Mittwoch, 26. April 2017

Was ist eigentlich dieses Rechtsstaat

Ein Mann dealt mit Drogen, eine Frau kauft häufiger bei ihm ein. Als sie mal wieder bei ihm ist, gibt es wilden Sex zwischen beiden. Aus ihrer Sicht eine Vergewaltigung, aus seiner nicht.
Es kommt zur Verhandlung und der Frau wird die entscheidende Frage gestellt, ob es möglich sei, dass der Mann dachte, sie sei einverstanden. Darauf antwortet sie, dass sie nicht sicher sagen beurteilen kann, ob der Mann das Geschehen aus seiner Sicht nicht für wilden Sex gehalten hatte.
Die Folge ist ein Freispruch.
Ein Freispruch der von vielen Lesern der Seite „Edition F" folgendermaßen kommentiert wird:

Was müssen Frauen den zukünftig mit dabei haben, wenn sie einem Mann begegnen, ein aufklappbares Schild auf dem in riesigen Lettern NEIN steht!!! Dieses Urteil darf doch wohl nicht wahr sein!

„Hallo Richterin, wenn die Frau unter Drogen steht muss der Mann sich ihr Einverständnis explizit immer wieder holen! Sonst macht er sich strafbar!! Neues Gesetz lernen!!!

„Unfassbar, wo leben wir hier eigentlich?“

„Nein heißt nein und selbst die dumme Richterin glaubt angeblich dem Opfer aber geht davon aus dass der dumme Kerl das nicht verstanden hat und zwar hat die Richterin recht, dass Männer schwer von Begriff sein können aber jeder versteht die Definition von nein.“

„Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte!

„Boah, das ist so ekelhaft…“

„Nur weil man durch Drogenkonsum eventuell vernelbelt ist und er sich nicht mehr beherrschen konnte und angeblich nicht weiß was er tat, hat er sie dennoch vergewaltigt. Das ist ein Fakt und dafür sollte er zumindest in eine Anstalt kommen, damit er mit etwas Glück behandelt werden kann. Das wäre das mindeste!

„Ich könnte kotzen!“

Ja verdammt, ich könnte auch kotzen, wenn ich so etwas lese! Ich habe den Eindruck diesen Menschen ist überhaupt nicht klar, was Rechtsstaat bedeutet. Am liebsten würden sie wohl Fackeln und Mistgabeln wieder herausholen und Jagd auf den vermeintlichen Vergewaltiger machen. Zum Teil wohl auch auf die „dumme Richterin“.
Egal wie sehr man sich anstrengt und dagegen argumentiert, diese Menschen begreifen nichts und solche Kommentare wie die hier zitierten bekommen haufenweise Unterstützung.

Ein Gericht hatte nach dem beschriebenen Sachverhalt (viel mehr geht aus dem Bericht leider nicht hervor) gar keine andere Möglichkeit als den Angeklagten freizusprechen. Wenn nicht mal das Opfer sicher aussagt, dass ihm hätte klar sein müssen, dass sie den Sex nicht gewollt hat. Mit welcher Berechtigung sollte ein Gericht dann den Mann dafür verurteilen, dass er sich über den „erkennbaren“ Willen des Opfers hinweggesetzt hat?

Mich machen diese öffentlichen Reaktionen wütend! Wie kann es sein, dass Menschen ernsthaft der Meinung sind, da hätte ein anderes Urteil gefällt werden müssen? Wie kann es sein, dass Menschen öffentlich hier Richterin und Beteiligte beleidigen ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Wie kann es sein, dass genau solche Kommentare auch noch die größte Unterstützung erfahren?
Ich hoffe, dass solche Menschen niemals in die Lage kommen werden, über Gesetze bzw. deren Auslegung zu entscheiden! Ich hoffe, dass irgendwann mal ein klein wenig Vernunft in die Köpfe der Menschen eindringt…  Und vielleicht werden sie dann ja auch begreifen, was das eigentlich bedeutet, dieses Rechtsstaat!

Montag, 24. April 2017

Palmers und die Osterhösschen

Dieses Foto des Unterwäscheherstellers „Palmers“ war am Osterwochenende der Auslöser für einen starken Shitstorm. Wobei sich auch einige Prominente des hinteren Alphabets eingemischt und sich so in die Schlagzeilen gespielt haben (siehe Corinna Milborn)



Ich persönlich finde das Bild nicht schlimm, eigentlich gefällt es mir aus künstlerischer Perspektive sogar. Gründe, warum nackte Frauen in der Werbung nichts zu suchen haben, gibt es oft haufenweise (insbesondere fehlender Produktbezug), aber hier besteht ein ganz klarer Bezug zum beworbenen Produkt: Es geht um Unterhosen.
Mein erster Eindruck bei dem Foto war: Es erinnert mich an ein Osterpicknick an einem Lost Place, links liegen Ostereier, hinten das Moos ist die frühlingshafte Natur, die ein wenig in das verlassene Haus eindringt.
Auf Facebook und Twitter gab es allerdings haufenweise negativer Kommentare wie folgende:

„Bei dem Bild hofft man, dass im nächsten Moment eine Polizeieinheit die Sklavenhütte stürmt und die Mädchen befreit.“

„Die Models sehen aus wie Kinder."

„Die neue Palmers-Osterwerbung sieht aus wie ein verhungerter Kindergeburtstag“

„6 verhungerte Kids vor einem Haufen Gras“

„Mmm, was ist das, ein Storyboard für einen kranken, österreichischen Sexualmordthriller? Sechs halbwüchsige Mädchen im Dreck, die sich nicht umdrehen dürfen? In dem Haufen Mist vor ihnen gibt es sicher nix zu sehen. Wo ist der Teil, bei dem Ostern ("Osterhöschen") ins Spiel kommt?“

„Ein Ostergeschenk an die Pädophilen und Frauendegradierer, ganz toll, Palmers. WTF?“

„alle frauen auf osterurlaub dass hier untergewichtige kinder exponiert werden werden? sehr abschreckendes foto. Alles andere als sexy leude... AUFWACHEN BITTE! die modelhungerhaken geschichte funktioniert von vorne halbwegs aber nie und nimmer von hinten, da weibliche (und legale!) rundungen einfach ein paar kilos brauchen damit das weiblich ausschaut und nicht an ein kind erinnert...“

(alle Rechtschreibfehler sind original ;) )

Das Traurige ist, dass diese Kommentatoren der Meinung sind, dass sie moralisch überlegen sind und die Guten. Das betriebene Bodyshaming (unter dem leider immer mehr Frauen – egal welcher Optik –  zu leiden haben) interessiert sie dabei nicht. Wenn erwachsene Frauen als verhungerte Kinder bezeichnet werden, kann man das nicht anders als beleidigend sehen.
Auch Worte wie „Sklavenhütte“ oder „Modelhungerhaken“ sind nicht unbedingt gerade positive Bezeichnungen für die Frauen. Warum haben Frauen es nötig, so auf anderen herumzuhacken?
Wie unzufrieden muss man eigentlich mit sich selbst sein, um die Körper anderer Frauen mit solchen sexistischen, beleidigenden Begriffen zu beschreiben?

