit Handschlag begrüßen möchte?
Als ich meinen Artikel zum Thema Berührungen schrieb, gab es bei AllesEvolution (dort hatte ich den verlinkt), eine interessante Diskussion zum Thema, bei der unter anderem der folgende Kommentar fiel:

Es hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun, wenn ein Vater in der Schule einer Lehrerin den Gruss verweigert. Oder wenn eine Richterin im Gericht ein religioeses Symbol (Koftuch) zeigen will. Das geschieht ja nicht in der Moschee oder in ihrer Wohnung.
Kleidung, Essen, Grussformen usw. fallen nicht unter die Religionsfreiheit. Wenn im Islam das ganze Leben als Religionsausuebung verstanden wird, ist das eine Auffassung, die unserer Kultur fremd ist und sich nicht auf Religionsfreiheit im rechtstaatlichen Sinn berufen kann. Schliesslich gibt es auch Religionen, die Menschenopfer verlangen.

Sehen das etwa viele so? Bedeutet Religionsfreiheit für einige Menschen nur die Freiheit, sich in einem abgetrennten Raum (Zuhause oder im Gotteshaus) mit ihrer Religion zu beschäftigen? Bedeutet Religionsfreiheit nicht viel mehr die Freiheit zur Ausübung der Religion so lange sie nicht gegen die Grenzen des Rechtsstaats, also gegen das geltende Recht verstößt?
Sicher ist es für niemanden diskussionswürdig, ob nun Menschenopfer unter die Religionsfreiheit fallen oder nicht! Dies ist eine Selbstverständlichkeit, weil hier auch Moral und Gesetz übereinstimmen: Man bringt niemand anders um!

Aber was ist bei den anderen genannten Beispielen: Warum darf ein Vater nicht den Gruß verweigern? Außerdem wurde das ja nicht getan, es wurde nur auf eine Begrüßung bestanden, bei der keine Berührungen stattfinden. Und ist es moralisch richtig, gegen ein für einen religiösen Menschen unangenehmes Gefühl darauf zu bestehen, dass man sich für die Begrüßung die Hand gibt? Möglicherweise.
Gesetzlich allerdings hat kein Mensch Anspruch darauf, von einem anderen mit Handschlag begrüßt zu werden und natürlich ist dies Teil der Religionsfreiheit, wenn ich aufgrund meiner Religion darauf verzichte.

Wie sieht das bei einer Richterin mit Kopftuch aus? Wenn in dem Fall die Religion bei irgendeinem Beteiligten eine Rolle spielt, denke ich, sollte ein Zeichen für die eigene Religion vermieden werden, da dadurch die Frage, ob die Richterin parteiisch ist, gestellt werden muss.
Es muss also generell geschaut werden, inwieweit die Arbeit als Richterin durch ein Kopftuch beeinträchtigt ist. Wenn das nicht der Fall ist, sehe ich nichts was gegen das Tragen eines solchen spricht.

Und Kleidung, Essen, Grußformen fallen nicht unter Religionsfreiheit? In welchem Land sind wir denn jetzt gelandet, dass jemand mir diese Dinge vorschreiben will?
Mit wenigen Ausnahmen fallen diese Dinge natürlich in meinen privaten Lebensbereich, so dass ich ganz allein entscheiden kann, wie ich damit umgehe. Als religiöser Mensch werde ich hier natürlich so verfahren wie es meine Religion gebietet. Als nicht religiöser Mensch habe ich evtl. andere Prioritäten, ein Moslem verzichtet beispielsweise auf Alkohol und Schweinefleisch, ein Vegetarier ganz auf Fleisch.
Warum soll die Entscheidung des Vegetariers gut und richtig sein, die des Moslems aber falsch bzw. moralisch in irgendeiner Weise verwerflich?

Auch interessant ist der nächste Satz im Kommentar:

Wenn im Islam das ganze Leben als Religionsausuebung verstanden wird, ist das eine Auffassung, die unserer Kultur fremd ist und sich nicht auf Religionsfreiheit im rechtstaatlichen Sinn berufen kann.

