Mittwoch, 27. Februar 2013

Let’s talk about sex! Das Konsensprinzip (Zustimmungsprinzip)


Üblicherweise ist die Rede von „Nein heißt Nein!“. Ein weitergehendes Konzept ist das Zustimmungsprinzip, das am besten zusammengefasst werden kann mit „Ja heißt Ja!“. Der Unterschied ist, dass hier nicht davon ausgegangen wird, dass automatisch alles erwünscht bzw. erlaubt ist, was nicht abgestritten wird, sondern für jede Handlung erneut eine Zustimmung vom Partner einzuholen ist.

Hier geht es natürlich insbesondere um den sexuellen Bereich. Die Verantwortung für ein ungewolltes Verhalten wird weg von der betroffenen Person hin zu der handelnden Person geschoben. Denn beim ersten Konzept müsste die betroffene Person eine Handlung abwehren (möglich durch ein „Nein“ oder wegschieben von Körperteilen), beim Zustimmungskonzept darf die handelnde Person nichts tun ohne extra die Erlaubnis der betroffenen Person einzuholen.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und viele andere Menschen haben schon darüber gebloggt (Linkliste am Ende des Beitrags). Vorteil des Zustimmungskonzeptes ist eindeutig, dass die Gefahr eines ungewollten Übergriffs verhindert wird. Eine Person, die vielleicht sehr schüchtern ist und sich in der Situation nicht traut „Nein“ zu sagen, muss hier Stellung beziehen, wird direkt dazu aufgefordert, zu sagen, was sie will! Gefahr irgendwelcher Missverständnisse ist geringer.
Nachteil ist allerdings, dass einige Menschen der Meinung sind, dass diese Nachfragen, die Stimmung kaputt macht und man dann nachher von beiden Seiten aus keinen guten Sex empfindet.
Außerdem wird die Frage gestellt, warum nicht jeder Erwachsenen Person zugemutet werden kann, „Nein“ zu sagen, wenn ihr etwas nicht gefällt, sie etwas nicht möchte. (Ausgeschlossen sind hier natürlich Personen, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen)

Weiterhin problematisch ist natürlich, dass die gefragte Person auch ja sagen kann, obwohl sie eigentlich lieber nein sagen würde. Hierfür kann es unterschiedliche Gründe geben: Möchte das Gegenüber nicht enttäuschen, hat evtl. Angst vorm Gegenüber oder 1000 andere Gründe. Wie kann ich also 100% sicher sein, dass meinem Gegenüber gefällt, was ich da gerade mache? Hier muss ich euch leider eine enttäuschende Antwort geben: Gar nicht!
Aber das Zustimmungsprinzip macht es dir schon mal sicherer als wenn du einfach machst, was dir gefällt und erwartest, dass die andere Person schon handeln wird, wenn sie etwas nicht will.

Das Zauberwort ist hierbei natürlich reden, reden, reden. Ich selbst lehne das ständige Nachfragen während des Sex ab, was vielleicht auch ein wenig mit meinem Bezug zum BDSM zusammenhängt. Allerdings ist in diesem Bereich das Reden sowieso an der Tagesordnung, da es für mich besonders wichtig ist. Mein Partner weiß im Voraus, welche Tabus es gibt und alles andere ist erlaubt. Ich finde es viel spannender im Spiel neue Seiten kennenzulernen und auch mal etwas auszuprobieren, was ich noch nicht kannte. In 99% der Fälle merkt mein Sexualpartner schon anhand meiner nonverbalen Kommunikation, was mir gefällt und was nicht.
Aber dieser Konstellation geht etwas voraus: Kommunikation über die Situation. Natürlich kann auch danach noch mal darüber geredet werden.

Ich persönlich glaube, dass die Forderung des Zustimmungsprinzips daraus resultiert, dass generell viel zu wenig über Sex und die eigenen Wünsche und Vorlieben geredet wird, statt einfach zu machen. Und beim Einfach machen kann eben auch viel schief gehen. Speziell wenn Menschen sexuell zusammenkommen, die sich noch nicht gut kennen auf diesem Gebiet.
Dann gibt es noch irgendwelche Machos, die der Meinung sind: „Nein heißt Ja“ und „eigentlich will sie das doch auch!“. NEIN!  Nein heißt Nein! Und weil das nicht mehr akzeptiert wird, gibt es jetzt die Forderung nach ausdrücklicher Bestätigung des Ja!
Es sei denn du und dein Partner habt im Voraus etwas anderes vereinbart.

Ich kann für mich nicht sagen, dass  ich das Zustimmungskonzept gut finde, aufgrund der genannten Probleme. Aber in heutiger Zeit, ist es vielleicht für viele eine gute Lösung, da sonst gar nicht mehr geredet würde über die eigentlich schönste Nebensache der Welt.

Hier könnt ihr noch schnell ein paar andere Meinungen (teilweise auch schon älter) zum Zustimmungskonzept lesen:

Ein blog, der sich sehr für das Zustimmungsprinzip einsetzt und auch immer wieder schöne Metaphern und Erklärungen bringt.

Das Zustimmungsprinzip erweitert und nicht nur auf den sexuellen Zusammenhang bezogen, sondern auf alle Verhaltensweisen. Außerdem sinnvolle Tipps wie man sich entsprechend verhalten kann.

Hier schreibt ein Gegner des Zustimmungsprinzips seine Meinung und Argumente auf.

Ein Plädoyer für das Zustimmungsprinzip.

Dienstag, 26. Februar 2013

Schade...

