Samstag, 30. November 2013

von Faschisten und Gemeinschaft

Es geht schon wieder los! Kaum ist die Tour von Frei.Wild zu deren neuem Album angefangen, gibt es an jeder Ecke wieder Aufregung, Demonstrationen und Gegenveranstaltungen. Das ist ja alles halb so schlimm, wir haben schließlich Meinungsfreiheit und wenn irgendwelche "Experten" meinen, das Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt (genau das wird in Artikeln und Interviews gesagt) grundsätzlich falsch sind, weil eine Gemeinschaft ja auch immer Leute ausschließt, bitteschön, nicht mein Problem. Mir tun solche Menschen dann immer leid. Menschen, die nicht wissen, wie toll es sein kann, Teil eine Gemeinschaft zu sein, auf deren Mitglieder man sich verlassen kann. Egal ob Familie, Sportverein oder Trachtengruppe. Und natürlich schließt eine Gemeinschaft aus bzw. man schließt sich selbst aus: Ich zum Beispiel möchte gar nicht Mitglied bei einem Fußballverein und wer nicht schwimmen kann, wird wohl beim Schwimmverein ausgeschlossen - ja und, was ist daran schlimm?!

Also von mir aus können Leute Gemeinschaft scheiße finden, Zusammenhalt scheiße finden, Frei.Wild scheiße finden - Danke Meinungsfreiheit!
Was aber zu weit geht ist es, was sich im Zusammenhang mit dieser Tour abspielt! Nicht nur, dass Mitarbeiterinnen vom Media Markt in Jena als Nazibraut betitelt werden und Auftritte abgesagt werden, weil für die Sicherheit der Besucher nicht garantiert werden kann, auch jeder im Umfeld der Band oder der mit ihr zusammen arbeitet wird bedroht und aufs übelste beleidigt.
Hierzu möchte ich dann gerne mal aus dem Statement von Ferdy Doernberg zitieren (das vollständige Statement ist auf seiner Facebook Seite zu finden):

Und wenn jemand wie ich, der wie gesagt nicht im Entferntesten nationalistisch oder rechtslastig (bei meiner Abstammung wäre das ja auch ziemlich dumm - oder nicht?) denkt und das auch schon oft in diversen Songs und Aktionen betont Hartz, plötzlich - wie im November aufgrund der gemeinsamen Tournee geschehen - eine Drohmail der Antifa mit dem wörtlichen Text: "Du Nazischerge, wir wissen wo du wohnst - euer kriegen dich!" bekommt, frage ich mich schon, ob die Leute, die so etwas schreiben wirklich aus der selben Seite gegen Faschismus und Extremismus stehen wie ich es seit langem tue! Ähnliche Drohungen hat übrigens auch der schwarze (...) Securitychef und diverse andere Leute, die mit oder für die Band arbeiten bekommen -seltsam - oder nicht? Liebe Grüße, Ferdy Doernberg

Wenn ich das lese, davon weiß, dass bereits Morddrohungeh aus dem linken Lager existieren und erfahren musste, dass vielen Besuchern des gestrigen Konzerts in Hannover die Autos zerstört wurden und sie von eindeutig gewaltbereiten Gegnern angegangen wurden, dann frage ich mich ernsthaft, wer hier die Faschisten sind!
Das geht zu weit, das macht mir Angst!

Ich schließe mit einem Zitat aus einem der neuen Songs von Frei.Wild und hoffe, dass sich einige die Worte mal zu Herzen nehmen!    

Schau genau
und das raus übern Tellerrand
Lebe wie ein Mensch mit Herz und mit Verstand
Bekämpf den Zorn,
Handle mit Menschlichkeit
und steh auf für Wahrheit und Gerechtigkeit!

Mittwoch, 27. November 2013

Update

Heute nur ein kurzes Update, da ich momentan Zuhause noch kein Internet habe. War in der Vergangenheit sehr im Umzugstress und daher keine Posts, wird sich hoffentlich wieder ändern, sobald ich Internet habe.
Seit ein paar Tagen wohne ich nun inmitten der Alpen im schönen Südtirol. Überall verschneite Berge um mich herum und der Winter hat erst begonnen. Wenn erst im Dezember die Wintersaison beginnt, wird's richtig voll in unserem kleinen Tal :D
Und auch ich möchte mich dann mal im Skilanglauf versuchen. Schließlich habe ich ja noch keine Sportart für den Winter und die Flugsaison beginnt auch erst im März. Darauf freue ich mich diesmal ganz besonders, die Alpen mit dem Segelflugzeug zu überqueren wird einfach nur wunderbar!

Was mache ich hier sonst eigentlich in Südtirol? Ob ihr es glaubt oder nicht, ich mache eine Tischlerlehre. Ich finde rustikale große Kleiderschrank so toll und will mir dann in ein paar Jahren meinen eigenen bauen ;)

Generell ist es hier einfach toll und bald gibt's dann hoffentlich auch ein paar Fotos für euch und wieder mehr Artikel!