Ich frage mich immer wieder, in welchem Land mit welcher Kultur dieser Mensch aufgewachsen ist. Von Mitteleuropa kann er nicht reden… Natürlich spielt die Religion für einen Menschen im ganzen Leben eine Rolle und genau das ist in unserer Kultur so auch tief verwurzelt. Nur dass es hier eben in erster Linie die christliche Religion ist. Zu behaupten, Religion sei nicht prägend für das ganze Leben, ist vielleicht so für den ein oder anderen nicht religiösen Menschen. Aber dies sieht sicher jeder religiöse Mensch – ganz gleich welcher Religion – anders!
Und die Ausübung der Religion ist genau das, was unter Religionsfreiheit verstanden wird. Dies ist genau der Wert, der geschützt werden sollte. Und den es zu schützen wichtiger denn je ist, wenn selbst eine verweigerte Berührung eines anderen Menschen einen solchen Eklat auslösen kann.

Samstag, 23. Juli 2016

Immer

Manchmal bin ich gerne unter Menschen,

manchmal mag ich meine Ruhe,

manchmal gehe ich gerne aus,

manchmal bin ich gern alleine,

manchmal mache ich Party,

manchmal mache ich einen Spaziergang.

 

Manchmal mag ich Aufmerksamkeit,

manchmal flirte ich viel,

manchmal wär ich lieber unsichtbar,

manchmal lese ich ein Buch,

manchmal trinke ich gerne einen Cocktail,

manchmal trinke ich gerne Wein.

 

Manchmal trage ich einen kurzen Rock,

manchmal gehe ich in hohen Schuhen,

manchmal lege ich Make-Up auf,

manchmal trage ich einen langen Rock

manchmal trage ich Sneaker,

manchmal setze ich ein Kopftuch auf.

 

Immer bin ich ich selbst!

Donnerstag, 21. Juli 2016

Fahren und Fluchen: Lernt Verkehrsregeln!

Ich fahre oft und gerne mit meinem Auto irgendwohin. Gerade jetzt im Sommer ist es immer wunderschön mit dem Cabrio durch die Sonne zu düsen. Gerne am Wochenende mal an den Gardasee, Venedig oder andere schöne Ecken, die die „nähere Umgebung“ zu bieten hat.

Da ich viel fahre, treffe ich auch oft Idioten auf der Straße, bei denen ich denke, dass die ihren Führerschein wohl im Lotto gewonnen haben. Ja, man merkt schon, ich fluche gerne. Ganz besonders gerne im Straßenverkehr. Das Fluchen im Auto dient allein dazu, seiner Wut Luft zu machen. Es ist nicht dafür gedacht, dass der andere Autofahrer, den ich in dem Moment evtl. beleidige das hört (was bei geöffnetem Dach manchmal nicht ganz einfach ist ;) ).

Aber wenn man keine Ahnung hat, wie beispielsweise ein Blinker funktioniert, dann sollte man vielleicht nochmal einen Kurs besuchen, statt sich auf die Straße zu wagen und anderer Autofahrer zu belästigen. Leider scheinen gewisse Verkehrsregeln von extrem vielen Menschen nicht gewusst oder vergessen worden zu sein.

Der neueste Trend: Links blinken im Kreisverkehr. Wo wollen diese Spinner bitte hin? Links gibt es nur wahlweise Gestrüpp oder eine schöne Dekoration der Mittelinsel! Trotzdem habe ich in letzter Zeit häufiger gesehen, wie jemand im Kreisverkehr links blinkt – vermutlich ein Zeichen, dass sie die dritte Ausfahrt ausfahren wollen. Aber andere Verkehrsteilnehmer wissen leider nicht, welches für das blinkende Fahrzeug die dritte Ausfahrt ist! Also bitte bitte, nicht mehr links blinken in Kreisverkehren, das zeigt nur wie dämlich ihr seid!

Weiteres Problem abknickende Vorfahrtstraßen: Auch hier wird wie verrückt falsch geblinkt. Ganz einfache Regel, die sich bitte mal alle Vollidioten merken sollten und die immer gilt: Wenn man abbiegt blinken, wenn man geradeaus weiterfährt, Finger weg vom Blinker! Diese Regel gilt unabhängig davon, ob man Vorfahrt hat oder nicht! Eine abknickende Vorfahrtstraße bedeutet demnach nur, dass man zwar Vorfahrt hat, wenn man abbiegt, aber nicht, dass man dann nicht mehr blinken muss und stattdessen blinken sollte, wenn man geradeaus weiterfährt. Das hätte für mich mal beinahe zu einem Unfall geführt, da ein Fahrzeug links blinkte, aber geradeaus weiterfahren wollte (obwohl links eine weitere Straße zu einem Wanderparkplatz führte), in dem Moment, als ich rechts an ihm vorbei wollte, fuhr das dann plötzlich auch geradeaus weiter!