Ich hatte meinen Artikel zum Thema Solidarität beim Selbermach-Sonntag der Mädchenmannschaft gepostet. Da ich der Meinung bin, dass das für einige andere auch noch interessant sein könnte, gerade im feministischen Kontext wird häufig die sog. Solidarität von Frauen gefordert und andererseits ist es hier auch häufig wichtig, solidarisch zu sein. Genau davon handelt mein Artikel bzw. wann ich es für sinnvoll erachte solidarisch zu sein und wann nicht.
Daraufhin kamen zwei kritische Kommentare zu diesem und einem anderen Artikel auf meinem Blog (allerdings auf der Seite der Mädchenmannschaft), auf die bin ich dort nicht eingegangen, da ich es nicht gut finde gegenüber der Mädchenmannschaft dort ein Thema (hier Selbermach-Sonntag) zu sprengen. Ich habe darum gebeten, doch bitte auf meinem Blog zu kommentieren, dann würde ich hier darauf eingehen. Leider ist da bisher nichts gekommen. Natürlich kann ich niemanden zwingen, sich mit mir auseinanderzusetzen wenn die Person es nicht möchte.
Ich hätte allerdings gerne auch mit Menschen diskutiert, die gewisse Dinge anders oder kritisch sehen als ich, manchmal kann daraus für beide Seiten Positives gezogen werden. Vor allem, da ich bei einem Kommentar auch das Gefühl hatte, mein Artikel, auf den er sich bezog sei nicht verstanden worden. Falls die entsprechenden Personen das hier lesen, ich wäre immer noch für eine Diskussion bereit!

Freitag, 22. Februar 2013

Erotische Kurzgeschichte: Der Anfang (Teil1)

Langsam und vorsichtig betrete ich mit meinen nackten Füßen den Raum. Das Knacken der alten Dielen schallt in einem nicht enden wollenden Echo von den kargen Wänden zu mir zurück. Du stehst am anderen Ende des Raumes, schaust aus dem Fenster und beobachtest die dicken weißen Flocken, die vor dem Fenster hin- und hertanzen und sich schließlich auf dem Fenstersims davor niederlassen. Obwohl du mich sicher bemerkt hast, blickst du weiterhin starr aus dem halb beschlagenen Sprossenfenster auf die sich in der Dämmerung befindende Winterlandschaft.
Zögernd gehe ich ein paar einzelne Schritte durch das große Zimmer in deine Richtung. “Bleib stehen und zieh deinen Mantel aus!“ befielst du in einem ruhigen, aber souveränen Ton während du mir nicht den kleinsten Blick zukommen lässt. Ohne lange nachzudenken öffne ich behutsam jeden einzelnen der vielen goldenen Knöpfe des langen schwarzen Mantels und lasse ihn anschließend leise auf den Dielenboden hinunter gleiten. Jetzt stehe ich nur noch in roten mit Spitze verzierten Dessous inmitten des fast leeren weitläufigen Salons. Diese hast du mir vor unserem Treffen in einem flachen Packet umwickelt mit einer großen Schleife gesendet, anbei ein handgeschriebener Brief, der Anweisungen für den heutigen Abend enthielt. Du hast mir geschrieben, wie ich mich zu kleiden habe, dass ich mich rasieren und säubern soll und auch dass ich meine langen braunen Haare offen tragen muss. Du liebst die Weiblichkeit und die Sinnlichkeit, die lange Haare ausstrahlen. Auch gefällt es dir, deiner Macht mit einem energischen Griff in eben diese Haare Ausdruck zu verleihen.
Sehnsüchtig warte ich auf weitere Anweisungen oder Handlungen von dir. Dabei fahren meine Augen über deinen athletischen Körper: zunächst spielen meine Blicke mit den sich leicht unter dem weißen Hemd abzeichnenden Rückenmuskeln und wandern dann weiter auf deinen festen in schwarzem Leder gekleideten Hintern, hinunter an deinen starken Oberschenkeln und  Waden bis hin zu den edlen dunklen Schuhen, die du bei jedem deiner Treffen trägst. Noch während ich mir Gedanken darüber mache, was deine kräftigen männlichen Arme und Hände gleich mit mir anstellen werden, drehst du dich zu mir um und kommst mit festen Schritten  auf mich zu. Bei jedem deiner Tritte ächzt der Fußboden unter dem auf ihm lastenden Gewicht.
Je näher du mir kommst, umso deutlicher kann ich erkennen, dass du etwas in deiner rechten Hand hältst, ein schwarzes Stück Stoff, ein leichtes Band. „Schau geradeaus zum Fenster!“, ordnest du an und zeigst in die Richtung aus der du gekommen bist. Ich wage es nicht meinen Blick vom Fenster weg auf dich zu richten. Ich merke wie du meinen Körper mit den Augen abtastest, wie du mich von allen Seiten betrachtest, während du um mich herum schreitest. Als du komplett aus meinem Sichtfeld verschwunden bist, ist es unverhofft sehr leise, die Schritte haben aufgehört, der Dielenboden ist verstummt. Ich höre nur noch deinen kontinuierlichen Atem in der Nähe meines Halses. Zudem verschwindet plötzlich das Fenster, da du mir das Stoffband vor meine Augen legst und an meinem Hinterkopf fest zusammenknotest. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich nur noch auf meine anderen Sinne konzentrieren. Begierig warte ich auf das, was nun kommt...

Donnerstag, 21. Februar 2013

Solidarität

Ich bin nicht solidarisch! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die ein Verbot der Prostitution fordern! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die eine Verstaatlichung diverser Unternehmen aus der Versorgungsbranche fordern! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die fordern, eine Frau dürfe im Bett nicht unterwürfig sein! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die mich verbiegen und in ihre Vorstellung von einer Frau pressen wollen! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, nur weil sie Frauen sind!

Solidarität laug Wikipedia
Solidarität (abgeleitet vom lateinischen solidus für gediegen, echt oder fest; Adjektiv: solidarisch) bezeichnet eine, zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus (vgl. auch Solidargemeinschaft).

