Samstag, 10. Juni 2017

Das Umfeld

Ich bin aufgewachsen in einem kleinen ländlichen Dorf, welches man schon ein wenig als eine Art Ghetto beschreiben könnte: Einer meiner besten Freunde hat bereits mit 13 Autos geklaut, um in die nächste größere Stadt zu fahren, Freunde haben gesoffen, gekifft oder andere Drogen genommen bzw. diese verkauft.  Nicht selten hatte jemand ein Messer griffbereit. Ich erinnere mich noch gut, als ich einen Bekannten damals mit blutüberströmten T-Shirt abholen musste, weil ein anderer ihn mit dem Messer angegriffen hat, da er aus dem Drogenhandel aussteigen wollte…
Ein Nachhilfeschüler, der eher aus einem bürgerlichen Umfeld stammte sagte einmal zu mir, er hätte Angst bei uns Nachts auf die Straße zu gehen – der Junge war 19 Jahre alt, muskulös und fast zwei Meter groß. Damals habe ich mich darüber noch gewundert, denn ich hatte keine Angst, kannte aber beinahe alle, die Nachts bei uns auf den Straßen rumlungerten und wusste mich zu behaupten.
Auch später waren Menschen in meinem Umfeld irgendwie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Obwohl der beste Freund meines (mittlerweile Ex-)Freundes aus einer völlig anderen Stadt stammte, war dieser wieder jemand, der sein Leben durch Betrügereien finanzierte und bereits über zwei Jahre wegen Drogenhandel im Knast gesessen hatte. Als ich mit meinem Freund zusammen in einer Wohnung gelebt und die Post geöffnet habe, durfte ich dann auch noch erschrocken feststellen, dass Haftbefehle tatsächlich einfach in den Briefkasten geworfen werden – kein schönes Gefühl.

Durch meine Kindheit und Jugend im Ghetto habe ich den Vorteil, dass ich mich behaupten kann und so gut wie keine Angst vor irgendwelchen Menschen habe. Natürlich kann mir was passieren, wenn ich alleine unterwegs bin – speziell, wenn ich in bestimmten Gegenden bin, wo sich mehr kriminelle Typen rumtreiben als woanders (beispielsweise Reeperbahn o.ä.). Bisher habe ich mir immer gesagt, ich lass mir mein Leben nicht einschränken bzw. schränke mich nicht selbst ein indem ich solche Orte meide.
Ein Freund meinte allerdings letztens zu mir, dass es einem ja auch selbst besser gehen würde, wenn man eben nicht unbedingt dorthin geht, wo Kriminalität an der Tagesordnung ist. Zu viele kriminelle Freunde und Bekannte tun dem eigenen Wohlbefinden nicht gut.
Ich denke im Moment darüber nach, ob er damit Recht haben könnte. Vermutlich hat er das tatsächlich. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass gerade an solchen Orten die Menschen unglaublich offen und tolerant sind (und ja leider auch kriminell) und ich schnell mit tollen Leuten ins Gespräch komme während das in einer beschaulichen Eckkneipe auf dem Land wohl eher weniger der Fall ist.

Leute, die komplett behütet in einer Bilderbuchfamilie aufgewachsen sind, mit denen kann ich häufig leider nicht viel anfangen. Sie können so vieles nicht nachvollziehen, nicht verstehen, was mich umtreibt, was mich beschäftigt, was ich erlebt habe. Ich denke dann im Gespräch oft, da hat aber jemand keine Ahnung vom Leben – Tatsache ist, da hat jemand ein komplett andere Vorstellung vom Leben, komplett andere Erfahrungen.
Als ich im Gespräch mit einer Freundin erwähnte, dass ich es total schade finde, wenn Frauen sich so klein machen und sich nicht gegenüber unverschämten Männern behaupten, bekam ich als Antwort, dass diese das nie gelernt haben. Auch sie sei sehr behütet aufgewachsen und immer waren „Beschützer“ da, so dass man sich einfach niemals selbst verteidigen musste. Wenn man dann mit besoffenen Männern konfrontierte wird, die einen dämlich anmachen oder betatschen, bekommt man eben Angst, statt denen eine ordentliche Ansage zu machen.
In dem Punkt hatte mein Ghetto immerhin einen Vorteil für mich: Ich lass mich nicht schnell klein machen! Im Notfall schlag ich zurück!
Und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ich automatisch immer wieder mit Menschen in Kontakt komme, die es mit dem Gesetz nicht ganz so genau nehmen: Selbst hier im beschaulichen Südtirol wüsste ich wieder problemlos, wen ich fragen müsste bezüglich Drogen oder Waffen – und das obwohl Südtirol nicht unbedingt zu den Gegenden gehört, die man wegen ihrer Gefährlichkeit meiden sollte…
Also vielleicht kann ich dem auch einfach nicht aus dem Weg gehen.

Montag, 29. Mai 2017

Wann ist Sex einvernehmlich - und muss das sein?

Im Zuge der Diskussion zum Jubiläum der Reform des Vergewaltigungsparagraphen §177, äußerte Anne sich folgendermaßen:

„Wenn für mich nicht-einvernehmlicher Sex OK (und sogar wahnsinnig geil) ist, bedeutet das auch nicht, dass ich dies für andere Leute verallgemeinern möchte.“

Da stellt sich zunächst die Frage, was es bedeutet, dass Sex einvernehmlich ist. Ich verstehe es so, dass beide (oder alle) Beteiligten mit dem Geschehen einverstanden sind – und von keinem der Wille gebrochen wird. Eine „Spielerei“ wie ein wenig Gegenwehr überwinden, ändert nichts an der Einvernehmlichkeit.