Ich mag das Bild aus künstlerischer Sicht. Finde die Körper der Models für mich auch nicht sexuell ansprechend/attraktiv, aber das ist mein persönlicher Geschmack und ich sehe deshalb keinen Grund, sie irgendwie zu beleidigen.
Ich finde das Bild als Werbemotiv jetzt auch nicht so weltbewegend, dass ich einen solchen Shitstorm wie es verursacht hat, erwartet hätte. Oft habe ich bei Bildern/Werbung, die einen Shitstorm provoziert hat, auch den Verdacht, dass das bewusst von den Firmen eingesetzt wird: So bleibt man im Gespräch. Und es gibt schließlich auch noch den Spruch: „Jede Art von Presse ist gute Presse“ Und immerhin sind mit Sicherheit einige Personen nun auf die Marke „Palmers“ aufmerksam geworden, die sich zuvor nicht damit beschäftigt haben. Und wenn man in ein paar Monaten oder Jahren irgendwo im Kaufhaus „Palmers“ liest, dann wird man nicht an das Motiv, aber daran, dass man von denen schon mal gehört hat, denken – erstklassiger Werbeeffekt.
Also ich denke, Palmers hat alles richtig gemacht. Und eine Moderatorin, die bei dem Werbefoto als erstes an Menschenhändler und verschleppte Mädchen und Frauen denken muss, ist vielleicht auch ein klein wenig „betriebsblind“ und sollte auch erstmal überlegen, was sie sagt, bevor sie so eine scheiße raushaut! Nein, damit verteidige ich jetzt nicht Felix Baumgartner, denn Beleidigung und Sexismus mit ebensolchem zu beantworten ist und sollte nicht der richtige Weg sein!  

Freitag, 21. April 2017

Neurotypische verstehen - eine Satire

Ich habe wiedermal einen großartigen Artikel in den Weiten des Internets gefunden: „Neurotypische verstehen –Übersetzung einer Satire“ (im Original auf Englisch)

Am liebsten möchte ich den ganzen Artikel hier zitieren, werde mich aber wohl wieder auf einige kurze Abschnitte beschränken – und evtl. ein paar eigene Gedanken ergänzen.
Zu Beginn aber kurz die Erklärung, was eigentlich „Neurotypische“ sind. Wikipedia sagt dazu:

„Neurotypisch ist ein Neologismus, der benutzt wird, um Menschen zu charakterisieren, deren neurologische Entwicklung und Status mit dem übereinstimmen, was die meisten Menschen als normal bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten und Sozialkompetenzen betrachten.“

Und jetzt geht’s los: ;)

"Nahezu alle neurotypischen Individuen zeigen drei wesentliche Beeinträchtigungen:
- die Unfähigkeit, unabhängig von einer sozialen Gruppe zu denken,

- ausgeprägte Beeinträchtigungen beim logischen und kritischen Denken
- sowie das Unvermögen Spezialinteressen zu entwickeln (abseits sozialer Interessen).

Meine Hoffnung ist, dass dieser Artikel uns dabei hilft, die verschiedenartige Welt der Neurotypischen zu verstehen"

Meine Hoffnung ist ja ein klein wenig, dass dieser Artikel dabei hilft, dass Neurotypische auch Menschen verstehen, die eben nicht so sind wie sie. Dadurch, dass hier bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen dargestellt werden, die eben hauptsächlich auf Neurotypische zutreffen. (auch wenn das Ganze natürlich überspitzt satirisch formuliert ist)

„Neurotypische Individuen offenbaren Schwierigkeiten bei der Bildung einer individuellen Identität, bzw. außerhalb der Grenzen der akzeptierten Normen ihrer sozialen Gruppen zu denken. Offensichtlich besitzt jede Gruppe, zu der ein Neurotypischer gehört, ihre eigenen „offiziellen“ Ansichten, und jeder Neurotypische innerhalb dieser Gruppe soll diese Überzeugungen übernehmen. So seltsam das klingt, sie tun das oft sehr bereitwillig und zögern nicht dabei, diese Überzeugungen zu verstärken und die Gruppenhomogenität zu dieser Überzeugung zu gewährleisten. (…)Der bizarre Mangel an Unabhängigkeit erklärt die Neigung der Neurotypischen, sich für verschiedenste Modeerscheinungen zu begeistern, oder für bestimmte Trends.“

Der allen bekannte Gruppendruck, der sich natürlich auch in erster Linie bei Neurotypischen zeigt. Was mit ein Grund dafür ist, dass ich lange Zeit diesen als nichtexistent geglaubt habe – da ich persönlich das so nicht kenne. Und aus neurotypischer Sicht ist es tatsächlich so, dass ich demgegenüber immun bin.  Wie wohl die meisten nicht neurotypischen Personen.

„Die überentwickelten sozialen Zentren im neurotypischen Gehirn sind zudem für ihren merkwürdigen, ineffizienten Kommunikationsstil verantwortlich. Wir haben alle schon die seltsame Tendenz der Neurotypischen gesehen, die ihre wahren kommunikativen Absichten unter Schichten häufig widersprüchlicher Aussagen verbergen. Sie neigen dazu, Sachen eher implizit als explizit festzustellen, und so vage, dass daraus oft Missverständnisse resultieren.“

Dieser Abschnitt beschreibt tatsächlich eines der größten Probleme, dass ich mit neurotypischen Menschen habe; Sie neigen nicht nur dazu selbst ihre eigenen kommunikativen Absichten zu verbergen, sondern unterstellen dies ebenso häufig anderen. Sie gehen per se davon aus, dass alle Menschen in der Kommunikation sich ebenso widersprüchlich verhalten wie sie selbst und versuchen selbst bei eindeutigen und expliziten Aussagen irgendwelche impliziten Gedanken zu entdecken.

