Wieder mal angeregt durch einen Artikel von Antje Schrupp, schreibe ich nun selbst was zum Thema. Wobei mir bewusst ist, dass sie in ihrem Artikel einen ganz anderen Schwerpunkt hatte.
Ich möchte hier nämlich nicht den
Schwerpunkt auf die Aussage „Ich bin kein Sexist“, die häufig zur Verteidigung
oder als eine Art Argument verwendet wird legen, sondern auf den Sexismus
selber. Möchte erzählen, was ich unter Sexismus verstehe und wo ich die
Probleme sehe. Vielleicht auch anregen, mal über den eigenen Sexismus oder das
eigene Verständnis von Sexismus nachzudenken.
Beginnen möchte ich mit meiner
Definition von Sexismus. Ich sage bewusst nicht mit einer allgemeinen
Definition, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass meine Definition nicht von
allen (aber auch von vielen) verwendet wird. Ich definiere Sexismus für mich
geschlechtsneutral. Sexismus bedeutet für mich:
Die Benachteiligung oder
Bevorzugung einer Person aufgrund ihres Geschlechts - und das egal in welchem
Bereich. Außerdem die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften zu einer Person,
nur weil sei einem Geschlecht angehört und damit begründete Diskriminierungen.
Häufig ist gerade aber nicht zu
erkennen, ob es sich um Sexismus handelt, da für die Benachteiligung oder
Bevorzugung meist andere Gründe angegeben werden als das Geschlecht. Leider
gibt es auch umgekehrt das Problem, dass etwas evtl. als sexistisch angesehen
wird, weil es so scheint. Dem eigentlich aber keine Benachteiligung zu Grunde
liegt. Hier fällt mir spontan das Beispiel ein, in dem ein Podium nur mit
Männern bzw. mit viel mehr Männern als Frauen besetzt wird. Ohne die
Hintergründe zu kennen, sehe ich nur das Missverhältnis, es könnte sexistisch
sein, muss es aber nicht. Hier mache ich auch noch einen großen Unterschied
gegenüber Antje Schrupp, bei der - habe ich den Eindruck - spielt die Intention
keine Rolle, sondern nur das Ergebnis.
Wenn der Veranstalter nun im
Voraus 30 Personen für das Podium angefragt hat und darunter 20 Frauen und 10
Männer waren und letztendlich sitzt dennoch nur eine Frau auf dem Podium, da
die anderen aus welchen Gründen auch immer abgesagt haben, würde ich dem
Veranstalter keinen Vorwurf machen.
Sexismus bezieht sich meiner
Meinung nach auf beide Geschlechter auch da mache ich einen Unterschied zu so
manch anderer Definition, wenn es nur um die Benachteiligung und
Diskriminierung von Frauen ginge, so kann ich das auch als Frauenfeindlichkeit
bezeichnen und das ist mind. genauso schlimm wie Sexismus.
Es gibt viele Dinge, die andere
Menschen als sexistisch empfinden und ich nicht, genauso gibt es Dinge, die ich
als sexistisch empfinde und andere Menschen wiederum nicht. Hier wäre ein
Beispiel der Frauenparkplatz. Den finde ich sogar sexistisch beiden
Geschlechtern gegenüber: Einerseits ist es natürlich eine Benachteiligung
gegenüber den Männern, die diese Parkplätze nicht nutzen sollen und
andererseits (was ich persönlich noch viel schlimmer finde) stellen diese Art
Parkplätze Frauen als hilflose Wesen dar, die gesonderte Parkplätze benötigen.
Richtig bewusst geworden ist das, als ich vor dem Heinz Nixdorf Institut
in Paderborn parkte. Direkt neben dem Eingang befinden sich auf der einen Seite
fünf Behindertenparkplätze und auf der anderen Seite fünf Frauenparkplätze. Es
handelt sich um einen offenen großen Parkplatz vor einem Gebäude, das in erster
Linie tagsüber genutzt wird. Ich war total geschockt und beleidigt in dem
Moment und dachte nur „jetzt ist es schon eine Behinderung, dass ich eine Frau
bin!“, richtig beleidigt habe ich mich gefühlt. Möchte hier jetzt aber bitte
keine Diskussion zum Thema Frauenparkplätze, ich kenne die Argumente dafür und
dagegen, das ist nur ein Nebenschauplatz, der zeigen soll, dass ein Sexismus
nicht immer so deutlich und für jeden gleichermaßen erkennbar ist bzw.
unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was überhaupt
Sexismus ist.
Objektifizierung in der Werbung
ist auch so ein Fall: Hier wird so getan, als hätten Frauen nichts zu bieten
außer einen guten Körper und viel nackte Haut (im Zusammenhang mit Produkten,
die gar nichts damit zu tun haben) und andererseits wird den männlichen Käufern
unterstellt, sie würden nicht mit dem Gehirn, sondern mit dem Schwanz denken.
Speziell aufgrund dessen, dass
jeder Sexismus eine Art Ungleichbehandlung sich im Prinzip gegen beide
Geschlechter richtet, finde ich nicht, dass man Sexismus nur als eine reine
Benachteiligung von Frauen verstehen kann.
Ein einfacher nackter Körper ist
meiner Meinung nach noch lange kein Sexismus, es kommt immer auf den
Zusammenhang an. Es gab z.B. mal Werbeanzeigen eines Reiseveranstalters, wo mit
Badekleidung bekleidete Körper ohne Kopf gezeigt wurden. Dies wurde von vielen
auch als sexistisch gesehen. Das war es meiner Meinung nach aber nicht, da es
sowohl ein Plakat mit einem Mann als auch mit einer Frau gab, also keine
Ungleichbehandlung der Geschlechter. Diese Werbung hingegen war objektifizierend,
ob das jetzt unbedingt besser ist, ist aber eine ganz andere Frage.
Schade finde ich, wenn jemand den
Anspruch stellt, er oder sie hätte die allgemeine Wahrheit im Bezug auf
Sexismus, denn meist ist das neben unterschiedlichen Definitionen auch eine Sache
der Interpretation. Dennoch ist es wichtig darauf hinzuweisen bzw. etwas
anzusprechen, was in den eigenen Augen sexistisch ist!
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