Montag, 4. November 2013

Die Sache mit der Prostitution


Vor ein paar Tagen initiierte Alice Schwarzer einen „Appell gegen die Prostitution“, den bereits viele weitere Personen unterschrieben haben und den man immer noch unterzeichnen kann. Inhaltlich geht es grob gesagt darum, auf lange Sicht, die Prostitution abzuschaffen. Konkrete Forderungen sind beispielsweise die Kriminalisierung der Freier, sowie Hilfen zum Ausstieg aus der Prostitution.
Außerdem wird Menschenhandel und Prostitution hier ohne Unterscheidung in einen Topf geworfen und immer wieder ist die Rede von „Frauen kaufen“
Von Alice Schwarzer ist man ja solche Aktionen gewöhnt, was mich ein mehr erstaunt hat, waren einige der anderen Unterzeichner wie z.B. verschiedene Politiker oder Schauspieler, die sich sonst nicht wirklich zu einem solchen Thema geäußert haben. Aber vielleicht ist das für diese Leute wieder eine Art moderner Ablasshandel - gutes Gewissen kaufen mit einer Unterschrift.
Auch gibt es bereits eine schöne Antwort auf diesen Appell: Appell für Prostitution, der von einer Vereinigung von Sexarbeitern kommt und ebenfalls bereits viele Unterzeichner hat. Hier wird sich für eine Entkriminalisierung, gegen die Stigmatisierung und die Kriminalisierung der Kunden ausgesprochen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass jede Person selbst die Möglichkeit haben soll, frei zu entscheiden, ob sie Geld für Sex nimmt oder nicht. Wenn ich von Sexarbeit oder Prostitution spreche, so meine ich damit immer freiwillige Prostitution (ohne direkten Zwang) und möchte dieses Thema auch getrennt von Menschenhandel o.ä. behandeln.
Wichtig dabei sind verschiedene Aspekte:

1. Indirekter Zwang
Finanzielle Not wird oft als Grund für die Ausübung von Sexarbeit genommen. Es herrscht ein gewisser monetärer Zwang. Dies ist dann wieder Grund dafür, dass nur von einer vermeintlichen Freiwilligkeit gesprochen wird.
Aber ich denke, wenn sich in Deutschland jemand dafür entscheidet, sein Geld mit Sexarbeit zu verdienen bedeutet das momentan immer, dass dies für die Person das kleinere Übel gegenüber anderen Möglichkeiten ist. Ob die anderen Möglichkeiten nun Hartz IV oder irgendwelche Hilfsarbeiten sind, spielt dabei erstmal keine Rolle.

2. Prostitution als gewöhnlicher Beruf
Auch Antje Schrupp hat mal wieder einen Artikel zum Thema beigesteuert, dem ich mit Ausnahme dieses und eines weiteren Punktes zustimmen kann. Ich kann nicht verstehen, warum nicht auch die Sexarbeit wie jede andere Dienstleistung als normaler Beruf betrachtet werden kann. Das Wort normal bedeutet ja nicht, dass jeder Beruf gleich ist, aber es wäre sehr gut, wenn für die Sexarbeit dieselben Regelungen gelten wie für andere Berufe. Auch zwischen anderen Berufen bestehen schließlich große Unterschiede.
Für mich sind am ehesten noch religiöse Argumente in diesem Punkt nachvollziehbar, die Sex als etwas Besonderes, gar Heiliges betrachten. Aber damit wird von den Prostitutionsgegnern, die zum Großteil auch aus feministischen Kreisen kommen selten argumentiert.
Wie schon bei Frau Schrupp diskutiert wäre die letzte Konsequenz daraus, dass die Sexarbeit auch als normaler Beruf gilt, Arbeitslose auch in diesen Beruf zu vermitteln. Davor scheint es vielen Menschen zu grauen.
Für mich persönlich gibt es durchaus Berufe, die ich mir schlimmer vorstelle als Prostitution, in die heutzutage bereits vermittelt wird. Warum also hier wieder diese Sonderstellung?

3. Stigmatisierung
Meiner Meinung nach das größte Problem ist die gesellschaftliche Stigmatisierung. Sexarbeiterinnen haftet immer irgendwie eine Art Schmuddelimage an. Außerdem kann es dadurch problematisch werden, wieder einen Beruf in einer anderen Sparte auszuüben. Als Sexarbeiterin ist es teilweise nicht möglich im Bekannten- und Freundeskreis zu seinem Beruf zu stehen. Diese allgemeine Stigmatisierung sollte sich ändern, damit die Frauen ohne Probleme ihren Beruf ausüben können. 
Hierzu trägt auch der Ausdruck "Frauen kaufen" bei. Er ignoriert völlig, dass die Frauen selber diejenigen sind, die eine Dienstleistung verkaufen. Alles läuft im von der Sexarbeiterin gesteckten Rahmen ab und nicht sie wird gekauft, sondern sie ist diejenige, die irgendwas verkauft. Jeder, der Sexarbeiterinnen als selbstbestimmte Menschen sieht, sollte diesen Ausdruck nicht mehr verwenden, da er zur Stigmatisierung beiträgt.

Einen weiteren meiner Meinung nach ziemlich guten Artikel, der noch einige Aspekte anspricht, die ich hier nicht erwähnt habe, findet man bei der Mädchenmannschaft.