„Sie sind unfähig, Dinge direkt in einer Weise auszudrücken, die leicht und unzweideutig von jedem, der die Sprache versteht, interpretiert werden kann. Sie sind außerdem in ihrer Fähigkeit begrenzt, Aussagen direkt zu interpretieren, ohne zwischen den Zeilen zu lesen versuchen; sie missverstehen auf diese Art oft die grundlegendsten Aussagen.“

Genau davon kann ich ein Lied singen: Immer und immer wieder werden meine Aussagen von Neurotypischen falsch interpretiert, weil versucht wird zwangsweise etwas zwischen den Zeilen zu lesen (auch wenn es gar nicht da ist). Selbst die einfachste und direkteste Aussage wird auf diese Art und Weise uminterpretiert und so missverstanden…

Ein weiterer interessanter Punkt ist:

Üblicherweise sind bei Neurotypischen das Bild nach außen und ihr Status wichtiger als effektive Kommunikation und generell die Wahrheit. Auf diese Art ist die Kommunikation unter Neurotypischen sehr beschränkt und die Furcht davor, als dumm gesehen zu werden, hält jeden Beteiligten davon ab, den Wahrheitsgehalt der Unterhaltung zu überprüfen. Entsprechend bleiben die meisten Kommunikationspannen von zumindest einem, wenn nicht allen Neurotypischen, die sich an einer derartigen Unterhaltung beteiligen, unentdeckt.“

Und genau das ist wieder etwas, was für mich persönlich sehr schlecht zu verstehen und nachzuvollziehen ist: Wenn es selbst zu so vielen Kommunikationspannen und Missverständnissen unter Neurotypischen selbst kommt, warum besinnt man sich dann nicht und ändert seine Art der Kommunikation? Oder versucht zumindest nachzufragen, wenn einem etwas merkwürdig vorkommt.
Ich finde es wirklich erstaunlich wie groß der Stellenwert von Status und Ansehen für eine neurotypische Person sein muss, dass dahinter alles andere zurücksteht…

„Neurotypische Individuen haben typischerweise eine sehr begrenzte Fähigkeit für logisches und rationales Denken. Die neueste Forschung auf diesem Gebiet weist daraufhin, dass neurotypische Menschen nicht fähig sind, ihre Emotionen von ihrer Logik zu trennen, und sie beides oft miteinander verwechseln. Das ist eine offensichtliche Erklärung für die manchmal schreckliche Unlogik, die in neurotypischem Verhalten hervortritt.“

Word! Genau das ist etwas, dass mich selbst immer wieder zur Verzweiflung treibt. Die eigene Unfähigkeit, die Trennung zwischen Logik und Emotionen vorzunehmen geht so weit, dass man von anderen ebenfalls verlangt, überall Emotionen mit hineinzumischen (auch wenn diese bei einer rein sachlichen Betrachtung der meisten Sachverhalte wenig verloren haben). Und wenn wir das dann nicht tun, wird einfach eine Emotion von den Neurotypischen in eine Aussage hineingedeutet. Meist etwas wie „rücksichtslos“ oder auch „gefühlskalt“.
Obwohl ich Logik und Emotion trenne, kann ich einen Sachverhalt sehr wohl unter emotionalen Gesichtspunkten betrachten – ich habe nur Probleme damit, diese beiden Ebenen zu vermischen. Da dadurch für mich keine wirklich gewinnbringende Diskussion zustande kommen kann.

Das waren die für mich wichtigsten/herausstechenden Punkte an dem Artikel, die eben auch gut teilweise Probleme, die hier auf dem Blog aufgetreten sind, ausdrücken.
Unter satirischen Aspekten finde ich auch den Rest des Artikels ganz toll geschrieben. Und hoffe, dass auf diese Weise vielleicht so manch einem Neurotypischen ein Spiegel vorgehalten wird.
Auch wenn es nichts an der Welt ändern wird und alle Neurotypischen weiter neurotypisch bleiben, so wäre es doch einfach schon ein kleiner Schritt, wenn diese Menschen begreifen könnten, was andere Menschen eben von ihnen unterscheidet – ohne die ein oder andere Variation als besser zu klassifizieren.

Dienstag, 18. April 2017

Außerhalb der Heteronormativität

Zu Beginn kurz eine Definition zum Thema Heteronormativität:

„Heteronormativität ist ein gesellschaftliches Ordnungssystem, welches davon ausgeht, Heterosexualität sei der Natur des Menschen immanent. Somit gilt eine heterosexuelle Vorannahme, welche die Abweichung von der Norm als unnatürlich betrachtet. (…) Diese Ordnung strukturiert nicht nur das Zusammenleben von Menschen, z. B. mit der Untergliederung in Kleinfamilie und der Definitionsmacht von monogamer Liebe und Begehren (Monogamie dabei nicht ausschließlich auf den Sexualakt bezogen), sondern strukturiert die gesamte Vorstellungswelt. (..) Die Heteronormativität durchzieht dadurch alle wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche, sowie die Subjekte selbst.“

Ich persönlich verstehe unter Heteronormativität auch, dass man beispielsweise pauschal annimmt, dass eine Person sich eben heterosexuell verortet, wenn man diese noch nicht genau kennt.
Ich muss sagen, dass ich das selber nicht mache, sondern bei fremden Menschen nicht davon ausgehe, dass diese automatisch hetero sind. Ich denke mir einfach, das wird sich schon ergeben – oder es ist egal.
Aber Menschen in meinem Umfeld machen das. Menschen lesen mich automatisch als hetero, Menschen erwarten, dass ich sie automatisch als hetero lese. (Kommt nicht immer gut an, wenn man einen Heteromann fragt, ob er schwul ist)
Wenn man sich dann nicht wie erwartet typisch hetero benimmt, wenn ich beispielsweise beim Ausgehen mit einer Frau eng tanz und rumknutsche, dann wird man zwar von der Umgebung aus der Schublade „hetero“ kurz aussortiert, aber es braucht Bestätigung:

„Bist du lesbisch?“

„Aber du hattest doch mal einen Freund, also bist du bi?“

„Bist du jetzt plötzlich lesbisch geworden?“

Wieder Kategorien, wo jetzt verlangt wird, dass ich mich zuordne einordne, statt einfach den Abend zu genießen. Auch diese Fragen und Kategorisierungen sind ein Teil der Heteronormativität. Wie oft wurde ich von meinen Begleitern/Bekannten gefragt, ob ich „hetero“ sei, weil ich ähnliches mit einem Mann gemacht habe? Nie!
Aber viel interessanter ist doch: Warum ist es wichtig für den Gegenüber, welches Geschlecht ich anziehend finde? Den einzigen Grund, den ich mir vorstellen kann, warum mich die sexuelle Orientierung einer Person interessiert ist der, dass ich selbst an der entsprechenden Person interessiert bin.

Auch in Film und Fernsehen ist es in fast allen Filmen ein Diskussionsgrund ein wichtiges Thema, wenn einer der Charaktere nicht hetero ist. Schwule Männer werden gerne ganz offensichtlich klischeehaft weiblich dargestellt – auch eine Möglichkeit, die Fragerei und die Diskussion um das Thema nicht ganz so stark zu zeigen, ist ja sowieso klar, bei dem „tussigen“ Verhalten…
Probleme mit der Thematik sind auch oft Thema in Filmen oder Serien: Familie akzeptiert nicht, dass die Tochter nun mit einer Tochter zusammen ist. Irgendein Freund, Freundin wendet sich ab, weil er nicht damit klar kommt, dass sein bester Freund eben auf Männer statt auf Frauen steht.
Es gibt so gut wie keine Filme/Serien, in denen die Heteronormativität einfach ignoriert bzw. nicht dargestellt wird. Darstellungen, in denen es keine Diskussion darüber gibt, welches Geschlecht der Partner hat oder in welche Kategorie der sexuellen Orientierung sich jemand nun einordnet.

