Donnerstag, 8. November 2012

Quotensalat

Über die Frauenquote wurde schon viel und oft geredet, geschrieben und diskutiert. Trotzdem möchte ich gerne noch meine Perspektive einbringen.
Erst vor kurzem gabe es die Initiative "Pro Quote", die auch von vielen unterstützt wurde. Jetzt wurde bekannt, dass Sabine Rückert als erstes Frau in die Zeit-Chefredaktion berufen wurde. Dazu gibt es einen offenen Brief im Missy Magazin, der auch auf der Mädchenmannschaft veröffentlicht wurde. Es geht der Autorin darum, dass es in ihren Forderungen um mehr ging als einfach nur Frauen an die Spitze zu bringen und ihnen mit einer solchen Frau (die sich eben nicht für die Frauen einsetzt) nicht geholfen sei. Da frage ich mich, worum gehts denn eigentlich? Es wird verneint, dass es darum ginge, die möglichen Führungspersönlichkeiten einer Gesinnungsprüfung zu unterziehen, aber wie ist das dann gemeint?

Aufgrund des offenen Briefs habe ich persönlich den Eindruck, dass des der Autorin natürlich darum geht, eine Quote für Personen weiblichen Geschlechts (wonach wird das nochmal bewertet, also wer jetzt weiblich und wer männlich ist?) einzuführen, aber zusätzlich soll diese Person dann auch noch im Sinne der Unterstützerin handeln, was nach deren subjektiver Meinung natürlich im Sinne aller Frauen ist.
Bei solchen Argumentationsweisen frage ich mich immer, wieso andere Menschen der Meinung sind, sie wüssten am besten, was für eine bestimmte Gruppe gut ist und was nicht ( auch wenn sie selbst Teil dieser Gruppe sind, sollten sie sich nicht dazu erheben für alle zu sprechen).

Ich bin gegen eine Frauenquote wie sie im Moment - speziell von "Pro Quote" - gefordert wird. Ich kann die meisten Argumente für die Quote nicht wirklich inahltlich nachvollziehen und sehe im Gegenteil eine Diskriminierung auf der individuellen Ebene bei den Personen, die sich für eine Stelle bewerben. Dann nämlich, wenn mehrere Bewerber die nötige Qualifikation besitzen und die Bewerberin aufgrund einer Quote bevorzugt wird. Oder wenn Personaller seitenlang begründen müssen, warum für die ausgeschriebene Stelle keine Frau gefunden wurde (an vielen Universitäten längst Standard, z.B. Universität Paderborn).

Weiterhin stelle ich mir bei den aktuellen Forderungen folgende Fragen:
- Warum ist Geschlecht für viele Menschen ein so bedeutender Faktor (warum nicht ein Quote für blonde Personen)?
- Warum eine Quote nur für die oberen Etagen der Führungsebene?
- Wen ndie Vielfalt der Ideen verbessert werden soll, warum werden analog in weiblich dominierten Branchen keine Männerquoten?
- Gibtes überhaupt wirksame Sanktionen bei Nichterfüllen?
- Warum so viel Aufwand, wenn 99% der Menschen sowieso nicht betroffen sind?

Das einzige Argument der Befürworter bei dem ich denke, dass mir einleuchtet, ist das der Vielfalt; vielleicht können unterschiedliche Geschlechter wirklich unterschiedliche Sichtweisen in eine Unternehmen einbringen.
Aber dann doch bitte nicht nur auf höchster Ebene und nicht nur in eine Richtung (also analog zur Frauenquote auch eine Männerquote).
Daher fände ich es gut, wenn man wirklich die Vielfalt erhöhen möchte und der Meinung ist, eine Quote muss dies gesetzlich verankern, eine 30% Quote für beide Geschlechter auf allen Ebenen einzuführen (nicht nur in Vorständen und Aufsichtsräten - diese Stellen interessieren sowieso die wenigsten).
Für beide Geschlechter verstehe ich so, dass es überall mind. 30% von jedem Geschlecht geben sollte (wobei auch hier noch das Problem der Definition des jeweiligen Geschlechts nicht behoben ist).
Auch in Kindergärten, Grundschulen und Frisörsalons gäbe es dadurch eine größere Indeenvielfal.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt dieser Quote wäe es, dass die typischen Grenzen zwischen Frauen- und Männerberufe verschwimmen würden. Es wäre für eine Frau eher normal KFZ-Mechatroniker zu werden und für einen Mann Kindergärtner oder Frisör. Durch das Auflösen der Grenzen könnte es in den im Moment noch als typische Frauenberufe verschrieenen Branchen zu einem Anstieg des Lohnniveaus kommen. Aber dieses Thema verdient wahrscheinlich auch noch einen eigenen Blogpost, ich werde das daher an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. 

Kommentare:

  1. Gute Gedanken, aber einmal möchte ich dann doch einhaken. Du schreibst:

    "Für beide Geschlechter verstehe ich so, dass es überall mind. 30% von jedem Geschlecht geben sollte (wobei auch hier noch das Problem der Definition des jeweiligen Geschlechts nicht behoben ist).
    Auch in Kindergärten, Grundschulen und Frisörsalons gäbe es dadurch eine größere Indeenvielfal.
    Ein weiterer positiver Nebeneffekt dieser Quote wäe es, dass die typischen Grenzen zwischen Frauen- und Männerberufe verschwimmen würden."

    Das hat aber ein großes Problem zur Folge. Wie soll den die "mindestens 30%"-Quote umgesetzt werden, wenn es gar nicht genug Bewerber eines Geschlechts gibt?

    Und selbst, wenn es diese gibt, kann dies zu Situationen führen, wo dann entweder nur Männer oder Frauen eingestellt werden, weil die Quote noch lange nicht erfüllt ist. Das widerspricht jedoch meiner Meinung nach dem Grundrecht auf freie Berufswahl.

    Würde die Berufswahl eingeschränkt, weil man als Bewerber zu schlecht ist, ist das durchaus in Ordnung. Wird diese aber eingeschränkt, weil der Staat eine Quote verordnet, ist das ein Problem. Mit "Freiheit" hat dies dann wenig zu tun.

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    1. Natürlich ist auch eine 30% Quote immernoch eine Benachteiligung auf individueller Ebene. Aber wie du meinem Text vielleicht entnehmen konntest bin ich generell gegen eine gesetzliche Quote aufgrund der Benachteiligung eines Geschlechts.
      Nur wenn es von vielen als so wichtig empfunden wird und als Argument die Vielfalt genommen wird, warum dann nur in eine Richtung?!

      "Das hat aber ein großes Problem zur Folge. Wie soll den die "mindestens 30%"-Quote umgesetzt werden, wenn es gar nicht genug Bewerber eines Geschlechts gibt?"

      Das war ja erstmal nur eine Idee, man könnte in bestimmten Bereichen mit 10% oder 20% anfangen und dann schrittweise erhöhen.

      Viele Grüße,
      Miria

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