Samstag, 12. September 2015

Was sind schon ein paar Jahre...

Miria: „Ich hätte mal wieder Lust, feiern zu gehen, aber irgendwie gibt’s hier nichts, wo man gut weggehen kann.“ „Stimmt, überall nur Kinder, die teilweise noch nicht mal 18 sind.“ antwortet Lara mir. Wir sitzen an einem schönen Samstagnachmittag auf der Terrasse eines kleinen Cafés irgendwo in Südtirol. In Deutschland bin ich damals in den einen oder anderen Club sehr gerne mal alleine zum Tanzen gegangen, aber hier ist mir das meiste etwas unsympathisch. „Kennst du das  N., das ist eigentlich ganz gut und dort sind auch eher Leute in unserem Alter.“ sagt Lara dann. Ich grinse sie an und wir beide müssen lachen. „In unserem Alter find ich gut!“ scherzte ich. Tatsache ist, ich bin Mitte zwanzig, Lara ist Anfang fünfzig. Trotzdem haben wir uns in letzter Zeit angefreundet. Wir spielen oft zusammen Karten, gehen gerne mal was trinken, quatschen und verstehen uns einfach gut. Alter spielt eben keine Rolle! Und wenn man sich gut versteht, dann merkt man im Gespräch gar nicht, dass die andere Person älter oder jünger ist, weil man auf einer Wellenlänge ist. Mir ist egal wie alt jemand ist, Hauptsache charakterlich passt es. Ich hatte auch in Deutschland mal einen guten Freund, der im Haus nebenan gewohnt hat und oft für mich da war, als die Zeit der Trennung von meinem Ex war. Wir haben viele Filme geschaut geredet und so weiter. Überrascht war ich dann, als ich die Einladung zu seinem Geburtstag bekam und ich so erfuhr, dass mein guter Freund 37 wird. Ich war damals gerade 21 und aufgrund der gleichen Interessen und dass wir uns einfach so gut verstanden haben, hätte ich ihn eben auch auf vielleicht Mitte zwanzig aber nicht so viel älter geschätzt. Ich dachte sogar erst, dass er mich verarscht und habe das erst geglaubt, als er mir seinen Ausweis gezeigt hat. Umgekehrt hat auch ein Freund mal sehr überraschend reagiert, als er erfahren hat wie alt ich bin (er war ebenfalls fast 20 Jahre älter), da er mich auch nicht so jung geschätzt hätte.
Ich finde es toll, dass ich so viele unterschiedliche Menschen unterschiedlichen Alters in meinem Leben und in meinem Freundeskreis habe. Die Altersspanne reicht von zwanzig bis ca. 60. Und ich kann es in dem Zusammenhang auch nicht verstehen, wenn andere Menschen so viel Wert auf das Alter einer Person legen, das ist definitiv nicht das, was mich am Gegenüber als erstes interessiert. Wenn eine bekannte Person einen Partner hat, der um zehn oder mehr Jahre jünger oder älter ist, wird das meist herausgestellt und oft kritisiert. Leider. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich in jemanden verlieben könnte, der älter ist. Ja, ich war bereits in jemanden verliebt, der zwölf Jahre älter ist. Leider wurde nichts draus, aber wir sind Freunde.
Es gibt traurigerweise auch Menschen, die der Meinung sind, dass ihre Meinung mehr Wert hat oder ihr Verhalten immer richtiger ist als das anderer Menschen nur weil diese ein paar Jahre später auf die Welt gekommen sind. Eine Arbeitskollegin hat ernsthaft einmal den Spruch gebracht: „Du bist ja noch jung, wenn die älter bist, wirst du das sicher auch anders sehen!“ Sowas kann ich nicht verstehen, wieso kann man Menschen nicht ernstnehmen, egal wie alt. Das Thema, um das es ging ist im Übrigen eines, wo ich mir sicher bin, dass ich meine Meinung ganz bestimmt nicht ändern werde – aber sie vielleicht. Denn viele Menschen begreifen leider erst viel zu spät im Leben, was wirklich wichtig ist und das sind meist nicht materielle Dinge!  Die Frau  ist seitdem bei mir aber sowas von unten durch. Es gibt, so wie es tolle Menschen in jeder Altersgruppe gibt, auch bescheuerte Menschen in jeder Altersgruppe!
Selbst über Lebenserfahrung sagt das Alter nicht viel aus. Jeder Mensch hat generell unterschiedliche Erfahrungen gemacht im Leben. Und ich habe mit Sicherheit mehr Lebenserfahrung als eine Person, die 40 Jahre daheim vor dem TV gesessen hat. Und natürlich komplett andere Erfahrungen als jemand, der immer ganz behütet aufgewachsen ist und keinen Kontakt hatte mit Drogen oder Kriminalität. Ich habe so viel mitbekommen und gesehen, obwohl ich noch relativ jung bin.
Menschen sind unterschiedlich und so wie für mich Geschlecht fast keine Rolle im täglichen Leben spielt, so tut es das Alter ganz bestimmt auch nicht!