Wie die Definition sagt, es geht um gemeinsame Ziele und Werte. Und Die oben beschriebenen Forderungen widersprechen meinen Zielen und Werten. Natürlich kann ich mit Menschen solidarisch sein, die gleiche Ziele haben wie ich und diese im Erreichen ihrer Ziele unterstützen. Bzw. auch mit Leuten, die eine Ziel haben, dass zwar nicht meins ist, aber in mein Wertesystem passt. Ich kann diese Menschen unterstützen.
Ich bin gedanklich solidarisch mit allen Frauen, die sich in Indien erheben und gegen das System kämpfen, welches Vergewaltigung als harmlose Normalität betrachtet. Ich kann zwar von hier aus nicht wirklich etwas tun, aber ich kann darauf aufmerksam machen. Und Leuten sagen, dass es scheiße ist, was da passiert.
Wenn aber Frauen im Namen des Feminismus Forderungen aufstellen, die nicht meine sind (z.B. Prostitutionsverbot), dann berührt mich auch nicht die Forderung als Frau bzw. Feministin doch bitte solidarisch zu sein! Ist es nicht viel sinnvoller hier Gleichgesinnte zu suchen, die solidarisch sind - völlig unabhängig vom Geschlecht? Mit Sicherheit lassen sich auch einige Männer finden, die entsprechende Forderungen unterstützten und diese sollten solidarisch mit eben jenen Feministinnen sein und nicht ich!

Bitte fordert nicht mehr Solidarität aufgrund des Geschlechts, denn meine gibt es nicht! Und wenn etwas meine Unterstützung verdient gibt es die schon ganz alleine ohne diese vorwurfsvolle Forderung! 
Deshalb wünsche ich mir, dass mit mir alle Menschen (!) solidarisch sind, die die gleichen Ziele und Werte haben wie ich! 

Samstag, 16. Februar 2013

Hilfe - ich bekomme keine (bezahlbare) Krankenversicherung!

Ich bin Studentin und werde bald 25 Jahre alt, da muss ich mich dann selbst versichern. Neben meinem Studium bin ich selbstständig tätig und verdiene momentan zwar nur um die 400 Euro monatlich, was sich aber bald durch einige neue Aufträge stark erhöht.

Also habe ich mich bei verschiedenen Krankenkassen informiert: Die gesetzliche Krankenkasse möchte mich ab einem Einkommen von mehr als 700 Euro monatlich nicht mehr über einen Studententarif versichern und ich müsste den Tarif für selbstständige bezahlen. Das bedeutet, dass eine Krankenversicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse mich fast 300 Euro kosten würde, wenn ich 800 Euro verdienen würde. Wovon soll ich denn dann bitte leben?! Miete und sonstiges bezahlen, wenn fast die Hälfte des Geldes für die Krankenversicherung draufgeht!?
Das kann doch nicht deren Ernst sein…
Bei privaten Versicherern würde ich unabhängig vom Einkommen einen Studententarif bekommen. Aber die meisten privaten Versicherer würden mich aufgrund meiner Depressionen ablehnen.
Also werde ich in ein paar Monaten keine Krankenkasse haben bzw. eine viel zu überteuerte gesetzliche Krankenkasse, die ich nicht bezahlen kann … oder ich muss auswandern, vielleicht gibt’s ja woanders bezahlbare Krankenversicherungen?
Oder lügen? Also der gesetzlichen erzählen, ich würde viel weniger verdienen, dann müsste ich aber auch das Finanzamt bescheißen, weil die Krankenkasse möchte um mein Einkommen abzugleichen einen Steuerbescheid… Das will ich eigentlich auch nicht, habe ja extra das Gewerbe angemeldet, um alles richtig zu machen.
Aber so langsam glaube ich echt, man ist in Deutschland am Arsch, wenn man sich an die Gesetzte hält! :(

Freitag, 15. Februar 2013

"Dinge, die du nicht mehr sagen solltest außer du hasst dicke Menschen"

Auf der Mädchenmannschaft sind Texte zu dem Thema erschienen (Teil1  und Teil 2), die ursprünglich eine Übersetzung aus dem englischen übersetzt und von Issa Waters (http://lovelivegrow.com/) verfasst wurde.
Da ich selbst gleich doppelt angesprochen wurde; zum einen als Mensch, der Dinge sagen könnte, die dicke Menschen verletzten und zum anderen als dicke Person, möchte ich in diesem Artikel mal meine Meinung wiedergeben.
Auch weiß ich, dass ich andere verletzen könnte, aber ich möchte gerne schreiben, wie ich als dicke Person mich bei solchen Tipps fühle bzw. ob ich diese gut und hilfreich für mich als dicker Mensch finde oder eher weniger.

  1. Feststellen, dass eine bestimmte Kleidergröße, eine bestimmte Körperform oder ein bestimmtes Gewicht weniger okay ist.
Zustimmung! Egal wie viel ein Mensch wiegt, es ist immer in Ordnung, solange der Mensch selbst damit kein Problem hat. Und wenn eine Person mit ihrem Gewicht ein Problem hat sollte man das nicht automatisch auf alle anderen übertragen.

  1. Sich wie ein Ernährungsberater aufführen, sobald eine dicke Person etwas „gesundes“ isst.
In der Tat nervig, aber nicht wirklich schlimm. Es gibt auch einige Menschen, die immer diesen Duktus an den Tag legen und das unabhängig davon, ob die andere Person nun dick oder dünn ist. Ich persönlich finde es immer ungut, wenn jemand sie in die Ernährung eines anderen ungefragt einmischt, egal ob die Person nun dick oder dünn ist. Daher ist dieser Tipp einer, den man auch unabhängig vom Körpergewicht der anderen Person befolgen sollte!