Solche Momente sind eine prima Gelegenheit, den anderen Autofahrer mit den bösesten Fluchworten zu belegen, um sich dann wieder zu beruhigen. Natürlich hilft es den meisten Autofahrern wenig, dass auch Straßenplaner nicht mehr genau Bescheid wissen über die Verkehrsregeln, was sich eindeutig dadurch zeigt, dass sie widersprüchliche Zeichen aufstellen: ein Schild, welches eine abknickende Vorfahrt zeigt und weiterhin Pfeile am Boden, die die Straße geradeaus als links oder rechts abbiegen kennzeichnen und damit bedeuteten, man solle blinken.

Ganz besonders lustig sind auch diejenigen, die auf zweispurigen Straßen hinter mir fahren und sich aufregen, dass ich zu langsam unterwegs bin. Kommt in einer fremden Stadt gerne mal vor, wenn man bald links abbiegen muss. Allerdings sollten die doch bitte einfach rechts vorbeifahren! Ja, was viele Leute nicht wissen: Innerhalb geschlossener Ortschaften muss man nichts immer links überholen, muss man auch nicht immer rechts fahren. Nein, innerhalb geschlossener Ortschaften gilt freie Fahrstreifenwahl! Das heißt, wenn ich links abbiegen möchte und daher etwas langsamer die Straße suche, darf ich das auf der linken Fahrbahn tun. Dies ist dann vermutlich eine Situation, in der andere sich über mich aufregen – ohne zu merken, dass dies mal wieder an der eigenen Blödheit liegt, da sie mich bei korrektem Wissen schon längst überholt hätte!

Ich gebe zu, dies wissen vermutlich noch weniger Menschen als wie Blinker und abknickende Vorfahrtsstraßen funktionieren. Liegt aber nicht an mir, dass so viele Menschen ihren Führerschein nur durch Glück bekommen oder nach der Prüfung bereits alles vergessen haben!

 

Dienstag, 19. Juli 2016

Das neue Sexualstrafrecht

Nachdem es nun zwei markante Fälle in die Medien geschafft haben und die Empörer immer lauter wurden, hat der Bundestag vor einigen Tagen eine neues Sexualstrafrecht beschlossen.
Ich werde mich in diesem Post nicht mit den gesamten Paragraphen befassen, sondern mich auf die konzentrieren, die ich für wichtig bzw. kritikwürdig halte.
Die gesamten Änderungen inkl. Begründungen kann man hier einsehen.

Im §177 ist es nun auch strafbar, wenn der Täter ein Überraschungsmoment ausnutzt. Bisher war tatsächlich plötzliches Begrapschen auf der Straße nicht als sexuelle Nötigung bzw. Belästigung strafbar. Da hierfür der Täter immer sich über einen entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegsetzen musste oder eine Lage ausnutzen musste, in der ein solcher nicht gebildet werden kann (Alkohol, Drogen, Behinderung etc.).
Es war allerdings dennoch möglich einen unverschämten Griff als Beleidung anzuzeigen und als diese konnte er bereits vor der Reform bestraft werden.
Das heißt auch, dass die Behauptung, Begrapschen in der Öffentlichkeit sei nicht strafbar und müsse hingenommen werden (laut altem Recht) so nicht gestimmt hat. Es wurde nur nicht als ein sexueller Akt gesehen.
Die Frage ist für mich hierbei inwieweit nun versehentliche Berührungen plötzlich unter Strafe fallen. Wenn ich mir eine überfüllte Bahn oder einen überfüllten Bus vorstelle, so kann es gut sein, dass man versehentlich jemanden an Po oder Brust oder sonstwo berührt. Besonders, wenn das Fahrzeug durch Kurven fährt. Bisher war das eine nicht wirklich relevante Lappalie, jetzt eine womöglich strafbare Handlung.