Die Aussage von Anne ist für mich daher völlig unverständlich! Entweder man möchte Sex bzw. es ist „OK (oder sogar wahnsinnig geil)“ oder man möchte eben keinen Sex und der andere nimmt sich dennoch, was er möchte: Das erste ist einvernehmlich, das zweite eindeutig nicht.  Aber wie man Sex gleichzeitig wollen und dennoch nicht wollen kann, das begreife ich einfach nicht. Auf die Frage an Anne, wie sie denn das Wort „einvernehmlich“ interpretiert (möglich dass daher das Missverständnis rührt) habe ich leider keine Antwort bekommen.
Sondern sie hat hingegen wieder auf das Gesetz verwiesen:

„Im Gesetzestext steht etwas von „gegen den erkennbaren Willen“, nichts von „Einvernehmlichkeit“.
Es ist also müßig, darüber zu diskutieren.“

Ich habe das Gefühl, dass Anne die Passage „erkennbaren Willen“ so interpretiert, dass nur die Wahrnehmung von außen zählt – also wenn ein Zuschauer den Eindruck hat, es handelt sich um eine Vergewaltigung, wird der vermeintliche Täter verurteilt, obwohl der Sex eigentlich keine Vergewaltigung war.
Allerdings ist das erkennbarer Willen genau aus einem ganz anderen Grund dort und muss auch völlig anders interpretiert werden. Es geht dabei darum, ob im Falle einer Beschuldigung der tatsächliche Willen des Opfers von außen erkennbar war – sofern dieser natürlich gegen den Sex stand. Der Grund ist ganz einfach der, dass man niemanden der Vergewaltigung verurteilen darf, der gar nicht die Möglichkeit hatte, zu erkennen, dass das vermeintliche Opfer nicht will. Dieser Absatz schützt hier also den Beschuldigten – genau das Gegenteil, was Anne dort hineininterpretiert!

Ich vermute mal, dass es bei Anne und ihrer Fantasie von nicht einvernehmlichem Sex auch ein wenig einfach um das überwältigt werden und sich fallen lassen können bzw. auch mal einfach benutzt werden, geht. Es gibt ja Untersuchungen, die zeigen, dass ein nicht geringer Teil der Frauen solche und ähnliche Fantasien hat.

Und ich kann diese Wünsche als BDSMlerin natürlich auch nachvollziehen. Auch mich reizt es manchmal einfach ein wenig widerspenstig zu sein und mich zu wehren, bevor er mich dann überwältigt. Aber würde das keinesfalls als „nicht einvernehmlich“ kategorisieren. Denn letztendlich will ich ja genau das: überwältigt werden.
Sex, der von beiden gewollt ist, ist einvernehmlich! Das ist es völlig egal, wie das für einen Dritten von außen scheint. Egal, ob der Nachbar sagt: „Aber er hat sie geschlagen, gefesselt und vergewaltigt. Das habe ich ganz genau gesehen! (durchs Fenster, mit meinem Fernglas)“. Sobald beide Beteiligten sagen, dass es genau so gewollt war, wird sich kein Staatsanwalt und kein Gericht dafür interessieren. Also auch das Argument, das man bei härterem Sex befürchten müsste, eine dritte Person könne dies zufällig beobachten und als Vergewaltigung anzeigen, finde ich eher ein wenig überängstlich. Schließlich dürfte es auch in dem Fall kein Problem sein, deutlich zu machen, dass alle Beteiligten einverstanden waren.
Dass das Wort der Ehefrau in dem Fall nicht zählen würde, wie Anne bei sich auf dem Blog schreibt, ist auch Unsinn. Natürlich muss geschaut werden, ob die Frau unter Druck gesetzt wird (was bei missbräuchlichen Beziehungen nicht selten der Fall ist), aber das lässt sich meist recht schnell erkennen: Wirkt die Frau selbstbewusst und sagt deutlich, dass sie das wollte oder wirkt sie eher ängstlich und eingeschüchtert. Ich denke nicht, dass eine Frau wie Anne da ein großes Problem hätte, ihren Standpunkt deutlich zu machen.

Natürlich ist ein solcher Kontakt mit dem Gesetz bzw. dessen Hütern zunächst nicht besonders angenehm, aber dennoch nötig, damit Menschen, die tatsächlich in Gefahr sind bzw. vergewaltigt wurden, geholfen werden kann. Und natürlich kommt es vor,  dass übereifrige Nachbarn die Polizei rufen, Bekannten von mir ist das tatsächlich passiert: Die Polizisten haben Frau und Mann voneinander getrennt befragt und da sich beide Aussagen deckten in der Hinsicht, dass alles einvernehmlich war, sind sie wieder weg – also keine Anklage, kein garnichts.

Niemand sollte nicht-einvernehmlichen – und damit gegen den eigenen Willen – Sex haben müssen und niemand sollte im Netzt eine Vergewaltigung runterspielen, indem man so tut als wünsche man sich das! Kein Mensch möchte vergewaltigt werden, denn das ist alles andere als toll oder geil!

Freitag, 26. Mai 2017

Leistungswahn?

Ich bin vor kurzem über einen Artikel auf Edition F gestolpert: „Leistungswahn amWochenende: Power dich aus, bis zu zusammenbrichst!“. Ist ja erstmal schön und gut, dass sich da jemand gegen einen „Leistungswahn“ ausspricht. Niemand sollte sich auch gerade noch am Wochenende stressen und unter Druck setzen, stattdessen sollte man sich entspannen, die Zeit mit angenehmen Dingen verbringen, die einem Spaß machen!
Aber da fängt das Problem mit dem Artikel schon an: Die Autorin scheint der Meinung zu sein, dass nur die Dinge, die ihr Entspannung bringen auch gut für andere sind und kritisiert deshalb die Hobbies anderer Menschen:

„Selbst auf Sardinien habe ich einen Jogger auf der Landstraße gesehen – bei 43 Grad im Schatten! „Junge, hau Dich an den Strand“, hätte ich am liebsten gerufen.“

Und warum sollte faul am Strand rumliegen jetzt so viel schöner sein, als joggen? Ich persönlich würde es schrecklich finden, den ganzen Tag nur rumzuliegen . Speziell im Urlaub, will ich mich bewegen, was erleben und was vom Land sehen. Und vermutlich würde ich auch viel lieber bei Sonnenaufgang am Strand joggen gehen als dort unter zigtausend Touristen im Sand zu liegen – das ist definitiv nicht das, was ich als entspannend empfinde.