  1. Das moralisierende Sprechen über Essen
Hier wird beispielhaft das Diätgerede anderer oder das Rechtfertigen der eigenen Essenswahl genannt. Und ich muss sagen: Ja, das ist schrecklich nervig! Ich habe selbst so eine Freundin, die beim Eisessen erwähnt, dass sie es sich ja leisten kann, da sie mittags weniger gegessen hat oder gleich noch eine Runde joggen geht…
Vielleicht habe ich mich dadurch nur nie verletzt gefühlt, weil ich mit mir selbst gut klar komme und eher denke, dass sie mir leid tut, wenn ihre Gedanken sich ständig nur um essen und ihr Gewicht drehen…
Aber natürlich ist das verletzend und die andere Person könnte dadurch die Freude am Essen genommen werden. Ein schlechtes Gewissen wie „ich habe heute Mittag sogar viel gegessen, da kann ich das erst recht nicht oder muss gleich auch laufen gehen“ könnte sich einstellen. Was natürlich absoluter Quatsch ist: Jeder sollte das Essen, wozu er gerade Lust hat und einfach dazu mal die Klappe halten!

  1. Beiläufiges Erwähnen von Bonbons, McDonalds oder Donuts im Zusammenhang mit dicken Menschen
Versteht sich eigentlich von selbst, dass das nur abwertend gemeint sein kann und daher unangebracht ist! 

  1. Überrascht reagieren, wenn eine dicke Person aktiv ist
Hier kommt es auf den Zusammenhang an. Als Beispiel wird erwähnt, dass zu einer dicken Person gesagt wird: „Wow, du bist eine gute Tänzerin!“. Das ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung und man sollte da nicht viel reininterpretieren. Ich bekomme oft gesagt, dass ich gut tanzen kann und sehe das als Kompliment. Vielleicht fällt mir das hier leichter als so manch anderer dicker Person, weil ich weiß dass ich gut tanze (jahrelang Streetdance gemacht). Aber generell dicken Personen kein Kompliment mehr für Aktivitäten zu machen halte ich für falsch.

Kritisch und meiner Meinung nach falsch wird ein Kompliment dann mit dem Zusatz „für deine Figur“. Das impliziert, dass sie zwar für ihre Figur unerwartet gut tanzt, aber dünne Menschen ja generell besser darin sind. Und dass ist wiederum unpassend, unhöflich und verletzend!
Ich kann gut tanzen, aber unabhängig von meiner Figur!

  1. Buchstäblich alles über Diäten, weniger essen oder mehr trainieren in den Zusammenhang mit Dicksein stellen
Den Tipp finde ich richtig, denn man kann mehr trainieren einfach weil es Spaß macht oder eine Diät machen, weil man das Gefühl hat, dass man sich durch bestimmte Lebensmittel nicht gut fühlt. Es gibt tausend Gründe dafür, die nichts mit Abnehmen oder Dicksein zu tun haben.

  1. Zwanghaft Gesundheit in irgendeine Unterhaltung über Dicksein einwerfen.
Dieser zwanghafte Zusammenhang von Gesundheit und Dicksein besteht einfach nicht! Es gibt gesunde und kranke dicke und dünne Menschen. Außerdem verwechselt so manch einer da auch Ursache und Wirkung: Es gibt auch genug Menschen, die dick sind durch eine Krankheit und nicht umgekehrt. Aber manchmal weiß man einfach nicht, warum jemand dick ist. Wo ist also das Problem, das einfach zu akzeptieren!?

  1. Dicksein mit Gesundheit in Zusammenhang bringen
Siehe Punkt 7.

  1. Dicksein mit irgendwas gleichsetzen
Nicht weil du schlanker und dünner bist, geht es dir besser. Kein dicker Mensch wird ein besseres Leben haben, nur weil er Gewicht verliert. Das sehe ich genauso.

  1. Gewichtsverlust als Behandlung oder Lösung für irgendetwas vorschlagen, selbst wenn du Arzt bist
Hier bin ich mir nicht sicher. Wenn ich wegen irgendwelcher Probleme zum Arzt gehe, so kann es sein, dass auch Gewicht eine Ursache ist. Allerdings sollte jeder Arzt nicht vorschnell sagen, dass das Gewicht schuld ist, sondern auch andere mögliche Ursachen berücksichtigen. Es gibt beispielsweise auch einige Frauen, die Rückenprobleme aufgrund einer großen Oberweite haben und da ist es auch falsch zu sagen, das dürfte ein Arzt so nicht sagen…

  1. Geschichten erzählen über dich oder dicke Verwandte, die dick und ungesund sind oder waren.
Naja, in meinem Freundeskreis erzähle ich viel von mir und würde vermutlich auch sowas erzählen (Hierbei habe ich aber nicht die Intention, sie von irgendwas zu überzeugen). Aber fremden Leuten davon zu berichten, um ihnen klar zu machen, dass sie doch mit ihrem Gewicht ungesund sind ist eine Frechheit und sollte unterlassen werden.

  1. Die Benutzung der Wörter Übergewicht, adipös, krankhaft adipös, wenn du dich nicht speziell auf Medizin oder medizinische Literatur beziehst.
Stimme ich voll zu.

  1. Grundloses Erwähnen von Essen, Inaktivität, Körperfunktionen, usw. wenn über dicke Menschen gesprochen wird.
Wieder mal wird ein Zusammenhang erstellt, wo keiner ist. Also bitte unterlassen!

  1. Deine Steuergelder erwähnen, wenn es um Gewicht oder Gesundheit geht.
Richtig. Sowas ist absoluter Quatsch! Aber das versteht sich eigentlich von selbst.

  1. Gespräche über Dicke auf Dünne umleiten.
Kommt meiner Meinung nach auf das Thema an. Wenn es um ein Thema geht, was dicke und dünne Menschen gleichermaßen betrifft, dann ist das doch kein Problem. Selbst wenn zunächst das Thema am Beispiel eines dicken Menschen erläutert wurde. Was nicht geht, völlig in ein anderes Thema umschwenken oder so tun, als wären gewisse andere Probleme dünnerer Menschen viel wichtiger.