Außerdem neu hinzugekommen sind die Paragraphen §184i und §184j, erstere stellt allgemein eine sexuelle Belästigung unter Strafe. Der zweite ist diesmal der interessantere, denn er Beschäftigt sich mit „Straftaten aus der Gruppe“:

Wer eine Straftat dadurch fördert, dass er sich an einer Personengruppe beteiligt, die eine andere Person zur Begehung einer Straftat an ihr bedrängt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn von einem Beteiligten der Gruppe eine Straftat nach den §§ 177 oder 184i begangen wird und die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.“

Hier wird über ein Hintertürchen eine Art Sippenhaft eingeführt. Die Gründe dieser Idee sind klar: Es gab zu Silvester in Köln mehrere Gruppen von nordafrikanischen Männern, die gemeinsam Opfer umkreist, belästigt und bestohlen haben. Hier wurde bewusst die Masse der Menschen gegenüber einzelnen oder wenigen genutzt, um Straftaten zu  begehen.
Allerdings finde ich dennoch nicht, dass man pauschal alle Personen verurteilen darf, wenn einer aus einer Gruppe eine Straftat begeht. Wenn wie im Fall von Köln beispielsweise eine Gruppe gemeinsam beschließt, dass sie Leute umzingeln und diese bestehlen wollen und einer die Chance aber nutzt, um ein weibliches Opfer sexuell anzugehen, warum sollten dann die anderen Personen für diese Tat mitbestraft werden?
Und wenn es allgemein Konsens wäre, dass Beteiligte einer Gruppe immer mitbestraft werden sollten, warum dann nur im Sexualstrafrecht?
Wenn ein Raub begangen wird und dabei ein Wachmann erschossen wird, so ist auch nur die Person, die den Wachmann erschossen hat für Mord zu bestrafen und der Rest der Beteiligten nicht. Alles andere wäre meiner Meinung nach auch ziemlich unsinnig und bereits nah am Bereich der Willkür.
Weiterhin stellt sich für mich auch die Frage, was es bedeutet, sich an einer Personengruppe zu beteiligen?
Wenn ein fröhlich lustiger Junggessellenabschied durch die Stadt zieht und eine der Beteiligten Personen Außenstehende begrapscht, müssen dann alle Beteiligten des Junggesellenabschieds bestraft werden? Und warum? Was habe ich damit zu tun, wenn ein Freund von mir meint, Straftaten begehen zu müssen?

Mit diesem und weiteren Gesetzten, die vor kurzem im Bundestag beschlossen wurden (Prostituiertenschutzgesetz und Paragraph zum Stalking – Artikel hierzu folgen), bewegt sich die Bundesrepublik leider immer stärker in eine für mich beängstigende Richtung: Jeder Kontakt, jede noch so kleinste Bewegung muss gesetzlich geregelt werden.
Nachdem eine Kondompflicht für Prostituierte eingeführt wurde fehlen eigentlich nur noch Regeln für den privaten Verkehr im Schlafzimmer!
 
Eine interessante Diskussion zum Thema gab es hier bereits.

Samstag, 16. Juli 2016

Berührungen

Mein Körper gehört mir und keiner darf mich ungefragt anfassen! Das steht jetzt sogar so in Gesetz. Trotzdem werden in der Schweiz Schüler zu Berührungen gezwungen, die sie nicht wollen uns auch in Deutschland boykottieren Lehrer den Abiball oder brechen ein Elterngespräch ab, wenn eine ganz bestimmte Berührung nicht zugelassen wird. Ich gebe zu dabei ging es um die Geste des Handschlag, die in Europa durchaus üblich ist bei verschiedenen Anlässen wie Begrüßung oder Gratulation.
Aber warum ist es so schwer zu akzeptieren, wenn einem diese Berührung unangenehm ist, dies zu unterlassen? Wo bleibt denn da auf einmal die Empörung, die Unterstützung, dass man niemanden zu unangenehmen Berührungen drängen darf?
Vielleicht bleibt die aus, weil die Begründung hier nicht einfach war, dass es unangenehm ist, sondern das es aufgrund der Religion unangenehm ist. Und Islambashing ist ja momentan total im Trend, ganz besonders seit diese radikalen Spinner ständig irgendwo Anschläge verüben und behaupten sich auf diese Religion zu beziehen. Da ist jemand, der einem nicht die Hand reicht natürlich gleich terrorverdächtig - liegt ja Nahe.
Wer in Deutschland lebt, muss sich also anpassen und sich anfassen lassen, scheiß doch darauf, dass wir eigentlich ein Recht darauf haben sollten, selbst zu entscheiden, wenn wir berühren und wer uns berühren darf. Dieses Recht gilt eben nicht für Muslime...
Ich mag auch nicht jeden Menschen, den ich neu kennenlerne mit drei Wangenküschen begrüßen, obwohl das so üblich ist. Es wird akzeptiert, ich bin ja Deutsche. Schade, dass Deutschland eben nicht so weltoffen ist wie es sich gerne gibt!
Traurig, dass in Deutschland und der Schweiz nicht jeder selbst alleine über seinen Körper entscheiden darf!
Ich werde weiterhin mir unangenehme Berührungen vermeiden und hoffe, dass sich andere Menschen das vehement tun, damit irgendwann vielleicht einmal akzeptiert wird, das jeder Mensch selbst entscheidet, was er an Berührung zulässt und was nicht!