Und weiter wird die folgende Frage gestellt:

„Was ist eigentlich los mit unserer Gesellschaft, dass wir glauben, auch  noch in der Freizeit Leistung erbringen zu müssen? Warum liegen wir – als so ungefähr die Privilegiertesten auf dem Planeten – nicht in der  Hängematte und chillen? Was müssen wir uns denn beweisen?“
 
Was ist eigentlich los mit der Autorin, dass sie glaubt, in der Hängematte zu chillen wäre für alle so unglaublich erstrebenswert? Warum ist sie der Meinung, dass man nicht auch im Laufen, Schwimmen, Radfahren und Berge besteigen seine Erfüllung und Entspannung finden kann? Was ist so schrecklich daran, wenn andere Menschen ihre Freizeit auf andere Art verbringen als die Autorin?
Fühlt sie sich selbst durch die Hobbies oder Erfolge anderer irgendwie unter Druck gesetzt, ebenfalls so sein zu müssen und versucht deshalb als Gegenpol die anderen aufzufordern, so zu sein wie sie ist. Wenn alle faul am Strand oder in der Hängematte rumliegen, muss man selbst sich in der Situation gar nicht mehr so schlecht fühlen.

Wenn ich aber einen Marathon laufen möchte, mich dabei oder bei meinem Training dafür gut fühle – laufen genieße und es entspann, dann möchte ich bitte auch nicht von anderen belehrt werden. Soll sie doch tagelang irgendwo rumliegen und dabei glücklich sein - und andere ebenfalls ihre Freizeit genießen lassen!

Montag, 22. Mai 2017

Tinder - so oberflächlich bin ich einfach nicht

Ich habe mich vor kurzem bei Tinder angemeldet, einfach weil ich neugierig auf diese App war. Gleich vorweg, um die Spannung rauszunehmen: Bisher habe ich mich mit keiner Person über Tinder getroffen – das Ding scheint irgendwie nicht für mich geeignet zu sein… Ich glaube, ich bin einfach zu wenig oberflächlich dafür.
Für mich zählt einfach mehr Charakter und Ausstrahlung als reine Optik. Ich habe mich selbst beobachtet, worauf ich dabei achte, wenn ich entscheide, ob ich ein Profil nach links (nope) oder rechts (like) schiebe. Meine eigenen Kriterien waren für mich durchaus interessant und aufschlussreich:

-       Als erstes ist das wichtigste für mich ein besonderes Lächeln (schwer zu beschreiben)
-       Tiere mit auf dem Bild wurden von mir ebenfalls positiv bewertet, weil ich selber gerne Tiere mag (habe auch zwei Katzen)
-       Wenn jemand nur Bilder in seinem Profil hatte, auf denen er nicht eindeutig zu erkennen war (mehrere Personen oder Helm etc.), fiel das eindeutig negativ auf, Tinder ist doch nicht für „Katze im Sack kaufen“
-       Positiv kamen bei mir tolle Sprüche im Profil an, denn wenn mir jemand optisch zugesagt hat, habe ich mir die kurzen Profile angesehen, bevor ich mich entschieden habe.
-       Und noch ein wichtiges Kriterium: Die Sprache (da habe ich zu Beginn leider wenig drauf geachtet), derjenige sollte deutsch oder englisch beherrschen.

Also alles eher weniger oberflächliche Kriterien. Scheine demnach nicht wirklich geeignet zu sein für Tinder. Ein einziger, mit dem ich mich etwas länger unterhalten hatte, mit dem ich mich auch getroffen hätte, allerdings war mir eine Entfernung von ca. 100km dann irgendwie doch auch zu weit.

Die Gespräche über Tinder waren dann auch eher weniger niveauvoll wie beispielsweise:

Er: „Hast du WhatsApp und kannst du mir deine Nummer geben?“
Ich: „Ja, habe ich, aber bisher weiß ich noch nicht, ob ich dir meine Nummer geben sollte…“
Er: „Warum das :*“
Ich: „Bisher weiß ich noch zu wenig von dir… Warum willst du das denn?
Er: „Könnten Bilder tauschen und so“
Ich: „Du hast mir noch nicht einmal verraten, was du hier eigentlich suchst?“
Er: „Was sich ergibt und du <3“
Ich: „Was sich ergibt klingt gut… Sehe ich ähnlich, aber ich möchte, dass jemand ehrlich zu mir ist“
Er: „ja J Ich liebe deine Augen… und vor allem diese großen Brüste“
Ich: „Meine Augen sind aber nicht im Dekolleté ;P“
Er: „Hehe trotzdem schön… Darf ich dir einen Knutschfleck machen“
Ich: „Ne“
Er: „Warum?“
Ich: „Weil ich das nicht mag und das voll kindisch ist“
Er: „Oke. Aber auf Tittenmassage hast schon lust?“

Darauf habe ich dann nicht mehr geantwortet. Das ist es also, was ein Mann versteht unter „was sich ergibt“

Also mein Fazit ist, ich schau mich noch ein wenig bei Tinder um, vielleicht gibt’s da ja doch ganz lustige interessante Erlebnisse, die man dann wieder verbloggen kann.
Möglicherweise melde ich mich bald auch einfach wieder ab: So oberflächlich bin ich dann doch einfach nicht…  
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Samstag, 20. Mai 2017

Ansprechen und die Körbe

Auf allesevolution  gab es im Zusammenhang mit diesem wundervollen Comic  von erzählmirnix eine interessante Diskussion. Dort kam die Aussage auf, dass man es als Frau nicht nachempfinden könne, wie es für Männer sei, einen Korb (oder besser ständig einen Korb) zu bekommen.
Matze stellt die Frage:
 
„Wäre mal interessant zu erfahren wie viele Körbe Männer und Frauen sich jeweils durchschnittlich abholen müssen, bevor sie in einer festen Beziehung stecken.“
 
Meine Vermutung geht tatsächlich auch in die Richtung, dass es bei Männern einige mehr sind und bei Frauen gegen Null geht. Das aber nicht, weil Männer keine Körbe verteilen, sondern in erster Linie, weil Frauen nicht aktiv auf Männer zugehen. Zumindest die meisten nicht. Sie warten. Sie warten darauf, dass der von ihnen ausgesuchte Mann aktiv wird. Und wenn es der falsche ist, dann muss man eben einen Korb verteilen.
Wobei ich mich hier im Text mehr dem Thema Flirten und Ansprechen statt einer tatsächlichen Beziehungsanbahnung (die es meiner Ansicht nach erst nach einiger Zeit des Kennenlernens gibt) widmen möchte.
 
