Donnerstag, 23. Juni 2016

Manchmal wechsel ich gerne die Straßenseite

Im Spiegel ist ein Artikel von Margarete Stokowski erschienen, in dem es zum Ende hin heißt:

"Selbst Männer, die sich für komplett harmlos halten, können etwas dafür tun, dieses Klima der Angst zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel abends auf der Straße allein hinter einer Frau laufen und diese Ihre Schritte hört, oder wenn Sie ihr entgegenkommen, wechseln Sie doch die Straßenseite. Sie ahnen nicht, wie erleichternd das sein kann."

Der ganze Artikel versucht den Eindruck zu erwecken, dass wir in einer schrecklichen Welt leben, in der man als Frau jederzeit befürchten muss, vergewaltigt oder sogar umgebracht zu werden. Dieses Klima wird gleich zu Beginn des Artikels erzeugt, indem haufenweise schreckliche Taten aufgeführt werden, die alle von Männern begangen wurden. Es wird dabei völlig ignoriert, dass man sicher eine ähnliche Aufzählung auch mit von Frauen begangenen Taten machen könnte. Dabei will ich jetzt bestimmt nicht sagen, dass Gewalt weiblich ist (so wie der Artikel suggeriert Gewalt sei männlich). Gewalt ist menschlich. Menschen begehen Gewalttaten, vielleicht sollten wir Menschen doch einfach alle aus Prinzip die Straßenseite wechseln, wenn andere da sind.

Immer wieder sind es andere Frauen, traurigerweise häufig welche, die dich als Feministinnen bezeichnen - welche den Frauen in Artikeln und Interviews ohne Ende erzählen wie grausam die Welt sei und dass man als Frau vor allem und jedem Angst haben muss!

"Wir halten es für eine verdammte Selbstverständlichkeit, dass eine Frau in der Dämmerung nicht mehr im Wald joggen gehen sollte. Eine Frau. Immer sind es die Frauen, die ihr Verhalten anpassen sollen. Vielen Männern ist nicht klar, wie sehr Frauen die Angst und den Schutz vor Gewalt in ihren Alltag integrieren. Wie sehr wir ein Klima von Bedrohung für normal halten. Wie oft wir ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen, nicht aus Bequemlichkeit, sondern um sicher nach Hause zu kommen. Wenn wir das Geld haben."

schreibt Frau Stokowski in ihrem Artikel. Warum? Warum hält die das für eine Selbstverständlichkeit? Wer schürt denn dieses Klima der Angst? Sind das nicht eigentlich genau solche Artikel wie der hier besprochene, die mit einer Aufzählung von Verbrechen beginnen, um zu zeigen wie böse die männliche Hälfte der Menschheit ist?

Ich halte es hingegen für eine Selbstverständlichkeit, dass ich als Frau jederzeit überall hingehen, joggen oder sonstwas tun kann. Ich sehe es überhaupt nicht ein, mich von solchen Möchtegern-Feministinnen verängstigen zu lassen! Feminismus sollte bedeuten, Frauen zu empowern statt zu verängstigen!

Sollte ich mal Margarete Stokowski begegnen, werde ich ganz bestimmt die Straßenseite wechseln, solchen Personen möchte ich nicht zu nahe kommen!

Dienstag, 7. Juni 2016

Demokratie funktioniert auch ohne Menschenrechte

Gerade in letzter Zeit während Diskussionen über Flüchtlinge, Asyl oder den Wahlerfolg nationalistischer Parteien in Europa hört man immer wieder in einer Diskussion, dass damit argumentiert wird, wir leben in einer Demokratie. Aber traurigerweise haben die meisten Menschen, die dieses Argument verwenden nicht verstanden, was Demokratie bedeutet.
Demokratie hat nichts mit Menschenrechten zu tun! Auch die alten Griechen hatten eine Demokratie und konnten diese ganz wunderbar mit der Sklavenhaltung vereinbaren.