Freitag, 15. Juli 2016

Depression

Ich habe das Gefühl, ich hänge an einem Abhang. Mit aller Kraft versuche ich mich zu halten. Ich muss jetzt kämpfen, darf nicht abstürzen. Jeden Morgen muss ich kämpfen aufzustehen und zur Arbeit zu fahren, obwohl ich eigentlich mich unter die Decke verkriechen und nur weinen will.
 
Jede noch so kleine Kleinigkeit stört mich tierisch, regt mich auf und bringt mich zum Weinen. Andere Menschen können mich nicht verstehen. Soll mich doch nicht so anstellen. Andere schaffen das ja auch! Nein verdammt! Für andere Menschen ist die Situation eine komplett andere. Wenn ich traurig bin, dann will ich keine Vorwürfe, dann will ich keine Pseudoratschläge, die sowieso nichts bringen. Dann will ich einfach nur, dass jemand da ist, der mich in den Arm nimmt!
 
Ich weiß nicht, wie lange meine Kraft reicht, um weiterzukämpfen. Ich weiß, dass ich es schon einmal geschafft habe und ich will es wieder schaffen. Ich gebe nicht auf! Ich klammere mich an diesen Abgrund, ich werde nicht abstürzen.
Denn ich weiß, wenn ich nicht mehr kämpfe und loslassen muss, werde ich abstürzen, werde sterben.

Montag, 11. Juli 2016

Die Normalität der Heterosexualität

Immer wieder lese ich – besonders in vorgeblich feministischen Artikeln – von irgendwelchen „weißen, heterosexuellen Männern“. Oft genug frage ich mich dann, woher die Autoren immer genau wissen, welche sexuelle Orientierung eine andere Person hat. Oder ist das die erste Frage, wenn man jemanden trifft: „Guten Tag, ich bin X. Bist du eigentlich heterosexuell?“, oder wird sich in deren Kreisen etwa so vorgestellt: „Guten  Tag, mein Name ist x und ich bin heterosexuell“?
Ich bin sicher, dass die Autoren nicht nur einmal danebenlagen, wenn sie Männer, mit denen sie persönlich Probleme haben oder deren Verhalten (evtl. öffentliche Person) oder Text sie kritisieren, durchweg als heterosexuell bezeichnen.
Auch bei diesem Text auf dangerbanans hat die Autorin den kritisierten Autor zunächst als heterosexuell betitelt. Dies aber gestrichen, nachdem er sich zu Wort gemeldet hat und angegeben hat, er sei eben nicht heterosexuell.

Menschen, die eine Norm bzw. vielleicht für viele besser eine Art Idealbild erfüllen, lassen sich natürlich leichter kritisieren. Wenn man nun einen Autor kritisiert, ist es immer ganz wichtig, zu erwähnen, dass dieser weiß und heterosexuell ist – egal, ob das inhaltlich eine Rolle spielt. Denn in Deutschland hat die Gesellschaft ein Problem damit schwarze Schwule zu kritisieren. Aber ist nicht genau das rassistisch. Wenn ein schwarzer schwuler Mann in einem Text aus meiner Sicht etwas Falsches schreibt oder einfach eine beschissene Meinung hat, dass sollte er dafür auch kritisiert werden – und dass ohne, dass dieser Mensch im kritischen Text plötzlich ein weißer heterosexueller Mann ist, bis er das Gegenteil sagt.