Wenn Frauen so auf Männer zugehen würden, wie es Männer tun, die häufig Körbe kassieren, würden diese ebenso viele Körbe bekommen. Blöde auswendig gelernte Anmachsprüche wie der in dem Comic von Erzählmirnix oder völlig ohne vorheriges Gespräch die Frage nach der Telefonnummer. Hallo? Warum sollte ich als Frau Interesse daran haben, einem für mich in dem Moment völlig fremden Mann meine Telefonnummer zu geben?
So naiv kann man doch nun wirklich nicht sein. Aber Männer sind so naiv! Viele Männer sind so naiv. Viele Männer haben auch kaum eine Vorstellung davon, in welcher Liga sie spielen und dass ich mich nicht über einen (vielleicht auch nett gemeinten) auswendig gelernten Spruch von einem Mann, der mein Vater sein könnte freue, sollte demjenigen auch im Voraus klar sein…
 
Ich bin wirklich immer nett und höflich, ich lerne tatsächlich gerne neue Menschen kennen. Das heißt, wenn sich ein Mann nicht zu dämlich anstellt und nicht gerade doppelt so alt ist wie ich, dann lasse ich mich meist zumindest auf ein Gespräch ein (außer ich habe an dem Tag absolut keine Lust auf Menschen), um den Charakter kennenzulernen  - vielleicht verbirgt sich ja auch hinter einer durchschnittlichen Fassade ein wunderbarer Mensch J
Aber auch hier sind Männer wieder ziemlich naiv: Vielen denken doch tatsächlich, dass die Zusage zu einem gemeinsamen Getränk gleich die Zusage zu mehr ist. Ein Freund von mir hat mir das mal so erklärt, dass es heute wohl normal ist, dass die meisten Frauen einfach extrem unfreundlich sind und wenn dann mal eine nett ist, macht man sich schnell Hoffnungen auf mehr. Scheint ein Teufelskreis zu sein, denn als Frau denkt man dann, dass man eher etwas deutlicher sein muss, in einer Ablehnung, damit sich jemand nicht falsche Hoffnungen macht usw....
 
Und wie ist das jetzt mit den Körben, die Frauen bekommen?
Wenn ich abends weggehe und jemanden anspreche, habe ich noch nie einen Korb bekommen – und das sogar, obwohl ich recht häufig wen anspreche. Wenn ich an diesem Abend beispielsweise auf Sex aus war, habe ich das auch in 100% der Fälle bekommen.
Ich kann in dem Punkt also vermutlich echt nicht nachvollziehen, wie sich jemand fühlt, der immer wieder abgelehnt wird. Aber ich spreche auch nicht wahllos irgendwelche Typen (was einige Männer meinem Eindruck nach genauso machen) an, damit irgendwer schon darauf eingeht, sondern nur diejenigen, die mir gut gefallen.
Die Normalität allerdings sieht auch für die meisten Frauen anders aus: Die meisten Frauen sprechen keine Männer an! Wenn man niemanden anspricht, kann man auch keinen Korb bekommen. Das führt dann zu solchen Szenen, dass Freundinnen von mir einen ganzen Abend lang irgendeinen Typen anstarren, den sie heiß finden und hoffen, er möge doch Kontakt aufnehmen (was meist nicht passiert). Die Angst vor Körben ist vorhanden, denn genau sie verhindert in dem Moment, dass sie sich den Typen einfach krallt. Ich mache eben genau das: Wenn mir einer gefällt, dann gehe ich hin und spreche ihn an. Denn so ist der Erfolg um einiges größer als wenn man nur rumsitzt und versucht ihn durch den Raum zu hypnotisieren.
Ich selbst bin vermutlich das, was man positiv als „Vamp“ und negativ mal als „Schlampe“ bezeichnen könnte. Von Freunden höre ich manchmal Aussagen wie:
„Wie machst du das, dass du immer die Typen kriegst, die du willst?“ oder nachdem ich zu Beginn einer Party zu einer Freundin gesagt habe, welchen Typen (definitiv der attraktivste der ganzen Party) ich an dem Abend gerne mitnehmen würde (zu dem Zeitpunkt hatte ich mit demjenigen noch nicht ein Wort gewechselt) und wir nachher gemeinsam ins Hotel gehen, einfach nur „ich versteh einfach nicht wie du das immer hinkriegst“. Und erst heute meinte eine Freundin zu mir: „ich glaube, du könntest einfach jeden verführen – egal ob Mann oder Frau, also natürlich, wenn die Frau nicht strikt hetero ist“ (wenn die wüsste, dass ich auch sie mal gerne… nein, lassen wir das ;) )
Der Punkt ist, ich bin auch in diesem Punkt vermutlich nicht repräsentativ für die meisten Frauen.  Die meisten Frauen können sich durchaus vorstellen wie es ist, einen Korb zu bekommen – sonst hätten sie ja nicht so eine Angst, Männer anzusprechen. Und auch ich habe eine – wenn auch wage – Erinnerung wie es ist, diese Ansprechangst zu spüren, denn ich war in meiner Jugend nicht so selbstbewusst wie ich es jetzt bin. Ich war eher das genau Gegenteil: schüchtern, zurückhaltend, unsicher und bloß nicht blamieren. Das Problem an dieser Einstellung ist, dass man im Leben immer die Arschkarte zieht und nie das erreicht, was man eigentlich will!
Also liebe Männer: versucht zu verstehen, wer ihr seid und was ihr wollt. Versucht zu erkennen, wo ihr steht und welche Frauen zu euch passen. Und dann keine blöden Anmachsprüche oder die unverschämte Frage nach der Handynummer aus dem nichts, dann sind die Chancen auf ein erstes nettes Gespräch sicher gar nicht so schlecht ;)
(Und für diejenigen, die intelligent sind und ernsthafte Absichten haben, würde ich auch ein wenig Pick Up empfehlen)
 