Die einzige Ausnahme bisher bildet die Serie „The 100
Nur durch das Verhalten der Charaktere bekommt man deren sexuelle Orientierung in Ansätzen mit. Ich sage in Ansätzen deshalb, weil ich beispielsweise von einem Paar, das aus zwei Männern besteht nicht davon ausgehen kann, dass diese zu 100% homosexuell sind. Eine solche Beziehung schließt nicht aus, dass sie zuvor auch einmal etwas mit Frauen gehabt haben.
Der einzige Charakter, bei dem man ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass sie bisexuell ist, ist die Hauptrolle der Clark Griffin, die zunächst eine Art Affäre mit Finn hat – bis sich herausstellt, dass Finn eigentlich bereits mit Raven zusammen ist. Später dann verliebt Clark sich in Lexa, von der man allerdings nur weiß, dass sie eben Clark liebt und zuvor eine Beziehung zu einer Kostia hatte.
Die sexuelle Orientierung und die ganzen Beziehungsgeschichten spielen auch nicht die Hauptrolle in der Serie, sondern sind häufig einfach Nebenschauplatz. Wobei die Beziehung zwischen Clark und Lexa schon eine große Rolle spielt, das sie dadurch dass Lexa die Anführerin der Grounder (Bewohner auf der Erde) ist, eine Möglichkeit schafft, einen Krieg zu verhindern.
Ich mag besonders, wie alle diese Beziehungen als Selbstverständlichkeit betrachtet werden, wie das schwule Pärchen nicht überzeichnet weiblich dargestellt wird. Wie es einfach in keinem Moment ein Thema ist, ob die geliebte Person das gleiche oder das andere Geschlecht hat.
Die Serie spielt in der Zukunft (eine in vielen Dingen nicht positive Zukunft), eine Zukunft in der die Kategorisierungen der heteronormativen Zuordnungen einfach keine Rolle mehr spielen.
In diesem Punkt wünsche ich mir eine solche Zukunft: Eine Zukunft, in der es einfach egal ist, ob man einen Karl oder eine Karla liebt, in der es keine Rolle spielt und kein Thema ist, ob jemand homo-, hetero- oder bisexuell ist.
Und vielleicht ist es doch möglich, dass wir eine Zukunft außerhalb der Heteronormativität erleben werden!

Freitag, 14. April 2017

Manche Menschen sind eben anders

Einige Kommentare unter dem Artikel zum Thema Beziehungsformen haben mich mal wieder etwas zum Nachdenken angeregt. Konkret geht es um folgende Aussagen des Kommentators Shark:

Ich schrieb zunächst „Ich sehe dort [zwischen platonischer und romantischer Liebe] fließende Grenzen bzw. könnte nicht jede meiner Freundschaften eindeutig zuordnen.

Darauf Shark: „Das IST arrogant. Gegenüber den Leuten, die das eben schon einteilen können. Die eben schon eine scharfe Grenze zwischen platonischer und romantischer Liebe ziehen. Wenn du fragst, warum man das einteilen soll, dann frage ich dich, warum nicht? Es funktioniert doch für viele.“

Ich: „Weil ich den Zwang zur Kategorisierung als falsch empfinde antwortest du damit, dass diese Einstellung arrogant ist, weil andere Leute gerne kategorisieren wollen."

Shark: „Weil es gerne als irgendwie "höher entwickelt" dargestellt wird, diese Grenzen nicht mehr zu ziehen. Und das ist meiner Meinung nach arrogant, weil viele Leute diese Grenzen eben benötigen und auch gerne haben. Und das nicht zwangsläufig bedeutet, dass diese Menschen irgendwie konservativ oder spießig sind.“

Ja, es mag für viele funktionieren, für mich und wenige andere auch nicht und ich sehe ehrlich wenig Sinn darin. Ich sehe allgemein wenig Sinn darin Menschen oder deren Verhalten kategorisieren zu wollen. Andere Menschen brauchen das anscheinend, um irgendeine Sicherheit zu haben. Um klare Ordnungen und Kategorien zu haben, auf die sie sich verlassen können, um nie unsicher zu sein, in Zweifel zu geraten oder was zu riskieren.
Da heißt es immer ganz genau, Person X ist mein Freund, Person Y mein Partner und Person Z meine beste Freundin. Und für jede Kategorie gibt es genauestens festgelegtes Verhalten: Mit Partner oder manchmal auch Affäre tauscht man Zärtlichkeiten aus, mit Freunden gibt es zur Umarmung Begrüßungen bzw. unter Frauen manchmal auch mal ein Küsschen, aber das wars. Ansonsten bitte streng Abstand halten.
Jemand, der das durchbricht, sich nicht den Kategorisierungen unter ordnen will und selbst nicht kategorisiert (zumindest nicht so scharf), wird natürlich erstmal mit Argwohn betrachtet. Jemand, der sich selbst dann auch nicht in irgendwelche Kategorien einordnen will, ist einfach schwierig zu erfassen.
Es gibt Kategorien, in die ich mich einordnen kann (BDSM, bisexuell), aber bei anderen Punkten, habe ich keine bevorzugten Kategorien bzw. Präferenzen: ob Beziehungen sich beispielsweise Monogam geschlossen/offen oder poly entwickeln hängt für mich von der jeweiligen Person, dem/den Partnern und dem Zusammenspiel miteinander ab. Ich schließe weder das eine, noch das andere für mich aus. Ich mag einfach gerne so leben wie es mir in dem Moment gut tut, ohne darüber nachdenken zu müssen, ab das jetzt in irgendeine von der Gesellschaft gestellte/bevorzugte Kategorie passt.

Mit den Kategorien gehen anscheinend für viele Menschen auch Wertungen einher. So bemängelt Shark im Kommentar oben, dass der Verzicht auf Kategorien als „gerne als irgendwie höher entwickelt dargestellt wird“. Ich frage mich natürlich wie sie darauf kommt, mir ist das bisher noch nicht begegnet. Auch finde ich Wertungen bestimmter Einstellungen eher merkwürdig – ich kann das eben nicht nachvollziehen.
 
Generell habe ich Probleme damit, wenn Menschen Worte gleich mit irgendwelchen emotionalen Wertungen aufladen, die diesen Worten ursprünglich nicht inhärent sind. Ein Wort hat für mich zunächst einfach nur die ursprüngliche lexikalische Bedeutung – in den meisten Fällen weder positiv, noch negativ, sondern deskriptiv.
Da ich damit etwas häufig anders verstehe als die Mehrheit der Menschen, gibt es natürlich auch in der Kommunikation Probleme und Missverständnisse: Insbesondere wenn Menschen, in meine Worte Wertungen legen, die dort gar nicht ursprünglich vorhanden sind. Und mir dann diese Wertungen zum Vorwurf machen – wie es beispielsweise auch Shark in dieser Konversation getan hat (ein Großteil der Kommentare habe ich nicht mit hierher kopiert, da es auch um andere Themen ging, Gesamtzusammenhang kann unter dem Artikel
Beziehungsformen  nachgelesen werden):

Ich erwähne: „Konservativ bzw. spießig muss übrigens auch nicht zwangsweise wertend sein und ist unter anderem abhängig vom eigenen Standpunkt."