Warum gehen so viele Menschen automatisch davon aus, dass das Gegenüber heterosexuell ist? Nur weil die Mehrheit der Partnerschaften heterosexuell erscheint?
Für mich ist das irgendwie komisch und unverständlich, da es bei mir nicht so ist. Wenn ich einen Menschen neu kennenlerne, dann nehme ich den nicht in erster Linie als heterosexuell wahr. Ich finde, dass es im Kontakt eben einiges wichtigeres gibt als die sexuelle Orientierung. Erst wenn ich mit einer Person – vielleicht weil der Charakter so toll ist oder ich diese Person sexuell anziehend finde – ins Bett will, interessiert mich die sexuelle Orientierung.
Und ich möchte das auch für mich nicht anders. Ich fände es gut, wenn ich nicht immer von Menschen automatisch in eine Schublade gesteckt werde. Wenn ich neue Menschen treffe, möchte ich, dass diese ganz unvoreingenommen auf mich zugehen. Ohne die Schubladen deutsch, heterosexuell, Frau. Das spielt doch alles keine Rolle außer man möchte seine Vorurteile auf mich anwenden.

Wenn ich einen Text lese, dann mache ich mir weder über die Hautfarbe noch über die sexuelle Orientierung Gedanken – ausgenommen natürlich der Text behandelt genau diese Themen. Wenn es beispielsweise in einem Text um Diskriminierungserfahrungen von bestimmten Gruppen geht, spielt es meiner Meinung nach schon eine Rolle, ob der Autor eben Teil dieser Gruppe ist oder nicht.
Und vielleicht spielt es jetzt am Rand eine Rolle, dass ich eben nicht heterosexuell bin ;)

 

 

Montag, 4. Juli 2016

Das Lachen der Frauen

 

Lachen Frauen anders? Über andere Dinge? Frauen sind nicht lustig, deshalb gibt es ja auch so wenig weibliche Comedians? Oder haben Frauen keinen Humor, wenn sie nicht über aus ihrer Sicht sexistische Witze lachen wollen?

Ich schaue total gerne Comedy und Kabarett und wenn es darum ginge, spontan fünf Akteure jedes Geschlechts aus diesem Gebiet aufzuzählen hätte ich keinerlei Probleme. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich so etwas gerne sehe oder höre. Wenn man jemanden fragt, der sich vielleicht nicht so intensiv mit Comedy bzw. Kabarett beschäftigt, wen er kennt, so ist sicher einer der bekannteren Mario Barth. Mario Barth, der ganze Stadion füllt und besonders bekannt ist für seine Witze über seine Freundin bzw. über Unterschiede von Männern und Frauen, wird von vielen als sexistisch angesehen. Tausende Leute lachen bei Mario Barth zu Sprüchen wie „Frauen duschen ohne Haare waschen, damit sie am nächsten Tag nur Haare machen können!“
Ich weiß ja nicht, ob das jetzt lustig, sexistisch oder einfach langweilig ist… ich find es nicht lustig. Viele andere Menschen aber anscheinend schon.

Die Autorin des Artikels „Dürfen Frauen über sexistische Witze lachen“ wundert sich darüber, dass eine ganze Gruppe Frauen im Fitnessstudio über die eindeutig sexistischen Witze des Trainers lacht. Sie findet Sprüche wie „Aggressiv, kennste? Oder nur, wenn du deine Tage hast?“.
Im Artikel wird auch eine Diplom-Psychologin erwähnt, die zum Thema Humor forscht und sagt, dass eine wichtige Komponente, damit man über einen Witz lachen kann ist, dass dieser ohne negative Konsequenzen bleibt. Wenn beispielsweise jemand unglücklich irgendwo runterfällt, so ist das nur lustig, wenn man weiß, dass die andere Person sich dabei nicht das Genick gebrochen hat.
In dieser Erklärung findet die Autorin auch den Grund dafür, dass sie nicht über die sexistischen Witze ihres Trainers lachen kann: „Für mich sind diese Witze nicht konsequenzlos. Ich befürchte nämlich schon, dass dieses Bild von Frauen, das er da verbreitet, haften bleibt.“
Diese Befürchtung kann bisher allerdings durch nichts untermauert werden.

Es gibt außerdem noch den Bereich des sog. Schwarzen Humors, das heißt eben Witze über Geschehnisse, die für die vorkommenden Personen nicht konsequenzlos waren. Und es gibt genug Leute, die auch bei diesem schwarzen Humor lachen oder sich zumindest ein Grinsen nicht verkneifen können. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Witz, der kurz nach den Anschlägen vom elften September die Runde machte:

„Wie viele Einwohner hat New York?“
„Acht Millionen und ein paar Zerquetschte.“

Leute, die beim Unglück dabei waren oder Freunde verloren haben, werden wohl kaum darüber lachen können.