Das Wort Demokratie stammt aus dem altgriechischen und ist eine Zusammensetzung der Worte „demos“ – Volk und „kratos“ – Hersschaft. Bedeutet also, dass die Herrschaft vom Volk ausgeht. Um das umzusetzen gibt es in der Neuzeit nun verschiedene Systeme wie beispielsweise die parlamentarische Demokratie bei der Volksvertreter gewählt werden, die sich dann um das „tägliche Geschäft“ kümmern. Direkte Demokratie hätte man beispielsweise, wenn bei jeder gesetzlichen Frage das gesamt Volk befragt wird. Aufgrund der Größe der meisten Länder ist diese Variante heutzutage nur schwer umsetzbar, obwohl eigentlich die tatsächliche Form von Demokratie. Andere Staatsformen, die sich gar nicht „Demokratie“ nennen können sind beispielsweise Monarchien oder Diktaturen, in denen die Macht bei einzelnen Herrschern oder einer bestimmte Herrschergruppe liegt ohne dass das Volk Einfluss hat.

Der Erfolg nationalistischer Parteien bewegt sich natürlich vollkommen innerhalb dieser Demokratie. Es wird nicht gepuscht oder gemordet, um an die Macht zu kommen, sondern diese Parteien (FPÖ, AFD, NPD, Front National etc.) treten wie alle anderen auch zu demokratischen Wahlen an. Auch eine Regierung aus diesen Parteien heißt nicht, dass es sich dabei um eine Gefahr für die Demokratie handelt. Was schrieben sich so manche Medien in Panik, als es um die Frage des Bundespräsidenten von Österreich ging. In der Stichwahl standen der Grünenpolitiker van der Bellen und Hofer, ein Mann der als „rechtspopulistisch“ verschrienen Partei FPÖ. Mit äußerst knappen Ergebnis setzte sich schließlich van der Bellen durch.
Ich weiß nicht, ob das tatsächlich die bessere Wahl war, von den Grünen halte ich persönlich relativ wenig, aber auch mit der FPÖ habe ich mich nicht ausreichend auseinandergesetzt, um sagen zu können, diese Partei ist rechts oder eine Gefahr für irgendwen.
Egal welche Partei bei Wahlen gewinnt und egal was sie entscheidet: Das ist Demokratie!

Gerne sieht man von Deutschland auf Länder wie die Schweiz herab, da dort teilweise Entscheidungen getroffen bzw. zur Wahl gestellt werden, die als ethisch zweifelhaft angesehen werden wie beispielsweise ein Minarettverbot. Aber genau das heißt Demokratie – das Volk entscheidet. Nur weil Deutschland in Form seiner Regierung gesagt hat, dass sie die Flüchtlinge aufnehmen muss das keinen Einfluss auf Gesetzte und Regelungen anderer Länder haben. Kein Österreicher, kein Franzose und kein Italiener hat die deutsche Regierung gewählt!
Demokratie bedeutet eben auch „unliebsame“ Entscheidungen des Volks zu akzeptieren. Und wenn das deutsche Volk kleinere Parteien groß macht (Linke, AFD), dann ist das genau das Gegenteil zu einer Gefahr für die Demokratie: Gelebte Demokratie!

Mehr Parteien bedeutet mehr unterschiedliche Meinungen, mehr Diskussion. Nur so kann das Ergebnis nachher möglichst nah am Willen des Volkes sein, denn das Volk ist eben nicht eine einheitliche Menge, sondern hat Menschen mit den unterschiedlichsten Meinungen und all diese sollten sich auch auf Ebene der Entscheider widerspiegeln!

Dass auch Menschenrechte wichtig sind und es eine Menschenrechtskonvention gibt, an die die Länder sich zu halten haben, die diese unterschrieben haben, steht außer Frage. Aber warum wird dann nicht mit Menschenrechten argumentiert, wenn man das Gefühl hat, dass eine bestimmte Partei oder Strömung eine Gefahr für diese ist?
Ist die Mehrheit der Journalisten zu dumm für diese Unterscheidung oder hält sie vielleicht nur ihre Leser für zu dumm für diese Unterscheidung?
 
Eine Gefahr für die Demokratie ist im Übrigen leider unsere aktuelle Regierung, da hier haufenweise Entscheidungen getroffen werden ohne Absprache mit dem Volk, die im Voraus auch so nicht bekannt waren (und so bei einer Wahl hätten berücksichtigt werden können.