Sonntag, 11. November 2012

Betreuungsgeld

Nun wurde am 8. November 2012 im Bundestag über ein Betreuungsgeld abgestimmt. Und es waren genug Leute dafür, um es einzuführen. Insgesamt stimmten 310 Abgeordnete in einer namentlichen Abstimmung für die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1711404)


Ab August 2013 können also Eltern, die ihr Kind nicht in eine öffentliche Einrichtung zur Betreuung geben zunächst 100€, später 150€ monatlich erhalten. Bildungssparen oder dieses Geld in die Altersvorsorge zu stecken wird noch mal extra unterstützt. So erstmal die Fakten.

Allerdings ist das Medienecho dem Gesetzt nicht gerade positiv gestimmt. Häufig ist zu hören, dass dieses Gesetzt ein rückwärtsgewandtes Familienmodell fördere und die Zahlung wird abwertend als „Herdprämie“ bezeichnet, weil sie die Frauen wieder an den Herd brächte. Aber welche Frau, die nicht auch ohne Betreuungsgeld zu Hause geblieben wäre, bleibt ernsthaft Zuhause, um auf die Kinder aufzupassen, weil sie dafür 100€ oder 150€ erhält. Mir fällt kein Beruf ein, der ein so geringes Gehalt hätte, dass man sagen könnte, ich kann ja statt zu arbeiten lieber das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen. Also irgendwie glaube ich nicht, dass sich das Betreuungsgeld tatsächlich zu einer „Herdprämie“ entwickelt.
Im Gegenteil, wenn ein paar sich entscheidet, dass in den ersten Jahren jemand bei dem Kind Zuhause bleiben möchte, könnte gerade das Betreuungsgeld den Anreiz geben, dass der Mann Zuhause bleibt. Meist ist es so, dass der Vater ein höheres Einkommen hat als die Mutter, was in den Überlegungen dann dazu führt, dass die Mütter Zuhause bleiben würden, da das Geld sonst evtl. nicht ausreicht. Aber das Betreuungsgeld würde eben hier einen Ausgleich schaffen - das erhält schließlich auch ein Vater, der Zuhause auf sein Kind aufpasst.

Betreuungsgeld bekommt man übrigens nicht nur, wenn ein Elternteil Zuhause bleibt. Sondern auch, falls die Großeltern oder eine Tagesmutter auf das Kind aufpassen. Hier ist es doch auch eine prima Unterstützung, um evtl. Kosten privater Betreuung abzudecken. Warum sind viele Personen der Meinung, dass ein Kind nur in einer staatlich geförderten Kindertagesstätte optimal betreut wäre? Das sehe ich anders, im Gegenteil: Nicht nur dass es schwer ist, in einer solchen einen Platz zu bekommen, sondern die Kinder werden dort oft auch noch unter einem viel zu schlechten Betreuungsschlüssel nicht gut betreut.

Das Betreuungsgeld soll den Eltern nun so die Möglichkeit bieten, selbst zu entscheiden, welche Art der Betreuung sie wählen, denn es gibt neben den staatlich geförderten noch viele andere Betreuungsmöglichkeiten. Auch im Koalitionsvertrag, auf den sich immer wieder bezogen wird heißt es unter anderem:

„Wir wollen in der Kinderbetreuung weitere Maßnahmen für einen verbesserten
qualitativen und quantitativen flexiblen Ausbau bei Trägervielfalt auch unter Einbeziehung
von Tagespflege ergreifen und die Vernetzung mit anderen familienunterstützenden
Angeboten im Sinne von Familienzentren und Mehrgenerationenhäusern
intensivieren. Dazu gehört die Qualifikation von Tagespflegepersonen sowie
Erzieherinnen und Erziehern und bessere Rahmenbedingungen für Ausbildung
und Beruf in Kooperation mit Ländern, Kommunen und Verbänden. …

Um Wahlfreiheit zu anderen öffentlichen Angeboten und Leistungen zu ermöglichen,
soll ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150,- Euro, gegebenenfalls
als Gutschein, für Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung eingeführt
werden.“

Aber eins versteh ich nicht, wie konnte es sein, dass angeblich so viele Menschen dagegen sind, das Gesetz aber dennoch beschlossen wurde. Ist es wirklich so, dass ein Großteil der Abgeordneten gegen ihr Gewissen abgestimmt hat? Wenn das so wäre, wäre das falsch! Wie muss sich ein Abgeordneter, der in die Politik gegangen ist, um etwas zu verbessern (was wohl die meisten Menschen ursprünglich in die Politik treibt) fühlen, wenn er einem Gesetzt zustimmt, dass er eigentlich als nicht gut betrachtet? Ich könnte das nicht…

Falls jemand, die Diskussion im Bundestag zum Betreuungsgeld interessiert, hänge ich hier noch das Plenarprotokoll der Sitzung vom 8. November 2012 an. Dort finden sich die unterschiedlichen Ansichten und natürlich die verschiedenen Argumente für und gegen das Betreuungsgeld wieder.

Mir persönlich ist das Betreuungsgeld egal, nein das ist vermutlich das falsche Wort, denn dann würde ich nicht darüber schreiben, aber ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll. Ich denke, dass es für viele Eltern eine gute Hilfe ist und dass es niemandem wirklich schadet. Glaube aber auch nicht, dass es wirklich nötig ist und man hätte das Geld auch für etwas anderes verwenden können. 

Und was denkt ihr? 

Ps. Ich bin mir bewusst, dass in meinem Text einige Punkte fehlen, allerdings denke ich, dass ich das wichtigste für mich herausgeschrieben habe. 
 

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