Meiner Meinung nach funktioniert Humor oft über Klischee und bekannte Ereignisse. Gerade Witze, die mit Klischees spielen gibt es haufenweise. Einerseits natürlich das Thema Männer und Frauen, aber auch verschiedene Nationalitäten oder Regionen (denen wiederum ein oder mehrere bestimmte Klischees zugeordnet werden). Kaum ein Kind bei uns kannte nicht die „Ostfriesenwitze“, die darauf abzielten, dass die Gruppe der Ostfriesen insgesamt etwas kindlich zurückgeblieben ist. Oder Witze über Lipper (aus der Region Ostwestfalen-Lippe), die in erster Linie auf die Sparsamkeit der Lipper deuteten. Ein Witz, der mir hier in Erinnerung geblieben ist, ist der folgende:

„Warum geben Lipper ihren Hühnern heißes Wasser zu trinken?“
„Damit das Ei schon gekocht ist!“

Darf ich über einen solchen Witz nun nicht lachen, weil dieser mit dem Klischee des sparsamen Lippers spielt und die Konsequenz ist, dass man Lipper zukünftig immer mit diesem Klischee im Hinterkopf begegnet? Oder ist Sparsamkeit eigentlich eine positive Eigenschaft – anders als beispielsweise die Dummheit in Blondinenwitzen – so dass es nicht schlimm wäre, würde sich dieses Klischee verbreiten?
Oder ist es gar davon abhängig, ob ich selbst Mitglied der Gruppe bin, über die sich in dem Witz amüsiert wird? Darf ich Ostfriesenwitze oder Lipperwitze machen, wenn ich selbst Ostfriese bzw. Lippe bin? Falls ja, dürften dunkelhäutige Menschen dann auch rassistische Witze machen?
Und was ist jetzt mit Mario Barth, der sich ja durchaus auch über einige negative Klischees des männlichen Geschlechts lustig macht, darf der das?

Jemand, der zum Thema von weiblichem Humor und gerade den Unterschieden zwischen diesem und dem männlichen an der Wiener Universität forscht gesagt: „Frauen lachen anders als Männer. Das Lachen von Frauen ist eher ein solidarisches, ein Lachen miteinander. Das Lachen von Männern ist eher ein Lachen übereinander.“

Möglicherweise ist das etwas dran. Allerdings habe ich auch schon häufig gesehen, wie auch Frauen Schadenfreude empfanden und das Lachen ganz und gar nicht miteinander war.
Aber in der  Geschichte des weiblichen Lachens könnte dies tatsächlich als begründet liegen. Früher hat es sich nicht geziemt, wenn Frauen lauthalst lachten – es war unanständig.
So musste eine Frau sich ihr Lachen eher verkneifen. Eventuell gab es Frauenrunden, in denen es dann für die Damen möglich war auch einmal vor Freude zu lachen – abgeschirmt von der Außenwelt. Aus diesem verborgenen Lachen hat sich dann eine Art Solidarität unter den Frauen entwickelt, was den Humor angeht.
Aber da es heutzutage diese Unterschiede schon länger nicht mehr gibt, denke ich, dass auch dieses Relikt aussterben wird.
 
Dies sind allerdings nur meine ersten Überlegungen zum Thema Humor. Ich finde das Thema ziemlich spannend und denke, dass noch weitere Artikel folgen werden. Eventuell dann unter der Betrachtung eines anderen Unterthemas des Humors.
Falls jemand selbst Gedanken oder mögliche offene Fragen hat, gerne auch in die Kommentare damit! :)