Shark antwortet: „So wie "emotional" angeblich nicht wertend ist?“

Miria: „Emotional bedeutet auch nur, dass man sich von Gefühlen leiten lässt und sagt nichts darüber aus, ob das gut oder schlecht ist. Ich würde sagen, in manchen durchaus sinnvoll, in anderen unangebracht. Wieso fasst du das als wertend auf?“

Shark: „Ich werde jetzt nicht Dreckwäsche waschen und dich auf die Beiträge von dir verweisen, in denen du andere als unsachlich und emotional bezeichnet und das sehr deutlich wertend gemeint hast.“

Miria: „Wenn du das als wichtig erachtest, kannst du das gerne machen. Ich habe es evtl. als für die Situation als unpassend empfunden und daher auch so kommuniziert. Das hat aber nichts damit zu tun, dass das pauschal wertend ist.“

Shark: „Das kannst du jetzt behaupten. Du kannst behaupten, dass du nichts wertend meinst. Aber ich denke ehrlich gesagt, das entspricht nicht der Wahrheit. Jeder wertet auf irgendeine Weise.“

Interessant finde ich hier insbesondere den letzten Satz: „Jeder wertet auf irgendeine Weise.“. Für mich bedeutet dass, dass sie pauschal davon ausgeht, dass andere Menschen die Welt zwangsweise ähnlich betrachten/einteilen wie sie es tut. Darin liegt meiner Meinung nach schon eine gewisse Arroganz. Arroganz, die allerdings bei den meisten Menschen, die mit ihrem Verhalten zur Norm/zum Durchschnitt gehören, vorliegt und von diesen oft nicht als solche gesehen wird.
Man selbst ist eben die Norm und es gibt keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen, ob eine Minderheit eben anders ist, anders funktioniert, anders denkt – für einen selber ist alles so wie es ist. Und selbstverständlich geht man davon aus, dass alle Menschen so sind.
Was ich in diesem Zusammenhang aber tatsächlich bedauerlich finde, ist nicht nur der Umstand, dass man von anderen annimmt, sie sehen die Welt ähnlich, sondern viel mehr, dass man die Gefühle und Meinungen von Menschen, denen es nicht so geht nicht respektiert und akzeptiert.
Dass man ihre Meinungen und Empfindungen nicht ernst nimmt, weil diese nicht in das eigene Schema passen (diese Kommentare sind in voller Länge zu finden unter dem Artikel „Wie wichtig ist eigentlich… Sex?“:

Miria: „Ich finde es übrigens auch sehr interessant, dass du oft wertest (und sogar davon ausgehst, dass alle Menschen das machen).“

Shark: „Ich werte nicht öfter als du. Du leugnest es nur, im Gegensatz zu mir.“

Warum?! Warum zum Teufel kann man nicht akzeptieren, dass es eben Menschen gibt, die anders sind?!
Wenn jemand euch erzählt, dass er Dinge anders sieht/anders fühlt, sich anders verhält als die Mehrheit der Menschen, dann hört doch zu! Kontakt mit Menschen, die nicht so sind wie man selbst, empfinde ich durchaus als Bereicherung: Es ist oft eine Möglichkeit die Welt mal mit anderen Augen, unter anderen Gesichtspunkten zu sehen.
Ich habe oft nicht verstanden, warum andere Menschen, mich falsch verstanden haben, sich angegriffen gefühlt haben oder ähnliches. Aber auch Shark hat dazu einen Beitrag geleistet, dass ich diese anderen Menschen ein wenig besser verstehe: selbst wenn sie selbst sich nicht darauf einlässt, zu erkennen, dass nunmal nicht alle Menschen so sind wie sie, war es für mich doch hilfreich.
Die Verknüpfungen von neutralen Worten mit emotionalen positiven so wie negativen Empfindungen finde ich äußerst interessant – auch wenn ich das nie vollständig verstehen werde.

Mittwoch, 12. April 2017

„Ich werde mir von der Kriegsangst nicht die Tagesordnung diktieren lassen!“

Dieses Zitat stammt von Lexa aus der Serie The 100. Und obwohl die Welt, in der diese Serie spielt völlig surreal ist und in einer Zukunft  in ca. 200 Jahren spielt, lässt sich das sehr gut auf die heutige Zeit und die reale Welt übertragen.
Viele Menschen – oft Frauen – handeln aus einer Angst heraus, beschränken sich und ihre Handeln selbst. Teilweise auch aufgrund unbegründeter Ängste.
Immer wieder begegnen mir von Frauen Aussagen wie

„Das ist aber ganz schon mutig, so allein als Frau!“

„ Da würde ich als Frau aber nicht alleine hingehen!“

„Hast du keine Angst ohne deinen Mann/Partner/Freund?“

Diese Damen lassen sich offensichtlich ihr Leben von ihrer Angst diktieren: Man geht nicht in bestimmte Straßen, Lokale – zumindest nicht alleine als Frau. Man geht nicht alleine weg – am besten sowieso nur noch in Begleitung eines Mannes, denn auch Freundinnen sind ja nicht immer der optimale Schutz. Schutz wovor eigentlich? Und wenn man als Frau doch mal was alleine erledigen muss und es evtl. schon  - kaum zu fassen, dass es das gibt – dunkel draußen ist, dann auf jeden Fall nie ohne Pfefferspray oder den Schlüssel als mögliches Schlagwergzeug in der Hand.