  1. Immer und immer wieder nur über deine Meinung reden.
Hier muss ich zugeben, verstehe ich trotz des Beispiels nicht so ganz, wie da generell gemeint ist…

  1. Jeglicher Kommentar über „Übergewicht bei Kindern“
Logisch, denn Kinder sehen die Welt ganz anders und können noch viel mehr verletzt werden. Außerdem trifft hier die Argumentation, die auch bei der Mädchenmannschaft zu finden ist sehr gut zu.

  1. Auf (meist heterosexuelle) Attraktivität anspielen
Nicht sicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Das Argument, dass sich nicht alles um körperliche Attraktivität dreht und es einiges Wichtigeres gibt, stimmt natürlich. Aber andererseits finde ich es auch nicht falsch, jemandem zu sagen, dass er attraktiv ist. Wodurch auch immer, ob es nun Kurven oder Brüste oder sonst was sind.


  1. Vorschlagen, eine dicke Person sollte etwas tun oder lassen, um weniger dick auszusehen oder zu kaschieren
Auch hier bin ich mir nicht sicher, wie ich das finde… Denn natürlich ist es nicht unbedingt nur erstrebenswert, dünn auszusehen und etwas zu kaschieren. Und wenn ich ein Kleidungsstück toll finde, dann ziehe ich das auch an, wenn es nicht kaschiert!  Aber andererseits möchte ich mich auch so kleiden, dass ich gut aussehe und nicht umsonst frage ich beim Shoppen auch öfter mal meine Freundinnen wie denn etwas aussieht. Auch beim Frisör lasse ich mich gerne beraten, welche Frisur zu meiner Gesichtsform gut passt. (ob es sich hierbei um ein rundliches oder eckiges oder sonst wie Gesicht handelt ist eigentlich egal). Daher finde ich es schade, dass man laut diesem Rat einer Person nicht sagen sollte, wie sie gut aussieht oder was ihr steht…

  1. Darauf anspielen, dass schlechte Menschen verdientermaßen dick werden
Das spielt in der gleichen Kategorie wie einem Behinderten vorzuwerfen, er wäre aufgrund eigener Verfehlungen entsprechend benachteiligt. Ist also unbedingt zu unterlassen! So karmamäßig…

  1. Jeder Kommentar, der andeutet, dass es nicht ok ist, dick zu sein, dass Menschen nicht dick werden sollen, oder sie abnehmen sollten.
Richtig!

Mittwoch, 13. Februar 2013

Non papam habemus

Unser Papst tritt zurück. Zum Ende des Monats werden der Vatikan und die katholische Kirche kein weltliches Oberhaupt mehr haben. Es ist der erste Papst seit Jahrhunderten, der nicht mit seinem Tod aus dem Amt ausscheidet. Und der zweite überhaupt, der freiwillig zurücktritt. Er begründet seinen Rücktritt damit, dass er nicht mehr in der Lage ist, das Amt kräftemäßig körperlich und geistig gut auszufüllen.
Benedikt XIV war ein guter Papst. Er verstand es, zu vermitteln und ein wenig zu reformieren ohne direkt die Kurie komplett vor den Kopf zu stoßen. Er hat die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften gestärkt. Dies dankt ihm beispielsweise auch Israels Oberrabbiner Yona Metzger:
„Während seiner Amtszeit gab es die besten Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat. Wir hoffen, dass sich das fortsetzt. Er verdient ein hohes Ansehen für den Ausbau der interreligiösen Verbindungen zwischen Judentum, Christentum und Islam.“ Er wünsche dem Papst „viel Gesundheit und ein langes Leben“.

Als er den Rücktritt verkündet, spricht Benedikt XIV auch davon, dass er hofft, dass seine Fehler verziehen werden. Mit dieser Aussage gesteht er ein, dass er als Papst nicht unfehlbar ist. Obwohl darauf im Moment wenig Wert gelegt wird, glaube ich, dass das noch eine der wichtigsten Aussagen des Papstes war. Er räumt damit auf, dass er als Vertreter Gottes auf Erden unfehlbar ist.

Ich hoffe, dass der Nachfolger des Papstes genauso ein großartiger Denker sein wird und auch die Schritte der Öffnung der katholischen Kirche gegenüber anderen Religionsgemeinschaften so wie gegenüber der Moderne weiterführen wird. 

Ps. ich brauche keine Menschen, die der Meinung sind: Gut, jetzt kann ein böser alter Mann nicht mehr so viel Schaden anrichten,. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man so frustriert sein kann, so zu schreiben und zu denken! 

Dienstag, 12. Februar 2013

Bertha Benz


Bertha Benz (http://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Benz) lebte von 1849 bis 1944. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass unser heutiger Verkehr so aussieht wie er aussieht. Sie war es, die durch ihren Einsatz die Vorraussetzungen für den Benz-Patent-Motorwagen schuf.
Das erste Automobil wurde zum Patent angemeldet und sollte an das zahlende Publikum gebracht werden. Allerdings gab es bis auf wenige kurze Test keine wirklichen Berichte über das Fahrzeug. Und die Skepsis hielt viele vom Kauf ab. Um diese bestehende Vorbehalte gegenüber dem Automobil zu zerstreuen unternahm Bertha Benz im Jahr 1888 die erste längere Fahrt mit einem elektrischen Automobil. Sie fuhr von Mannheim nach Pforzheim, eine insgesamt 106 km lange Strecke und auf einer anderen Route wieder zurück.
Da es damals noch kaum befestigte Straßen gab und auch die Technik etwas ganz anderes war als heute, gab es während der Fahrt einige Widrigkeiten, die sie auf sich nehmen mussten.  Es gab nicht an jeder Ecke eine Tankstelle und das Wasser für den Kühler musste ständig nachgefüllt werden.
Trotzdem meisterte sie die Fahrt und verhalf so dem Unternehmen und dem Auto insgesamt zu einem Erfolg, der noch heute anhält.