 

 

Samstag, 5. September 2015

Flüchtlingskatastrophe

Zurzeit sind so viele Menschen auf der Flucht wie noch nie seit dem zweiten Weltkrieg. Tagtäglich kommen hunderte Flüchtlinge auf griechischen oder italienischen Inseln an.
Überall wird einem entgegengeschrien, man solle helfen oder Mitgefühl zeigen. Und auf gar keinen Fall darf man kritisieren, dann ist man ein Nazi und damit unfassbar böse!
Auf diese Weise ist eine differenzierte Betrachtung beinahe nicht mehr möglich. Trotzdem möchte ich es mal versuchen.
Natürlich sollte jedem Menschen, der mit dem Tod bedroht ist, egal ob durch Krieg oder sonst eine Verfolgung, geholfen werden. Aber was momentan in Europa abgeht hat damit nicht mehr viel zu tun.
Mal ein paar Überlegungen, die sich jeder, der bedingungslos alle Flüchtlinge unterstützen und ihnen helfen will:

-          Woher haben die Menschen so unfassbar viel Geld (teilweise mehrere Jahresgehälter), um Schlepperbanden zu bezahlen?

-          Warum muss ich mich nachts am Bahnhof von den meist afrikanischen Flüchtlingen anpöbeln lassen? Anstand hat nichts mit Herkunft zu tun und sollte daher auch für solche Menschen selbstverständlich sein.

-          Warum haben die wenigsten Flüchtlinge Papiere dabei. Diese würden bei berechtigter Flucht aus Syrien sogar eine Hilfe der Anerkennung sein…

-          Warum wollen alle bis nach Deutschland oder England und weigern sich in Ungarn, Italien oder Griechenland Asyl zu beantragen. Haben wir hier neuerdings einen Krieg, den ich noch nicht mitbekommen habe?

Das alles wirkt sich natürlich auch schädlich auf diejenigen aus, die tatsächlich die Hilfe brauchen und vor dem Krieg oder anderer Art von Verfolgung fliehen. Die Ressourcen sind faktisch begrenzt. Damit meine ich nicht unbedingt finanzielle oder materielle Mittel, sondern auch Menschen, die helfen und natürlich die Unterkünfte. Jeder Mensch, der unberechtigt Hilfe in Anspruch nimmt, schadet damit denjenigen, die diese Hilfe dringend benötigen!

Nebenbei bemerkt: Natürlich ist das europäische Asylrecht mit der Drittstaatenregelung beknackt und führt dazu, dass die gesamte Kraft von den Randländern aufgebracht werden muss. Aber wenn man es genau nimmt, haben vermutlich 90% der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, kein Recht auf Asyl in Deutschland, da sie durch einen sicheren Drittstaat einreisen.

Interessant auch, wie versucht wird, Mitleid oder ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, wie momentan beispielsweise mit dem Foto des toten Kindes am Strand. Kaum wird dazu gesagt, dass diese Familie bereits vor Jahren in die Türkei geflohen ist und dort ein sicheres Leben geführt hat. Dieses Kind ist also nicht gestorben, weil die Menschen in Europa so rücksichtslos sind, sondern weil die Familie bzw. die Eltern des Kindes so ignorant waren und ihre Leben auf Spiel setzten für erhofften finanziellen Wohlstand in Deutschland.

Insgesamt hoffe ich, dass in den meisten Ländern bald Asylanträge möglichst schnell bearbeitet werden und möglichst schnell alle unberechtigten Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgeflogen werden. Erst wenn die Menschen dort sehen, dass Deutschland nicht das gelobte Land ist und sich eine Flucht nicht lohnt, sondern nur Gefahren birgt, werden die Flüchtlingsströme vielleicht aufhören und nur mehr Menschen aus ihrer Heimat fliehen, die tatsächlich bedroht sind. Und dann hoffe ich dass diese mit offenen Herzen empfangen werden und genug Ressourcen vorhanden sind, um sie zu versorgen und unterzubringen!