Ich persönlich stelle mir ein solches Leben schrecklich vor! Ich lasse mir von der Angst doch nicht mein Verhalten diktieren und mich einschränken. Natürlich kann mir etwas passieren (ja, ist es auch schon), das Leben ist nun mal nicht risikofrei.  Wer das möchte, muss sich am besten den ganzen Tag unter der Decke in seinem Bett verkriechen. In einem gepanzerten Haus…
Aber ebenso kann auch Männern etwas passieren. Überfallen werden generell gerne beide Geschlechter. Und auch die meisten Männer können sich in dem Fall nicht immer optimal wehren.
Auch ich hatte mal eine zeitlang immer den Schlüssel griffbereit, da war ich 14 und kurz zuvor fast vergewaltigt worden – aber hey, ich bin erwachsen geworden. Und viel besser als mit einem Schlüssel in der vor Angst verkrampfenden Hand kann man sich tatsächlich mit Worten vor den meisten (natürlich nicht allen) schützen.
Ich brauche auch keinen Mann, der mich dauerhaft begleitet und beschützt – ich bin eine erwachsene Frau und kann das ganz alleine!
Und wenn mich jemand ohne mein Einverständnis anpackt, dann mache ich demjenigen schon klar, dass er das nicht nochmal machen wird.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass eben nicht jede Frau so ein Selbstbewusstsein hat und sich entsprechend wehren kann. Manche Frauen brauchen wohl einfach Schutz durch Männer. Und Schutzräume und Extra-Parkplätze (gehbehindert bin ich anscheinend auch qua Geschlecht). Und damit das so bleibt, sind haufenweise Frauen und Männer immer wieder bemüht, allen Frauen zu erzählen, dass man dies oder jenes als Frau nicht kann. Dass man Angst haben muss in dieser schlimmen Welt – natürlich nur, wenn man eine Frau ist. Und dass man als Frau sowieso generell ganz arm und schwach ist ohne die Hilfe der großen starken Männer!
Ich wünsche mir, dass das aufhört! Ich wünsche mir, dass Frauen sich nicht mehr einreden lassen, dass sie irgendwas nicht könnten, nur weil sie eine Frau sind.
Ich wünsche mir, dass die Frauen ein kleines bisschen mehr sind wie Lexa!

Sonntag, 9. April 2017

Wie wichtig ist eigentlich... Sex?

Irgendwo meinte jemand, dass mir Sex ja ganz besonders wichtig sein müsste, wenn ich diesen auch in „Freundschaften“ bzw. mit mehreren Menschen auslebe.
Mich wundert diese Auffassung, da ich das genau anders interpretieren würde: Muss nicht Sex demjenigen ganz besonders wichtig sein, der Sex als so etwas Besonderes/Heiliges betrachtet, dass man es nur mit einer einzigen Person teilt. Und derjenige, der dann der Auserwählte ist, darf auch nur mit einem selber Sex haben. Das ist doch eigentlich eine eher merkwürdige Auffassung, wenn man so genau darüber nachdenkt…
Eigentlich ist aber doch demjenigen etwas viel wert, der es nicht teilen und stattdessen beschränken will.
Für mich ist Sex mit vielen interessanten Spielarten, tollen Menschen einfach schön. Entspannend, erregend, macht Spaß, ist aber nicht heilig. Warum auch.

Für viele Menschen scheint Sex entweder heilig oder versaut zu sein:

-          Es ist so etwas Wichtiges und Besonderes, dass man es ja nicht mit zu vielen Menschen macht.  Erst recht nicht, wenn man eine Beziehung hat.

-          Ein Tabu, über das man natürlich nicht spricht.

-          Wer viel oder wahlweise auch ungewöhnlichen Sex hat, ist wohl (warum auch immer) moralisch irgendwie fragwürdig (wobei ich da auch Neid für möglichen Ursprung halte)

Bei vielen Streitereien in Beziehungen (Menschen, die sich angeblich lieben!) geht es um Sex bzw. um kein Sex, zu wenig Sex, schlechter Sex… scheint wohl doch enorm wichtig zu sein.
Sex ist für mich kein Grund zu streiten: Wenn er gut, erregend, aufregend ist, dann habe ich gerne auch mal Wiederholungsbedarf. Wenn er langweilig, schlecht ist, dann gibt’s keine Wiederholung. Was ist daran jetzt so schwierig?
Und wenn man das zweite innerhalb einer Beziehung hat, sollte man lieber miteinander reden statt sich gegenseitig zu verarschen und betrügen. Viele Menschen scheinen aber wohl einfach folgendes zu denken:

„Der Sex in der Beziehung ist schlecht, also suche ich mir doch eine andere Möglichkeit für guten Sex. Der eigentliche Partner darf davon aber nichts erfahren, das würde ihn ja verletzen. Aber mit meinem Partner darüber zu reden, das mache ich dann auch nicht, das könnte ja kompliziert sein und vielleicht stellt sich ja raus, dass es unter anderem auch an mir liegt. Dem gehe ich lieber aus dem Weg.“

Scheint für die meisten wohl doch irgendwie verdammt wichtig zu sein, wenn man für guten Sex seinen Partner belügt und betrügt….

Sonntag, 26. März 2017

Rassismus? Fremdenfeindlichkeit?

„Wenn jemand hierher kommt und in Deutschland leben will, dann soll der doch auch die deutsche Sprache lernen! Ich kann das überhaupt nicht leiden, wenn Menschen hier zehn Jahre leben und dann nicht mal die Briefe vom Amt oder den Stadtwerken lesen können!“

„Schau dir mal an, wie die ganzen Ausländer sich hier benehmen! Da muss man sich doch nicht wundern, wenn so viele was gegen Ausländer haben! Am besten diese ganzen Verbrecher rausschmeißen“

„Wenn ihr Land so geil ist und Deutschland so scheiße, dann sollen die sich doch wieder in ihr eigenes Land verpissen!“

Sind diese Zitate rassistisch, fremdenfeindlich?
Ich denke, es ist wichtig, sich in einem Land verständigen zu können, gerade behördliche Briefe muss man lesen und verstehen können. Wenn man sich in einem Land aufhält bzw. dort dauerhaft leben möchte, dann sollte es das oberste Gebot sein, die entsprechende Sprache zu sprechen.
Ich lebe in einem Land bzw. einer Provinz mit zwei offiziellen Amtssprachen – eine davon fließend zu sprechen ist hier glücklicherweise (mit Ausnahme einiger Berufe) ausreichend.
Ich spreche die eine Amtssprache, die, welche in meiner Gegend hauptsächlich von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen wird, fließend. In der zweiten Amtssprache kann ich keine interessanten, komplexen Gespräche führen, mich aber relativ gut verständigen. Was behördliche Briefe etc. angeht, wäre das allerdings nicht nötig.
Wenn ich in ein Land auswandere, dessen Sprache ich nicht spreche, so versuche ich diese selbstverständlich zu lernen, da ich mich selbst ja sonst auch ziemlich hilflos fühlen würde.

Wenn ich mich kriminell verhalte, werde ich bestraft – wie jeder andere. Gefängnisstrafen sind allerdings häufig auch mit entsprechenden Kosten für ein Land/Staat verbunden. Wenn Menschen in ein anderes Land kommen, sich aber nicht dort integrieren möchten, sondern nur kriminellen Machenschaften nachgehen, was spricht dagegen, sie rauszuwerfen?
Kriminelle gibt es doch in jedem Land bereits genug. Wenn ich Besuch Zuhause habe und dieser Besuch beleidigt oder bestiehlt mich, was würde ich tun? Natürlich ihn rauswerfen. Und das erst recht, wenn ich den Besuch netterweise aufgenommen habe, da er sich in einer Notlage befunden hat. Gerade Menschen, die tatsächlich in einer Notlage sind und deshalb um Asyl ansuchen, werden meist nicht kriminell – sie wissen die Möglichkeit, in Sicherheit zu sein, zu schätzen. Kriminell werden diejenigen, die über die tatsächlichen Hintergründe täuschen und bereits mit dem Ziel, sich entsprechend zu verhalten, nach Europa kommen.