Warum stelle ich Bertha Benz vor? Was finde ich beeindruckend an ihr?
Ich finde es toll, dass sie in der damaligen Zeit, als generell die meisten Frauen sich nicht für Technik oder ähnliches interessiert haben, immer an das Automobil glaubte und sich mit der Technik beschäftigte. Sie war nicht nur die Frau des Erfinders des Automobils, sondern sie hat selbst das gesamte Verständnis für das Auto gehabt und hat unabhängig von ihrem Mann dafür gesorgt, dass es schließlich zu einem Erfolg wurde.
Ihr Mann hat erst im Nachhinein davon erfahren, dass seine Frau sich dazu aufgemacht hatte, der Welt zu beweisen, was ihr Produkt kann.

Was kann man von Bertha Benz lernen?
An sich und sein Können glauben. Sich durchsetzen gegen die Pessimisten der Welt. Und natürlich Selbstständigkeit und Kampfgeist.

Eine starke Frau, die leider viel zu wenig bekannt ist.

Sonntag, 10. Februar 2013

Top 3 Plus Size Mode



Bon Prix lädt Plus-Size-Bloggerinnen zum Design-Camp. Und nun hat man die Möglichkeit, einen der drei letzten Plätze zu gewinnen. Ja, ich will dabei sein! Ich finde es prima, dass sowas gemacht wird und hoffe, dass da auch einiges an schöner Mode für Plus-Size-Ladys bei entsteht! Bereits vor einiger Zeit hat Katrin  dazu aufgerufen, eine eigene Plus Size Wish List zu erstellen. Der Idee sind viele Bloggerinnen gefolgt und auch auf meinem Blog lässt sich meine Plus SizeWish List finden.
Hier nun noch mal meine Top drei Wünsche:

  1. Gothic Style
Ich wünsche mir mehr dunkle Mode in großen Größen. Schwarze verspielte Kleider, Röcke, Corsagen, Oberteile… Am besten mit viel Spitze, Tüll und Rüschen. Leider gehen die meisten Klamotten in diesem „speziellen“ Genre gerade mal bis XL, selbst in größeren Szene-Stores findet man nur selten etwas.

  1. Unterwäsche
Hier wünsche ich mir viel mehr Auswahl und auch mal schöne Dessous, die nicht immer nur praktisch sind. Sondern Dessous, die praktisch sind und auch noch super schick aussehen. Ganz schwierig ist es oft BHs für eine große Oberweite zu finden. Glücklicherweise ist Bon Prix ein Shop, wo es schon einiges gibt, aber in meiner Große muss ich Glück haben was zu finden. Am liebsten tolle gutaussehende BHs nicht nur bis D oder E, sondern bis H oder I oder größer.

  1. Lange Wollpullover
Kuschelig, flauschig, warm. Häufig gibt es viele schöne Wollpullover zum Winter hin. Aber ich habe leider keinen einzigen… Denn das Problem ist, dass viele Pullover zu kurz sind. Und wenn es draußen kalt ist, man einen schönen warmen Wollpullover anziehen möchte, dann ist es verdammt unpraktisch, wenn man bauchfrei dasteht, sobald man die Arme hebt. Daher fände ich richtig schöne lange Wollpullover, die am besten über den Hintern gehen, einfach klasse!

So, das waren meine drei wichtigsten Wünsche. Ich hoffe, dass auch die Wünsche derjenigen Blogger berücksichtigt werden, die nicht die Chance erhalten am Design-Camp teilzunehmen. Damit am Ende wirklich schöne Mode für viele tolle Menschen entsteht!

:)


Montag, 4. Februar 2013

Sexismus - verwirrt



Die Frage in der Überschrift ist als eine offene Frage zu verstehen. Ich habe den Artikel von Natalie, in dem sie sich selbst als eine Sexistin bezeichnet gelesen und der hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, so dass ich jetzt einen eigenen Post zum Thema verfasse.

Auch ich habe Beispiele für Situationen, in denen ich sexistisch handele, ich würde dabei nicht so weit gehen, mich selbst als Sexistin zu bezeichnen. Denn nach meiner Definition ist ein Sexist jemand, der darüber nicht nachdenkt, sondern es einfach so für richtig hält, Männer und Frauen unterschiedlich zu behandeln.

Ich handele sexistisch…
… wenn ich beim ersten Date erwarte, dass er mir die Tür aufhält und bezahlt. (Beim zweiten Date zahle dann ich, denn ich mag lediglich die Geste und muss nicht irgendwie von einem Mann ausgehalten werden).

… wenn ich einen Mann bitte, mir bei Arbeiten zu helfen, die lästig sind und als typisch männlich angesehen werden, z.B. Möbel aufbauen, Auto reparieren etc. (Wäre vielleicht nicht sexistisch, wenn ich davon wirklich keine Ahnung hätte und wüsste, dass der spezielle Mann das wirklich besser kann, ist aber meist nicht so).

… wenn ich mir extra kurze Kleidung und tiefen Ausschnitt anziehe, um in der Disko Getränke ausgegeben zu bekommen. (Das heißt nicht, dass das immer mein Ziel ist, aber ab und an ganz praktisch)

Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Situationen, in denen ich sexistisch handele. Die Frage, die sich mir nun stellt ist, ist das wirklich problematisch? Ich bin mir selbst da nicht sicher, denn in der genannten Situation schade ich direkt niemandem, habe noch nie jemandem gezwungen, mir zu helfen oder mir was auszugeben. Das Angebot kommt meist vom Gegenüber. Ob ein Mann sich dadurch etwas erwartet (schon oft gehört, dass es so wäre), ist mir in dem Moment egal. Ich schlafe nur mit einem Mann, auf den ich Lust habe, dass kann jemand sein, den ich in einer Disko kennenlerne oder auch nicht.