Freitag, 1. Juli 2016

Falsche Solidarität

Seit die Verhandlung bezüglich der Falschbeschuldigung durch Gina-Lisa Lohfink bekannt ist, äußerten verschiedenste Medien und ihre Vertreter sich zu dem Vorfall.
Mich wunderte immer wieder, woher diese Menschen ihr umfangreiches Wissen haben. Sie waren in der Nacht als der Vorfall passiert sein soll nicht dabei und die meisten waren wohl auch in der Gerichtsverhandlung über die angezeigte Vergewaltigung nicht dabei.
Dennoch wissen anscheinend viele Journalisten besser über den Fall Bescheid als die zuständigen Richter. Diese hatten nämlich im ersten Prozess die Angeklagten vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen und lediglich wegen der Veröffentlichung von Filmmaterial verurteilt.
Im Nachgang wurde Gina-Lisa ein Strafbescheid wegen falscher Verdächtigung zugestellt, nach dem sie 24.000 Euro Strafe zahlen soll. Dagegen geht sie nun vor. Es wird also verhandelt wegen falscher Verdächtigung und nicht wegen Vergewaltigung wie man teilweise denken könnte, wenn man verschiedenste Medien (speziell auch online) liest.
Gina-Lisa ist hier zunächst kein Opfer, sondern mutmaßliche Täterin in einem Verfahren.
Traurigerweise tun gerade Feministinnen sich damit hervor, jegliche Fakten zu vergessen oder bewusst zu ignorieren. Hier wird Gina-Lisa als Heldin gefeiert oder als Opfer bemitleidet.
 
Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß nicht, wer Opfer und wer Täter ist. Aber ich weiß, dass ich froh bin, in einem Rechtsstaat zu leben, in dem diese Entscheidung einem Gericht und nicht einem wütenden Mob angeführt von irgendwelchen Journalisten überlassen wird!
Warum sollte ich als Feministin und als Frau solidarisch mit Gina-Lisa Lohfink sein? Weil diese zufällig das gleiche Geschlecht hat? Nein, das ist mir zu wenig!
Diese Dame ist weder eine Bekannte noch Freundin, ich sehe daher keinen Grund, ihren Aussagen mehr zu glauben als den Aussagen der beiden Herren, die mit ihr Sex gehabt haben.
 
Auf Twitter gibt es den Hashtag #TeamGinaLisa unter dem sich ebenfalls ihr Unterstüzter und Befürworter versammeln und Aussagen posten wie
 
„nichts rechtfertigt Vergewaltigung außer das deutsche Strafrecht“ oder auch
 
„wir brauchen eine breite gesellschaftliche Solidarisierung mit Betroffenen sexueller Gewalt“
 
Und immer wieder fällt im Zusammenhang mit dem aktuellen Thema auch das Meme „Nein heißt Nein!“.
 
Für viele dieser Menschen steht fest, dass Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt wurde, obwohl die angeblichen Täter rechtskräftig freigesprochen wurden!
Ja natürlich kann man sich (und vielleicht sollte man das auch) mit Opfern von sexueller Gewalt solidarisieren. Aber doch nur, wenn das Anliegen eines aus der eigenen Sicht berechtigtes ist. Wenn für mich eindeutig feststeht, wer Opfer und wer Täter ist. Das Geschlecht reicht für mich nicht, um mich mit einer Person zu solidarisieren – wird es nie!
 
Leider machen auch unsere Politiker den Eindruck vergessen zu haben, was Rechtsstaat bedeutet. So scheint Justizminister Heiko Maas eine Verschärfung des aktuellen Sexualstrafrechts zunächst mit den Vorfällen in Köln und nun auch mit dem hier besprochenen Fall in Zusammenhang zu bringen.
Er und seine Parteikollegin Schwesig forderten, ein Nein müsse endlich ausreichen! Wirklich erstaunlich, dass selbst unser Justizminister die aktuelle Gesetzeslage nicht zu kennen scheint.
Würde ein Mitarbeiter eines Unternehmens sich über eine so eindeutige Situation in der Öffentlichkeit so inkompetent äußern, hätte er sicher nicht mehr lange seinen Job. Aber bei unseren Politikern wird gerne mal das ein oder andere ignoriert oder vergessen – außer natürlich wenn die Doktorarbeit nicht ganz korrekt war!
Auch ein Richter vom BGH hat sich in seiner Kolumne in der der zum Fall geäußert. Er beschreibt die aktuelle Rechtslage gut. Auch den zweiten Artikel kann ich diesbezüglich empfehlen. Hier geht er nochmal speziell auf die immer wieder widerholte Aussage "Nein heißt Nein" ein.
Dies sind einige der wenigen Artikel, die sich durch eine sachliche Herangehensweise auszeichnen und nicht von Emotionalität leisten.
 
Emotionalität und Moral sollte keine Grundlage für die Rechtssprechung sein und bitte auch nicht Grundlage für neue Gesetzte oder Gesetzesänderungen!
Menschen, die diese Meinung vertreten, den Rechtsstaat nicht durch einen Lynchmob ersetzen wollen, mit denen bin ich gerne solidarisch – ganz unabhängig davon, was diese in der Hose haben!