Montag, 7. Januar 2013

Sexismus


Wieder mal angeregt durch einen Artikel  von Antje Schrupp, schreibe ich nun selbst was zum Thema. Wobei mir bewusst ist, dass sie in ihrem Artikel einen ganz anderen Schwerpunkt hatte.
Ich möchte hier nämlich nicht den Schwerpunkt auf die Aussage „Ich bin kein Sexist“, die häufig zur Verteidigung oder als eine Art Argument verwendet wird legen, sondern auf den Sexismus selber. Möchte erzählen, was ich unter Sexismus verstehe und wo ich die Probleme sehe. Vielleicht auch anregen, mal über den eigenen Sexismus oder das eigene Verständnis von Sexismus nachzudenken.

Beginnen möchte ich mit meiner Definition von Sexismus. Ich sage bewusst nicht mit einer allgemeinen Definition, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass meine Definition nicht von allen (aber auch von vielen) verwendet wird. Ich definiere Sexismus für mich geschlechtsneutral. Sexismus bedeutet für mich:

Die Benachteiligung oder Bevorzugung einer Person aufgrund ihres Geschlechts - und das egal in welchem Bereich. Außerdem die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften zu einer Person, nur weil sei einem Geschlecht angehört und damit begründete Diskriminierungen.

Häufig ist gerade aber nicht zu erkennen, ob es sich um Sexismus handelt, da für die Benachteiligung oder Bevorzugung meist andere Gründe angegeben werden als das Geschlecht. Leider gibt es auch umgekehrt das Problem, dass etwas evtl. als sexistisch angesehen wird, weil es so scheint. Dem eigentlich aber keine Benachteiligung zu Grunde liegt. Hier fällt mir spontan das Beispiel ein, in dem ein Podium nur mit Männern bzw. mit viel mehr Männern als Frauen besetzt wird. Ohne die Hintergründe zu kennen, sehe ich nur das Missverhältnis, es könnte sexistisch sein, muss es aber nicht. Hier mache ich auch noch einen großen Unterschied gegenüber Antje Schrupp, bei der - habe ich den Eindruck - spielt die Intention keine Rolle, sondern nur das Ergebnis.
Wenn der Veranstalter nun im Voraus 30 Personen für das Podium angefragt hat und darunter 20 Frauen und 10 Männer waren und letztendlich sitzt dennoch nur eine Frau auf dem Podium, da die anderen aus welchen Gründen auch immer abgesagt haben, würde ich dem Veranstalter keinen Vorwurf machen.

Sexismus bezieht sich meiner Meinung nach auf beide Geschlechter auch da mache ich einen Unterschied zu so manch anderer Definition, wenn es nur um die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen ginge, so kann ich das auch als Frauenfeindlichkeit bezeichnen und das ist mind. genauso schlimm wie Sexismus.
Es gibt viele Dinge, die andere Menschen als sexistisch empfinden und ich nicht, genauso gibt es Dinge, die ich als sexistisch empfinde und andere Menschen wiederum nicht. Hier wäre ein Beispiel der Frauenparkplatz. Den finde ich sogar sexistisch beiden Geschlechtern gegenüber: Einerseits ist es natürlich eine Benachteiligung gegenüber den Männern, die diese Parkplätze nicht nutzen sollen und andererseits (was ich persönlich noch viel schlimmer finde) stellen diese Art Parkplätze Frauen als hilflose Wesen dar, die gesonderte Parkplätze benötigen. Richtig bewusst geworden ist das, als ich vor dem Heinz Nixdorf Institut in Paderborn parkte. Direkt neben dem Eingang befinden sich auf der einen Seite fünf Behindertenparkplätze und auf der anderen Seite fünf Frauenparkplätze. Es handelt sich um einen offenen großen Parkplatz vor einem Gebäude, das in erster Linie tagsüber genutzt wird. Ich war total geschockt und beleidigt in dem Moment und dachte nur „jetzt ist es schon eine Behinderung, dass ich eine Frau bin!“, richtig beleidigt habe ich mich gefühlt. Möchte hier jetzt aber bitte keine Diskussion zum Thema Frauenparkplätze, ich kenne die Argumente dafür und dagegen, das ist nur ein Nebenschauplatz, der zeigen soll, dass ein Sexismus nicht immer so deutlich und für jeden gleichermaßen erkennbar ist bzw. unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was überhaupt Sexismus ist.

Objektifizierung in der Werbung ist auch so ein Fall: Hier wird so getan, als hätten Frauen nichts zu bieten außer einen guten Körper und viel nackte Haut (im Zusammenhang mit Produkten, die gar nichts damit zu tun haben) und andererseits wird den männlichen Käufern unterstellt, sie würden nicht mit dem Gehirn, sondern mit dem Schwanz denken.
Speziell aufgrund dessen, dass jeder Sexismus eine Art Ungleichbehandlung sich im Prinzip gegen beide Geschlechter richtet, finde ich nicht, dass man Sexismus nur als eine reine Benachteiligung von Frauen verstehen kann.

Ein einfacher nackter Körper ist meiner Meinung nach noch lange kein Sexismus, es kommt immer auf den Zusammenhang an. Es gab z.B. mal Werbeanzeigen eines Reiseveranstalters, wo mit Badekleidung bekleidete Körper ohne Kopf gezeigt wurden. Dies wurde von vielen auch als sexistisch gesehen. Das war es meiner Meinung nach aber nicht, da es sowohl ein Plakat mit einem Mann als auch mit einer Frau gab, also keine Ungleichbehandlung der Geschlechter. Diese Werbung hingegen war objektifizierend, ob das jetzt unbedingt besser ist, ist aber eine ganz andere Frage.

Schade finde ich, wenn jemand den Anspruch stellt, er oder sie hätte die allgemeine Wahrheit im Bezug auf Sexismus, denn meist ist das neben unterschiedlichen Definitionen auch eine Sache der Interpretation. Dennoch ist es wichtig darauf hinzuweisen bzw. etwas anzusprechen, was in den eigenen Augen sexistisch ist!

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