Wenn man das jetzt mal von der persönlichen Ebene weg betrachtet, dann könnte das Argument gebracht werden, dass ich durch mein Verhalten Frauen schade, die das nicht so haben wollen.
Frauen, die sich herabgesetzt fühlen, wenn ein Mann ihnen die Tür aufhält oder das Getränk bezahlt, weil in ihrer Wahrnehmung mitschwingt, dass diese Geste beinhaltet sie könnten es nicht alleine. Frauen, die stolz darauf sind, ihre Möbel selbst aufzubauen und sich nicht ernst genommen fühlen, wenn ein Mann ihnen diese Arbeit abnehmen will, weil er denkt, sie könnten das nicht.
Alle diese Frauen könnten nun auf Männer treffen, die ich zuvor in ihrer Einstellung bestärkt habe durch mein Verhalten. Ich schade demnach den Frauen, die eben nicht so behandelt werden möchten. Sie müssen denjenigen dann wieder klar machen, dass es nicht angebracht ist, die Rechnung zu übernehmen o.ä.
Aber liegt das in meiner Verantwortung? Ist nicht jede Frau selbst für ihr Glück verantwortlich (natürlich mit Einschränkungen)? Kann ich nicht jeder anderen Frau zutrauen, einem Mann zu sagen, was ihr passt und was nicht?
Gibt es nicht auch noch viele andere Frauen, die „ein wenig Sexismus“ (keine Ahnung, wie ich das sonst ausdrücken soll) gut finden. Helfe ich dann nicht diesen Frauen, in dem ich die Männer in ihrer Annahme bestätige?

Viele fordern allerdings, dass das niemand mehr gut finden sollte und sich die Gesellschaft dahin entwickeln sollte, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass jeder selber zahlt und man Türen nur unabhängig vom Geschlecht aufhält (falls eine Person beispielsweise Hilfe braucht). Wir alle sollen unsere Einstellung dahin entsprechend ändern.
Aber warum ist die Meinung derjenigen, die dies fordern besser und richtiger als die derjenigen, die gerne einen kleinen Unterschied in ihrem Leben haben?

All diese Fragen sind völlig offene Überlegungen. Ich bin mir selbst nicht sicher, was bei diesem Thema für mich das Richtige ist, daher lassen sich mit Sicherheit auch einige Widersprüche in diesem Text finden. Aber vielleicht kann ich durch weitere Anregungen, irgendwann zu einem Fazit kommen…

Nachtrag: Gerade im Zusammenhang mit der aktuellen Sexismus-Diskussion finde ich es wichtig, dass hier auf keinen Fall von irgendwelchen Belästigungen oder Beleidigungen die Rede ist (die evtl. nach so manch einer Definition auch unter Sexismus fallen könnten) !

Freitag, 1. Februar 2013

Unterschiedliche Wahrnehmungen

In einigen Posts zum Thema „Sexismus-Debatte“ bzw. #Aufschrei wurde es bereits angesprochen, ich finde aber gerade diesen Aspekt sehr wichtig und häufig zu wenig beachtet in der Diskussion.
Jeder kann die vielen tausend Beiträge und die vielen Blogposts zum Thema lesen und je nachdem von wem verfasst gehen Beiträge und Kommentare meist in eine bestimmte Richtung: Einerseits diejenigen die der Meinung sind, jede Frau habe Sexismus erlebt und es sei an den Männern umzudenken und sich entsprechend anders zu verhalten. Andererseits Kommentare von Männern, die verunsichert wirken und selbst nicht mehr wissen, wie sie sich gegenüber einer Frau verhalten sollen bzw. wie sie eine Frau ansprechen sollen, ohne dass diese sich evtl. belästigt fühlt. Und die dritte Gruppe, die die Meinung vertritt, dass ganze wäre eine Diskussion von gestern und viele ´Frauen würden übertreiben.
Ich möchte mich hier weniger der dritten Gruppe widmen, da ich diese Position für zum größten Teil einfach ignorant halte. Viele interessanter finde ich die beiden ersten Positionen (wobei natürlich klar sein sollte, dass es auch immer Menschen gibt, die sich selbst dazwischen finden und nicht klar einer von mir hier definierten Position zuordnen).

Bei der Diskussion wo die Grenze ist zwischen einem schlechten Flirt, einer schlechten Anmache, hat jede Frau ihre eigenen individuellen Grenzen. Mich persönlich stört es nicht, wenn jemand mich anspricht, selbst wenn es sich auf meine Brüste bezieht oder eine Aufforderung zum Sex wäre. Ich kann dem Gegenüber jederzeit klar machen, dass ich nicht will und der mich in Ruhe lassen soll! Meine persönliche Grenze ist da, wo mich jemand anfasst. Eine fremde Person, die mir einen Klaps auf den Hintern gibt oder den Arm umlegt etc. das empfinde ich als übergriffig und dulde ich nicht.
Dennoch ist mir bewusst, dass andere Frauen, andere persönliche Grenzen haben und ich würde nicht so weit gehen, anderen Frauen abzusprechen, dass auch schon Worte übergriffig sein können. Meist ist dies abhängig von der eigenen Vergangenheit und dem Umfeld, in dem jemand sich bewegt.