Und zum letzten Zitat: Wenn es mir in einem Land nicht gefällt, ich denke, dass ein anderes Land besser ist, dann gehe ich. Warum sollte ich bleiben, über das Land meckern und das andere Land in den Himmel loben, statt mich selbst glücklich zu machen und einfach zu gehen.
Ich habe es bereits getan: Mir gefiel es in Deutschland nicht – ich bin gegangen. Natürlich ist auch in Italien nicht alles gut, aber einiges passt hier definitiv besser zu mir.

Zu den oben genannten Zitaten bzw. zu den dort zitierten Personen noch ein paar interessante Fakten, damit man diese vielleicht besser einordnen kann. Keine der Personen ist ein rechtsradikale Nazi, NPD-Wähler oder ähnliches, sondern:

Das erste Zitat stammt von einem in Kasachstan geborenen und aufgewachsenen Russen, der im Alter von 15 mit seinen Eltern in Deutschland eingewandert ist. Er spricht so gut Deutsch, dass er gerne auch meine Grammatik verbessert und hat sich hier über seine Eltern aufgeregt, da er ihnen ständig bei Briefen aufgrund der Sprache helfen muss. Das obwohl die Familie bereits seit über 10 Jahren in Deutschland ist und inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit hat.

Das zweite Zitat stammt von einem in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Mann, türkischer Staatsbürger. Der sich darüber echauffierte, dass er unter Rassismus und Vorurteilen leiden muss, da viele andere, sich offensichtlich daneben benehmen/kriminell werden und Deutschland das duldet. Das Zitat wurde im Zusammenhang mit tatsächlich kriminellen Bekannten genannt und nicht als pauschales Vorurteil.

Das letzte Zitat stammt von einer jungen Frau, geboren in Paraguay, die ersten Jahre ihres Lebens im Busch bei den Guarani-Indianern aufgewachsen, Kindheit in Deutschland verbracht. In der Jugend aufgrund behördlicher Probleme wieder zwei Jahre im Busch in Paraguay gelebt. Inzwischen hat auch sie die deutsche Staatsbürgerschaft und ist froh hier zu leben, da es in Paraguay so etwas wie einen Rechtsstaat nicht gibt und einfach derjenige Recht bekommt, der die besten Beziehungen oder genug Bestechungsgeld hat. Als jugendliches Mädchen ist man dort allem hilflos ausgeliefert (mehr ins Detail möchte ich hier nicht gehen).
Das Zitat ist im dem Zusammenhang gefallen, dass einige syrische Kurdinnen, die bereits in Deutschland geboren sind, sich darüber aufgeregt haben, wie scheiße doch Deutschland ist und das Kurdistan viel toller sei. Und wer Deutschland bzw. dort leben zu können nicht zu schätzen weiß oder der Meinung ist, woanders ist es so viel schöner, sollte doch dorthin gehen!

Ich habe diesen Artikel geschrieben, um deutlich zu machen, dass nicht immer alles nur schwarz oder weiß ist, sondern viel mehr ein großes Grau. Nicht jeder, der sich über Ausländer oder deren Verhalten aufregt ist automatisch Rassist – manchmal sollte man genauer hinschauen. Und manchmal vielleicht einfach mal darüber nachdenken, was Menschen zu welchen Aussagen bewegt und ob sie nicht vielleicht ein kleines bisschen Recht haben.

Freitag, 24. März 2017

Wie Männer übergriffiges Verhalten relativieren

In der Kommentardiskussion unter meinem Artikel „BDSM für Einsteiger“ ging es um die Beziehung von Anastasia und Christian Grey aus dem Bestseller „50 Shades of Grey“. Da ich die Meinung geäußert habe, dass ich diese Beziehung für eine missbräuchliche halte. Dass die Beziehung eine missbräuchliche ist, mache ich unter anderem daran fest, dass er ihren Willen bezüglich ihres Autos ignoriert und einfach ihr Auto verkauft. Weitere Beispiele waren, dass er sie stalkt während sie ihn nicht sehen will und auch generell alles bestimmen will.
Daraufhin schreibt Kommentator „Lolli“ folgende Aussage:

„Daraus aber nun wider irgendwas Negatives zu konstruieren, weil er (!) ihre Schrottkarre durch ein schönes neues Auto ersetzt (korrigier mich, wenn ich falsch liege), ist schon sehr weit hergeholt. Und super-*dumm*, wenn man das mal logisch durchdenkt - oder? Denk doch mal selber nach: Du magst Dein Cabrio. Schön. Würdest Du Dir *nicht* super-blöde vorkommen, wenn das jetzt jemand durch einen "da passt Du viel besser dazu" Bentley Continental ersetzen würde, und Du darüber meckerst? *Echt* jetzt?“

Und im ersten Moment dachte ich wirklich: „Das kann der doch nicht ernst meinen!“, aber anscheinend doch. Ich frage mich wirklich, ob es noch andere Menschen gibt, die diese Meinung vertreten, die nicht erkennen, dass das eindeutig übergriffiges Verhalten ist!
Es geht eben nicht darum, dass da ja ein netter, toller Mann ist, der ihr etwas Gutes tun möchte, sondern dass das, was er tut, ihr nur aus seiner Sicht gut tut und sie das eigentlich gar nicht will.
Und wenn mir jemand  mein schönes Cabrio durch einen Bentley Continental ersetzen würde ohne, dass ich dem zugestimmt hätte bzw. obwohl ich mich zuvor klar dagegen geäußert habe, dann würde ich nicht nur meckern, sondern mich auch mit ziemlicher Sicherheit von demjenigen trennen!
Dieses Verhalten zeigt nämlich nicht: „Ich hab dich gern und kümmere mich um dich bzw. möchte dir etwas Gutes tun!“, wie es der Kommentator anscheinend glaubt. Dieses Verhalten zeigt „Mir ist egal, was du willst, ich mache, was ich will! Ich respektiere deinen Willen/dich nicht! Ich setze mich einfach über dein Nein hinweg!“
Was soll ich mit einem Mann, der meinen Willen nicht respektiert?! Woher soll ich wissen, dass er in einer anderen Situation dann noch ein „Nein“ akzeptiert? Woher soll ich wissen, dass er dann nicht beispielsweise auch sexuell übergriffig wird. Der Schritt ist in dem Moment ja kein großer mehr…

Vielleicht sollten sich die Männer, die ähnlich denken wie „Lolli“ mal folgende Situation vorstellen: Du hast seit fünf Jahren ein tolles gut funktionierendes Blackberry Handy, mit dem du ganz wunderbar arbeiten kannst und alles funktioniert. Deine Freundin ist aber der Meinung, du müsstest dich mal von dem alten Teil trennen und etwas moderneres muss her. Du sagst ihr, dass du damit seit Jahren gut arbeitest und sehr gut klarkommst und kein Interesse an einem neuen Telefon hast. Daraufhin kauft deine Freundin das neueste I-Phone für dich und wirft dein altes Blackberry einfach weg. (Wir gehen davon aus, dass alle Daten zuvor übertragen werden).
Würdest du ein solches Verhalten nicht als übergriffig, sondern tatsächlich als toll und nett empfinden? Das würde mich jetzt tatsächlich wundern.