Donnerstag, 18. Mai 2017

§177: Seit 20 Jahren ist jede Vergewaltigung auch als solche strafbar

Noch bis in das Jahr 1997 war ein Vergewaltigung innerhalb der Ehe ebenso nicht als Vergewaltigung strafbar wie die Vergewaltigung eines Mannes. Diese beiden Punkte wurden vor heute zwanzig Jahren im Gesetz geändert.
Heute spielt es bei der Vergewaltigung keine Rolle mehr, ob die beteiligten Personen miteinander verheiratet sind oder nicht: Wer den Beischlaf vollzieht, obwohl die andere Person sich dagegen wehrte, musste seit 1997 damit rechnen wegen Vergewaltigung vor Gericht gestellt zu werden.
Aber dieser Bereich ist sehr schwierig zu be- und sicher auch zu verurteilen. Es gibt kaum Zeugen neben den beteiligten Personen und wer zeigt schon seinen eigenen Partner an.
Zahlen, wie viele Vergewaltigungen in der Ehe es seit 1997 tatsächlich zu einer Verurteilung gebracht haben, konnte ich leider auch nicht finden.
Sollte es sich also doch eher um eine Symbolpolitik handeln? Einerseits vermutlich schon, aber es ist ein wichtiges Symbol! Eines, was den Opfern zeigt, dass es nicht in Ordnung ist, was mit ihnen gemacht wird. Eines, das Kraft geben soll, aufzustehen und sich zu Wehr zu setzen! Eines, das zeigt: keiner muss es hinnehmen vergewaltigt zu werden – auch nicht innerhalb der eigenen Partnerschaft! Beischlaf ist keine Pflicht!

Es gibt auch Personen, die das Thema etwas anders beurteilen und diese Gesetzesänderung anscheinend für überflüssig halten wie beispielsweise Anne. Sie schreibt in ihrem Artikel zum Thema:

„Mit der Einführung der Strafbarkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ wurde staatlicherseits die Ehe abgewertet. Grundsätzlich geht es Außenstehende nämlich überhaupt nichts an, was Ehepartner im Rahmen ihrer Ehe miteinander treiben."

Mit dieser Auffassung würde man aber auch jegliche Gewalt legitimieren sofern sie innerhalb einer Ehe stattfindet. Und wenn ein Opfer dann gehen will, wird es eben eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt – aber den Staat geht das Ganze ja überhaupt nichts an!
Doch, der Staat ist in der Verantwortung, seine Bürger zu schützen und auch innerhalb einer Ehe, sollte jeder noch als eigenständiger schützenswerter Bürger wahrgenommen werden. Man gibt doch nicht seine Menschenrechte bei der Hochzeit ab!
 
Die erste Aussage wird allerdings ein klein wenig abgeschwächt dadurch, dass Anne auf die bereits vor 1997 bestehenden Gesetze verweist, die sexuelle Nötigung durchaus auch innerhalb der Ehe bestrafen.

Ich muss zugeben, dass ich Annes Sicht ein klein wenig nachvollziehen kann, da ich selber auch mal so bzw. ähnlich gedacht habe: Vergewaltigung innerhalb der Ehe ist doch unlogisch, da man ja einerseits sowieso gerne miteinander Sex hat und andererseits natürlich aus Liebe und Rücksicht dem anderen Gegenüber handelt (also nicht zum Sex zwingen bzw. auch mal dem Sex zustimmen, wenn man Selbst gerade nicht ganz so geil ist).
Und dieser Meinung bin ich eigentlich noch immer, aber eben nicht im Bezug auf die Ehe. Der Unterschied ist, dass das von mir genannte Verhalten das Übliche in einer glücklichen Partnerschaft zweier sich liebender Personen ist. Aber weder ist eine solche Partnerschaft an eine Ehe gebunden, noch bedeutet eine Ehe zwangsläufig glückliche Partnerschaft.
Ich denke daher: In einer glücklichen Partnerschaft kann es keine Vergewaltigung geben, innerhalb der Ehe (die vielleicht zu Beginn mal eine glückliche Partnerschaft war) allerdings schon.

Nicht alle Eheleute sind dauerhaft glücklich miteinander, so manch einer bleibt nur noch wegen der Kinder beim Partner, was nicht bedeutet mit diesem weiterhin Sex haben zu wollen. Auch möglich, dass ein Alkoholiker sich volltrunken dann gerne mal holt, was er denkt, dass ihm gehört – ohne Rücksicht. Es gibt viele denkbare Szenarien für eine Vergewaltigung in der Ehe, die in jedem Fall strafbar sein sollten.

Die Frage, die sich dann stellt ist natürlich, warum geht das Opfer nicht statt sich weiterhin diesen Zuständen auszusetzen? Die Antwort ist einerseits ziemlich einfach und simpel, aber andererseits für die Menschen in einer solchen Situation dennoch schwer zu ändern: Gewohnheit. Menschen hassen Veränderungen und Unsicherheiten und die jetzige Situation ist immerhin eine bekannte Situation, man muss nichts verändern. Außerdem hat man immer noch die Hoffnung, dass es vielleicht so wird wie früher. Nicht jeder Mensch hat einen so starken Charakter und das Selbstbewusstsein, dass er es schafft sich möglichst schnell aus einer solchen Beziehung zu lösen.
Leute wie Anne (oder auch ich selbst) hätten vermutlich die Kraft dazu, aber die Gesetze sind eben dazu da auch die Schwächsten zu schützen und das sind in solchen Situationen eben jene, die nicht die Kraft haben! Dafür braucht es dieses Gesetz: Um Täter und Opfer klar zu machen, dass das, was geschieht nicht in Ordnung ist und bestraft werden muss!