Es gibt da auch noch mal unterschiedliche Arten, des Kontaktaufnehmens:

Ernsthafter vielleicht plumper Versuch, jemanden näher kennenzulernen
Auf diese Art der Kontaktaufnahme beziehen sich anscheinend die meisten verwirrten Männer, die jetzt nicht mehr wissen, wie man eine Frau denn noch ansprechen darf. Ich persönlich glaube aber, dass hier die wenigsten Sexismen und Übergriffe passieren. Natürlich kann durch ein Missverständnis auch hier etwas falsch gedeutet werden. In den meisten Fällen aber, kann eine Frau doch erkennen, wie das gemeint war. Und sollte doch mal ein Mann von der Angesprochenen als übergriffig empfunden werden, ist es meiner Meinung nach an beiden, im Nachhinein nachzudenken über die unterschiedlichen Wahrnehmungen: Die Frau sollte sich darüber Gedanken machen, was genau sie als sexistisch oder übergriffig erlebt hat und warum (vielleicht aufgrund früherer Erfahrungen) und ob es auch sein könnte, dass es evtl. nicht so gemeint war. Nicht, um irgendwie etwas abzuwiegeln, sondern um sich in Zukunft evtl. nicht einiger schöner Erfahrungen zu berauben. Der Mann im Gegenzug sollte sich Gedanken machen, warum er als sexistisch bzw. übergriffig empfunden wurde (wenn die Frau ihm dies hoffentlich klar gesagt hat) und was er evtl. bei einem zukünftigen Flirtversuch besser machen könnte. Er sollte überlegen, wie sich die Frau in dem Moment gefühlt hat und vermeiden, eine Frau wieder in eine solche Situation zu bringen.
Wenn beide Beteiligten hier die unterschiedlichen Wahrnehmungen berücksichtigen, dann kann es für zukünftige Zusammentreffen mit dem anderen Geschlecht hilfreich sein.

Macht ausspielen durch einen Übergriff
Hier geht es nicht um einen missglückten Flirtversuch, sondern darum, dass ein Mann einer Frau gegenüber übergriffig wird, um sie zu demütigen. Die meisten Männer werden sagen, dass sie so etwas nie machen würden.
Aber liebe Männer überlegt doch mal, welchen Zweck, wenn nicht diesen hat der Klaps auf den Hintern einer fremden Frau? Welchen Zweck haben anzügliche und sexuelle Bemerkungen zum Aussehen der Frau?
Wenn ihr einer Fremden Frau auf den Hinter haut, dann erhöht ihr euch damit selbst und demütigt die Frau, da sie eurer Handlung in dem Moment ausgesetzt ist ohne, dass sie sich wehren kann. Natürlich kann sie euch anschließend eine scheuern und so die Augenhöhe wieder herstellen, aber sie kann nichts in dem Moment selber tun, um diesen Übergriff zu verhindern. Dieser eine Fall ist nur ein Beispiel. In diese Kategorie fallen auch vermeintlich witzige Bemerkungen, speziell wenn sie z.B. von einer Gruppe mehrerer Männer ausgehen. Liebe Männer, bitte denkt doch mal darüber nach, wie das von der Frau wahrgenommen wird, wie würdet ihr euch in ihrer Situation fühlen. Und bitte berücksichtigt dabei auch, dass eine Frau so etwas vielleicht nicht nur einmal durch euch, sondern schon viele Male durch andere erlebt hat und dadurch doppelt getroffen ist.
Natürlich ist mir klar, dass nicht jeder Mann ständig übergriffig wird, wer also noch nie so gehandelt hat, sollte sich selbst nicht angesprochen fühlen. Sollte aber gerne auch mal über die Wahrnehmung der Frau nachdenken und evtl. beim nächsten Mal den besten Freund, den guten Bekannten oder Arbeitskollegen davon abhalten so zu handeln! 
Auch, wenn es jetzt vielleicht komisch rüberkommt, auch die Frauen könnten in einer solchen Situation über die Wahrnehmung der Männer nachdenken (es geht mir auf keinen Fall darum, dass sie etwas ändern könnten oder irgendwie schuld daran sind!). Wenn ich als Frau überlege, warum tut der Mann das bzw. was veranlasst ihn dazu (vielleicht Imponiergehabe unter Freunden etc.), dann kann ich demjenigen auch besser vermitteln, warum das, was er gerade macht, falsch und widerlich ist (Klar könnte er auch selbst darauf kommen, tun viele leider aber nicht). Vielleicht war ihm selbst das aufgrund seiner eigenen Wahrnehmung gar nicht bewusst. Natürlich muss ich das als Frau nicht, als Opfer in diesem Fall muss ich gar nichts. Aber im Sinne einer besseren Welt würde ich es mir wünschen.

Kontext Arbeitsplatz
Auf dem Arbeitsplatz gelten nach meiner Auffassung andere Maßstäbe. Denn hier besteht häufig zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bereits ein Machtverhältnis. So ist auch hier etwas, dass in „freier Wildbahn“ vielleicht als harmloser Flirtversuch aufgefasst werden könnte, unangebracht. Ein Arbeitgeber hat sich nicht sexistisch gegenüber seinen Angestellten zu verhalten, ein Arbeitgeber sollte auch nicht vorschlagen, sich privat zu treffen o.ä.
Sind allerdings beide auf Augenhöhe und es handelt sich beispielsweise um Geschäftspartner, spricht nichts gegen einen Flirt, allerdings sollte in einem solchen Kontext noch mal extra vorsichtig vorgegangen werden, damit es nicht so rüberkommt, als würde man einen Auftrag beispielsweise von einem privaten Treffen abhängig machen.
Es muss immer klar sein, dass Privates und Geschäftliches klar getrennt ist.

Mein Fazit ist, dass ich glaube, dass beide Geschlechter (und alle anderen) dazu beitragen können, in einer besseren Welt zu leben. Man sollte die eine Hälfte nicht verteufeln und die anderen zu Opfern stilisieren. Dennoch sollte man Opfer ernst nehmen, auch wenn ein Sexismus bzw. ein Übergriff für einen selbst evtl. eine Lappalie war, so sieht es die Wahrnehmung anderer anscheinend ganz anders. Deshalb ist es auch so wichtig, dass #Aufschrei ernst genommen und nicht heruntergespielt wird auf die erwähnte Situation des Flirtens, denn das ist nur eine Randerscheinung!