Der Kommentar geht ähnlich skurril weiter:

„Abgesehen davon, dass "ohne, dass sie dem zugestimmt hätte" vollkommener Unsinn ist: das halbe Buch besteht aus irgendwelchen Vereinbarungen, die er haben will, sie aber nicht geben will - und *nicht gibt* (mein Eindruck).“

Anscheinend hat er ja den gleichen Eindruck vom Buch wie ich ihn habe, weigert sich aber dennoch zu erkennen, dass es sich bei dem Verhältnis der beiden um eine Missbrauchsbeziehung handelt. Nur weil er mehrmals über ihren Willen hinweg handelt, ist das doch noch lange nicht in Ordnung!
Und was viele anscheinend nicht erkennen, der kleine feine Unterschied zwischen Missbrauch oder nicht ist der gleiche wie der zwischen Sex und einer Vergewaltigung: die Einvernehmlichkeit bzw. Zustimmung aller Beteiligten.

Ich habe auch den Eindruck, dass der Kommentator der Meinung ist, Geld und Reichtum sei tatsächlich etwas, womit man Frauen locken und behalten kann. Und wenn man das hat, sei es egal, wie man sonst so mit Frauen umgeht, sie haben ja ein tolles Auto, tolle Geschenke etc.
Aber glaubt mir, mit so etwas kann man evtl. einige wenige dumme Frauen beeindrucken, aber der Mehrheit sind sicher andere Dinge wichtig. Allen voran, dass ein Mann die Frau als gleichwertigen Menschen sieht, ihren Willen und ihre Entscheidungen respektiert und nicht einfach übergeht!

EDIT:
Weil das in einer Paralleldiskussion aufgekommen ist: Ich habe nichts gegen "Lolli", kenne ihn nicht gut genug dafür.
Seine Kommentare sollen hier lediglich als Beispiel dienen für eine Einstellung, die mir bei vielen Menschen bereits häufiger begegnet ist: Wenn der Mann dir doch "was Gutes tun will", dann freu dich - unabhängig davon, was du willst.
Und dies empfinde ich eben als übergriffig!
Also bitte @Lolli, ich würde mich auch freuen, wenn du dich hierzu äußerst und das nicht als persönlichen Vorwurf an dich auffasst!

Mittwoch, 22. März 2017

Echte Frauen und das böse Photoshop

Schon wieder begegnete mir eine neue Werbekampagne , die doch – ganz revolutionär – nun echte Frauen zeigen sollte. Echte Frauen in einer Bikiniwerbung. Also echte Frauen am Strand, echte Frauen unter Palmen und alles ganz toll echt.
Ich frage mich bei solchen Bezeichnungen immer gerne, was sonst alles so unecht ist an Bikini-Models. Aber die Antwort wird natürlich sofort gegeben: Photoshop! Denn Photoshop ist böse…

Wo zum Teufel ist das Problem mit Photoshop? Ich finde ein unbearbeitetes Bild mehr so naja. Kann man natürlich machen, wenn man genau darauf die ganze Kampagne aufbaut und versucht, so die Damen zu gewinnen, die sowieso immer gegen Photoshop sind, weil keine Frau auf den Bildern aussieht wie sie.
Aber generell macht Photoshop (oder natürlich wahlweise ein anderes Bearbeitungsprogramm) natürlich den Unterschied zwischen einfacher Urlaubsfotografie und professionellen Bildern. Kein guter Fotograf verzichtet heutzutage auf dieses tolle Hilfsmittel. Und wenn ich beispielsweise ein TFP Shooting (Time for prints – es fließt kein Geld von keiner Seite) mache und der Fotograf würde die Bilder nicht bearbeiten, würde ich mir auch irgendwie verarscht vorkommen.
Schnappschüsse kann ich auch selber mit dem Selbstauslöser oder der Selfiekamera.
Dabei ist es im Normalfall nicht so, dass bei Fashion oder auch Streetfotografie die Bearbeitung bis zur Unkenntlichkeit ausgereizt wird. Normalerweise wird ein wenig an Kontrast, Schärfe, Licht etc. gearbeitet und auch Hautunreinheiten werden entfernt. Also kein professioneller Fotograf macht mit Photoshop aus einem 100kg Model, eines mit 50kg – außer natürlich die Gegner von Photoshop, die damit zeigen wollen, was so böse und schlimm an Photoshop ist.
Wenn es um künstlerisch gestalterische Bilder geht, dann kann Photoshop natürlich auch etwas weiter genutzt werden, z.B. für interessante, märchenhafte Composings. Aber wo ist dabei das Problem? Das ist eben eine neue moderne Art der Kunst. Und jedem Betrachter wird schnell klar sein, dass das Model nicht wirklich auf einem Einhorn daher reitet oder mit einem Minotaurus kämpft.
Angeblich ist das Problem von Photoshop in der Werbung aber, dass Frauen diese Plakate betrachten und ein Ideal sehen, welches sie selbst erreichen wollen und das frustriert dann.
Ist ja auch nicht klar, dass Models geschminkt und die Bilder bearbeitet werden – die sehen täglich so aus, wenn sie aufwachen. Für so blöd scheinen die Gegner von Photoshop zumindest die Mehrheit der Frauen zu halten, wenn sie fordern, Werbung ohne Photoshop oder Bilder die gephotoshopped sind, entsprechend zu kennzeichnen.  Man könnte ja auch einfach immer ein Einhorn ins Bild photoshoppen, um dem Betrachter zu zeigen: Hey, hier stimmt was nicht ;)
Vielleicht sollte sich jede Frau, die tatsächlich meint, in der Werbung ein unerreichbares Bild präsentiert zu bekommen, mal ein Fotoshooting bei einem guten Fotografen gönnen, dann gibt’s nämlich oft auch Bilder, die annährend einem Magazin entsprungen sein könnten.
Und im Übrigen heißt ohne Photoshop noch lange nicht „natürlich“, denn keine normale Frau lässt sich jeden Morgen ein bis zwei Stunden von einer professionellen Visagistin schminken. Und auch die haben es drauf – was Hautunreinheiten etc. angeht teilweise durchaus ähnlich gut wie Photoshop.
 
Ich denke, ich bin immer echt auf meinen Bildern – egal ob Urlaubsschnappschuss, professionelles Fashionfoto oder Composing. Echte Frauen bleiben echte Frauen! Und auch Models sind echte Frauen!