Es haben sich bereits weitere Blogger mit dem Thema auseinandergesetzt:

Donnerstag, 4. Mai 2017

Ein Bett ist keine Erwartungshaltung


Es gibt mehrere Situationen, bei denen ich mit einer weiteren Person in einem Bett lieg/schlafe. Die bekannteste ist sicherlich auch, dass ich die Person sexuell anziehend finde und es Sex gibt, aber es gibt meiner Meinung nach noch haufenweise anderer guter Gründe, eine gemeinsame Nacht (und nein, damit ist kein Sex gemeint!) miteinander zu verbringen. Beispielsweise ein DVD-Abend im gemütlichen Bett (speziell in einer WG gibt es oft nur ein gemeinsames Wohnzimmer oder eben das Bett für diesen Zweck) oder nach dem Feiern zu betrunken und/oder zu müde, um noch nach Hause zu fahren.
Und ich muss zugeben, dass ich auch bei Freunden lieber im Bett schlafe und noch lange Gespräche bis in die Nacht führe statt einsam und alleine auf dem Sofa zu übernachten.
Wo ist überhaupt der Vorteil, wenn man auf dem Sofa übernachtet statt im Bett. Ich sehe da keinen Sinn drin – außer natürlich der unterstellten sexuellen Komponente, die von anderen mit ins Spiel gebracht wurde aus dem Weg zu gehen.
Anne schreibt in ihrem Text „Zwei in einem Bett“:

„Ich würde niemals auf die Idee gekommen, mich mit jemandem ins Bett zu legen, mit dem ich keinen Sex haben wollte (was nicht impliziert, dass der Sex tatsächlich sofort stattfinden muss).“

Aus meiner Sicht impliziert diese Aussage aber, dass mit dem gemeinsamen Bett eine Erwartung nach Sex verknüpft ist. Das bedeutet, Anne selbst legt sich nicht mit jemanden ins Bett, mit dem sie keinen Sex möchte. Und in der Bewertung einer anderen Situation (die der ursprüngliche Ausgangspunkt der Diskussion war), legt sie einen ähnlichen Maßstab auch an andere an. Das bedeutet also, wenn ich mich zu jemandem ins Bett lege, muss ich damit rechnen, dass derjenige versucht, mit mir zu schlafen. Das finde ich sehr merkwürdig.
Und vor allem finde ich es auch merkwürdig, welches Männerbild damit einhergeht: Der Mann, der bei einer Frau in seinem Bett nicht an etwas anderes als Sex denken kann, von seinem Trieb geleitet/bestimmt. Obwohl Anne auch erwähnt, dass es Männern wohl möglich ist, diesen zu unterdrücken. Also nochmal Glück gehabt: Männer sind wohl doch keine völlig triebgesteuerten Tiere, die gleich über einen herfallen, wenn man sich zu demjenigen ins Bett legt.

Ob es mit jemandem zum Sex kommt, mit dem ich in einem Bett liege, hängt vor allem auch von der Beziehung zueinander ab, die bereits zuvor bestand. Es gibt bei mir Freunde, die ich sehr anziehend finde und mit denen ich auch Sex habe und diejenigen, die ich in gewisser Weise als asexuelle Wesen wahrnehme und dann noch diejenigen, mit denen ich mir sexuell was vorstellen könnte, aber die nicht mit mir. Wenn man sich freundschaftlich gut versteht, sehe ich dennoch überhaupt kein Problem dabei, mich zu jemandem ins Bett zu legen – auch wenn ich weiß, es gibt kein Sex bzw. ich kein Sex mit der Person will.

Ich gehe da von der Eigenverantwortung aus: Jeder ist für sich und seine Gefühle selbst verantwortlich. Wenn jemand nicht damit klarkommt, dass ich halbnackt neben demjenigen liege und schlafe (aber nicht mit ihm schlafe), dann sollte derjenige mich am besten gar nicht in sein Bett lassen bzw. sich nicht in meines legen. Kommentare wie die folgenden auf eben diese Aussage haben mich dann schon etwas schockiert:  

„Im Endeffekt ist „jeder ist für sich selbst verantwortlich“ vor allem eines: eine bequeme Ausrede, seinen Mitmenschen beliebig auf den Kopf zu schei***. Ich nenne es wie es ist: asozial.“

„Wer die unterschiedliche *Reaktion* auf „zusammen Eis essen gehen“ und „zusammen in einem Bett schlafen“ abkanzelt mit „Jeder ist für seine Gefühle alleine verantwortlich“, der negiert auf eine fundamentale Weise die Tatsache dass sein Handeln Konsequenzen hat. Besonders perfide ist das, wenn diese Konsequenzen unangenehm (für einen selbst) sind. In diesem Fall ist „Jeder ist für seine Gefühle alleine verantwortlich“ nichts anderes als dem anderen etwas in die Schuhe zu schieben und den eigenen Anteil auszublenden.“

Um welche Konsequenzen geht es hier? Wohlmöglich sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung? Nein verdammt! Dafür ist genau eine Person verantwortlich: Derjenige der nötigt und/oder vergewaltigt und niemand sonst.
Wie ich schon einmal schrieb: Männer sind keine triebgesteuerten Tiere! Eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung ist niemals die Schuld der entsprechenden Frau (oder auch des Mannes), sondern immer des Täters (aka Täterin)!
Natürlich gehe ich auch davon aus, dass man als Frau deutlich macht, was man will und was nicht, wenn man das nicht tut, sondern bei sexuellen Handlungen aus irgendeinem ominösen Pflichtgefühl mitmacht (ja weil man vielleicht so einen Unsinn gehört hat, dass man selbst schuld ist, wenn man sich zu jemanden ins Bett legt), dann ist man tatsächlich selbst schuld. Man muss sich eben auch mitteilen! Der andere muss natürlich wissen, dass Berührungen o.ä. nicht erwünscht sind!

Was mich freut ist, dass Anne innerhalb der Kommentardiskussion bemerkt:

„Wie die Diskussion hier zeigt, ist dies eigentlich einfache Thema doch sehr von unterschiedlichen Grundannahmen geprägt.
Wenn zwei Menschen, die dies gegensätzlich sehen, gemeinsam in einem Bett landen, sind Missverständnisse vorprogrammiert.“

Und genau damit hat sie absolut Recht und deshalb ist auch Kommunikation so wichtig. Ich hatte zu Beginn der Diskussion den Eindruck, dass es für Anne eine Selbstverständlichkeit ist, sich nicht mit einer Person in ein Bett zu legen, mit der sie keinen Sex will und dass sie bisher davon ausgegangen ist, das sei bei allen so, man wecke falsche Erwartungen, wenn man das macht.
Aber ein Bett ist keine Erwartungshaltung! Es gibt die mündliche Kommunikation und auch die körperliche: Wenn jemand körperlich wird und ich zeige, dass es mir gefällt, ist es ok. Wenn mich jemand anfasst und ich ihm deutlich mache, dass er das zu lassen hat, dann muss das respektiert werden – so einfach ist das. Und dabei ist es völlig egal, ob wir gemeinsam auf einer Parkbank sitzen oder im Bett liegen.
 
 

Anmerkungen:
Ausgangspunkt war ursprünglich dieser Text bei kleinerdrei, in dem eine Frau rückblickend ein Erlebnis aus ihrer Jugend beschreibt. Dieses Erlebnis kategorisiert sie in der Rückschau als sexuelle Gewalt, was sie damals nicht so wahrnahm.

Als Reaktion darauf schreibt Christian bei AllesEvolution einen Text  in dem er die Meinung vertritt, dass sie selbst mitverantwortlich ist und es sich nicht um sexuelle Gewalt handelte, da sie ja immer wieder zu ihm ging und sich mit ihm in ein Bett legte.

Darauf hat Anne mit „Zwei in einem Bett“ reagiert


 

Sonntag, 30. April 2017

ALMA

Heute möchte ich euch mal eine tolle Sängerin/Songschreiberin vorstellen. Ihre Songs gehen mir seit Tagen nicht aus dem Kopf und so dachte ich mir, das sollte euch genauso gehen ;)

Wer ab und zu mal Radio hört, der kennt die Stimme vermutlich: ALMA, ihr Song "Bonfire", den sie gemeinsam mit Felix Jaehn gemacht hat, ist dort in letzter Zeit häufiger zu hören.
Mir persönlich gefällt aber auch das Lied Karma noch ein wenig besser bzw. ist das gerade mein aktueller Ohrwurm, daher:



Auch die Texte von Alma sind mitreißend und einfach toll! Ich hoffe, da kommt bald das Album!

Freitag, 28. April 2017

Sex: Das erste Mal

Mein erstes Mal war geplant, mit dem Richtigen und wunderschön.
Was hatte ich bis dahin alles über das erste Mal gehört:
 
„Beim ersten Mal tut es immer weh!“
„Das erste Mal ist immer scheiße, aber mit der Zeit wird es besser!“
„Es ist normal, dass es blutet!“
„Jeder ist aufgeregt“
„Ich war einfach nur froh, dass ich es endlich hinter mir hatte!“
 
Kaum jemand in meinem Umfeld, der das erste Mal Sex wirklich als etwas Positives erlebt hat. Da war der Freund, der mit 13 angetrunken auf einer Party von einer über zehn Jahre älteren Frau entjungfert wurde oder die Freundin, die mit ihrem Freund geschlafen hat, weil er sie ja sonst verlassen hätte. Eine andere Freundin, die unbedingt mal endlich Sex haben wollte, weil es ja peinlich sei, dass man mit 17 noch Jungfrau sei. Dass die Nummer auf einem Festival dann auch nicht unbedingt das Wahre war, muss man wahrscheinlich nicht extra erwähnen.
Und dann war da ich. Ich wusste ziemlich genau, dass ich nicht einfach mit irgendwem Sex haben wollte, sondern nur mit dem Richtigen, den ich auch liebe.
Ich wollte, das das erste Mal etwas Schönes und Besonderes wird und nicht so wie ich aus meinem Umfeld ständig zu hören bekam (scheiße und schmerzhaft). Als ich mit im Alter von 13 mit Freundinnen im Urlaub am Strand am Abend heimlich eine weitere Freundin (sie war damals so 15 oder 16) beobachtet habe, wie sie Sex hatte – wir waren neugierig, da sie sich ständig heimlich mit dem Kellner des Restaurants getroffen hat – fand ich das so am Strand mit Sternenhimmel total schön und romantisch. Und zu dem Zeitpunkt lag mein eigenes erstes Mal zwar noch weit in der Zukunft, aber ich wusste, dass ich das am Strand haben wollte.
Ich hatte also schon recht früh ziemlich genaue Vorstellungen davon, was ich für mein erstes Mal wollte: Sex mit dem Mann, den ich liebe und das an einem romantischen Strand unter Sternenhimmel.
 
Während ich also mit Freundinnen lustige Pornoabende veranstaltete, fast mal mitbekommen hätte, wie eine Freundin im Bett neben mir am vögeln war und die Bezeichnung für attraktive Jungs in unserem Freundeskreis einfach nur „fickbar“ statt attraktiv oder hübsch war, wartete ich auf den Richtigen.
Ich war auch ganz froh darüber, dass ich mich nicht auf solche Nummern eingelassen habe, als eine Bekannte mit 15 dann auf Youporn von der ganzen Schule zu bewundern war. Als sie auf einer Party im Elternschlafzimmer Sex hatte, wurde das durch den Türspalt gefilmt und online gestellt – zu sehen war beinahe nichts. Aber jeder wusste Bescheid und zu hören war sie natürlich auch.
Zur Polizei ist wegen der Nummer niemand gegangen, der Film war dann ein paar Tage online.
 
Was mich und Jungs anging, war ich einfach sehr schüchtern und unsicher. Ich meine, da waren zwar die Freunde, mit denen man ganz normal umgehen konnte, aber ich hätte diejenigen nie als potenzielle Sexualpartner wahrgenommen.
Eigentlich kann ich mich noch heute darüber wundern, dass ich überhaupt mal ein erstes Mal hatte. Das verdanke ich dann meinem Traumprinzen, der wirklich sehr hartnäckig war, wenn es darum ging, mich näher kennenzulernen.
Er war der beste Freund des Freundes einer Freundin und so nicht ein völlig fremder Mann, der mir Angst machte. Es war normal, dass ich nach der Arbeit (ich arbeitete zu der Zeit neben der Schule Abends bzw. Nachts in einer Coktailbar) noch gerne mit Arbeitskollegen und Freunden gemeinsam ausgingen. Und so habe ich dann auch irgendwann meinen Freund kennengelernt, man ging gemeinsam aus und anschließend noch zu Freunden usw. Und obwohl ich selbst mich immer zurückhielt und anfangs mich nie mit ihm alleine (meist Treffen zu viert) traf, gab er nicht auf und irgendwann trafen wir uns auch alleine, gingen Essen, feiern usw. Wir kamen uns näher und küssten uns und mal übernachtete ich auch bei ihm. Sex gab es noch nicht. Ich war Jungfrau und wollte ja, dass das erste Mal perfekt wird.
Aber irgendwann war da auch das Verlangen nach Sex – von beiden Seiten. Und da ich ihm von meiner Traumvorstellung erzählt hatte, planten wir ein Campingwochenende auf einem Campingplatz mit Sandstrand. Und als es dann am Abend ruhig wurde auf dem Campingplatz schnappten wir uns eine Decke und gingen zum Strand: Es war alles genauso wie ich es mir vorgestellt habe: der Richtige Mann, der Sternenhimmel, der Sex (ganz ohne Schmerz und Blut) – leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass es auf dem Campingplatz Personen gab, die die ganze Nacht umherliefen, um sich um die Einhaltung der Regeln bezüglich Nachtruhe zu sorgen. Als uns also dieser Wachmann sah (und ich konnte sein hochrotes Gesicht im Schein des Mondes erkennen), wies er uns darauf hin, dass wir bei seiner nächsten Runde weg sein sollten, da es nachts verboten sei, sich am Strand aufzuhalten. Nachdem er weg war, mussten wir beide loslachen: Ich glaube, das war ihm tatsächlich unangenehmer als uns.
 
Für mich war es so wie es war sehr gut. Es war definitiv die richtige Entscheidung auf den richtigen Menschen zu warten. In dem Moment wusste ich aber auch, dass ich selbst das Verlangen danach hatte, endlich Sex zu haben – nicht weil es ungewöhnlich ist, in dem Alter Jungfrau zu sein oder um irgendjemand weiß zu beweisen, sondern wegen des Gefühls selbst!
Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen sich Gedanken machen, was sie selbst wollen und auch versuchen, das umzusetzen statt sich in irgendwelche Betten zu werfen, weil man das so macht oder weil der Freund sonst Schluss macht.
Junge Menschen sollten selbstbewusst zu dem stehen, was sie wollen und was sie nicht wollen und sich da nicht reinreden lassen, dann wird das erste Mal auch zu einem schönen Erlebnis und nichts, was sowieso scheiße ist!
 
 

Mittwoch, 26. April 2017

Was ist eigentlich dieses Rechtsstaat

Ein Mann dealt mit Drogen, eine Frau kauft häufiger bei ihm ein. Als sie mal wieder bei ihm ist, gibt es wilden Sex zwischen beiden. Aus ihrer Sicht eine Vergewaltigung, aus seiner nicht.
Es kommt zur Verhandlung und der Frau wird die entscheidende Frage gestellt, ob es möglich sei, dass der Mann dachte, sie sei einverstanden. Darauf antwortet sie, dass sie nicht sicher sagen beurteilen kann, ob der Mann das Geschehen aus seiner Sicht nicht für wilden Sex gehalten hatte.
Die Folge ist ein Freispruch.
Ein Freispruch der von vielen Lesern der Seite „Edition F" folgendermaßen kommentiert wird:

Was müssen Frauen den zukünftig mit dabei haben, wenn sie einem Mann begegnen, ein aufklappbares Schild auf dem in riesigen Lettern NEIN steht!!! Dieses Urteil darf doch wohl nicht wahr sein!

„Hallo Richterin, wenn die Frau unter Drogen steht muss der Mann sich ihr Einverständnis explizit immer wieder holen! Sonst macht er sich strafbar!! Neues Gesetz lernen!!!

„Unfassbar, wo leben wir hier eigentlich?“

„Nein heißt nein und selbst die dumme Richterin glaubt angeblich dem Opfer aber geht davon aus dass der dumme Kerl das nicht verstanden hat und zwar hat die Richterin recht, dass Männer schwer von Begriff sein können aber jeder versteht die Definition von nein.“

„Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte!

„Boah, das ist so ekelhaft…“

„Nur weil man durch Drogenkonsum eventuell vernelbelt ist und er sich nicht mehr beherrschen konnte und angeblich nicht weiß was er tat, hat er sie dennoch vergewaltigt. Das ist ein Fakt und dafür sollte er zumindest in eine Anstalt kommen, damit er mit etwas Glück behandelt werden kann. Das wäre das mindeste!

„Ich könnte kotzen!“

Ja verdammt, ich könnte auch kotzen, wenn ich so etwas lese! Ich habe den Eindruck diesen Menschen ist überhaupt nicht klar, was Rechtsstaat bedeutet. Am liebsten würden sie wohl Fackeln und Mistgabeln wieder herausholen und Jagd auf den vermeintlichen Vergewaltiger machen. Zum Teil wohl auch auf die „dumme Richterin“.
Egal wie sehr man sich anstrengt und dagegen argumentiert, diese Menschen begreifen nichts und solche Kommentare wie die hier zitierten bekommen haufenweise Unterstützung.

Ein Gericht hatte nach dem beschriebenen Sachverhalt (viel mehr geht aus dem Bericht leider nicht hervor) gar keine andere Möglichkeit als den Angeklagten freizusprechen. Wenn nicht mal das Opfer sicher aussagt, dass ihm hätte klar sein müssen, dass sie den Sex nicht gewollt hat. Mit welcher Berechtigung sollte ein Gericht dann den Mann dafür verurteilen, dass er sich über den „erkennbaren“ Willen des Opfers hinweggesetzt hat?

Mich machen diese öffentlichen Reaktionen wütend! Wie kann es sein, dass Menschen ernsthaft der Meinung sind, da hätte ein anderes Urteil gefällt werden müssen? Wie kann es sein, dass Menschen öffentlich hier Richterin und Beteiligte beleidigen ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Wie kann es sein, dass genau solche Kommentare auch noch die größte Unterstützung erfahren?
Ich hoffe, dass solche Menschen niemals in die Lage kommen werden, über Gesetze bzw. deren Auslegung zu entscheiden! Ich hoffe, dass irgendwann mal ein klein wenig Vernunft in die Köpfe der Menschen eindringt…  Und vielleicht werden sie dann ja auch begreifen, was das eigentlich bedeutet, dieses Rechtsstaat!